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  5. Polls zu GENESIS

Welches sind die 3 besten GENESIS Alben?

  • Christian
  • 10. Januar 2007 um 07:39
  • Online
    townman
    Giant Hogweed
    Beiträge
    7.038
    • 12. August 2010 um 00:00
    • #531
    Zitat von schlagerfuzzi

    Diese Aussage kann ich nicht ganz nachvollziehen. We Can't Dance ist, meiner bescheidenen Meinung nach, eine wohl perfekte, aber leblose, blutleere, sterile Produktion! Nichts gegen die Songs, aber die Produktion ist erbärmlich! Man stelle sich vor SEBTP, TLLDOB oder ATOTT wären produktionstechnisch ähnlich kastriert worden. Keine Ecken und Kanten mehr ist doch kein Fortschritt!

    Diese Antwort kann ich sehr gut nachvollziehen. Allerdings hatten ja auch schon die Kompositionen überhaupt keine Ecken und Kanten - also keinerlei ästhetisch nennenswertes Profil -, sodass diese glatte Hochglanzproduktion eigentlich nur konsequent und schlüssig war.


  • Warlord`s order
    Lurker
    Beiträge
    539
    • 12. August 2010 um 10:51
    • #532

    Mir fällt es schwer ein Album wie WCD überhaupt mit z. B. TLLDOB zu vergleichen.
    Klar, ich mag die Alben bis 77 auch lieber als jene danach.

    Wenn man Genesis-Alben miteinander vergleichen will, dann sollte man sie evtl. besser erstmal in Phasen einteilen:

    Trespass - W&W (Prog-/Art-)
    ATTWT - Abacab (Neuorientierung-)
    Genesis - WCD (Pop-)

    Innerhalb dieser Phasen kann man sicherlich kontrovers diskutieren, außerhalb wird es schwieriger und manchmal auch unentspannt.

  • Der Teemeister
    Gast
    • 12. August 2010 um 16:05
    • #533

    Um beim Thema zu bleiben.

    1. TRESPASS - ein sonst so nirgendwo zu findender englischer,
    elegischer Romantizismus, dominiert von Peters
    noch soul- und bluesgeprägter, deutlich abgemischter
    Stimme und von seinen Flötentupfern; von Tonys
    piano-stakkato auf der Orgel; dem unvergleichlichen
    Zusammenspiel von Mike und Ant auf den 12-saitigen;
    so etwas gab's in dieser Form nie wieder. Am Ende hämmert
    uns "The Knife" die Einzigartigkeit dieser Band in die Gehörgänge.
    Einmalig.

    2. THE LAMB LIES DOWN ON BROADWAY - Musikalisch teils bis 1969
    zurückreichend, nimmt Peters Gesang endlich wieder
    einen Hauch Erinnerung an die Trespass-Zeit auf; er
    befreit sich von seiner (stets zu leise abgemischten)
    Vaudeville-Gesangsmaske und kommt kräftig, soulig,
    bluesig und prä-punkig rüber. Die Musik ist abwechslungsreich,
    anspruchsvoll und besonders durch Tonys Synthi-Spiel
    (In The Cage, Slipperman, Riding The Scree) powerful und signifikant.
    Mit "The Carpet Crawlers", "The Lamb Lies Down On Broadway",
    "In The Cage", "The Lamia" und "The Chamber Of 32 Doors"
    läuft das Doppelalbum zur Höchstform auf. DER Genesis-Klassiker.

    3. WIND & WUTHERING - Obgleich von Tonys schweren Orgelklängen
    dominiert, spielt Steve Hackett auf diesem Album wie sonst nur bei "Firth
    Of Fifth" ganz groß und meisterhaft auf und prägt mit seiner akustischen
    6-saitigen (Blood On The Rooftops, Unquiet Slumbers) und der Power
    seiner elektrischen Gitarre (... In that quiet Earth, One For The Vine)
    dieses lyrische, romantische Album entscheidend. Mit "...in that quiet Earth";
    aber auch in der Bridge/Mitte von "One ForThe Vine" erhebt sich das Album
    aber auch zu mächtiger, mitziehender Power, die besonders die Live-
    Fassungen zu Konzerthöhepunkten der Jahre 1977 -1980 machte.
    Beinah jeder Songs darauf ist ein Klassiker. Zeitlos schön, an die
    Beatles erinnernd, zeigen Genesis sich hier zum vorletzten Mal
    als die "alten" Genesis der 70er Jahre. "Your Own Special Way"
    erinnert sogar ein wenig an TRESPASS; "One For The Vine" ist
    ein echtes, hymnisches Meisterwerk, und "Eleventh. Earl Of Mar"
    beinach auch. Afterglow einer großen Zeit; der Zeit mit Steve,
    Peter, und Anthony.

  • Online
    townman
    Giant Hogweed
    Beiträge
    7.038
    • 12. August 2010 um 17:11
    • #534

    Der Teemeister hat hier ein absolut wohlschmeckendes Gebräu zusammengestellt und die Geschmacksnoten sehr treffend beschrieben. Ein Genuss!

    Trotzdem noch eine Frage, die mich bewegt: Wie mundet dem Meister denn die "Trick of the tail"-Mischung?


  • kaden09
    Lurker
    Beiträge
    631
    • 12. August 2010 um 18:03
    • #535

    @Teemeister:

    Endlich mal jemand der hervorhebt, wie einzigartig Trespass auch ist. Ich darf noch hinzufügen, dass Genesis mit Trespass noch recht locker klangen, vielleicht, weil die Arrangements noch luftiger waren. Von Cryme bis England sind die Jungs recht steif und verkrampft, erst mit Lamb wirds wieder beschwinglicher (wobei Dancing with the Moonlit Knight und einige Momente ne Ausnahme darstellen) Und das Zusammenspiel zwischen Mike und Ant: Absolut geil!

  • Der Teemeister
    Gast
    • 12. August 2010 um 18:46
    • #536

    townman: "Trick" - da Du fragst - ist bei mir im engeren Kreis
    der Lieblingsplatten, Ein super-sound (der alte Mix jedenfalls)
    und ECHT frische und neue Ideen. Die Band spielt musikalisch
    losgelassen auf, es ist ihr größter Näherungswert zur Jazz-
    Fusion (ich mag das Mahavishnu Orchestra sehr), und, so sehr
    ich den späteren Schnulzen-Collins absolut nicht mag, so sehr
    liebe ich ihn ob seines filigranen Gesanges von TRICK bis DUKE.
    TRICK war das erste Genesis-Album, das ich, so um 1981,
    vollständig hören durfte. Ich ging zu einem Ostzonen-Platten-
    Ring-Tausch-Händler, welcher mir sagte, ich bekäme ANIMALS
    und WISH YOU WERE HERE nur, wenn ich "TRICK" mitkaufen
    würde - 300 Ostpiepen alles zusammen - take it or leave it.
    Ohne "Reinhören". Genesis kannte ich ein wenig, na ja ...
    Ich tat's - und war absolut verliebt. Ich kannte Genesis
    seit 1974, hatte die Songs "Carpet Crawlers", "Lamb Lies Down",
    "Match of the Day" (Hitparaden-Neuvorstellung!) auf Tape
    (von NDR 2 mitgeschnitten) und verfügte über die DDR-Amiga-LP
    (einer kuriosen Mischung aus DUKE und THREE). Aber TRICK,
    Wouw; das hat mich umgehauen.


    Das mit der Begrenzung auf 3 Scheiben ist hart- das wechselt bei
    mir auch geschmacklich in jeder Decade. Früher wären bei mir
    auch schon mal "FOXTROT", "TRICK" und "DUKE" nebst "SELLING
    ENGLAND" dabeigewesen - neben TRESPASS und W & W (diese
    beiden sind jedoch meine alltime-Favoriten).

    @kaden 09: es gibt hier noch einen großen Trespass-Fan
    namens HERMA, ebenfalls aus Leipzig, der das Album auch
    schon häufig und gut besprochen hat. Das muss ja nicht
    nicht immer auch meine Meinung sein; aber ich erkenne
    durchaus die Leistung anderer gerne an. Auch wenn ich
    mich mit HERMA nicht so verstehe - es muß gesagt sein.
    Er ist wohl gerade zur Kur - vom vielen Stagnation-hören! :kaffee:

    Einmal editiert, zuletzt von Der Teemeister (12. August 2010 um 18:50)

  • Online
    townman
    Giant Hogweed
    Beiträge
    7.038
    • 12. August 2010 um 21:19
    • #537
    Zitat von Der Teemeister

    so sehr
    ich den späteren Schnulzen-Collins absolut nicht mag, so sehr
    liebe ich ihn ob seines filigranen Gesanges von TRICK bis DUKE.

    Also, das spricht mir ja sehr aus dem Herzen. "Ripples", "Entangled", "Mad man moon", "Eleventh Earl(...)", "One for the vine", "Say it's alright, Joe" und vor allem auch "Blood on the rooftops", "Guide vocal" und "Please don't ask" sind enorm ausdrucksstark gesungen und haben auch noch diese "filigrane[...]" (Teemeister) Komponente mit vielen Schattierungen und auch sehr verletzlichen Passagen, die dann ab "Abacab" immer mehr fehlt.
    Ab den 80ern ist Collins dann vor allem entweder der Powerschreihals oder der Schmuseschleimer
    Die Verarmung der musikalischen Ausdruckspalette der Band während der kommerziell geprägten Bandphase zeigt sich nicht zuletzt anhand dieses Aspekts.


  • little nick
    Squonk
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    4.292
    • 14. August 2010 um 11:38
    • #538
    Zitat von Christian

    Nichtsdestotrotz ist m.E. zum Beispiel We Can't Dance allen anderen Alben Lichtjahre voraus, was die Qualität der Produktion angeht.

    ich finde auch, dass letztgenanntes und A Trick of The Tail und dazu Abacab immer besser als Album funktionieren, als irgendein Album der Gabriel-Ära. Diese haben für mich einen ganz anderen Reiz.

    ...hört man nicht gerade bei "We Can´t Dance" wie bei keinem anderen Genesis-Album sehr häufig, dass es ein Top-Album geworden wäre, wenn man 30% der Stücke weggelassen hätte? Für mich spricht das dagegen, dass es besser als Album funktioniert als irgendein Album der Gabriel-Ära. Für mich gibt es kein anderes Genesis-Album mit so vielen Skip-Kandidaten.
    Auch wenn die Qualität der Produktion verständlicherweise deutlich besser ist als die der älteren Alben, so fällt meiner Meinung nach "We Can´t Dance" insgesamt im Vergleich zu den vorausgegangen Alben deutlich ab. Mir fehlt irgendwie die Frische, der Pepp, die Rotzigkeit, der Biss, die Aggressivität. Klingt irgendwie insgesamt ziemlich weichgespült und auch wenig innovativ.
    Ich habe bei diesem Album das erste Mal das Gefühl, dass die Jungs ausgebrannt sind. Besonders traurig finde ich die Keyboardarbeit von Tony. Für mich als Keyboarder ist der "Tony der 70er" ganz großes Vorbild...in den 80ern hat er zwar nicht mehr sonderlich "progressiv" im klassischen Sinne gespielt, aber dennoch interessant, originell und innovativ. Auf "We Can´t Dance" lässt mich seine Keyboardarbeit an keiner Stelle aufhorchen. Ich find´s einfach nur langweilig. Dazu tragen auch die farblosen, teils sehr geschmacklosen 0-8-15-Sounds bei, die er verwendet. Ich hab mich damals, 1991, in meiner Euphorie natürlich sehr gefreut, nach vielen Jahren nochmal klassische Keyboardsoli auf einem Genesis-Album zu hören. Mit etwas Abstand betrachtet wirken diese auf mich, wenn man sie mit den alten "Krachern" vergleicht, eher putzig, wenn nicht sogar ein wenig lächerlich. Das 2-Finger-Solo bei "Living Forever" ist besonders traurig und auch das Solo bei Fading Lights ist nicht der Brüller. Zwar gefällt mir der Instrumentalteil insgesamt ziemlich gut und ich habe mich damals gefreut wie Oscar, als am Ende des Instrumentalteils sowas wie die Afterglow-Atmosphäre aufkam. Insgesamt wirkt das auf mich aber irgendwie wie ein Teebeutel, den man ein zweites, drittes oder viertes mal verwendet. Der Geschmack ist noch zu erkennen, aber das Aroma fehlt. Auf "Genesis" und "Invisible Touch" haben sie meiner Ansicht nach richtig guten, bissigen, originellen Pop geliefert, ohne wirkliche Prog-Elemente. Auf "We Can´t Dance" gibt es wieder mehr "klassische" Progelemente, die aber irgendwie aufgewärmt und kraftlos wirken. Dann doch lieber beim gut gemachten Pop bleiben oder eben bei den Prog-Anteilen eine Schippe drauf legen.
    Neben der Keyboardarbeit hat auch der Gesang sehr stark nachgelassen. Während Phil auf "Invisible Touch" noch unheimlich aggressiv, frisch und bissig klang, wirkt er auf "We Can´t Dance" irgendwie quäkend und über weite strecken ziemlich weichgespült.

    Insgesamt zeigt sich auf "We Can´t Dance" schon, was Mike und Tony dann später auf "Calling All Stations" noch ausgeprägter demonstriert haben: die Ideenwerkstadt voller Innovation, Frische und Biss ist ausgebrannt, oder zumindest völlig verstaubt...ein wirklich klägliches Bild etwa im Vergleich zu dem, was Steve so hervorbringt...

  • Online
    townman
    Giant Hogweed
    Beiträge
    7.038
    • 14. August 2010 um 20:33
    • #539

    little nick: ein wirklich sehr schön reflektiertes Posting und im Gegensatz zu mir kommst du bei diesem Thema völlig ohne Polemik aus. Daumen hoch.


  • Christian
    Administrator
    Beiträge
    22.835
    • 14. August 2010 um 20:45
    • Offizieller Beitrag
    • #540

    Mir ging es nicht darum zu diskutieren, ob WCD viele Skip-Kandidaten hat.

    Die Produktion aber wirkt reif, dazu gibt es ein exzellentes Spannungsfeld zwischen Keyboards und Gitarren, dazu einen top-Drumsound. Sicher kann man darüber streiten, ob das Songmaterial schlecht ist, das Album aufgebläht oder ähnliches. Nichtsdestotzotz bilden die Songs des Albums eine Einheit, die man auch bei Abacab und A Trick Of The Tail spürt. Diesen roten Faden hat zB Foxtrot definitiv nicht. Deswegen sage ich ja nicht, dass Supper's Ready nun den Vergleich zu Living Forever fürchten muss. Das sind Vergleiche einzelner Songs.

    Bei mir war WCD übrigens nicht in den Top 3 für den Poll da oben. Trick und Abacab aber schon. Aber wie gesagt, darum ging es mir nicht.

    Übrigens fand ich, dass die drei auf WCD ziemlich gelöst und frisch klangen. Und einige starke Nummern sind denen durchaus aus dem Ärmel gerutscht. Der Albumtitel ist sicher Murks und auch ich finde, das Album hätte kürzer sein können. Aber das hatten wir alles schon x-mal.

    Christian
    it-Redaktion

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