Liebe Freunde dieses unglaublichen Threads !
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge löse ich heute das Rätsel um die "falschen" Eintrittskarten - obschon nun noch eine Menge Recherche nötig sein wird, um den wirklichen BEWEIS hier einzustellen.
Hintergrund:
Gestern nacht hab ich die Bühne vom AC/DC OpenAir in Stuttgart abgebaut, und dort Bernd, einen Mannheimer Veranstaltungstechniker getroffen.
Nach einigem Plausch in der langen Nacht kkamen wir auf das Thema dieses Threads. Und Bernd wusste, was wir hier schon so lange versuchen, herauszufinden.
Heute morgen hab ich dann noch "kurz" nach den richtigen Stickworten im Netz gesucht...
aber seht selbst:
Quelle: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8001851.html
Zitat:
MUSIKGESCHÄFT
Kumpel in Panik
Der Impresario Matthias Hoffmann kommt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und des Betrugs vor Gericht. Er will über die Praktiken in der Konzertbranche auspacken.
Schon als Schüler organisierte er Feten und Konzerte. Nach einigen Semestern brach er sein Betriebswirtschaftsstudium ab und wechselte ganz in die Unterhaltungsbranche.
Ehrgeiz, Cleverneß und Härte brachten ihn weit nach oben. "Die Drei Tenöre" Luciano Pavarotti, Plácido Domingo und José Carreras, die seit Jahren gemeinsam durch die Welt tingeln und zig Millionen scheffeln, sind seine Erfindung.
Doch ist der Dynamiker seit mehr als einem Jahr stillgelegt. Seit Juli 1997 sitzt der nordbadische Impresario Matthias Hoffmann, 47, einer der ganz großen Konzertmanager Europas (Jahresumsatz rund 70 Millionen Mark), in Untersuchungshaft. In dieser Woche beginnt gegen ihn vor der 22. Strafkammer des Mannheimer Landgerichts der Prozeß.
Die Staatsanwaltschaft wirft Hoffmann Steuerhinterziehung und Betrug vor. Rund 23 Millionen Mark soll der Promoter über seine Firmen Hoffmann Konzerte GmbH, Classic Concert Company GmbH und
Rhein-Main-Veranstaltungs GmbH dem Fiskus vorenthalten haben.
Daß Hoffmann tatsächlich wegen dieser Summe verurteilt wird, ist unwahrscheinlich. Schon in ihrem mehrseitigen Eröffnungsbeschluß korrigierte die Kammer "Schreibfehler und redaktionelle Versehen" der Ankläger. Zudem hat der Impresario noch vor seiner Inhaftierung mehrere Selbstanzeigen gestellt. Dabei geht es um rund 7,6 Millionen Mark.
Prekär aber wird das Verfahren allemal - für die ganze Branche. Hoffmann will vor Gericht über die dubiosen Praktiken im Konzertgeschäft auspacken und Namen nennen. Für seine Lebensbeichte benötigt der Angeklagte mindestens zwei Prozeßtage. In Hoffmanns Erzählungen wird kaum ein bekannter Veranstalter fehlen. Und auch die Künstler will er nicht schonen.
Der Prozeß gegen ihn ist eine Folge des Verfahrens gegen den Münchner Konzertveranstalter Marcel Avram, der im vergangenen Dezember wegen Steuerhinterziehung von knapp sechs Millionen Mark zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Bei den Ermittlungen gegen Avram, den Pop-Größen wie Michael Jackson und Joe Cocker im Knast in Stadelheim besuchten, hatte ein bayerischer Ermittler in einem Vermerk festgehalten, Avrams Steuerberater, der Bad Homburger Günther Färber, berate seit 1990 auch Hoffmann. Seitdem verfahre dieser "steuerrechtlich" wie der Münchner Unternehmer.
Die unscheinbare Notiz mobilisierte die Mannheimer Steuerfahnder. Die Büros von Hoffmann und Färber wurden gefilzt. Der Impresario kam in Haft. Das Beweismaterial stapelt sich in 2000 Ordnern.
Schon das Avram-Verfahren warf Fragen nach den Methoden der Branche auf. In kaum einem anderen Genre wird so unverschämt am Fiskus vorbeikassiert wie im Show-Business. Rund 4,5 Milliarden Mark setzen die Konzertveranstalter jährlich in Europa um. Doch die "dirty tricks" blieben im Avram-Prozeß weitgehend außen vor.
Hoffmanns Ankündigung, er werde reden, versetzt frühere Kumpel in Panik. Ein Ex-Kollege aus Köln hat ihm bereits gerichtliche Schritte angedroht, sollte er etwas über interne Absprachen zwischen den Promotern ausplaudern. Doch angesichts des Beweismaterials gegen ihn hat Hoffmann kaum eine andere Wahl.
Laut Anklage soll "der beste Konzertveranstalter der Welt" (Domingo) zwischen 1990 und 1997 Schwarzgeld in Millionenhöhe kassiert und nicht versteuert haben. Rund sechs Millionen Mark Steuern seien allein auf diese Weise hinterzogen worden.
"Die Schwarzgeldgeschäfte liefen nicht ganz ohne die Partner ab", sagt Hoffmanns Anwalt Alexander Keller. Der renommierte Heidelberger Steuerstrafrechtler hat seinem Mandanten deshalb empfohlen, den Behörden umfassend Einblick in die Szene zu gewähren und zu kooperieren. Das Strickmuster war offenbar bei fast allen Agenturen gleich, wenn es darum ging, Schwarzgeld zu vereinnahmen und den Fiskus zu hintergehen.
Bereits im Vorfeld der Konzerte legten der lokale und der nationale Veranstalter die genaue Zahl der schwarz zu verkaufenden Eintrittskarten fest. Pro Veranstaltung kamen mehrere hunderttausend, manchmal sogar über eine Million Mark steuerfrei in die Kasse. Prozentgenau wurde die Beute vorher aufgeteilt.
In einigen Fällen sollen sogar die Stars oder ihr Management an dem steuerfreien Kuchen partizipiert haben. Für das Openair-Konzert der Rock-Gruppe Genesis am nordbadischen Hockenheimring im Juli 1992 zum Beispiel will Hoffmann nach Erkenntnis der Ermittler und dem Eingeständnis des Angeklagten als lokaler Veranstalter mit dem nationalen Agenten ausgekungelt haben, ein gewisses Kartenkontingent nicht in die offizielle Abrechnung zu nehmen. Rund eine Million Mark sei so zusammengekommen. Den größten Brocken, über 50 Prozent, soll laut Hoffmann das Management der Gruppe kassiert haben. Weil es so gut lief, sei für ein Zusatzkonzert auf dem nahen Mannheimer Maimarkt-Gelände eine ähnliche Vereinbarung getroffen worden.
Weitere sechs Millionen Mark soll Hoffmann an Umsatzsteuer hinterzogen haben. Grundsätzlich muß für jedes Konzert Umsatzsteuer bezahlt werden. Doch die Veranstalter können sich nach den Umsatzsteuer-Richtlinien davon ganz oder teilweise befreien lassen, wenn die Musiker- oder Gesangsgruppen aus zwei oder mehr Mitwirkenden bestehen.
Ausgeschlossen von dieser Regelung sind Solisten. Warum die kulturellen Leistungen von Solokünstlern mit Umsatzsteuern belastet werden, aber Gruppendarbietungen umsatzsteuerfrei bleiben, ist für Hoffmann-Anwalt Keller "nicht nachvollziehbar, grob willkürlich und ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz".
Die Vorschrift wird zudem von den Finanzämtern unterschiedlich ausgelegt. So kam die Finanzverwaltung bei den "Drei Tenören" zu dem Ergebnis, bei ihnen handele es sich um Solokünstler. Selbst wenn ein Dirigent mit seinem Orchester aufspielt, sieht der Fiskus darin einen Soloauftritt.
Hoffmann hat sich deshalb mit einer Beschwerde an die Europäische Kommission in Brüssel gewandt. Die will die bundesdeutsche Regelung jetzt auf ihre Vereinbarkeit mit europäischem Recht prüfen.
Sollte er Erfolg haben, würde zwar ein wichtiger Anklagepunkt wegfallen, aber das dürfte dem Angeklagten kaum aus der Bedrängnis helfen.
Den größten Batzen, rund 10,1 Millionen Mark, soll der Konzertagent dem Fiskus vorenthalten haben, indem er für die Honorare ausländischer Künstler keine Einkommensteuer einbehielt.
Ausländische Künstler müssen nach Paragraph 50 a des Einkommensteuergesetzes von ihren Gagen 25 Prozent Abgaben an den deutschen Fiskus zahlen. Weil Promoter und Artisten als gemeinsamer Schuldner von der deutschen Steuerverwaltung angesehen werden, muß der Veranstalter normalerweise die Einkommensteuer von den Gagen der ausländischen Künstler abziehen und an den Fiskus weiterleiten. Doch darauf läßt sich nach Aussagen von Hoffmann kaum ein Star ein.
Um ihre Stimmen zu vergolden, gründeten Pavarotti und seine Sangesbrüder etwa im Herbst 1995 auf der englischen Kanalinsel Jersey die Firma "Tenors Trademarks Limited (TTL)". Das Unternehmen hatte nur einen Geschäftszweck: TTL verkaufte die Rechte am Logo "Die Drei Tenöre" an die "Irish Intellectual Property Service Limited (IIPS)". IIPS wiederum handelt mit Lizenzen, und das sind steuerrechtlich keine Gagen.
Allein für den Auftritt ihrer Stars im Münchner Olympiastadion und im Düsseldorfer Rheinstadion kassierte die IIPS jeweils 4,5 Millionen Dollar an Lizenzgebühren. Die Gagen für die stimmgewaltigen Künstler fielen deshalb viel niedriger aus. Dennoch schuldet die Troika dem deutschen Fiskus rund drei Millionen Mark, die Hoffmann begleichen soll, weil er das Geld nicht einbehalten hat.
"Wenn die drei Tenöre ihre Steuern in Deutschland bezahlen würden", klagt Keller, "wäre mein Mandant entlastet." Ohnehin ist für Keller unverständlich, warum der deutsche Fiskus sich nicht an möglichem inländischem Vermögen der Künstler schadlos hält.
Auch in Italien ist zumindest Pavarotti als Steuersünder aufgefallen. Dort läuft ein Vorermittlungsverfahren gegen ihn. Er steht mit rund 10,7 Millionen Mark beim Fiskus in der Kreide. Von italienischen Journalisten darauf angesprochen, zuckte der Sänger nur mit den Achseln, lächelte und sagte, er wisse von nichts.
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Hoffmann wurde 2004/5 zu 3 Jahren Haft verurteilt.
Seit 2009 laufen seine Produktionen wieder.
Die Luftaufnahmen der Polizei, die im übrigen bei fast jeder Produktion ab 30.000 Leuten gemacht werden, dienten im Verfahren als Beweis, es wurden mit der Stecknadel die Köpfe gezählt, die reele Zuschauerzahl konnte so bis auf ein Prozent ermittelt werden.
Ganz nebenbei also wirft der Beitrag des Spiegel dem Management von Genesis ein Beteiligung am Betrug vor.
Bin sehr gespannt auf eure Meinungen...
