Deutschland braucht keine "billigen" Pflegekräfte, sondern endlich politische Rahmenbedingungen,die es pflegebedürftigen erlauben,in würde zu leben und Pflegekräften,ihrer Leistung entsprechend vergütet zu werden. Allseits vernehmbare Bekundungen à la " Toll,dass Du in der Pflege arbeitest,ich könnte das nicht" oder "Da habe ich total Respekt vor" alleine helfen da wenig, wenn sich diese Gesellschaftliche Anerkennung nicht in einer auch für die Pflegekraft als tatsächliche Anerkennung erkennbaren Bezahlung bemerkbar macht.
Alle derzeitigen Versuche der Politik,die Preise auf dem Pflegemarkt zu drücken indem Arbeitsmärkte internationalisiert werden ,bremsen die notwendige Entwicklung hin zu Qualität und Anerkennung eher aus.
Auch der ewige Ruf,Arbeitslose in die Pflege zu schicken lässt auf ein bedenkliches Menschenbild schließen.
Eine fundierte Pflegefachausbildung dauert 3-4 Jahre.
Pflegekräfte - unter Wert bezahlt?
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Hintergrund für dieses Post war eine Werbung für polnische "Billigpflegekräfte" (dieser Begriff ist nicht als abwertend den Menschen gegenüber gemeint!) ,auf die ich natürlich voll eingestiegen bin. Turn it on again war so freundlich, das Thema abzuspalten und einen eigenen Thread zu eröffnen,so daß gerne zu dem Thema diskutiert werden kann.
Es ist ein sehr sensibles Thema und es wäre schön, wenn NAH am Thema und sachlich gepostet werden würde! -
...titelte die Münchner Tageszeitung vor über zwanzig Jahren und zitierte damit, den damaligen bayrischen Innenminister Streibl, angesichts drohendem Pflegekräftemangel in den Krankenhäusern.
Heute, nachdem die letzte Stufe der Gesundheitreform längst verabschiedet wurde, ist das "Alptraum-Szenario", was damals "an-die-Wand-gemalt" wurde längst derbe Realität: Immer weniger qualifizierte Arbeitskräfte haben eine immer schwerer erkranktere Kundschaft zu versorgen.
Das Stammpersonal schwindet stetig (wohin auch immer, vlt. nach Skandinavien
) und nach kommt entweder: Nichts, oder (m.E.) im (Bildungs-) Niveau deutl. gesunkener "Nachwuchs" (wovon viele besser nicht auf die Menscheit losgelassen würden!
).
Kein Wunder: Die Krankenpflegeschulen sterben hierzulande "wie-die-Fliegen" und angesichts dessen wird scheinbar genommen, wen man kriegen kann?!
Die Tendenz (steigend!): Es hält immer mehr Personal (auch ärztliches) aus Osteurpa in den Kliniken Einzug.
Bitte mich jetzt nicht falsch zu verstehen: Bei vergleichbarer Qualifikation und sehr guten, auch fachsprachlichen Kenntnissen überhaupt kein Thema...
Wer soll diese Arbeit denn zukünftig überhaupt noch machen? Wenn hierbei ein immer höheres Mass an Selbstausbeutung, aufgrund immer grösserer Arbeitsdichte vorausgesetzt wird.
Was ist der Mensch dem Menschen wert? :eek:
(Mal abgesehen von Manager-Boni in Milliardenhöhe, die keiner von jenen "selbstbedienungs-Herren" davor bewahrt auch einmal den Weg alles Irdischen anzutreten)
"...but he who dies with the most toys is still dead, still dead...!" Marillion- Most Toys- -
- Offizieller Beitrag
Pflegekräfte sind unterbezahlt, und: ihnen wurde und wird der Markt kaputtgemacht.
Heute ist es der gesamteuropäische Arbeitsmarkt - wobei ich auch betonen muss: Die Pflegekräfte aus anderen Ländern arbeiten da vielfach sehr hart, sehr gut und, was gerade in der Pflege immer etwas zu wenig beachtet wird: auch mit einer Freundlichkeit und liebevollem Umgang zu ihren Schützlingen. Je nach wirtschaftlicher Situation ist ihr Einkommen hier für sie eine gute Entlohnung, und sie verdienen jeden einzelnen Cent und sollten noch einiges mehr verdienen.
Bis zum letzten Jahr waren es dann auch noch die Zivis. Jaja, "Hilfsleistungen bei der Pflege", nee, ist klar. Papier ist geduldig. Wer da mit Zivis gearbeitet hat, weiß, dass die nicht nur die Handtücher gehalten haben, sondern auch schwerer gehoben. Und ich persönlich kenne einige ex-Zivildienststellen, die sich lieber zwei Zivis noch geholt haben als eine ausgebildete Pflegekraft einzustellen.
Ich bin da allerdings, wie wahrscheinlich die meisten, auch ein bisschen schizophren: Ich bin einerseits total dafür, dass die Pflegerinnen und Pfleger in Krankenhäusern, Altenheimen, Behindertenwohnheimen und -werkstätten ihrer Leistung entsprechend bezahlt werden ... und kann mich furchtbar aufregen, wenn die Krankenkassenbeiträge und Pflegeversicherungsbeiträge wieder erhöht werden.
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Ich bin da allerdings, wie wahrscheinlich die meisten, auch ein bisschen schizophren: Ich bin einerseits total dafür, dass die Pflegerinnen und Pfleger in Krankenhäusern, Altenheimen, Behindertenwohnheimen und -werkstätten ihrer Leistung entsprechend bezahlt werden ... und kann mich furchtbar aufregen, wenn die Krankenkassenbeiträge und Pflegeversicherungsbeiträge wieder erhöht werden.
Nein Martinus, das keine Schizophrenie sondern liegt in der Sache begründet.
Das passt so zusammen wie tarifliche Lohnerhöhung und Kündigungen oder viele andere Sachen.Ich hab damals Zivi im Alten- und Pflegeheim gemacht und schon damals wurde schnell klar, dass man diesen Beruf nicht ausübt um reich zu werden.
Wie dem auch sei, das dankbare Gesicht eines alten bzw. kranken Menschen ist mehr "wert" als ein 100-EURO-Schein extra... -
... das dankbare Gesicht eines alten bzw. kranken Menschen ist mehr "wert" als ein 100-EURO-Schein extra...
Das dankbare Gesicht gibt`s aber leider nicht immer. Vielleicht um so öfter, je besser oder geduldiger die Pflegekraft im Rahmen der strukturellen Zwänge zu Werke gehen kann.
Wenn sie/er noch nicht völlig ausgebrannt,oder nach dreifachschichten völlig zermartert nur noch eine lächelnde Maske ist.Der(20 Stück wären das Minimum!Netto!) hundert Euro-Schein ist keineswegs zu verachten.Und zwar nicht als milde Gabe,erst recht nicht als Geschenk (auch nicht von Patienten oder Angehörigen), sondern als selbstverständliche Entlohnung für eine hochqualifizierte, körperlich anstrengende und intelektuell,sowie sozialpsychologisch fordernde Arbeit am Menschen und (leider) am Gesundheitswesen.
Ich finde etwas ganz anderes paradox: Weshalb gibt es überall marktwirtschaftliche Prinzipien,nur auf dem Pflegemarkt nicht?
Pflegekräfte werden händeringend gesucht (da kaum ausgebildet wird,obwohl gesetzlich fetgelegt ist,daß Pflegebetriebe ohne eine Mindestanzahl von voll "examinierten" dicht gemacht werden) und dennoch sind die Preise im Keller.
Weshalb? Weil es genau so gesellschaftlich akzeptiert ist! Weil uns allen eine gute Pflege nichts wert ist,weil wir alle über zu hohe KK-Beiträge jammern.
Und: Weil Pflegekräfte sich nicht solidarisieren,nicht streiken,nicht demonstrieren.Wir bearbeiten eben kein Wirtschaftsgut oder pupsen Büros voll (sorry,....)! Unsere "Ware" sind uns anvertraute Menschen (junge und alte, mit körperlichen und/oder geistigen Defiziten,mehr oder weniger krank). Die lassen wir nicht mal eben sterben oder dursten, weil wir streiken oder demonstrieren müssen.
Um so mehr ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dieses Thema endlich zu bearbeiten.
Es sind die Pflegekräfte,die JETZT ausgebildet werden, die UNS bald pflegen werden. Und (ich weiß ,wovon ich rede!) da bekomme ich Angst!Soviel erstmal.Später mehr.
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Das dankbare Gesicht gibt`s aber leider nicht immer. Vielleicht um so öfter, je besser oder geduldiger die Pflegekraft im Rahmen der strukturellen Zwänge zu Werke gehen kann.
Wenn sie/er noch nicht völlig ausgebrannt,oder nach dreifachschichten völlig zermartert nur noch eine lächelnde Maske ist.
Um so mehr ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dieses Thema endlich zu bearbeiten.
Es sind die Pflegekräfte,die JETZT ausgebildet werden, die UNS bald pflegen werden. Und (ich weiß ,wovon ich rede!) da bekomme ich Angst!
Diese Diskussion drückt gut aus, was eigendlich dahinter steht: Nämlich "Pflege", als "natürliche" (Frauen-) Arbeit, die sowieso immer gemacht werden muss (z.B. Kinder-/Alten-Pflege) und demnach auch im Grunde unentgeltlich vonstatten gehen sollte.
Eine Frechheit also, dass unsereins dafür überhaupt Geld sehen will! Die richtige Einstellung müsste heissen (so wie vor 50-60 Jahren): "Mein-Lohn-ist-dass-ich-dienen-darf!".
Und ich fürchte- ohne mich hier der Diskriminierung schuldig machen zu wollen- diesbezüglich bringen die "neuen" KollegInnen aus Osteuropa wirklich die "besseren" Voraussetzungen mit: Die wissen einfach noch wo der ihnen zugedachte Platz (in einer "Mens-World") ist!
(Also: Nicht nur) programmatisches Lohn-Dumping.
Sondern auch: "Rolle-Rückwärts" ("Backslash").
Habe in letzter Zeit nämlich den Verdacht, jemand hat die "Reset-Taste" gedrückt und in Wirklichkeit schreiben wir das Jahr 1962 (in der Arbeit).
Welche Kompetenzen für eine qualifizierte Ausübung (damit da am Ende auch was "vernünftiges" bei rauskommt) dieser Tätigkeit(en) vonnöten ist, darüber macht sich offensichtlich keiner der (meist "grauen-Herren-Entscheider") auch nur den Funken eines Gedanken.
(In diesem Zusammenhang: Auch die "ewig-leidige" Diskussion um die Anerkennung von Kindererziehungszeiten, bspw. bei der Rente ect.pp.).
Auch das "Zivi-Beispiel" passt hierzu gut: Es darf den Kostenträger (in diesem Fall die KV) ja nichts kosten, wenn Menschen gepflegt werden müssen...
Die Gesundheitskassen sind (angelbl.) leer, die KV hat letztes Jahr massenweise Überschüsse erwirtschaftet (dank Abzocke beim Kunden: "Otto-Normaleinzahler") und die Pharmaindustrie kriegt die Kohle "in-den-Rachen-gestopft" !
Die Frage bleibt bestehen (für´s deutsche Gesundheitswesen): Wer soll diese Tätigkeit (jetzt und in Zukunft) noch qualifiziert ausüben ?! Stichwort: Demographischer Wandel!
Da wird mir auch (sogar ganz gewaltig!) Angst, wenn das so weitergeht. :eek:
Aber es gibt ja Hoffnung auf unserer "Nachbars-Seite": Die Niederlande feiert dieser Tage das zehnjährige Jubiläum ihres "Projektes": "Aktive-Sterbehilfe"!
Wenn dann sonst nichts mehr hilft, eben: "Soylent Green" (Film-Tipp zum Thema!). -
Werden Pfleger/innen hier unter Wert bezahlt? Natürlich, etwas mehr als den Mindestlohn (etwa 300 Euro) bekommen die nicht. Trotzdem können sich vielleicht höchstens 20% der Bevölkerung es sich leisten, jemanden privat einzustellen. Das Gleiche gilt für Altersheime. Auch zu teuer für Otto Normalverdiener. Es müssen sich dann also die Familie und/oder Freunde kümmern. Macht mir das Sorgen? Nein.
Wenn meine Zeit gekommen ist, möchte ich nur, dass es schnell geht. Ich will keinem unnötig zur Last fallen. Kann man sich aber nicht aussuchen, und das macht mir Sorgen. -
- Offizieller Beitrag
Wie dem auch sei, das dankbare Gesicht eines alten bzw. kranken Menschen ist mehr "wert" als ein 100-EURO-Schein extra...
Das stimmt zwar, und an diese Momente im Zivildienst erinnere ich mich besonders gerne zurück, denn das sind die Momente, die glücklich machen (neudeutsch: job satisfaction bringen). Andererseits besteht die traurige Wahrheit, dass ich mit der Dankbarkeit eines auf mich angewiesenen Menschen beim Penny kein Brot kaufen kann.
Im Übrigen kann man das nicht gegeneinander aufrechnen, sonst dürften Pflegebedürftige eine Pflegekraft mit einem Einkommen ab 1500€ netto nur noch ein bisschen anlächeln, und solche, die mehr als 1800€ heimbringen, müssten immer böse angeschaut werden, wenn das Lächeln Geld aufwiegen würde... aber so hast du das vermutlich/hoffentlich auch nicht gemeint.
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Die Überschrift kann ich nur als rhetorische Frage verstehen. Natürlich sind Pflegekräfte unterbezahlt. Ich habe auch keine Hoffnung, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Pflegekräfte arbeiten bestimmt nicht weniger und erst recht nicht schlechter als ihre akademischen Kollegen und Kolleginnen. (Luschen gibt es in jedem Beruf, aber das tut hier nichts zur Sache.) Ich bewundere die Krankenpfleger, KPHs, KP-SchülerInnen, Pflegeassistentinnen (tolles Wort...) und alle, die direkt mit kranken Menschen zu tun haben. Im Gegensatz zu den Ärzten, Psychotherapeuten usw. haben die Pflegis leider nicht die Möglichkeit, mal die Tür hinter sich zu schließen und dort auch mal "Shit" schreien zu können. Sie sind immer präsent, häufig gehetzt, also unter Zeitdruck, sollen nach Möglichkeit jedem Patienten 100% Aufmerksamkeit geben und dabei - selbstverständlich - freundlich sein wie ein Staubsaugervertreter. Schichtdienst ist natürlich ebenso selbstverständlich. Kein Wunder, dass der Krankenstand beim Pflegepersonal ständig zunimmt. Wie soll Mensch dabei gesund bleiben?
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