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Song 06: "A Hard Lesson" (31. Mai 2026)
Das Stück zum zweiten Mai-Vollmond kommt nicht mehr so leichtgängig daher, wie die beiden Vorgänger. Gabriel breitet eher nochmal sein Können im Abgründigen aus.
Intro und Übersicht zur o\i Artikelreihe
Der Track zum zweiten Mai-Vollmond ist wieder deutlich druckvoller. Auch dunkler im Charakter.
Seine Ursprünge hat er in den späten 80ern / frühen 90ern und ist derjenige mit der längsten Entstehungszeit auf o\i. Die musikalische Urinspiration war dabei Gabriels Aufenthalt im Senegal, wo er verflochtene Dreier- und Viererrhythmen hörte. Er versuchte, etwas dieser Art selbst zu machen. Die ersten Ideen klangen dabei wohl sehr nach Bluesrock, was angesichts des Endergebnisses mit seinem eher industrial anmutenden Auftreten schwer vorstellbar ist.
Über die Zeit machte der Song viele Wandlungen durch, verschwand auch im Archiv, wurde jetzt aber wieder hervorgeholt und endlich fertiggestellt.
Inhaltlich geht es darum, seinen Platz im Leben zu finden. Gabriel sagt aber auch, dass der Song hauptsächlich genossen werden kann.
Lyrics
Erzählt wird in recht klaren Worten über die Mühen, die es macht, einen Platz im Leben zu finden: Ständig muss man erklären, wo man denn stehe. Man sucht sein gewohntes Terrain – erkennt es aber nur schwer. Es ist eine hart zu lernende Lektion ("it's a hard lesson to learn").
Im Refrain heißt es, dass man nach Liebe sucht, die man aus Träumen kennt, dabei weit weg geführt wird von wo man herkommt, herausgerissen wird aus der Welt, die zusätzlich nie, nie, nie gleich bleibt.
Es werden im Text vielleicht keine unglaublich neuen Gedanken vermittelt, aber im Verbund mit der Musik entsteht ein recht eindrückliches Bild von Mühen und schweren Lebenskämpfen.

Kunst
Das Kunstwerk diesmal sind Standbilder aus einem Kurzfilm von Francis Alÿs mit dem Namen Cuentos Patrióticos (Patriotische Geschichten). Dokumentiert ist eine Performance von 1997 auf dem Zócalo, dem Hauptplatz von Mexiko-City. Zu sehen ist, wie ein Mann im Kreis um den zentralen Fahnenmast läuft, ihm zunächst ein einzelnes Schaf folgt, dann ein zweites und immer mehr. Stur trotten sie im Kreis, eins hinter dem anderen, selbst noch, als der Mann nicht mehr die Formation anführt und nun seinerseits hinterherläuft. Man kann vieles aus diesem Ablauf herauslesen, zumal es noch einige symbolische Hintergründe gibt.
Genutzt für das Stück werden vier Standbilder aus dem Film, untereinander angeordnet, wobei ein weiteres jeweils oben und unten noch angeschnitten erscheint.
Gabriel sah eins diese Standbilder und fand, dass es etwas über 'Platz' erzählt. Zudem erinnern ihn dieser zentrale Pfahl und die langen Schatten an eine Sonnenuhr, weshalb auch 'Zeit' vorkomme. Das ist recht assoziativ und nicht unbedingt rational, gibt er zu, aber für ihn ist es trotzdem passend.
Francis Alÿs wurden 1959 in Antwerpen, Belgien geboren, siedelte aber 1987 nach Mexiko über, wo er bis heute lebt. Ursprünglich studierte er Architektur, arbeitet inzwischen als Fotograf, Maler, Aktions- und Videokünstler. Grundlage seiner Performance-Arbeiten sind immer wieder "Paseos" (Spaziergänge), auf denen er sich durch verschiedenen Aktionen mit dem öffentlichen Raum, gesellschaftlichen Spannungen und Geopolitik auseinandersetzt. Seit Jahrzehnten dokumentiert er zudem Kinderspiele.
Mehr zu den o\i-Kunstwerken und den Künstlern dahinter in unserem separaten Artikel.
Bright-Side Mix – 31. Mai 2026
Words and Music by Peter Gabriel
Produced by Peter Gabriel and Mike Elizondo
Mixed by Mark 'Spike' Stent
Engineering by Katie May, Dom Shaw, Faye Dolle, Richard Evans, Richard Chappell
Additional engineering by Erica Block, Alex Wilders
Assistant engineering by Charles Hughes, Xav Sinden, Maisy Preece
Pre-production engineering by Richard Chappell, Richard Evans, Charles Hughes
Mastered by Matt Colton at Metropolis Studios
Recorded at Real World Studios, Bath and The Beehive, London & Phantom Studios, Gallatin, TN
Drums – Abe Rounds
Additional drums – Manu Katché
Rhythm Programming – Peter Gabriel, Mike Elizondo
Percussion – Abe Rounds, Peter Gabriel, Charles Hughes, Faye Dolle
Bass – Mike Elizondo
Additional bass – Tony Levin
Synth Bass – Richard Evans
Electric Guitar – David Rhodes, Tony Berg
12-string Acoustic Guitar – Richard Evans
Banjo – Richard Evans
Mandolin – Richard Evans
Synths – Peter Gabriel, Richard Evans
Synth strings – Peter Gabriel
Backing vocals – Peter Gabriel
Vocals – Peter Gabriel
Länge 6:42
Als Download bei amazonMP3* erhältlich
Wer für den Song nach Gabriels Beschreibung über die Ursprünge ein afrikanisches Flair erwartet, wird enttäuscht. Auch Blues-Bezüge sind nicht recht auszumachen. Gabriel nennt das Ganze jetzt einen "schrullig seltsamen langen Track".
Er verfolgt allerdings recht gekonnt sein Ziel, eine Stimmung zu übertragen.
Musik
40 Sekunden lang läuft ein instrumentales Intro, das nervös zittert und wummert, bis ein schweres Dröhnen als grundlegende Begleitung hereinschneidet. Eine Gitarre setzt mit hohen Akkorden eine verspannte Antwort dagegen, an deren Stelle sitzt in den Strophen der Gesang.
Diese Wucht bleibt über den gesamten Song erhalten, unterlegt mit tickernden Percussions, verschiedenen, eingeworfenen Klängen und Keyboardläufen. Eine Gesangsmelodie ist praktisch nicht vorhanden, der Text unwirsch verteilt. Ein schwerer, brockiger Weg wird hier gezeichnet.
Doch zum Refrain fährt das zurück, weicht Piano und Gitarre, die eine eher folkige, leichtere Untermalung geben. Hier auch gibt es einen Harmoniebogen und eine nachvollziehbare Gesangslinie.
Die dritte und vierte Strophe variieren in der Begleitung, die auch mal kurz angehalten wird, im Grunde bleibt das Gefüge aber erhalten.
Bis bei 4:08 ein Zwischenstück einsetzt, das unerwartet mit Leere aufwartet, nur leise Gitarre und Piano bietet. Gabriel singt mit verletzlicher Stimme drei Zeilen vom Laufen über brüchiges Eis – bevor dann zur gewohnten Brachialität zurückgekehrt wird. Sie bleibt bis zum Ende, wird zum "talking, talking…" mit weiteren verschrobenen Klängen und Vocals ergänzt. Ein wenig stellt sich das Gefühl ein, dass dann abrupt ein Alptraum endet.
Besetzung
Da der Song über 30 Jahre lang reifte, meinte Gabriel, müsse die Credits-Liste enorm lang sein – immer wieder haben verschiedenste Musiker ihre Beiträge geleistet. Doch was für den endgültigen Song angeführt wird, ist dann gar nicht so schlimm.
Hervorzuheben ist zunächst, dass es nochmal einen Produzenten neben Gabriel gibt. Es ist der bereits bei den beiden vorigen Tracks erwähnte Mike Elizondo. An der Sichtung und Straffung des umfangreichen Materials hatte er einen bedeutenden Anteil. Zudem wirkt hier auch wieder Abe Rounds mit, der von Elizondo eingeführt wurde.
Interessant ist, dass Elizondo grundsätzlich für den Bass gelistet ist, Rounds für Drums. Levin und Katché sind an den Instrumenten jeweils nur für zusätzliche Beiträge genannt. Ein Hinweis, wie sehr der Song nach den Band-Sessions noch ausgestaltet wurde.
Richard Evans ist mehrfach aufgeführt und Gabriel erwähnt ihn auch extra in seinem Einführungsvideo. Offenbar hat er für eine frühe Fassung gesorgt, die noch mehr in Richtung Industrial ging, bevor Gabriel entschied, dass der Refrain wieder einen organischeren Klang bekommen sollte, den wiederum Evans dann mit akustischen Instrumenten brachte.
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Autor: Thomas Schrage
Links
Einführungsvideo zu A Hard Lesson:
Song-Hintergrund auf petergabriel.com
Die Webseite von Francis Alÿs.
Der Film Cuentos Patrióticos von Francis Alÿs auf Youtube.
Digging in the Dirt mit Sheryl Crow, produziert von Mike Elizondo auf Youtube.
Diskutiert mit über den Song hier im Forum.
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