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Steve Hackett Genesis Revisited Tour 2013 Interview

Steve Hackett Telefon-Interview

Über Genesis Revisited II und die bevorstehende Tour


Steve Hackett steht vor einer der größten Tourneen, die er je unternommen hat. Zum ersten Mal wird er mit seiner Band nur Genesismaterial spielen, zum ersten Mal hat er einen Leadsänger dabei und – die Tour wird äußerst erfolgreich werden. Viele Konzerte sind ausverkauft, es sind größere Hallen als bei den vorigen Touren und die Anzahl der Shows nimmt von Woche zu Woche zu. Grund genug, mal mit Steve über Genesis Revisited und das Konzept für die neue Liveshow zu sprechen. Steve stand uns am Sonntag, dem 17. März 2013, telefonisch für ein Interview zur Verfügung.


it: Steve, bei diesem Interview möchten wir uns auf das Genesis Revisited-Projekt konzentrieren. Fangen wir mit dem Album an. Warum hast du dich entschieden, das Material auf dem zweiten Genesis Revisited-Album näher an den Originalarrangements zu halten? Das erste Album hatte ja einen experimentelleren Zugriff.

Steve: Das zweite Album … hat zwei Stoßrichtungen. Einmal sollte es eine authentische Darstellung der Songs bieten, und dann sollte es auch als Werbung funktionieren. Ich wusste, dass ich mit dem Material auf Tour gehen wollte, und ich wollte, dass die Leute wissen: Wir machen da nicht irgendeine Jazzinterpretation draus, sondern, wenn sie zum Konzert kommen, dann erleben sie etwas, das den Originalen sehr treu ist. So wie wir dasselbe Material interpretiert haben, das wir 1971 oder 1972 aufgenommen und dann 1977 live gespielt haben. Hier uns da mag es einige Änderungen gegeben haben, aber die sind ganz nah am ursprünglichen Konzept.


it: Wollt ihr die Stücke dann live flexibler arrangieren?

Steve: Nein, ich habe nicht die Absicht, die Arrangements zu lockern. Der Plan sieht so aus, dass wir die Stücke so originalgetreu spielen wie möglich, gelegentlich mal Solos tauschen und kleine Improvisationen einflechten, aber die Grundidee ist, dass es so gespielt wird.


it: Dann wird auch das Material vom ersten Revisited-Album in Versionen gespielt werden, die näher am Original sind?

Steve: Ich denke schon. Dance on A Volcano beispielsweise ist sehr nah am Original – einschließlich dem Ende, das war ja ein Teil davon auf A Trick Of The Tail. Das war so eine Sache, die wir eine Zeitlang mit Genesis gemacht haben, dass das Ende wegfiel und wir es als Übergang benutzt haben. Ein bisschen spielen wir schon herum mit manchen Sachen, mit Los Endos zum Beispiel. Das funktioniert auch als Improvisation.


it: Bei den Sängern auf dem Album hast du ja einige der üblichen Verdächtigen aus dem Proggeschäft dabei, aber auch überraschende Namen wie Nik Kershaw. Wie hast du sie ausgesucht?

Steve: Ich habe mir die Sänger nach und nach gesucht. Ich musste da auch mit den Leuten arbeiten, die am stärksten auf die ursprüngliche Idee reagierten. Bis zur letzten Minute wusste ich nicht, ob Conrad Keely singen würde, und Simon Collins kam auch erst spät dazu. Wir haben ein bisschen länger gebraucht, bis das alles fertig war, vor allem mit Leuten aus den USA. Viele andere wiederum, John Wetton zum Beispiel, sind alte Freunde, mit denen ich früher schon gearbeitet habe. Mit Mikael Akerfeldt und Nad Sylvan habe ich noch nie gearbeitet. Ich fand es sehr spannend, wie sie arbeiten und wie sie das Material interpretieren; genauso Francis Dunnery, obwohl der ja Engländer ist, der hat mit Dave Kerzner in den USA gearbeitet und seine Sachen rübergeschickt. Viele dieser Gesangslinien haben mich überrascht. Wenn man direkt neben dem Sänger steht, wenn er sein Ding macht, so wie John Wetton – der arbeitet gerne von Angesicht zu Angesicht. Aber viele Sänger machen das anders, die arbeiten lieber daheim und schicken ihre Sachen dann vorbei. Das ist oft vorgekommen. Ich habe auch etwas mit Ray Wilson für eine andere Version des Albums gemacht. InsideOut möchte ein Album mit einer CD machen, eine Kurzfassung des Albums. Das wird dann eine CDs sein mit den Highlights vom Album, und mit Ray habe ich eine Fassung von Carpet Crawlers aufgenommen. Er wird ja auch bei drei Konzerten dabeisein. Die Liste ist da recht flexibel. Und ja, mit Nik Kershaw zu arbeiten ist schön. Da gibt es dann Leute, die man erwartet, und andere, die man nicht erwartet hat. Es war ziemlich kompliziert, das Album innerhalb des zeitlichen Rahmens fertigzubekommen.


it: Da du gerade die neue Version von Carpet Crawlers mit Ray Wilson erwähnst: Wie hast du den Kontakt hergestellt?

Steve: Wir haben uns schon ein paarmal unterhalten, ich habe ihn dann angesprochen, ob er bei diesem Stück singen würde und er meinte, klar, gerne. Er hat's gesungen und zwar wirklich großartig.


it: Und das Stück ist dann auf der besonderen Version von Genesis Revisited II mit nur einer CD?

Steve während des InterviewsSteve: Da wird es dann drauf sein, ja. Es ist nur eine andere Fassung von dem Album. InsideOut kamen mit der Idee an, besonders für bestimmte Verkaufsorte, die nicht unbedingt Plattenläden sind. So haben sie dann mehr Möglichkeiten, das Produkt zu plazieren.


it: Warum war Ray eigentlich bei dem Doppelalbum nicht dabei?

Steve: Die Idee dazu ist uns erst ziemlich spät gekommen. Es ist ein eher fließendes Konzept mit fortlaufenden Besetzungsaufrufen, auch wenn ich es dann live spiele. An manchen Orten werden Gäste dabei sein. Ray stößt in Glasgow, Mailand und München dazu.


it: Hast du schon entschieden, was er singen wird?

Steve: Das wissen wir noch nicht. Wir tauschen uns gerade per E-Mail darüber aus, welche Songs gut für ihn wären. Er möchte eine gewisse Flexibilität bei der Auswahl der Stücke haben. In Stein gemeißelt ist da noch nichts.


it: Du hast ja auch Gastmusiker dabei. Vermutlich habt ihr nicht viel Zeit, damit sie ihre Partien einüben können. Darauf zielt meine Frage ab: Planst du das im Voraus oder entscheidet sich, was sie spielen, mehr beim Soundcheck, was klappt und was nicht?

Steve: Darauf könnte es hinauslaufen, wir müssen da offen bleiben. Es gibt auch noch eine weitere Show in Aylesbury. Wenn die Leute Zeit haben, können wir es arrangieren, dass sie zu diesem Konzert kommen zum Proben, damit es im Hammersmith glatter läuft. Wir proben gerade mit der Band. Man versucht natürlich alles möglichst perfekt zu machen. Wenn man Gäste hat, muss man das natürlich entspannter handhaben. Wenn man dann sozusagen noch ein Kaninchen aus dem Hut zieht, hat man dann ja den Vorteil des Überraschungsmoments. Umgekehrt verliert man vielleicht etwas Präzision. So ist das bei Auftritten, wenn man live spielt, und da liegt eben auch das Risiko, wenn man auf die Bühne geht. Es ist auch das Spannende. Man geht das Risiko ein, weil es einem eine ganz andere Energie gibt.


it: Die Fans fragen – und jetzt, da Ray dabei ist, kommt die Frage logischerweise wieder hoch: Hast du überlegt, Tony oder Mike zu fragen, ob sie mitmachen möchten?

Steve: Nicht ernsthaft. Ich habe das früher schon versucht und bin dort auf Widerstand gestoßen; also hatte ich meine Antwort schon bevor ich überhaupt gefragt habe.


it: Kommen wir zur Tournee zurück. Wird es noch weitere Shows in Nordamerika geben?

Steve: Ja, während wir sprechen, kommen weitere Konzerte in Nordamerika hinzu. Da ist meine Antwort ein ganz klares Ja! Viele Leute schreiben und fragen „Warum kommt du nicht in meinen Heimatort“. Die Welt ist einfach groß, und es geht weiter. Ich kann nicht überall hin. Ich freue mich sehr über die Orte, an denen wir spielen. Und es läuft gut. Ich staune wirklich über das Echo. Die Konzerte sind fast überall ausverkauft. Das ist ein unglaubliches Gefühl, kann ich euch sagen.


Genesis Revisited live in Japanit: Du spielst auch in Japan. Kommen weitere Konzerte in der Region dazu?

Steve: Unter Umständen kommen weitere Auftritte dazu, aber die „Region“, von der du sprichst, ist riesig, der gesamte Ferne Osten. Wir versuchen schon, das Netz sehr weit zu spannen. Ich habe ja zwei Agenten, Wayne Forte in Amerika und John Giddings in England. Die beiden kontaktieren untereinander die gesamte Welt. Der Ferne Osten ist gewaltig. Manche Fans haben da auch ein bisschen diese falsche Vorstellung, dass ich einfach zum Telefonhörer greifen, irgendwo anrufe und ein Konzert verabrede. So läuft das eben nicht, es ist ein Geschäft zwischen den Agenten und den Promotern. Die verhandeln miteinander, und wenn der Preis stimmt und es wirtschaftlich machbar ist, sagen wir zu. Das ist eine Welt der Finanzen und Verträge. Ich würde allerdings gerne überall hingehen; in Australien war ich beispielsweise noch nie, da möchte ich sehr gerne hin. Wir haben auch einige Angebote, aber die müssen auch stimmen – wir müssen ja die Band und die Ausrüstung transportieren, das ist sehr teuer. Es ist schon teuer, einen Tag zu proben. Mit diesen Dingen muss ich sehr pragmatisch sein. Ich würde gerne überall spielen, glaubt mir, wenn ich 365 Tage im Jahr touren müsste, wäre ich verrückt genug, ja zu sagen. Aber es geht nicht nur um mich.


it: Der zweite Tourabschnitt in England gegen Ende des Jahren war überraschend. Ist das dann das Ende der Tour oder können sich die europäischen Fans auf weitere Konzerte nach denen in Großbritannien freuen?

Steve: Im Moment lasse ich das offen. Wir haben diese Zusatztermine in England angesetzt, weil die Reaktionen so positiv waren. Hammersmith war fast sofort ausverkauft. Darum spiele ich auch in der Royal Albert Hall. Aber ich vermute, dass danach keine weiteren Konzerte in Europa mehr dazu kommen in diesem Jahr. Wer die Show wirklich sehen möchte, und zwar wenn sie am besten geprobt ist, dem empfehle ich vor allen Dingen die Show in der Albert Hall. Vielleicht kommt John Giddings auch noch mit Zusatzterminen am Ende des Jahres an, dann muss ich eben alle fragen. Im Moment ist nichts zu hundert Prozent fix. Weitere Angebote von John Giddings oder Wayne Forte schaue ich mir immer an.


it: John Giddings ist ja ziemlich bekannt, seit er für Genesis und Phil Collins die großen Tourneen organisiert hat und letzthin auch für die Mechanics. Wie kam der Kontakt zustande?

Steve: Er mag die Musik von Genesis und ist ein Gitarren fan. Ihm gefällt meine akustische Arbeit genauso wie die auf der E-Gitarre. Seine Verbindung zur Band reicht ja zurück bis in die frühen 70er Jahre. Er hatte mit Genesis zu tun, und ich habe ihn angerufen. Ich sagte: „Pass auf, ich habe hier eine Idee, die ich mit dir durchsprechen möchte“, und er sagte: „Ich habe ein Video von dir in Estland gesehen, wie du vor einem gewaltigen Publikum Akustikgitarre spielst“. Er dachte, ich würde mit so etwas ankommen, und wollte auch solche Konzert machen, aber ich sagte ihm, dass ich eine viel weiterreichende Idee hätte. Ich halte mich selbst jetzt nicht für Genesis, aber ich kann ganz sicher eine Genesis-Show so rüberbringen, dass sie genauso authentisch ist wie die von 1977, als Phil den Job von Peter Gabriel übernahm, als Genesis schon … ich möchte nicht sagen: eine Art Tributeband ihrer selbst waren, aber schon die Anpassungen machten, damit den Leuten bewusst wurde, dass wir dasselbe Material spielten wie als Peter noch in der Band war. Die Genesis-Fans waren glücklicherweise flexibel genug, das zu akzeptieren. Der größte Star in Genesis ist die Musik. Ich habe damals viele Jahre mit der Band geschrieben und gearbeitet und versucht, die Band und die Show zu meiner Vorstellung von einer perfekten Band und Show zu machen. Natürlich habe ich alles, was ich seitdem gemacht habe, mit dem Ziel gemacht, mich selbst im Musikgeschäft zu positionieren, aber ich glaube nicht, dass man die beiden Dinge trennen kann. Man kann nicht festlegen, was mein Teil in Genesis war und was Genesis bei mir ist. Das ist alles vermischt. Ich glaube, dass das auch niemanden mehr interessiert. Letztendlich ist es so: wenn dir die Musik gefällt, gehst du zum Konzert, die Neuinterpretation könnte dir gefallen, die Beteiligung eines Orchesters, die größere Varianz an Sängern … Wenn andererseits jemand findet, dass die perfekte Version von Genesis nur Nursery Cryme von 1971 ist und nur Peter Gabriel das bringen kann – dann akzeptiere ich diese Meinung.  Aber Genesis haben sich schon als Musiklizenzunternehmen entpuppt, das durch die ganze Welt reist. Es gibt mehr Tributebands von Genesis als von irgendeiner anderen Band. Der Grad der Theatralik und die Qualität der Musik haben viele verschiedene Lineups und Interpretationen überlebt. Es gibt immer noch viele Fans, die diese Musik innig lieben. So wie mich. Ich liebe diese Musik. Sonst würde ich mich nicht da hindurchquälen, mich an jede einzelne Note erinnern zu wollen, um das alles mit dem  nötigen Können und der nötigen Professionalität machen zu wollen. Ich mache das, weil ich immer noch leidenschaftlich damit zu tun habe.


Steve beim Interviewit: Das Einzigartige an Genesis besteht darin, dass fast alle Mitglieder Solokarrieren mit verschiedenen Musikarten haben. War es schwierig für dich, sozusagen aus dem „Solokünstler-Modus“ wieder umzuschalten und die Genesis-Sachen zu machen?

Steve: Das kam ganz natürlich. Ich habe angefangen, mehr und mehr Genesis-Stücke in meinen Shows zu spielen, und niemanden hat es gestört. Es gab keine Beschwerden. Da war es nur natürlich, von einem Drittel Genesis-Songs auf 100 Prozent zu gehen. Es hält mich den Rest des Jahres beschäftigt. Gleichzeitig schreibe ich aber neues Material. Ich möchte ganz bestimmt nicht nur noch der Kurator in meinem selbstgebauten Museum sein. Das wäre sinnlos. Ich mache das jetzt mal eine Weile. Und ich freue mich darauf. Und ich hoffe, dass das ganze Publikum auch in der Band ist, mitsingt, mitklatscht, das gehört ja auch dazu. Wie gesagt: Die Musik ist viel größer als alle Mitglieder der Band. Die Musik ist der Star und die Erinnerung.


it: Wirst du auch Solosachen einflechten?

Steve: Wir werden uns an Genesis halten. Wenn Amanda dabei ist, werden wir Shadow Of The Hierophant mit ihr spielen; das Stück habe ich ja sowieso mit Mike Rutherford gespielt. Es ist von meinem ersten Soloalbum, wo bei diesem Song drei Mitglieder von Genesis mitgespielt haben. Wir haben es damals auch mit Genesis geprobt. Der Teil am Ende ist eigentlich Mike Rutherfords Idee, und ich habe es neu und schneller arrangiert. Das hat was … Wenn man eine Kreuzung zwischen Beethoven und den Beatles hätte, dann hätte man ein Gefühl, um was es in diesem Stück geht. Das werde ich also spielen, wenn sie dabei ist. Das wird aber selten sein; sie hat Verpflichtungen daheim, das muss ich respektieren. Also wird so ziemlich alles zu 100% Genesis-Material sein. Es mag eine gelegentliche Abweichung im Material geben, aber im Großen und Ganzen wird es genau das geben.


it: Zum ersten Mal hast du einen Leadsänger dabei. Wird Nad alle Stücke singen?

Steve: Die meisten. Gary wird auch ein paar singen. Und beide singen Begleitharmonien, auch mit Lee Pomroy. Bei dieser Show bin ich nur der Gitarrist. Ich bin nicht der Sänger. Ich erinnere mich noch, wie Phil Collins, als wird überlegten, The Lamb Lies Down On Broadway live zu bringen, sagte: „Ich will nur der Drummer sein.“ Und das Wichtige für mich ist es eben auch irgendwie, dass ich mich darum kümmere, dass meine Gitarrenparts stimmen und nicht, dass ich von irgendwas anderem abgelenkt werde. Und die Gitarrenparts an sich sind wirklich schon kompliziert genug, das könnt ihr mir glauben.


it: Als du in den 90ern einige Shows mit dem ersten Revisited-Album gemacht hast, saß Chester Thompson am Schlagzeug. War er auch jetzt im Gespräch, vielleicht als zweiter Schlagzeuger?

Steve: Ja, wir haben uns das überlegt, aber wir mussten uns auch überlegen, wie viele Leute wir in der Band haben wollten. Und da dachten wir noch, dass Amanda mitkommen würde, so dass die Würfel recht früh gefallen sind. Also haben wir bei den Konzerten einen Drummer, nämlich Gary. Natürlich kann es sein, dass ich, wenn ich weitere Konzerte mache, dann zwei Schlagzeuger habe und die Show so aktualisiere. Aber im Moment spielen wir mit einem Schlagzeuger. In der Anfangszeit hat ein Schlagzeuger ja auch gereicht. Das scheint mir auch der praktischste Weg zu sein. Mir ist klar, dass die Besetzung mit zwei Schlagzeugern populär ist, auch bei den Tributebands, aber das hier ist aktuell meine Interpretation.


it: Zwei Schlagzeuger zu haben war ja beliebt, vor allem als Phil die Sängerrolle übernommen hat, daher meine Frage. Aber habe ich dich richtig verstanden, dass die Tour 2014 weitergeht?

Steve: Ich habe aktuell noch nichts geplant. Meine Hauptsorge ist, dass die Leute den Eindruck bekommen, dass ich den Rest meines Lebens als Tributeversion meiner selbst bin. Dafür habe ich zu viel neue Musik in mir. Neue Musik ist mein Lebensblut. Es ist völlig in Ordnung, ab und zu mal zurückzugehen und dies und jenes aus seiner Vergangenheit neu zu interpretieren. So macht Peter das ja auch mit seinem So-Album oder der Sache mit dem New Blood Orchestra. Man kommt an den Punkt, an dem man sagt: Nein, ich habe noch Feuer in den Fingern und das Bedürfnis, neue Sachen zu spielen und mich neu zu erfinden. Das andere möchte ich vermeiden. Das Rentnerdasein überlasse ich anderen.


it: Du sagtest schon, dass sich die Karten gut verkaufen. Die Hallen sind dreimal so groß, und sie sind ausverkauft. Steigt dadurch der Druck für dich, es richtig zu machen?

Steve: Natürlich ist es ein besonderer Druck, nicht nur die größeren Hallen, sondern auch das Material. Ich bin es den Songs schuldig, die beste Interpretation zu liefern, die ich bieten kann. Ich müsste lügen, wenn ich sagen sollte, dass ich den Druck nicht fühle. Aber gleichzeitig spüre ich auch die Vorfreude, den Spaß undsoweiter – das ist alles größer als der Druck. Wie bei einem Bergsteiger: Das Bedürfnis zu klettern ist größer als die Angst abzustürzen. Ich weiß, dass die Stücke den Zuhörern im Sinn und im Herzen sind. Dort sind sie auch für das Team, mit dem ich arbeite. Alle sind mit dieser Musik aufgewachsen, da gibt es eine Menge Liebe zu der Musik. Ein gewaltiges emotionales Engagement.


it: Gibt es Pläne für eine Bühnenshow?

Steve: Wir wollten ein bisschen was mit Videoleinwänden machen. Ich habe noch nichts davon gesehen, darum kann ich auch noch nicht sagen, was bei der Show dabei sein wird. Aber wir basteln an Ideen. Ich werde mir bald anschauen, wie sehr sich die Visualisierung verbessert hat. Das wird eine spannende Sache mit LED-Bildschirmen uns so.


it: Gibt es eine Vorgruppe?

Steve: Nein. Die Show ist sehr komplex, und wir haben viele Instrumente und andere Ausrüstung auf der Bühne. Eine Vorgruppe gibt es nicht.


it: Du arbeitest an neuen Ideen. In welche Richtung gehen sie?

Steve: Ich bin immer noch begeistert vom Klang der Gitarre, und ich versuche Wege zu finden, wie sie noch aufregender klingen kann. Als ich anfing, Musik zu machen, war es der Klang der Gitarre an sich, in die ich mich verliebt habe. Das ist das aufregende. Wie macht man einen Gitarrensound attraktiv? Ich habe einiges für Nick Magnus' nächstes Album gemacht, ich arbeite gerne  mit ihm, wir haben einige tolle Klänge und Melodien entwickelt. In letzter Zeit habe ich viele von diesen Gastmusikerrollen gespielt. Für das neue Album von meinem Bruder habe ich auch einiges gemacht, zum Beispiel akustische und elektrische Sachen. Ich arbeite mit allen möglichen Leuten überall. Vor kurzem habe ich mit Transatlantic in London gearbeitet, und es ist immer toll. Mit anderen Leuten zu arbeiten ist einfach super. All diese Leute, die ihr ganzes Leben lang schon Musik machen – und alle noch nicht ihren Höhepunkt erreicht haben, sondern immer noch besser werden. Das ist das genaue Gegenteil von diesen jungen Popstars, die ein Hitalbum haben, und dann einen anderen Beruf ergreifen oder wegen des Erfolgs mit Drogen anfangen. Aber die Leute hier verbessern sich, die werden besser und besser. Das ist der Club, in dem ich bin.


it: Du hast ja auch mit Djabe gearbeitet, und ein Video gedreht. Wie war das bei den Dreharbeiten, in einem Panzer zu stehen?

Steve: Das war lustig. Der Panzer war halb deutsch, halb russisch. Wir sind mit dem Panzer durch Budapest gefahren und haben dieses irre Video gemacht. Das waren die kältesten Dreharbeiten, die ich je gemacht habe. Es hat den ganzen Tag geregnet und gefroren. Die Jungs von Djabe sind sehr clever. Sie arbeiten mit Leuten aus aller Herren Länder; ich finde das sehr interessant und eine sehr flexible Arbeitsweise. Wenn ich mit ihnen jamme, ist Improvisation das wichtigste. Bei der progressiven Musik halten sich die Leute normalerweise an Arrangements – keine Variationen. Bei Djabe läuft das anders. Es ist Jazz, es ist Romamusik, zentraleuropäisch, alles. Wenn ich bei denen vorbeikomme, weiß ich nie, welche Musiker gerade da sind.


it: Steve, vielen Dank und viel Erfolg auf der Tour.

Steve: Danke – wir sehen uns auf der Tour!

Interview und Transkription: Christian Gerhardts
Übersetzung: Martin Klinkhardt
Fotos: Jo Lehmann
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