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Das letzte richtige Prog-Stück von Genesis?

  • little nick
  • 14. Oktober 2007 um 21:38
  • Der Teemeister
    Gast
    • 15. Oktober 2010 um 10:14
    • #91

    Detlev Jäschke:

    Zitat

    Schaut man sich die Stones an, so muss ich persönlich sagen; 0 - kaum Weiterentwicklung. Und dennoch kann sowohl die Band wie auch die Fans damit leben.

    Ich nicht. Ich liebe die 60er Jahre der Stones, die frühe Munharmonika
    von Brian Jones, die barocken Klänge bei Lady Jane, Sittin' On A Fence,
    Right On Baby, As Tears Go Bye, Ruby Tuesday; ich liebe das Album
    Black & Blue und selbst noch Some Girls. Aber nach Tattoo You wird
    die Band für mich schlichtweg unerträglich, hohl und überflüssig.


    Die Ontologen und Musikwissenschaftler sprechen davon, dass eine
    jede spezifische Epoche ihren Zeit-Geist in der Art des Arrangements
    und der verwendeten Instrumente transzendiert. Der Rock`n Roll von
    1956-1959 z.B. suchte seinen Ausdruck in einer Form von 2 1/2 Minuten
    Spiellänge; der Nerv der Zeit setzte sich in den Saxophonen frei.
    Ab 1960 wurden jene dann durch Streicher-Glissandi ersetzt. Im Rock`n
    Roll war der Song selbst das Wichtige; nicht der Sänger, nicht die
    Produktion (welche oftmals schlampig ausgeführt wurde). Das neue an
    den Beatles wiederum war, dass sie dem Gesang nebst seinen
    mehrstimmigenden Harmonien den Vorzug vor dem Instrumental-Sound
    gaben. Sie vereinfachten den Schlag (beat), die Gitarren-Soli (wenn man
    sie denn überhaupt so bezeichnen will) im Rock'n Roll waren oft
    schwieriger, niveauvoller, weil dem Jazz entlehnt (siehe Bill Haley, Elvis
    Presley, Buzddy Holly). "It's The Singer, not the Song" hieß es folgerichtig
    bei den Stones 1965. Die Songs wurden länger (siehe Bob Dylans
    "Like A Rolling Stone") - bis zu 6 Minuten. 1966 wurde der Sound des
    Swingin' London durch Gitarren-Riffs und Orgelkänge transzendiert;
    ein wenig später bekam er eine
    barocke Verpackung (Cembalo, Harfen, Flöten), wurde asiatisch eingefärbt,
    (Sitar, Tabla) bis schließlich Cream 1967 den Weg für Hendrix und die
    Omnipräsenz der elektrischen Solo-Gitarre bereiteten. Die Songs steigerten
    sich von 5 bis zu 20 Minuten. 1970, nach dem
    Scheitern der Hoffnungen der 68er dann wieder teils ruhigere, differenzierte
    Klänge, nebst einer - Flucht? - in literarische Stoffe, die von Instrumenten
    wie Querflöte, Mellotron und 12-saitiger Gitarre, getragen von schweren
    Orgel-Sounds, illustriert wurden. 1976 dann der Weg zurück zu 3 Akkorden und
    primitiven Gitarren-Riffs nebst Synthi-Disco-Star-Wars-Fiction.

    Bei Genesis könnte man die These aufstellen, dass die Kompositionen,
    das eigentliche Lied, naturgemäß immer (abgesehen von ihrer
    jeweiligen Qualität) gleich waren, da es sich um die gleichen Personen
    als Komponisten handelte (diese dann weniger, klar, durch
    Anthony, Peter und Steve, die gingen). Was sich änderte, war die
    jeweilige Art der Verpackung der Lieder, nocht also die Songs selbst.
    Im Prinzip könnte man also sagen, dass sie, anstatt auf einer
    erreichten Ebene zu bleiben, sich dem Zeitgeist stets anpassten.
    Natürlich nicht in den Extremst-Formen; aber Titel wie whodunnit? (Punk)
    (gestern traf mich fast der Schlag, gibt es doch in Leipzig tatsächlich
    einen Krimi-Buchladen, der sich "whodunnit?" nennt) sprechen da schon
    Bände. Insofern pflegten sie eine bestimmte Richtung nicht um ihrer
    selbst Willen, sondern schwammen auf den Wogen der Zeit, ob sie
    sich desssen nun bewußt waren oder nicht. Was natürlich auch
    bedeutet: Kein Anhängen an bestimmten Mustern, keine Treue
    zum bereits Erreichten; auf biegen oder brechen immer weiter.
    Bis dann eine Zeit kam, die sie beim besten Willen nicht mehr
    bedienen konnten: Trip-Hop, Club Culture, DJ-Sounds. Auch hatten
    sie nicht mehr den Mut, ihre weichgespülten Sounds anspruchsvoller
    zu färben. Wo Tony es versuchte (selbst bei den Synthi-Klängen
    in Fading Lights) geriet er, durch die simple Monotonie der gewählten
    Synthi-Sounds, die undifferenzierten Klangeinstellungen zu einer
    Karikatur seiner selbst. Gern möchte ich "Fading Lights" als progressiv
    bezeichnen, aber ich kann es nicht. Der Titel (bezeichnenderweise
    von Phil) ist ein wehmütiger Abgesang, ein Schwanengesang, der aus
    gutem Grund am Schluß des Albums steht. Was Mike und Tony wohl
    dabei dachten? Und dazu dieser Text! Ahnten sie, dass es Phils letzter
    Beitrag werden sollte? Ich denke schon ...

    Einmal editiert, zuletzt von Der Teemeister (15. Oktober 2010 um 10:17)

  • genesis
    Banjo Man
    Beiträge
    1.424
    • 15. Oktober 2010 um 10:25
    • #92
    Zitat von Christian

    Viele Hintergründe und Einblicke, wie Genesis funktionier(t)en, sind im Buch Chapter & Verse sowie auf den Bonus-DVDs der SACD-Reissues in Form Interviews / Statements festgehalten. Man kann natürlich sagen, dass das alles Käse ist, was Genesis da erzählen, aber ich glaube, dass Genesis lange nicht wussten, wie sie selbst funktionieren.
    Das Trio Banks/Collins/Rutherford ist zweifelsohne ein Kreativwerkstatt für Pop und Rocksongs gewesen - "Songsmith" nannte das Gallo einmal. Das gleiche Trio ist dann aber auch für so etwas wie den Instrumentalteil von Cinema Show verantwortlich oder Apocalypse in 9/8. Es wirdh sicher keiner bestreiten, dass Genesis nach 19xx kommerzieller wurden. Aber das Gerede, dass so etwas wie Mama per Definition schlechter ist als Stagnation, kann ich nicht mehr hören. Das ist einfach völlig sinnfrei. ALLE Genesis-Mitglieder haben gesagt, dass sie in frühen Jahren immer unbedingt eine Hit-Single schreiben wollen, es aber einfach nicht hinbekommen haben. ......
    .
    .
    .
    Diese Jam-Sessions, die ab 1981 das Bild prägten, hatten eine Ventilfunktion. Genesis hatten Zeit. Sie konnte so lange jammen, wie sie wollten. Und so ganz anders arbeiten als zuvor. Es ist schon ein Unterschied, mit einer quasi fertigen Duke-Suite ins Studio zu gehen, als ohne alles da zu sitzen und dann rutscht einem so twas wie Who Dunnit raus und man denkt sich "hey, das ist doch witzig, lass uns das mal eben machen" - weil sie ja die Zeit haben...

    Das letzte Prog-Stück? Nun, Abacab war vermutlich das progressivste Album der Band überhaupt. Aber auf Calling All Stations befinden sich einige Stücke, die der Definition "Prog", so wie sie von vielen hier defininiert wird, sicher gerecht werden. Insofern wird darauf auch "das letzte Prog-Stück" zu finden sein...

    101% Zustimm!:bravo:

  • Detlev Jäschke
    Gast
    • 15. Oktober 2010 um 10:35
    • #93

    hm, klingt schon wie eine Abhandlung :) @der Teemeister (man könnte bzw kann Bücher damit füllen! :) ).

    Sicherlich ist das im Einzelnen korrekt was du schreibst, und ich kann die Stones nur zu gewissen teilen beurteilen. Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung das n meinen Ohren die Stones, wenn überhaupt, nur geringe Sprünge gemacht haben in ihrer Entwicklung. Natürlich will ich damit nicht sagen (deswegen 0 bis kaum) das alles so klingt wie in den Ursprungsjahren (dafür habe ich nicht den gänzlichen Überblick über die Werke der Stones), aber das was ich kenne, erscheint mir eben immer wieder wie eine Wiederholung mit kleinen Facettenänderungen.

    Das bei Genesis sich der Spannungsbogen durch die verschiedenen Phasen zieht(vorsichtiger, leichter Anfang, Steigerung und Wiederholung bis zum entweder Finale oder Ausblendung) ist sicher ebenfalls ein Grundgerüst das blieb. Und demnach könnte man eben auch sagen "die sind langweilig, klingt alles gleich".

    Aber im Grunde ist es genau das "Problem" in der Musikgeschichte ansich. Etwas WIRKLICH neues ? kann es kaum geben. Alles ist schonmal dagewesen. Musik ist eben nur eine Frage der Anordnung und Abfolge von Stimmen, Klängen, Sounds und die Variation von Geschwindigkeit und Lautstärke. Eigentlich ganz simpel (deswegen ist es mir oftmals auch unverständlich wenn man von "klauen" bei anderen Stücken spricht, sowas ergibt sich nunmal phasenweise).

    Vielleicht macht man sich als Fan einer Band darüber weniger Gedanken, aber Musik ist vorrangig eben etwas emotionales, ob direkt oder indirekt. Und da heißt es halt (wie zB auch beim Essen); es schmeckt einem oder eben nicht!?
    Ebenso wird es den "Köchen" (Musikern) gehen.

    Einmal editiert, zuletzt von Detlev Jäschke (15. Oktober 2010 um 11:57)

  • Online
    townman
    Giant Hogweed
    Beiträge
    7.036
    • 15. Oktober 2010 um 11:00
    • #94
    Zitat von chinwildchicken

    Hm wie mans nimmt. Letztendlich findet man auf jedem Album Elemente, das von der früheren Genesis Zeit mit Peter typischen Sounds hat.

    Mich würde vorallem interessieren, wie etwa Songs des Shapes Album als Work In Progress geklungen haben könnten, jetzt mal abgesehen von Mama :)

    Ja, das sehe ich auch so. Und bei aller logischen Veränderung des "Sounds" blitzen eben immer wieder so Elemente der Prog-Zeit auf (z.B. bombastisch-orchestrale Wirkungen, lange melodische Phrasen / längere Instrumentalteile - z.B. eben auch Tonys "Fading lights"-Solo - und auch durchaus theatralische Momente).

    Diese "Mama (work in progress)"-Geschichte ist eigentlich 'ne ganz nette Idee, aber so etwas würde mich sehr viel mehr z.B. hinsichtlich "(Second) / Home by the sea" reizen, gerade wegen der Instrumentalteile. Das wäre toll, wenn man da mal hören könnte, mit welchen Improvisationen ein solcher "proggiger" Part begonnen hat und wie die Jungs dann das alles ganz harmonisch zu einem Ganzen entwickeln, das dann ja wirklich "ausgereift komponiert" klingt.

    Bei "Do the neurotic" z.B. hört man m.E. den Sessioncharakter sehr deutlich raus, das ist ja eher ein Stück, dessen Teile additiv aneinandergefügt sind. Ich habe mich schon öfter gefragt, ob es wegen der etwas lose gereihten Form nicht auf's Album gekommen ist, denn da sind gute Stellen dabei (die auch sehr glatt ins Ohr gehen) - es fehlt womöglich einfach eine geschlossenere Struktur.

    Zitat von Helge

    Hmmm, leider nicht Townman... Oder sage ich mal besser, leider nicht oft genug.
    Es gibt leider zu viele User, denen hier ein "Schwanzvergleich" viel wichtiger ist als SACHLICHE, OBJEKTIVE Meinungsäußerung.
    Zu viele malen hier schwarz und weiß. Es ist genau das was Christian sagen will.

    Du bist ja schon öfter auch aktiv an diesen Diskussionen um "alt / neu", "Prog / Pop", "gute Ära / schlechte Ära" beteiligt gewesen, und ich kann mich auch an manche deiner Postings erinnern, die ganz konkret auf z.B. bestimmte "Songs der Woche" diesbezüglich eingegangen sind. Das empfand ich immer als Bereicherung.

    Was ich schwierig finde: In diesem Thread sind gestern inhaltlich m.E. ganz interessante Beiträge gekommen, aus denen klar hervorgeht, dass sich da User um bestimmte Sachverhalte ernsthafte Gedanken gemacht und einen grundsätzlich sehr sachorientierten Austausch in Gang gebracht haben. Das ging deutlich über "Ich finde die neuen Sachen Bäh"; "Ich auch, alles ohne Gabriel ist sowieso Mist" hinaus. Ich würde auch mal behaupten, dass 90% aller Threads zur Genesismusik in diesem Forum weniger differenziert sind als dieser.

    Wenn dann moniert wird, es ginge da um einen "Schwanzvergleich" und sei nicht sachorientiert, ja vielmehr "schwarz und weiß", dann glaube ich, dass eventuelle Kritiker dieser gestrigen Diskussion sich keine Mühe gegeben haben, die sachorientierten Aspekte zu registrieren. (Das würde ich auch durchaus als ignorant den um inhaltliche Auseinandersetzung bemühten Usern gegenüber bezeichnen.)

    Und ich würde auch noch weiter gehen: Wenn dieser gestrigen Diskussion eine solche Eindimensionalität unterstellt wird, empfände ich es als Armutszeugnis, wenn eine Kritik an dieser Diskussion selbst völlig eindimensional / unbegründet ausfiele. Christian z.B. hat da Hinweise auf irgendwelche realitätsfernen Sichtweisen in den Raum gestellt, die ich kaum ernsthaft auf die gestrige Entwicklung beziehen kann, solange sie derartig allgemein, ohne Bezug zu konkreten Äußerungen aus diesem Thread, in den Raum gestellt sind.

    Ich respektiere sicherlich dein Empfinden, Helge, aber deine Behauptung bezüglich des "Schwanzvergleiches" usw. (s.o.) ist pauschal, undifferenziert, unsachlich und absolut subjektiv, solange du nicht konkret die inhaltlichen Schwächen der vorigen Auseinandersetzung benennst.


  • little nick
    Squonk
    Trophäen
    1
    Beiträge
    4.292
    • 15. Oktober 2010 um 11:21
    • #95
    Zitat von chinwildchicken

    Ich definiere Progressiv mit Weiterentwickelt

    Zitat von brecher

    Wahrscheinlich läuft es wieder auf die Definition von Progressive heraus.

    Das habe ich, was diesen Thread anbelangt, im Eingangsposting klargestellt:

    Zitat von little nick

    ...welches Stück seht ihr als letzes "richtiges" Prog-Stück? Ich meine damit klassischen Prog, nicht progressiv im wörtlichen Sinne...

    Hier geht es um eine Klassifizierung von Musik. Es geht darum, welches Genesis-Stück man noch dem "klassischen Prog" als Musikstil zuordnen kann.
    "Progressiv" im wörtlichen Sinne sagt über die Stilrichtung rein garnichts aus (selbst die Wildecker Herzbuben könnten auf dem nächsten Album "fortschreiten")
    "Progressivität" im wörtlichen Sinne ist eines von vielen möglichen Qualitätsmerkmalen von Musik, für eine Klassifizierung aber völlig ungeeignet.

    Einmal editiert, zuletzt von little nick (15. Oktober 2010 um 11:27)

  • chinwildchicken
    Slipperman
    Beiträge
    2.392
    • 15. Oktober 2010 um 11:44
    • #96
    Zitat

    Ich habe mich schon öfter gefragt, ob es wegen der etwas lose gereihten Form nicht auf's Album gekommen ist, denn da sind gute Stellen dabei (die auch sehr glatt ins Ohr gehen) - es fehlt womöglich einfach eine geschlossenere Struktur.

    Naja, das dürfte auch ein Grund sein. Tony nannte als Grund, das Neurotic zu sehr typisch nach Genesis klang, eher wie ein Genesis Song aus den 70ern, und die wollten halt was anderes mal als Instrumental haben, einfahc mal so was durcheinanderes draufbringen, ohne irgendwelche Große Keyboard Passagen etc.. Das haben die ja vorher bisher mit Instrumentals nicht geschafft, soo ausgeflippt ist Wot Gorilla nun auch nicht. Jedes der 2 Instrumentals hat seine Daseinsberechtigung, kann mich selber net entscheiden, da sie bei mir auf einer Stufe stehen...

    Zitat

    ...welches Stück seht ihr als letzes "richtiges" Prog-Stück? Ich meine damit klassischen Prog, nicht progressiv im wörtlichen Sinne...

    Dann nehme ich halt Fading Lights in diesem Sinne ;)

    <!---

    The rain auditions at my window
    Its symphony echoes in my womb
    My gaze scans the walls of this apartment
    To rectify the confines of my tomb


    -->

  • Alrik Fassbauer
    Banjo Man
    Beiträge
    774
    • 15. Oktober 2010 um 11:55
    • #97
    Zitat von Der Teemeister

    Die Ontologen und Musikwissenschaftler sprechen davon, dass eine
    jede spezifische Epoche ihren Zeit-Geist in der Art des Arrangements
    und der verwendeten Instrumente transzendiert.

    Das hast du aber nicht nur in der Musik, sondern *überall*.

    In Romanen, zum Beispiel, auch.

    Zitat von Der Teemeister

    Natürlich nicht in den Extremst-Formen; aber Titel wie whodunnit? (Punk)
    (gestern traf mich fast der Schlag, gibt es doch in Leipzig tatsächlich
    einen Krimi-Buchladen, der sich "whodunnit?" nennt) sprechen da schon
    Bände.


    "Whodunnit" ist der englische Name des Krimi-Genres schlechthin, so, wie ich das verstandenhabe.

    Das heißt also nichts anderes als "hier gibt es Krimis !"

    Whodunit – Wikipedia
    Whodunit - Wikipedia, the free encyclopedia

    Zitat von Der Teemeister

    Der Titel (bezeichnenderweise
    von Phil) ist ein wehmütiger Abgesang, ein Schwanengesang, der aus
    gutem Grund am Schluß des Albums steht. Was Mike und Tony wohl
    dabei dachten? Und dazu dieser Text! Ahnten sie, dass es Phils letzter
    Beitrag werden sollte? Ich denke schon ...

    Nein. Es ist ein Schwanengesang auf die Musik, die Genesis machte. Vielleicht sogar schon auf Genesis selbst.

    Denn die jüngeren Generationen hören alles Mögliche - nur keinen Prog bzw. die Musik, die Genesis - vor ihren kommerziellen Erfolgen - groß gemacht hat.

    "Ripples" auf der Tour war auch ein ähnlicher Schwanen-Abgesang. Das konnte jeder sehen, der sich im Hintergrund auf den Leinwänden die "Tour durch die Band-Geschichte" angeschaut hat.

    Ja, ich gehe sogar soweit, zu sagen, daß Fading Lights und Ripples im Grunde das Gleiche meinen.

    Oder, um es mit einer moderneren Pop-Sängerin zu formulieren : "Why must all good things come to an end ?"

    Zitat von Detlev Jäschke

    Aber im Grunde ist es genau das "Problem" in der Musikgeschichte ansich. Etwas WIRKLICH neues ? kann es kaum geben.

    Das erlebe ich eigentlich nur bei Mike Oldfield. Jedes neue Album ist ein Überraschungspaket für mich.

    Wobei er seinem "Sound" zu großen Teilen immer treu geblieben ist. Im Grunde ist es dann auch nur noch die Verpackung, zynisch formuliert ...

    "There are crawlers under my lambswool feet..."
    (Quelle)

    4 Mal editiert, zuletzt von Alrik Fassbauer (15. Oktober 2010 um 12:11)

  • Der Teemeister
    Gast
    • 15. Oktober 2010 um 12:02
    • #98

    @Alrik: das sagte ich Herma bereits im Sommer im "Dusk"-Thread.
    Irgendwo sprach ich von der Tendenzwende in der Literatur.
    (Thomas Bernhard, Martin Walser)
    Darauf meinte dieser, dass ich diese Meinung exklusiv hätte.
    Wilkommen also im Club:huhu:


    Interessante philosphische Diskussion, übrigens; diese
    erinnert mich wiederum an "Gehen" von Thomas Bernhard.
    Das sogenannte Fortschreiten ist als solches völlig
    wertfrei; einzig eine örtliche und räumliche
    Veränderung wird damit angezeigt.
    Qualitative Weiterentwicklung im Sinne von
    Verbesserung (oder, wie wir hier wohl meinen, wenigstens
    eine temporäre Aufrechterhaltung des einmal erreichten Status Quo)
    kann das Wort "progressiv" also niemals ausdrücken.

    Sinnvoller also wäre es vielleich, zu hinterfragen, wann
    Genesis zum letzten Mal
    a) entweder ein musikalisches Experiment wagten
    b) einen Anklang an früheres Niveau (schon gut, Christian,
    Niveau hier rein als temoräre Ebene, nicht als Wert) erreichten,
    bewußt herbeiführen wollten.

    Da würde ich bei
    a) spontan sagen: der Titel Abacab (nicht jedoch die LP)
    und bei b) trotz aller Kontroversen: Do The Neurotic.

    Eine Tatsache, die bei mir zu kognitiver Dissonanz
    führt (von außen herbeigeführte Erschütterung der
    Selbstwahrnehmung) ist der Umstand, das die letzten beiden,
    hm, musikalisch determiniert ausgeuferten Stücke (für mich),
    nämlich "Fading Lights" und "Driving The Last Spike"
    - ausgerechnet von Phil stammen. Strange ....

    2 Mal editiert, zuletzt von Der Teemeister (15. Oktober 2010 um 12:17)

  • Alrik Fassbauer
    Banjo Man
    Beiträge
    774
    • 15. Oktober 2010 um 12:14
    • #99

    Ich beobachte diese "Moden" überall.

    Aktuell beobachte ich sie in der Fantasy-Literatur, im Computerspiel und - Überraschung ! - in Rollenspielsystemen (wer nicht weiß, was ich damit meine : http://de.wikipedia.org/wiki/Rollenspiel_(Spiel) ).

    Sie sind aber uch in der Architektur zu beobachten. Man sehe doch einfach nur zum Beispiel die verwendeten Materialien, oder die völlige Abstinenz von verzierenden Elementen, die noch der Jugendstil hatte. Dafür mache ist das Bauhaus-Konzept verantwortlich.

    "There are crawlers under my lambswool feet..."
    (Quelle)

  • Max
    Banjo Man
    Beiträge
    1.904
    • 15. Oktober 2010 um 12:22
    • #100
    Zitat

    Interessante philosphische Diskussion, übrigens; diese
    erinnert mich wiederum an "Gehen" von Thomas Bernhard.
    Das sogenannte Fortschreiten ist als solches völlig
    wertfrei; einzig eine örtliche und räumliche
    Veränderung wird damit angezeigt.
    Qualitative Weiterentwicklung im Sinne von
    Verbesserung (...) kann das Wort "progressiv" also niemals ausdrücken.

    Alles anzeigen

    Ergibt Sinn, finde ich.

    Aber das ist eben auch die Frage: für mich ist jeder Wandel musikalischer Merkmale (herbeigeführt durch kritische und kreative Denk- und Schaffungsprozesse eines Musikers oder einer Musikszene) 'gut', da hiermit der große Pool an möglichen auswählbaren Stilmitteln, um sich künstlerisch selbst auszudrücken, weiter wächst.

    Deshalb würde ich fast sagen, dass der Fortschritt die Verbesserung nicht direkt ausdrücken kann, aber dass der Fortschritt gewissermaßen eine 'hinreichende Bedingung'/ein 'hinreichendes Erkennungsmerkmal' für eine Verbesserung ist.

    Zitat


    (oder, wie wir hier wohl meinen, wenigstens
    eine temporäre Aufrechterhaltung des einmal erreichten Status Quo)

    Das kann ich leider noch nicht ganz verstehen.

    Meinst du mit dem "Status quo" das (qualitative) Niveau oder wirklich den Status der Band im Jahre 197*?

    Zitat von Der Teemeister


    Sinnvoller also wäre es vielleich, zu hinterfragen, wann
    Genesis zum letzten Mal
    a) entweder ein musikalisches Experiment wagten
    b) einen Anklang an früheres Niveau (schon gut, Christian,
    Niveau hier rein als temoräre Ebene, nicht als Wert) erreichten,
    bewußt herbeiführen wollten.

    Alles anzeigen

    Finde ich eine sinnvolle Idee. :topp:

    Zitat


    Da würde ich bei
    a) spontan sagen: der Titel Abacab (nicht jedoch die LP)
    und bei b) trotz aller Kontroversen: Do The Neurotic.

    "Do The Neurotic", ja. "Abacab" passt auch, aber da würde ich noch einen Schritt weitergehen und "Mama" vorschlagen (Beschäftigung mit Noise/Industrial und Experimente mit Klängen in Produktion, Gesang und Drummaschinenrhythmus).

    So, let's drink some wine
    And have a good time.
    But if you really want to come through
    Let the good time, good time have you.
    It's what you've got to do.

    2 Mal editiert, zuletzt von Max (15. Oktober 2010 um 12:35)

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