Ach Herrje, was genau ist denn überhaupt Prog? Ist ein Song dehalb progressiv, weil es schnelle Keyboardsoli und Trommelwirbel enthält? Das kann es doch wohl nicht sein. Auch die Länge eines Songs kann da nicht wirklich ausschlaggebend sein. SO wird aus Tonight, Tonight, Tonight nie ein Progsong, auch wenn er 30 Minuten dauern würde. Bowler/Dray verteten in ihrer Genesis-Biographie vehement die Meinung, dass Genesis überhaupt nie ein Prog-Band waren. Diese These ist natürlich strittig und nur wenige würden wohl zustimmen. Was mir die Debatte aber eindeutig zeigt, ist wie unsinnig dieses Schubladendenken im Grunde ist. Ich kann mich mittlerweile nur noch kaputtlachen über die albernen Reviews auf den babyblauen Seiten von selbsternannten Musikexperten, die die Qualität eines Songs daran bemessen, wie viele verschiedene Akkorde und Tempi (krumme Takte bevorzugt) er enthält. Was soll der Scheiß?Für viele ist der Begriff Progressive Rock ein Synonym für Langeweile. Oftmals leider zu Recht, wenn ein endloses Solo das nächste jagt und man den Eindruck erlangt, der Song ist eben nur deshalb nicht zu Ende, weil er die 12-Minuten-Untergrenze noch nicht erreicht hat. Also schnell noch mal ein Zwischenstück im 7/8-Takt eingeschoben, dann nochmal das Eröffnungsthema mit anderer Harmoniefolge variiert, zum Schluss noch ein wenig Gitarrengefrickel... 13:43 Minuten... Ok Jungs, der Song ist fertig.
Genesis haben glücklicherweise nie nach diesem Prinzip gearbeitet; allenfalls auf Selling England waren sie manchmal dicht dran, ins "Rumgeplänker" abzudriften.
Gute Musik muss überhaupt nicht progressiv sein. Um sich von der drögen Masse abzuheben, muss Musik originell sein. Ist sie auch das nicht, dann sollte sie wenigstens interessant sein. Genesis haben es in jeder Ära geschafft, sehr ausgezeichnete originelle Musik zu erschaffen und dann wenn sie mal weniger originell waren, zumindest auch eine Menge interessante Musik hervorzubringen.
Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen.