Kennt das jemand? "Oceanworld" ist der Name eines ca. 35-minütigen "Mini"-Albums eines Bandprojekts namens "Autumn", an dem neben Mark Easton an den Gitarren, Steve Hoff am Bass und Robbie Dobson am Schlagzeug / Percussion auch Nick Magnus, ehemaliges Bandmitglied von Steve Hackett, an den Keyboards beteiligt war. Das ganze ist lupenreiner, instrumentaler, progressiver Rock, mit allem, was so dazu gehört. Nick Magnus selber meinte, diese Zeit hätte sehr viel Spaß gemacht, und genau danach hört sich das Album auch an. Hat Stil und ist auf hohem Niveau, schade, dass es keine Fortsetzung gab.
Zumindest wurde es 1977 / 1978 aufgenommen, aber erst veröffentlicht, als es 1999 wieder aus den Archiven gekramt wurde. Das ganze ist sogar in relativ guter Qualität und lässt auf viel Potential schließen, denn die Kompositionen sind großartig und man mag erstaunt sein, wie dicht das ganze doch klingt. Jedes Mitglied der 4-köpfigen Band füllt seinen Part perfekt aus und ist unverzichtbar.
Das Album enthält 5 - zum großen Teil längere - Songs. Das absolute Highlight ist der 13 Minuten lange Titeltrack "Oceanworld", der sich aus verschiedenen musikalischen Abschnitten zusammensetzt (was auf das restliche Album auch zutrifft). Diese Abschnitte wiederholen sich und ergeben zusammen einen brillianten Song. Viele Tempowechsel sind zu vermerken und wunderschöne Melodien auf Gitarre, Keyboard und Bass, wobei auch die Drums einfallsreich und innovativ klingen. Autumn führen uns mit diesem Epos musikalisch auf eine Reise durch den Ozean, von tropischen Stränden, über das kristallklare Meer und die ereignisreiche, geheimnisvolle Welt unter der Oberfläche bis hin in die Tiefsee, wo diese komischen Viecher mit dem Lampen vorm Gesicht rumgeistern. Träumerisch und faszinierend lässt der Song einen von diesen fernen Welten schwärmen. Ganz große Sache!
Mit "Some Like It Crunchy" geht es weiter. Klingt witzig und lebensfroh und hat was aus der Frühphase von Genesis...wie eigentlich das gesamte Album. Dann kommt ein nachdenklicher, bedrückender Teil mit wunderbarer Keyboard-Unterlegung, ehe es wieder schneller wird. Sehr beeinruckend, wie man diesen Song umgesetzt hat.
"Little Finger Exercise" ist da ziemlich ähnlich. Dieser Song passt sich dem Niveau seines Vorgängers an. Nach kurzem Einleitungs-Teil lässt man eine fröhliche Gitarrenmelodie ertönen, die variiert wird und sich echt gut anhört. So interessant geht es dann auch weiter, Autumn spielen mit der Struktur des Songs und wiederholen geschickt die verschiedenen Teile, ehe es zu einem würdigen und ehrfürchtigen Finale kommt.
"The Celebrated Court Jester" hört sich sehr harmonisch an. Ist zwar etwas kürzer, als die anderen Tracks, aber es passiert auch sehr viel. Die Band hat sich so einiges einfallen lassen, um auch diesem Song einen gewissen Flair zu verleihen, und das funktioniert!
"Oceanworld (Reprise)"...und wieder Tiefsee. Ein Melodie-Abschnitt des Titeltracks wird nochmal aufgegriffen. Passt irgendwie am Ende.
Letztendlich also ein wirklich einzigartiges Werk mit klasse Atmosphäre, das Eindruck macht. Schade, dass es relativ kurz ist. Übrigens ist es trotz des durchgehenden Instrumentals keineswegs langweilig, sondern lässt vielmehr Spielraum für die eigene Interpratation. Die Abmischung gefällt mir übrigens auch sehr gut.