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Rezis andere Bands

  • brecher
  • 30. Januar 2011 um 21:33
  • brecher
    Slipperman
    Beiträge
    2.556
    • 30. Januar 2011 um 21:33
    • #1

    Angeregt durch die Watch Rezi eröffne ich einmal diesen Thread und beginne gleich einmal mit einer kurzen Rezi.
    Bin gespannt was/ob sonst noch was kommt....

    Wie dem auch sei, bei mir ist´s 5 vor 3

    http://www.myspace.com/progtronaut

  • brecher
    Slipperman
    Beiträge
    2.556
    • 30. Januar 2011 um 21:37
    • #2

    "Melodies surround us every moment“. Die erste Textzeile verrät es bereits. Hier gibt es unwiderstehlich schöne Melodien die sich durch intelligente Arrangements schlängeln.
    „Play“…..
    Und los geht’s mit einem symphonischen Opener der den Hörer beflügelt und positiv stimmt: „Let the race begin“ ! Da sind die typischen Steve Hackett Gitarren und die Minimoog Arpeggien die man von einem Retroprog Werk erwartet. Die Soundwalze ebbt ab und schafft so Raum für Ryan Downes Stimme, die hier stark an Dennis de Young (Styx) erinnert. Schon bald gesellt sich die angenehm heisere Stimme Matt Swindells hinzu-ein starkes Team! Die beiden Sänger haben einen würdevollen, erhabenen Gesang der stellenweise sehr an die Satz- und Chorgesänge von Yes erinnern.
    Mit vielen Tempiwechseln kommt „Whalehead“ daher. Das Schlagzeug überzeugt durch seinen lebendigen, relaxed gespielten Beat. Im ruhigen Zwischenteil fühlt man sich an die Cinema Show erinnert, bis wieder der Yes-artige Satzgesang beginnt.
    Ein Schlagzeugeinstieg im 6/4 Beat und kurz darauf ist man von der komplexen Komposition „Salvo“ gefangen. Die psychopathische Gesangslinie der Strophe ist einem bereits in Gabriels „Darkness“ begegnet. Doch es folgt ein noch deutlicheres Zitat im Mittelteil, indem Moth Vellum die Starship troopers auferstehen lassen.
    In „Against the suns“ überzeugen wieder die süffigen Harmonien welche man in dieser Form sonst eher ELO zugetraut hätte. Downes androgyne Stimme ist hier nur stellenweise von der einer Frau zu unterscheiden. Die gepickten Gitarren tragen hier zu dem schwebenden, melancholischen Gesamteindruck bei. Unter der hinreißend schönen Melodie flirren wieder Moogarpeggien, bis die Musik abreißt und eine minutenlange Keyboardfläche den Hörer trägt.
    Die Gitarre tupft leichte Flageolet Töne in einem seltsamen Takt, begleitet von Matts lockerem und doch kraftvollem Drumming-ich bin verzaubert! „Walk it off“ strickt wirklich seltsame Grooves (6/8, 7/8, 13/8…) unter eine sehr eigene Melodie. Ein teils geslappter Bass, eine Hackett artig gespielte Leadgitarre und Yes typische Gesänge lassen das Progger Herz höher schlagen.
    Zum Ausklang gibt es noch ein hymnisches Werk. „Agains the suns reprise“ schleppt einen sehr stimmungsvoll zum Ausgang dieser rundum gelungenen Platte.
    Fazit.
    Manchmal helfen Schubladen um schnell deutlich zu machen um was es sich überhaupt handelt. Aus diesem Grund zog ich die Vergleiche zu den bekannten Klassikern.
    Vom Gesamtsound her sehe ich durchaus eine Nähe zu Magentas Seven. Dazu trägt u.a die feminine Stimme Ryan Downes bei, die stellenweise an Dennis de Young oder Gaddy Lee erinnert. Auch die zahlreichen, überdeutlichen Zitate rücken Moth Vellum in die Nähe Magentas. Doch trotz aller Zitate sind hier tolle, eigenständige Kompositionen gelungen bei denen verschwenderisch Melodien über intelligente Beats gelegt werden.
    Insgesamt liefern Moth Vellum hier ein erstaunlich frisches Retro-Werk ab, welches trotz der opulenten Dichte zu keiner Zeit überfrachtet oder zugekleistert wirkt.
    Unbedingte Empfehlung für alle Retroprogliebhaber.
    12 von 15 Punkten

    Wie dem auch sei, bei mir ist´s 5 vor 3

    http://www.myspace.com/progtronaut

    2 Mal editiert, zuletzt von brecher (30. Januar 2011 um 22:27)

  • Eric
    Squonk
    Beiträge
    4.755
    • 30. Januar 2011 um 21:58
    • #3

    Schöne Thread-Idee! Da mach ich doch gleich mal mit.

    King Crimson - VROOOM VROOOM




    Ab Mitte der 80er wurde es erstmal recht still um King Crimson. Erst 10 Jahre nach der Discipline/Beat/Three Of A Perfect Pair Trilogie erschien mit der EP "VROOOM" wieder ein Lebenszeichen der Band. Das Lineup, das bei King Crimson wie bei kaum einer anderen Band ständigen Veränderungen unterlag, wurde erneut signifikant umgestellt: Robert Fripp entwickelte die Idee von 2 einander gegenüberstehenden Trio-Einheiten von Musikern. King Crimson sollte aus zwei Bands - jeweils bestehend aus einem Gitarristen, einem Bassisten und einem Drummer - zu einem großen ganzen verschmelzen. Das eine Trio bestand aus Robert Fripp, dem Bassisten Trey Gunn (mit dem Fripp Anfang der 90er zusammen mit David Sylvian auf Tour ging) und dem Mr Mister Schlagzeuger Pat Mastelotto. Das zweite Trio sollte aus dem 80er Crimson-Musikern Tony Levin (Bass) und Adrian Belew (Gitarre und Gesang) sowie dem Drummer Jerry Marotta (vor allem bekannt als Drummer bei Peter Gabriel) bestehen. Allerdings hatte Bill Bruford, der nach seinem Ausstieg bei YES bereits in den 70ern und 80ern langjähriges King Crimson Mitglied war, von den neuen Bandplänen erfahren und war von der Idee der beiden Trios schwer begeistert; so nahm er den Platz des Drummers im zweiten Trio anstelle von Marotta ein. Damit war auch die komplette 80er KC Formation wieder Teil der Band.

    Das "Double Trio" war geboren. In dieser Formation nahm die Band zunächst die EP VROOOM sowie das Album THRAK auf und ging mit diesem Material ausgiebig auf Tour. Die Tourneen Mitte der 90er sind recht gut dokumentiert, unter anderem durch das Doppellivealbum VROOOM VROOOM

    Tracklist
    CD 1 (Mexico City, Metropolitan Theater, 2., 3. und 4. August 1996)
    1. Vroom Vroom 5:52
    2. Coda: Marine 475 2:44
    3. Dinosaur 5:05
    4. B'Boom 4:15
    5. Thrak 6:39
    6. The Talking Drum 4:03
    7. Larks' Tongues In Aspic (Part II) 6:13
    8. Neurotica 3:40
    9. Prism 4:24
    10. Red 7:03
    11. Improv: Biker Babes of the Rio Grande 2:27
    12. 21st Century Schizoid Man 7:37
    Gesamtspielzeit: 50:02

    CD 2 (New York City, Longacre Theater, 20., 21., 22., 24. und 25. Dezember 1995)
    1. Conundrum 1:57
    2. Thela Hun Ginjeet 6:44
    3. Frame By Frame 5:12
    4. People 6:12
    5. One Time 5:52
    6. Sex Sleep Eat Drink Dream 4:55
    7. Indiscipline 7:16
    8. Two Sticks 1:50
    9. Elephant Talk 5:14
    10. Three Of A Perfect Pair 4:16
    11. B'Boom 3:47
    12. Thrak 6:43
    13. Free As A Bird 3:03
    14. Walking On Air 5:35
    Gesamtspielzeit: 68:36

    Lineup
    Adrian Belew - Guitar, Vocals
    Tony Levin - Basses, Stick
    Trey Gunn - Touch Guitar
    Pat Mastelotto - Drums
    Bill Bruford - Drums
    Robert Fripp - Guitars

    Das Album ist sozusagen zweigeteilt. Nicht nur dass CD 1 und CD 2 Mitschnitte aus zwei verschiedenen Shows sind, auch die Titelzusammensetzung wurde so gewählt, dass zwei sehr verschiedene Alben herausgekommen sind, die jeweils für sich ein recht homogenes Bild abgeben. CD 1 enthält überwiegend das neue Material, das wieder stärker an die experimentellen Rockalben aus den 70ern erinnert. Dazu gesellen sich die 70er Jahre Klassiker The Talking Drum, Red, Larks' Tounges in Aspic II und 21 Century Schizoid Man. Insgesamt geht es auf CD 1 sehr dynamisch, aggressiv zu. Chaos und Komposition wechseln sich ab, den zeitweilgen ruhigen und entspannten Momenten folgt ein kraftvoller Sturm. CD 2 hingegen dokumentiert die für KC-Verhältnisse eher poppigen Nummern aus den 80ern sowie die poppigeren Nummern von THRAK. Easy Listening wird es dennoch nie, dafür ist die Musik von King Crimson einfach zu abgedreht. Und ja: Bei Free As A Bird handelt es sich tatsächlich um den "neuen" Beatles Song.

    Der Sound ist insgesamt hervorragend knackig und kraftvoll. Man kann die einzelnen Instrumente gut voneinander unterscheiden. Und es macht einfach nur Spaß, richtig laut aufzudrehen. Die beiden Trios sind wunderbar aufeinander eingespielt und spielen sich gegenseitig die Bälle zu. Natürlich spielen die beiden Trios spielen nicht einfach das gleiche, sondern ergänzen einander bzw. arbeiten manchmal auch ein wenig gegeneinander (schön schräg). Gunn und Levin kann ich nicht immer einwandfrei auseinander halten. Aber insbesondere Bruford und Mastelotto spielen einen sehr unterschiedlichen Stil. In dieser Bandbesetzung klingen gerade die alten 70er Songs völlig anders und erfischend neu. Besonders Larks’ Tounges In Aspic II machen richtig Spaß. Was in diesem Song alles passiert, haben andere Bands in 40 Jahren Bandgeschichte nicht untergebracht.

    Fazit: Es gibt mittlerweile eine kaum noch überschaubare Anzahl an King Crimson Livealben. Alle zu besitzen ist erstens kaum möglich und zweitens auch nicht unbedingt lohnenswert, da sich doch sehr viel wiederholt. Mit der VROOOM VROOOM erhält man ein ausgezeichnetes Livedokument aus einer der interessantesten Phasen der Bandgeschichte, das nicht nur die damals aktuellen Songs der Band enthält, sondern auch noch einen Großteil des 80er Materials abdeckt, gespickt mit einigen 70er Klassikern.
    Dazu gibt es ein wirklich schönes Booklet mit jeder Menge Liner Notes :)

    “THE NIGHT WE TRACKED DOWN PHIL COLLINS, BECAME BEST FRIENDS WITH HIM, AND TALKED HIM INTO REUNITING WITH PETER GABRIEL, AND THEN WE GOT TO SING BACKUP ON THE NEW GENESIS ALBUM AND IT WAS AWESOME!”

    — Barney Stinson, How I Met Your Mother, Season 7, Episode 21 ‘Now We’re Even’

  • brecher
    Slipperman
    Beiträge
    2.556
    • 3. April 2012 um 17:00
    • #4

    Allgemein
    Ja, die Vergangenheit. Es war 1988, ich 19 Jahre jung und gerade dabei von zu Hause auszuziehen. Damals gab es gähnende Leere auf dem Progressiverock Markt und so war ich hochgespannt als mir ein Freund It Bites´Once around the world in die Hand drückte. Das war eine Offenbarung. Welcher Spielwitz, was für ein geiler Sänger und Gitarrist. Ich war begeistert.
    Mit Map of the past nehmen uns It Bites mit auf eine Zeitreise, und das im doppelten Sinne. Zum einen ist die Platte thematisch in der Historie angelegt und zum anderen erhält man hier waschechten 80er Jahre Prog. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten dass It Bites dieses Genre mit ihren letzten 2 Alben neu definiert haben. Es ist die Platte die ich 1989 nach Once around the world erwartet hätte. Sie schließt quasi nahtlos an diesen Meilenstein an und atmet förmlich den Geist Francis Dunnerys. Zum Glück ist Jon Mitchell ein großer Dunnery Fan und so gelingt es ihm scheinbar mühelos sein Gitarrenspiel und Gesang zu "reproduzieren" ohne zu kopieren. Großartig.
    Map of the past ist wie ein persönliches Foto aus den 80ern dass man bisher nicht zu Gesicht bekommen hat. Zu den

    Songs:
    Man in the Photograph 3:44
    Das Intro nimmt einen bei der Hand und entführt in die Frühzeit des Rundfunks. Sehr schön. Sentimental, klein und erzählerisch.
    Wallflower 4:51
    Nahtlos schließt sich eine Progressive-Rockwalze an. Durch die verwendeten Synths (D 50 Strings...etc) klingt das ganze schon sehr authentisch nach 80er Prog. Schon hier wird Mitchells Nähe zu Dunnery hörbar.
    Map of the past 4:37
    Ein luftig leichter Progressive PopRock Song. Wunderbarer Flow mit dem It Bites typischen opulent-süßlichem Refrain.
    Clocks 5:43
    Für mich ein Schwachpunkt auf Map of the past. Der Song erinnert stellenweise an Peter Gabriel. Er hat für meinen Geschmack zu wenig Kraft und wirkt teilweise weihnachtlich anrührend. IB Balladen wirkten aber schon immer leicht süßlich. Hier fehlt irgendwie die Erdung. Der Zwischenpart kann das auch nicht rausreißen, klingt er doch wie Schunkeln auf der Kirmes.
    Flag 4:38
    Schöner Uptempo Prog. Der Aufbau und die Harmonien erinnern mich entfernt an Police´s Synchronicity. Herr Mitchell rockt in Francis Manier auf seiner Gitarre. Cool.
    The big machine 5:18
    Der Song lebt vom Wechsel zwischen symphonisch strahlenden Teilen und den ausgedünnten Strophen. Die freche Rhytmusgitarre kenne ich so nur von IB. Sehr geil. Text und Musik passen wunderbar zusammen. Wieder ein epischer Refrain mit tollem Chorgesang. Der abgefahrene Instrumentalteil erinnert an Once around the world (track) und besticht durch lebendige Solopassagen von Moog und Gitarre. So wollen wir IB hören. Volle Punktzahl.
    Cartoon graveyard 5:03
    Nach einer zarten Einleitung entwickelt sich Cartoon graveyard zu einem treibenden Song, der in den Strophen an Old man & the angel erinnert. Der Refrain hingegen könnte von Francis´"lets go do what happens" stammen. Das Songwriting finde ich ganz stark. Gibts eigentlich Progressive Song charts? Cartoon graveyard wäre wohl ein echter Hitanwärter. Nahtlos schließt
    Send no flowers 4:15
    an. Ja gut......gibt keine Blumen. Traurig das. Doch, von mir gibts welche, denn hier entsteht eine tolle Atmosphäre! Send no flowers lebt vom Wechsel zwischem ausdruckslosem und sehnsüchtigem Gesang und dem Kontrast zwischen symphonischen Teilen und absoluter Tristesse. Hier hört man wieder die stimmliche Nähe zu Gabriel. Irgendwie finden sich auch harmonische Muster von Queen.
    Meadow and the stream 6:42
    Beginnt mit der Fortführung der seltsam entrückten Stimmung von Send no flowers. Der eigentliche Song startet ab 1:48 mit einem beschwingten Thema dass Genesis 73 auch nicht besser hinbekommen hätten. Der Refrain wirkt dramatisch mit einer hammergeilen Hookline hinter dem Refrain. Jaaaa, mehr davon! Ach, der Jon hats voll drauf...
    The last escape 6:07
    Ich sach ma so: Im Kontext der Platte wirkt dieser letzte richtige Song wie ein Resümee. Das geht schon in Ordnung. Ansonsten ist the last escape eine etwas zähe Pianoballade die mit ihrem pathetischem Gesang doch etwas kitschig wirkt.
    Exit song 1:43
    So wie die Platte begann, so endet sie auch. Wieder die historischen Radio Aufnahmen und ein einfaches Gitarrenthema. Ich mußte irgendwie auch an den Abschluß von The big lad in the windmill denken. Schön.

    Fazit

    Ein tolles Album, das für mich die Fortsetzung von Once around the world ist. Jon Mitchell passt perfekt in die Schuhe Dunnerys. Ich finde Map of the past wesentlich proggiger als Tall ships. Gute PopRock Songs mit Progressive zu verbinden war und ist die große Stärke dieser Band. It Bites sind für mich die Speerspitze des 80er Progs, und dies ist eines ihrer stärksten Alben.
    12 von 15 Punkten!

    Wie dem auch sei, bei mir ist´s 5 vor 3

    http://www.myspace.com/progtronaut

    Einmal editiert, zuletzt von brecher (3. April 2012 um 17:02)

  • mtv16
    Lurker
    Beiträge
    271
    • 3. April 2012 um 19:03
    • #5

    also dieser Thread wird ja richtig geil !!

    und jetzt Mods, löscht bitte meinen Beitrag wieder, denn ich finde, hier sollten ausschließlich diese tollen Reviews drin sein

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