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Song 05: "Won't Stand Down" (1. Mai 2026)

Im Mai wird es zwei Songs für o\i geben. Der erste ist – wie es zu erwarten war – ein eher ruhiges Stück. Dazu eins, in dem großer Optimismus liegt.

Bright-Side Mix
Dark-Side Mix

Intro und Übersicht zur o\i Artikelreihe


Der Mai 2026 hat zwei Vollmonde und wird uns deshalb zwei neue o\i Songs bringen. Damit wechselt der Erscheinungsturnus ab Juni dann auch von Anfang auf Ende des Monats.

Zu Won't Stand Down sagt Gabriel: "Es ist ein Lied, das zu einer Art Aktivismus ermutigen soll. […] Ich glaube, wir brauchen Menschen, die sowohl uns als auch unsere führenden Politiker anstoßen und grundlegende Werte lebendig halten wie Gerechtigkeit, Mitgefühl und Demokratie – eine Hoffnung, die uns helfen kann, eine gerechte, friedliche und fairere Welt zu ersinnen."

Lyrics

Der Text ist ein ermutigender Aufruf und beschwört eine Gemeinsamkeit, die es so vielleicht nicht gibt, aber geben sollte. Im Kern geht es darum, nicht stillzustehen, sondern vereint auf eine greifbar bessere Zukunft hin zu arbeiten. Der Refrain sagt deshalb: "But we won't stand down till there's something better (aber wir werden nicht zurückweichen, bis etwas besseres da ist)".

Auch heißt es, die Diener des Volkes haben vergessen, wie man dient – und im Finale, dass selbst wenn jede brutale Tat entsetzt und die Schreie begraben werden, der Geist in uns ruft und man sich nicht verstecken kann.

Interessant ist auch, dass Gabriel hinterfragt, ob "Behälter, Karten und Spiegel" die menschliche Rasse beinhalten können, während die klügsten Geister des Planeten kein Menschengesicht haben. Das ist eine interessante Betrachtung von ihm, gab es doch schon Vorwürfe, er würde zu begeistert und fixiert von Technologien wie Künstlicher Intelligenz sein.

Kunst

Das Kunstwerk zum ersten Mai Song ist diesmal eine Fotografie. Die allerdings noch weiter bearbeitet wurde. Faith heißt das Bild und stammt von der Iranerin Shirin Neshat.

Geboren 1957 in Qazvin wuchs sie in einem westlich orientierten Umfeld auf, besuchte ein katholisches Internat in Teheran und durfte sogar das College besuchen. Um Kunst zu studieren ging sie 1979 in die USA, wo sie zwei Abschlüsse an der Universität von California in Berkeley in Freier Kunst und Darstellender Kunst machte.

Ein Jahr nach Chomeinis Tod, kehrte Neshat 1990 in die Islamische Republik Iran zurück. Ihre inneren und äußeren Zustände dort führten zu ihrer Fotoserie Women of Allah (1993–1997), in der eine Frau – teilweise mit Waffe – in bodenlangem Traditionsgewand dargestellt wird. Zusätzlich sind die Aufnahmen mit kalligrafisch geschriebenen Texten versehen.

1996 entwickelte sich aus dieser Fotoreihe auch ihr erstes Video Anchorage. Ab da widmete sie sich zunehmend der Film- und Videokunst, ab 2009 drehte sie auch Spielfilme. Ihr zentrales Thema ist die Lage von Frauen in der muslimischen Welt.

Inzwischen lebt Neshat in New York City und Berlin (und es ist wirklich erstaunlich, wieviele der i/o\i KünstlerInnen einen Bezug zu Deutschland haben).

Von 1996 stammt ihr Fotopaar Bonding und Faith, von dem das zweite für Won't Stand Down erwählt wurde. Beide zeigen die Hände eines Kindes und darum die einer Frau. In Faith bilden beide Paare die übliche Geste zum islamischen Gebet. Der kalligrafisch eingeschriebene Text in Farsi lautet übersetzt "Reich mir eine Hand, dass ich gehalten bin."

Gabriel sagt, für ihn repräsentiere das Bild, für die Zukunft zu kämpfen und sie für Kinder zu schützen.

Mehr zu den o\i-Kunstwerken und den Künstlern dahinter in unserem separaten Artikel.


Bright-Side Mix – 1. Mai 2026

Words and Music by Peter Gabriel
Produced by Peter Gabriel
Mixed by Mark 'Spike' Stent
Mastered by Matt Colton at Metropolis Studios
Engineering by Faye Dolle, Katie May, Dom Shaw
Additional engineering by Oli Middleton, Erica Block, Alex Wilders, Abe Rounds
Assistant engineering by Charles Hughes, Xav Sinden, Maisy Preece
Recorded at Real World Studios, Bath and The Beehive, London & Phantom Studios, Gallatin, TN

Drums – Manu Katché
Additional Drums – Abe Rounds
Rhythm Programming – Peter Gabriel, Mike Elizondo
Percussion – Abe Rounds
Bass – Tony Levin
Electric & Acoustic Guitar – David Rhodes
Backing vocals – Faye Dolle
Piano, Synths, Synth strings, Synth flute, vocals – Peter Gabriel

Länge 6:07

Als Download bei amazonMP3* erhältlich

Ein ernstes Thema wird in unschwerer Weise dargeboten. Kein kämpferisches Aufpeitschen, sondern optimistisches Visionieren.

Gabriel sagt: "Ich glaube, dass Menschen im Allgemeinen viel besser auf positive Zukunftsbilder reagieren, als wenn sie mit negativen bombardiert und erschreckt werden. Wir engagieren uns viel eher, wenn wir Hoffnung verspüren."

Musik

Der Streicherton zu Beginn ist warm – aber vermittelt er nicht auch eine Verspannung?

Dann beginnt jedoch ein freundlich rollender Rhythmus, der in relativer Gemächlichkeit positive Zuversicht ausbreitet. Auf ihm sitzen verschlungene Läufe, vor allem helle Töne – deren Klangfarben es wohl sind, die einige an die 80er denken lassen. Alles drängt jedenfalls leicht federnd und völlig unbeirrt voran.

Musikalisch bleibt der Song ohne große Änderungen oder Höhenschwünge. Sanft aber ungebremst wird immer weiter gelaufen. Lediglich einen kurzen Instrumentalteil gibt es, in dem zunächst auf einem Piano einzelne hohe Töne gespielt werden. Kleine Läufe, die fidel und fast naiv erscheinen. In der zweiten Hälfte gesellt sich ein Synthieuntergrund hinzu und in tieferen Lagen erstrahlt Freundlichkeit.

Zum Schluss verdichtet sich das Arrangement durch zusätzliche Keyboards, zieht dabei weiter voran. Es ist nicht ganz leicht, aus einer solchen Beständigkeit einen Ausstieg zu schaffen. Einfach wäre ein Fadeout, aber Gabriel entscheidet sich für einen Abschluss – der sich vielleicht ein wenig unvermittelt hineinschiebt.

Besetzung

Auch wenn das Stück mit erstaunlich wenig Personal auskommt, ist es kein wirklicher Bandsong. Dazu sitzt das Rhythmprogramming zu zentral und macht Won't Stand Down eher zu einem Textursong. Noch einmal hat daran Mike Elizondo gearbeitet, auf den wohl auch die Mitwirkung von Abe Rounds zurückgeht, der zusätzliche Drums und Percussions beiträgt.

Gabriel erwähnt, dass beide auch noch in späteren o\i Stücken vorkommen werden – und dort mehr Dynamik entwickeln dürfen.


Dark-Side Mix – 16. Mai 2026

Autor: Thomas Schrage


Links
Einführungsvideo zu Won't Stand Down:

Song-Hintergrund auf petergabriel.com
Ursprünglich war der Song mit Blick auf die Arbeit von The Elders.org gedacht.

Shirin Neshats Bilderpaar Bonding und Faith mit englischen Erläuterungen hier.

Digging in the Dirt mit Sheryl Crow, produziert von Mike Elizondo auf Youtube.

Diskutiert mit über den Song hier im Forum.


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