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  4. Song der Woche / Track Of The Week

SdW [31.05.-06.06.10]: GENESIS - The Musical Box

  • Christian
  • 8. Mai 2010 um 10:16
  • Colonyslipperman
    Gast
    • 31. Mai 2010 um 17:24
    • #11

    ohne "wenn und aber", einer DER grossen Klassiker, daher ohne Diskussion von mir 15 Punkte (überragend)

  • Aprilfrost
    Giant Hogweed
    Beiträge
    6.234
    • 31. Mai 2010 um 18:35
    • #12

    Der vielleicht beste Titel aller Genesis-Phasen. 15 Punkte - magna cum laude.

  • Mr. Plod
    Banjo Man
    Beiträge
    1.932
    • 31. Mai 2010 um 18:40
    • #13

    The Musical Box sind wirklich Genesis auf ihrem Höhepunkt. Oder zumindest auf einem ihrer Höhepunkte.

    Und die Texte: herrlich. Eine Mischung aus Folklore, Kinderliedern, Abzählreimen und schwarzem Humor. Auf einem Sampler aus den Siebzigern schrieb ein Kritiker über die Texte: Schrullig. Das bringt es auf den Punkt...und ist so phantastische Dichtkunst!

    Old king cole was a merry old soul,
    And a merry old soul was he.
    So he called for his pipe,
    And he called for his bowl,
    And he called for his fiddlers three.

    was hätte wohl Nat King Cole dazu gesagt?

    15 Punkte.

    We can help You

  • duke77
    Giant Hogweed
    Beiträge
    7.166
    • 31. Mai 2010 um 18:43
    • #14

    gar keine Frage - 15 Pkte.

    ____________________

    This is love, girl, call it what you will. This is love. (Tony)

    1986’s “Invisible Touch” was an updated prog manifesto camouflaged as pop artifact. (LA Times)

  • Roland
    Banjo Man
    Beiträge
    874
    • 31. Mai 2010 um 19:19
    • #15

    Prog-Rock am qualitativen Anschlag!!! 15 Punkte.

  • martinus
    Giant Hogweed
    Beiträge
    5.754
    • 31. Mai 2010 um 20:24
    • Offizieller Beitrag
    • #16

    Bevor ich einsteige, muss der Lateiner in mir noch eine Bemerkung in Richtung "Kälte zwischen März und Mai" loslassen: 15 Punkte sind natürlich nicht "magna cum laude", sondern "summa cum laude".

    Aber nun medias in res mit einer Handvoll Notizen zu diesem Stück:

    Old King Cole ist der Titel eines Kinderreims und insofern gewissermaßen Namensstifter des Albums, denn aus der Zusammenführung des Kinderreims (nursery rhyme) und der Straftat (crime) entstand der Titel der Platte, Nursery Cryme. (Englischlerner notieren bitte, dass crime ansonsten wirklich immer mit "i" geschrieben wird). Interessanterweise gibt es den "alte König Cole" auch außerhalb dieses Verses, wenn auch nicht unbedingt als geschichtliche Person. Er soll einer der Könige gewesen sein, die im zweiten oder dritten Jahrhundert jeweils einen Teil von Britannien regierten, bevor sich die sächsischen und römischen Könighäuser etablierten. Die Tudordynastie (ab Heinrich VII.) nach den Rosenkriegen des späten Mittelalters behauptete aus der königlichen Geblütslinie von König Cole zu stammen, um ihren Anspruch auf den englischen Thron weiter zu untermauern. Angeblich hat Cole auch die Stadt Colchester (Colis Castrae, Coles Festung) gegründet, und es gibt dort eine alte römische Kiesgrube, die heute noch als "Old King Cole's Kitchen" bekannt ist.

    a kingdom beyond the skies
    - Damit ist klar der Himmel der christlichen Religion gemeint, in den die "guten Leute" nach ihrem Tode zu kommen hoffen. Im Deutschen
    ist dieser Sinn offensichtlicher als im Englischen, wo es für den weltlichen Himmel mit Regenwolken usw. und für die religiöse Himmelsvorstellung verschiedene Wörter gibt, nämlich sky und heaven. Bemerkenswert finde ich auch den Rückgriff auf das ptolemäische Weltsystem, in dem der Raum jenseits der damals angenommenen Himmelsschalen als der Platz Gottes und damit auch des Himmels angenommen wurde - auch wenn diese Umschreibung vielleicht nur den Vers füllen sollte...

    this half-world - Der Sprecher, bei dem es sich zweifellos um "little Henry" handelt, hat soeben Erzählungen vom Himmel als Lügen gebrandmarkt. Dass er Cynthia erscheint, belegt seine Behauptung gewissermaßen: Nach dem Tode kommt man nach christlicher Deutung in den Himmel, das neue Jerusalem, oder in die Hölle. In abergläubischen und vorchristlichen Traditionen kann jedoch die Seele eines Menschen, der eines ungesetzlichen und unnatürlichen Todes gestorben ist, nicht ins Jenseits eingehen und muss auf Erden herumirren. Henry befindet sich in dieser "Halb-Welt": Körper und Geist sind voneinander getrennt, aber Henrys Geist ist noch halb in dieser Welt. Mord, Totschlag und eine Geistergeschichte - was will man mehr? Achja, richtig: versuchte Vergewaltigung durch einen Geist. Aber bitte, aber gleich!

    Die Passage mit "play me my song" lese ich neuerdings nicht mehr als Aufforderung an Cynthia, die Spieluhr, die musical box laufen zu lassen, sondern als deutliche Avancen von Henry an Cynthia. Er will etwas. Er will sie. Er will "es". (Diese Lesart kam mir bei einer Hamlet-Aufführung an den Münchner Kammerspielen in den Sinn, als Hamlet zu den Worten Kannst Du auf dieser Flöte spielen? "blankzog"). Der Sinn von "here it comes again" bedarf dann keiner weiteren Ausdeutung. (Übrigens hat auch die (musical) box eine gewisse Nebenbedeutung).

    Ah, ein Zwischenspiel: Die Old King Cole-Strophe ist wirklich die gesamte erste Strophe des Kinderreims, der natürlich viel jünger ist als die Legende von König Cole selbst.

    Dann kommt Henrys erster Frontalangriff "and I want - and I feel - and I know - and I touch - the wall". Entweder weil er eben doch ein Geist ist und nicht ein-, sondern durchdringt, oder weil Cynthia sich in letzter Sekunde wegduckt.

    Und an dieser Stelle wird die ganze Situation aufgelöst und Henry frustriert. Warum streicht er nicht selbst Cynthia die Haare aus dem Gesicht, damit er es betrachten kann? Weil er es nicht kann - weil er nicht so körperlich präsent ist, um Objekte oder Menschen bewegen oder faktisch berühren zu können. Insofern ist sein "Why don't you touch me?" eben auch ein höchst frustriertes "Why can't I touch you?"

    The Musical Box ist, vielleicht mehr noch als Supper's Ready, ein Markenzeichen von Genesis, eine musikalische Standortbestimmung in den frühen 70ern. Zehn Minuten höchst vielseitiger und spannender Musik und eine eigentümlich barocke Geschichte, deren Merkwürdigkeit höchstens noch von Harold The Barrel übertroffen wird.

    Notenvergabe. Die Herren Banks, Gabriel, Hackett, Collins und Rutherford mal aufstehen! Sie bekommen 15 Punkte. Setzen.

    ... cried a voice in the crowd.

    Förderer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

    Einmal editiert, zuletzt von martinus (2. Juni 2010 um 18:24)

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  • Aprilfrost
    Giant Hogweed
    Beiträge
    6.234
    • 31. Mai 2010 um 20:34
    • #17

    Martinus hat natürlich Recht: Summa (Alles) und nicht Magna (Großes) cum Laude.

    Einmal editiert, zuletzt von Aprilfrost (31. Mai 2010 um 21:49)

  • pealmu
    Slipperman
    Trophäen
    1
    Beiträge
    1.977
    • 31. Mai 2010 um 21:40
    • #18

    Musical Box ist einer der Songs, den man jemandem vorspielen kann, der die frühen Genesis entdecken möchte, denn er hat eigentlich alles: skurrile Geschichte, kleine Wortspielereien, dramatischer Aufbau mit wechselhaften Passagen in laut und leise, furiose Gitarre und Drums.

    Jetzt bin ich ein Spielverderber und senke den 15er Schnitt, denn ich finde The Musical Box mittlerweile etwas angestaubter als z.B. Firth OF Fifth, Cinema Show oder For Absent Friends, die ich immer wieder noch gerne und gezielt höre, Musical Box dann eher aus Zufall. Das ist wie ein Thriller, dessen Ende man kennt und deshalb die Spannung nicht mehr da ist. Deshalb immer noch zweistellig aber "nur" 10 Punkte.

    Gedankenrauschen – Da geht noch was!

  • Igel
    Lurker
    Beiträge
    117
    • 31. Mai 2010 um 22:06
    • #19

    15 P. Alle in Höchstform.
    Super interessant ist die Urform von Mike und Ant P. auf der Achive I von Ant. Phillips.

  • Prophet
    Moderator
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    amyristom
    • 31. Mai 2010 um 22:38
    • Offizieller Beitrag
    • #20

    Einer DER Klassiker von Genesis, insbesondere der Schlußpart ist ja wirklich Kult. 14 Punkte von mir (15 Punkte bleibt Songs wie Firth of Fifth reserviert, die ich noch nen Tick mehr schätze).

    Now our end has come so near
    But you’re still reminded
    On the way to loose our fear
    We walk – still we’re blinded

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