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Eure WM-Erlebnisse

  • sam2309
  • 9. Juni 2006 um 15:11
  • DocFederfeld
    Gast
    • 10. Juli 2006 um 20:19
    • #101

    Ich war heute morgen richtiggehend angepisst über den Ausgang der WM :rollen: . Insbesondere habe ich mich über die Kommentare von Marcel Reif bei Premiere geärgert, den ich eigentlich sonst schätze. Italien war für mich in der ersten Hälfte die aktivere Mannschaft, aber Frankreich hat in der zweiten Hälfte und in der Verlängerung das Spiel bestimmt.

    Reif: Italien war die klar beste Mannschaft des Turniers und Buffon ist der beste Torhüter der Welt

    Ich bin ja grundsätzlich der Meinung, daß es keinen unverdienten Weltmeister gibt, aber die besten Mannschaften des Turniers waren für mich Argentinien und Frankreich. Und Buffon - ich meine, vielleicht ist er der Beste, aber bei dieser WM hat er ja fast nichts zu halten bekommen. Ich selbst hätte klasse im Tor ausgesehen, wenn so ein unglaublich guter Spieler wie Cannavaro vor mir die Abwehr organisiert ;) - für mich war Cannavaro der beste Spieler der WM.

    Zidane ist ja angeblich von seinem Gegenspieler als "algerischer Terrorist" oder so ähnlich beschimpft worden - dieses Gerücht streut sich jedenfalls durch das Netz. Ein wenig kann ich Zidanes Reaktion ja verstehen, aber das Problem ist natürlich, daß er letztlich nicht nur sich, sondern der ganzen Mannschaft geschadet hat. Die Franzosen wirkten auf mich völlig geschockt und resigniert nach dem Platzverweis. Ich war mir ganz sicher, daß sie das Elfmeterschiessen nervlich nicht packen (obwohl es natürlich nur wenige Zentimeter waren, die entschieden haben) - um so bitterer.

    Diesen Platzverweis jetzt als großen Makel zu betrachten, wie es viele Kommentatoren tuen - ich weiß nicht. Maradonna z.B. ist berühmt aufgrund der "Hand Gottes" - eine der größten Unsportlichkeiten der Fußballgeschichte. Die Engländer, die ja besonders viel Wert auf Fair play legen (wenn sich die englischen Fußballspiler auch selbst nicht immer daran halten - siehe Rooney) werden ihn dafür wohl auf Ewigkeit hassen. Zidane hatte immer wieder diese dunklen Momente, das macht ihn für mich nicht unsympathischer.

    Ansonsten habe ich zum ersten Mal seit vier Jahren wieder so viel Fußball gesehen - normalerweise interessiere ich mich inzwischen sehr viel mehr für NFL/NFL Europe, MLB und NBA - Fußball kommt erst mit Abstand auf Platz 4. Was mich auch bei dieser WM wieder sehr gestört hat, ist diese ganze Schauspielerei, diese Schwalben, das minutenlange theatralische Wälzen auf dem rasen, dieses ständige Reklamieren beim Schiedsrichter... das findet man im US Profisport praktisch nie. Die Spieler akzeptieren die Schiedsrichterentscheidungen und sie spieln auch nicht ständig den sterbenden Schwan. Heute Nacht findet das Baseball All-Star Game statt, da verliere ich schnell den Fußball wieder aus den Augen :D .

    Noch etwas - ich persönlich freue mich für Klinsmann. Immerhin kann ich ehrlich behaupten, daß ich ihn schon vor der WM geschätzt habe und nicht erst auf den Wagen aufgesprungen bin. Im Prinzip war es schöner für die deutsche Mannschaft mit einem attraktiven Sieg den 3. Platz zu erringen als am Ende wie die Franzosen dazustehen - enttäuscht und fertig.

    Am Ende noch ein Link zu einem interessanten Artikel von Spiegel online:

    http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,425976,00.html

  • DocFederfeld
    Gast
    • 10. Juli 2006 um 21:25
    • #102

    Zur Ergänzung noch ein ganz interessanter Kommentar von Dr.Z, einem der bekanntesten amerikanischen Footballfachleute der USA:

    http://sportsillustrated.cnn.com/2006/writers/d…dane/index.html

  • genesis
    Banjo Man
    Beiträge
    1.424
    • 11. Juli 2006 um 01:09
    • #103
    Zitat von DocFederfeld


    aber die besten Mannschaften des Turniers waren für mich Argentinien und Frankreich.

    Sorry,

    aber Frankreich war doch nicht mit Argentinien die beste Mannschaft des Turniers. Ich weiß nicht was du für Spiele gesehen hast, aber Frankreich war in der Vorrunde noch schwächer als Italien. Gegen Spanien gewinnt jeder im Achtelfinale, weil die Iberer bei einer WM nie was reißen, gegen Brasilien war es ordentlich, gegen Portugal war die erste HZ gut, die zweite unter ferner liefen im Finale genau umgekehrt (Italien steckte wohl doch noch die Verlängerung gegen uns in den Knochen) Hätten wir gegen Frankreich gespielt hätte es wie für Portugal 3 Hütten gegeben.
    Also bevor man Frankreich mit zu den besten Mannschaften des Turniers zählt (die haben Schlafwagen-Fußball gespielt), sollte man doch vorher Deutschland, Italien und meinetwegen Portugal nennen.

    Genesis

  • Jan
    Banjo Man
    Beiträge
    1.879
    • 11. Juli 2006 um 08:49
    • #104

    Ist ja immer die Frage, welche Kriterien man für die "beste" Mannschaft anführt. Wenn es nach der taktischen Leistung und dem theoretischen Potential der Teams geht, sehe ich Italien (und auch Argentinien, Frankreich) durchaus vorne. Von der Attraktivität ihres Spiels her wären es für mich Argentinien, Deutschland sowie die Elfenbeinküste gewesen...
    Was Klinsmann angeht, so lässt sich sicherlich sagen, dass er sportlich bei dieser WM einiges bewirkt hat und auch einen großen Anteil an der tollen Fußballatmosphäre im Land hatte. Das hat auch mich durchaus überrascht und davor ziehe ich den (imaginären) Hut. Andererseits hat er das Rad auch nicht neu erfunden, so dass jetzt nicht übertrieben werden sollte. Ich glaube, dass die Deutsche Elf abseits des WM-Hypes wieder auf den Boden der Tatsachen kommen dürfte. Auch das Spiel gegen müde Portugiesen am Samstag hat m.E. nicht die Klasse gehabt, die manche darin zu sehen glaubten. Da wurde bis auf die Tore teilweise wieder ganz schön "gerumpelt" (der fehlende Ballack hin oder her). Insofern freue ich mich über das überraschend gute und überwiegend äußerst ansehnliche Spiel der Deutschen, wünsche mir aber wieder etwas mehr Objektivität gerade seitens der Medien. Von "Klinsmann raus!" bis zum "unsterblichen Fußballgott" waren es da ja nur zwei, drei Spiele!!! Schön wäre eine gesündere Sichtweise, in der man sowohl seine Stärken als auch seine durchaus vorhandenen Schwächen sehen sollte.

  • Jan
    Banjo Man
    Beiträge
    1.879
    • 11. Juli 2006 um 09:35
    • #105
    Zitat von genesis

    Hätten wir gegen Frankreich gespielt hätte es wie für Portugal 3 Hütten gegeben.

    Aber nur mit ähnlich geglückten Distanzschüssen von Schweinsteiger. Herausgespielte Torchancen hätten wir eher selten zu sehen bekommen, da die Franzosen (ob nun ansehnlich oder nicht) eine ähnlich grandiose Defensivleistung wie die Italiener zustande brachten (allein die Innenverteidigung mit Thuram und Gallas ist Weltklasse, davor ein grandioser und moderner "6er" mit Viera!) und ihre Gegner meist kaum in Strafraumnähe kommen ließen. Das wäre wohl ein ähnlich trübes Spiel gewesen wie das Deutsche Halbfinalspiel gegen die Italiener, wo es ja auch nicht gerade 100prozentige Torchancen gehagelt hat...

  • sam2309
    Slipperman
    Beiträge
    2.633
    • 11. Juli 2006 um 11:47
    • #106

    Jetzt haben es die Italiener doch geschafft.....also mein nächster Besuch beim Italiener wird jetzt wohl noch etwas dauern....Schade für den großen Zidane das er so seine Karriere beendet hat. Na ja, selbst schuld. Man sollte meinen das er erfahren genug ist um sich nicht so provozieren zu lassen.

  • DocFederfeld
    Gast
    • 11. Juli 2006 um 13:32
    • #107
    Zitat von sam2309

    Jetzt haben es die Italiener doch geschafft.....also mein nächster Besuch beim Italiener wird jetzt wohl noch etwas dauern....Schade für den großen Zidane das er so seine Karriere beendet hat. Na ja, selbst schuld. Man sollte meinen das er erfahren genug ist um sich nicht so provozieren zu lassen.

    Also, ich will jetzt noch etwas zu Zidane sagen: Je mehr Abstand ich zum Finale habe, desto verständlicher finde ich seine Aktion. Was man ihm zweifellos vorwerfen kann: Egoismus, fehlende Loyalität gegenüber seinen Mannschaftskameraden - das stimmt. Aber es war für mich ein großer Abgang und kein "trauriger", "vulgärer" oder was man heute noch so in der FAZ lesen konnte.

    Zidane war der Fußballspieler der letzten zehn Jahre. Er war nie ein Gentleman auf dem Platz, aber er wurde selbst auch getreten, gehalten, provoziert wie kein zweiter - selbst die eigene Presse hat ihn in der Vorrunde übel beschimpft. Ich glaube, fast jeder Fußballspiler träumt davon, einmal zurückzuschlagen. Zidane hat sein letztes Spiel gewählt - jede Sperre kann ihm egal sein und er hat für seinen Abgang einen Spieler gewählt, der wie kaum ein zweiter für einen schmutzigen und unfairen Sport steht. Ich ziehe grundsätzlich den Hut vor Zidane - wäre ich Mitglied der französichen Elf, wäre ich aber aus o.g. Gründen auch sauer - es gibt kein schwarz und weiss bei dieser Aktion.

    Hier noch ein Artikel aus der heutigen FAZ:

    Zitat


    Vorzeigerüpel der Schlitzohr-Combo Keine Schlüsselszene ohne Materazzi

    BERLIN. Nichts anderes ist von einem Süditaliener zu erwarten als diese schicksalhafte Einstellung zum Leben. "Für alles gibt es eine göttliche Bestimmung", so Marco Materazzi. Der Italiener sagte diesen Satz zu Beginn des WM-Turniers, als ihm im dritten Gruppenspiel gegen Tschechien sein erster Treffer überhaupt für die Squadra Azzurra gelungen war. Von da an hatten die höheren Mächte offenbar einiges vor mit dem 32 Jahre alten Innenverteidiger. Als vermeintlicher Banksitzer zur Weltmeisterschaft gekommen, profitierte er von der Verletzung des gesetzten Alessandro Nesta - am Ende wurde er zu einer der bestimmenden Figuren eines bizarren Finales.

    Wie ein Zauberlehrling, der mit einem großen Zischen gerade die entscheidende Formel entdeckt hatte, hüpfte Materazzi danach gauklerisch umher. Auf dem Kopf trug er einen schlumpfartigen Zylinder in den italienischen Nationalfarben, den er nur abzog, als ihm der deutsche Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer auf dem Siegerpodest zum Weltmeistertitel gratulierte. Materazzis Auftritt im Berliner Olympiastadion hatte seine ganz besondere Dramaturgie: Erst gab Schiedsrichter Elizondo in der siebten Minute nach einem Zweikampf mit Malouda Elfmeter. Die Franzosen nutzten diesen Strafstoß durch Zinedine Zidane zur frühen Führung. Dann aber konnte der 1,93 Meter große Italiener von Inter Mailand mit einem wuchtigen Kopfball zum 1:1 ausgleichen (19.). Und am Schluß stand Materazzi schon wieder im Mittelpunkt - beim schlimmen Abgang des Megastars Zinedine Zidane.

    Materazzi wollte nach dem Endspiel nichts sagen zu dem Vorfall, der zum Ausschluß des französischen Spielmachers in seiner letzten Partie geführt hatte. Wortlos verschwand der Italiener aus dem Stadion, begleitet von lauter Musik aus seinem digitalen Abspielgerät. Zu sehen war zuvor gewesen, wie Zidane dem Innenverteidiger den Kopf heftig auf die Brust stieß und das Opfer schmerzgetroffen umfiel. Andere Bilder ließen erahnen, daß Materazzi den Franzosen zuvor derb provoziert haben mußte, wohl mit ein paar unschönen Worten und einem kleinen Kneifer in Zidanes Oberkörper. Der Innenverteidiger kam jedoch ungeschoren davon und behielt auch in der Sonderschicht nach Spielschluß die Nerven, als er im Elfmeterschießen seinen Ball cool in die Maschen setzte und Fabien Barthez im Tor der Franzosen keine Chance ließ.

    Zu seiner "göttlichen Bestimmung" gehört, den Gegner mit allen Mitteln zu bekämpfen, die nicht immer im Rahmen des Fußballregelbuchs zulässig sind. Materazzi ist ein schreckensfreier Grätschenfreund, ein harter Geselle, der nicht mal über diese typisch engelstreue Mimik eines italienischen Fußballprofis verfügt. Der rauhbeinige Abwehrmann verkörpert deshalb wohl am besten den Stil des neuen Weltmeistertrainers Marcello Lippi. "Ich bin lieber ein Arsch als ein Verlierer", sagt dieser zu seinem Faible für rüde Typen.

    Materazzi wirkt da wie ein Vorzeigerüpel aus Lippis Schlitzohr-Combo, was nicht nur an seinen vielen furchteinflößenden Tätowierungen liegt. Weit über die Serie A hinaus sind seine Fouls und Pöbeleien gefürchtet. Mal trat er Andrej Schewtschenko in den Bauch, mal legte er sich in der Champions League mit Jens Lehmann an und bezeichnete ihn als den schlechtesten Torwart Europas. Als im vergangenen Jahr beim Mailänder Stadtderby seines Klubs gegen den AC die Inter-Anhänger auf der Tribüne ausrasteten und den gegnerischen Torwart Dida mit Feuerwerkskörpern beschossen, beschwichtigte er keinesfalls. "Ich verstehe die Fans", sagte Materazzi. Bei dieser WM-Endrunde wurde er gegen Australien vom Platz gestellt - allerdings ungerechtfertigt - und fiel als Provokateur auf. Den brutalen Ellbogencheck seines Landsmannes de Rossi ins Gesicht eines Amerikaners, der zu einer harten Sperre von vier Spielen führte, kommentierte er nach seinem ersten Länderspieltreffer so: "Mein Tor widme ich Daniele de Rossi, weil ich nicht glauben kann, daß mit einem jungen Mann so umgegangen wird."

    Die Hüter des Fair play schüttelten den Kopf, im italienischen Team machte sich Materazzi weitere Freunde. Als Genugtuung wird der Mann aus Apulien den Verlauf dieser Weltmeisterschaft empfinden, hatte er doch vor dem Finale geklagt, er sei oft in seiner Karriere unfair behandelt worden. Mit fast 33 Jahren dürften ihm keine großen Karrieresprünge mehr gelingen, doch der Glanz des WM-Titels und seines Aufstiegs im Turnier zu einem zuverlässigen Partner an der Seite des Abwehrchefs und Kapitäns Fabio Cannavaro wird ein etwas positiveres Licht auf sein grimmiges Image werfen. Aber eigentlich ist ihm das relativ egal. "Die Leute, die mich kennen, halten mich für einen guten Typen. Die anderen sollen denken, was sie wollen." Sein Trainer Marcello Lippi wollte dann noch etwas zur Ehrenrettung seines hartgesottenen WM-Trumpfs beitragen, zog dieser doch nach Zidanes Verweis gellende Pfiffe des Publikums auf sich. "Ich möchte klarstellen, daß Materazzi die Rote Karte nicht gefordert hat." Aber das mußte er auch gar nicht mehr. Michael Ashelm

    Text: F.A.Z., 11.07.2006, Nr. 158 / Seite 32

    Alles anzeigen
  • Jan
    Banjo Man
    Beiträge
    1.879
    • 11. Juli 2006 um 15:20
    • #108
    Zitat von DocFederfeld

    Ich glaube, fast jeder Fußballspiler träumt davon, einmal zurückzuschlagen. Zidane hat sein letztes Spiel gewählt - jede Sperre kann ihm egal sein und er hat für seinen Abgang einen Spieler gewählt, der wie kaum ein zweiter für einen schmutzigen und unfairen Sport steht.

    Ja, aber hätte er nicht einfach weiterspielen, zum WM-Sieg der Franzosen beitragen und dann Materazzi in den Katakomben den Cup zwischen die Zähne schleudern können?! :D:rollen:

  • genesis
    Banjo Man
    Beiträge
    1.424
    • 12. Juli 2006 um 11:47
    • #109

    Der Jogi machts.

    Genesis

  • Nicole
    Lurker
    Beiträge
    328
    • 12. Juli 2006 um 20:23
    • #110
    Zitat von genesis

    Der Jogi machts.


    Zum Glück!!!!! Langsam hatte ich echt Panik, dass Jürgen doch verlängert.... diese in den Himmelheberei nervt so! Hat eigentlich schon jeder Rudi vergessen? Als ob die Namen einfach austauschbar wären...

    Zu Zidane (meinem persönlichen Fussballgott!) - erst dachte ich auch, sch... was für ein Abgang. Das hätte doch wirklich nicht sein müssen. Jetzt wird immer dieser "Aussetzer" in Verbindung mit ihm genannt werden... Aber! Keine Spur! Er wird nach wie vor als der grüßte Fußballer dieses Jahrzehnts bejubelt, er wurde Fußballer des Turniers (obwohl ich wirklich erstaunt bin, dass die Fifa das nicht rückgängig gemacht hat!) und bald wird die Sache nur noch in Sendungen mit dem Titel "Die 10 grössten Fussball-Aussetzer" genannt werden. ;) Interessieren würde mich natürlich trotzdem, was das A...gesicht ihm an den Kopf geworfen hat.

    "Son", he said, "grab your things, I've come to take you home!"

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