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Song 09: Looking For The Happy (28. August 2026)

Nach dem längsten Song im Juli, bringt Gabriel im August den bislang zweitlängsten Song – der gutgelaunt tänzelnd daherkommt.

Bright-Side Mix
Dark-Side Mix

Intro und Übersicht zur o\i Artikelreihe


Zum fünften Mal in Folge und zum siebten Mal überhaupt erscheint zuerst der Bright-Side Mix eines o\i-Songs. Offenbar wurde das knapp vor Veröffentlichung noch umentschieden, denn das Einführungsvideo zum Song ist mit dem Dark-Side Mix unterlegt. Der war kurzzeitig (und wohl irrtümlich) auch auf Youtube aufrufbar.

Gabriel sagt zum Stück, dass es für ihn schon immer einfacher war, schwermütiges zu schreiben. Drum wollte er sich mal herausfordern und Lebensfreude freisetzen. Fundament von Looking For The Happy wurde ein Latin-artiger Groove, man kann ihn auch Afro-inspiriert finden, der gutgelaunt und fast lässig daherkommt.

Gabriel sagt auch noch: "Herauszufinden versuchen, wo im Leben dein Platz ist, gehört zu dem, über das ich viel schreibe. Zusätzlich ist ein Teil des Älterwerdens, zurecht zu kommen mit zwei widersprüchlichen Ideen gleichzeitig. Wie, ein Teil von allem zu sein und ein Teil von nichts."

Lyrics

Der Titel Looking For The Happy ist ein bisschen eigen, weil er streng grammatikalisch im Englischen nicht funktioniert ("happy" ist kein Substantiv, was hier aber erwartet wird). Freier assoziiert kann man ihn aber begreifen als "suchen nach den Glücklichen" oder "nach dem Glück".

In den Strophen wird die Kompliziertheit der Welt betrachtet. Dass scharfsinnige Intelligenz das herausfordert, was uns zu uns macht. Diese Nachdenklichkeit wird vom Vor-Refrain weggewischt, "der Zirkus" abgeschnitten, um im Refrain dann nur noch Ausschau zu halten nach dem Glücklichsein ("looking for the happy").

Die zweite Strophe stellt noch fest, dass das "ich" versucht habe, eine Ahnung von Vertrauen zu geben – mit "Rhythmus und Vers für Gut und Schlecht"…

Den Großteil des Stücks aber macht das vergnügte Ausschau halten nach dem Glück aus. Es werden befriedigende Momente beschrieben, werden nach dem "brennen" durch tiefste Betrübnis die Tanzschuhe angezogen, wird einfaches genossen, wie unter dem Eichenbaum mit einer Tasse Tee zu sitzen. Schließlich wird im Flussbett getanzt, bis man ins Wasser fällt, die Fische um einen schwimmen und vor Freude hüpfen.

Kunst

Das Kunstwerk diesmal heißt Closed Circuit II ("Geschlossener Kreislauf II") und ist ein Wandbild mit hervortretenden Bereichen (1986, 150 × 150 × 10,2 cm). Es hat abgerundete Ecken und ist hauptsächlich in zwei unterschiedlichen Grautönen gehalten, wobei die Oberfläche des dunkleren einen Look wie gebürstetes Metall hat. Ein kreisförmiges und ein rechteckiges Element im Bild ergeben vage die Erscheinung einer Kamerafront (dem Motiv wird auch nachgesagt, das ursprüngliche Instagram-Logo vorweggenommen zu haben), sie können aber auch an ein hochabstrahiertes Gesicht denken lassen.

Tishan Hsu (geboren 1951 in Boston, Massachusetts) lebt und arbeitet in New York. In seinem Schaffen setzt er sich oft mit der Beziehung zwischen Organischem, wie dem Menschen, und unserem Informationszeitalter auseinander. Sein Thema ist im Prinzip "Verkörperung von Technologie".

Gabriel sagt: "So wie der Song versucht, Bewusstsein, Technologie und Natur zu erkunden, macht meiner Meinung nach Tishan das in einigen seiner Arbeiten."

Werke von Hsu sind in bedeutenden öffentlichen Sammlungen zu sehen wie dem Metropolitan Museum of Art (New York), dem Centre Pompidou (Paris), der Tate Modern (London) oder dem Museum für Moderne Kunst (Frankfurt am Main).

Eine eigene Webseite scheint Hsu nicht zu haben, aber ausgerechnet einen Instagram-Kanal. Weitere Beispiele seines Schaffens sind etwa bei der Lisson Gallery zu finden.

Mehr zur Kunst für o\i und den Künstlern dahinter in unserem separaten Artikel.


Bright-Side Mix – 28. August 2026

Words and Music by Peter Gabriel
Published by Real World Music Ltd / Sony Music Publishing
Produced by Peter Gabriel
Mixed by Mark 'Spike' Stent
Brass Arrangement Peter Gabriel with improvisations by Josh Shpak
Engineering by Faye Dolle, Katie May, Dom Shaw
Assistant engineering by Charles Hughes, Xav Sinden, Maisy Preece
Additional engineering by Erica Block, Alex Wilders, Abe Rounds at Phantom Studios, Lucas D'Angelo at Studio Saint Louis
Pre-production engineering by Richard Chappell
Mastered by Matt Colton at Metropolis Studios
Recorded at Real World Studios, Bath and The Beehive, London, Phantom Studios, Gallatin, TN, Studio Saint Louis, Paris

Drums – Manu Katché
Additional breakdown hi-hat – Abe Rounds
Rhythm Programming – Peter Gabriel, Jack Mills, Katie May, Faye Dolle
Percussion – Abe Rounds, Peter Gabriel, Manu Katché
Bass – Tony Levin
Electric Guitar – David Rhodes
Acoustic Guitar – Katie May
Mandolin – Richard Evans
Additional Rideout Keys – Don E
Trumpet, Trombone, Flugel – Josh Shpak
Piano, Synths, Synth Brass, Vocals – Peter Gabriel

Länge 8:34

Als Download bei amazonMP3* erhältlich

Über seine achteinhalb Minuten mag das Stück zunächst seine Struktur etwas verschleiern. Doch es ist ganz klassisch gegliedert in Strophen, Vor-Refrain, Refrain, und Zwischenteile. Von letzteren gibt es drei, die auch noch verschiedene Abschnitte haben und gemeinsam mit den dazwischenstehenden, recht frei variierten Refrainteilen durchaus die Übersicht nehmen mögen.

Musik

Ein karges Intro, nur E-Piano und im zweiten Durchgang Bass, etabliert erstmal trübe Stimmung. Mit Beginn des eigentlichen Stücks wird sie aber gleich aufgelöst. Ein dezent schwingender Groove bringt Leichtigkeit, wird fast schon verträumt. Levins sacht bewegter Bass steht dabei deutlich im Fokus. Vorne im Zentrum Gabriels Stimme, die durch leichten Hall aber doch recht weich wirkt.

Ein Vor-Refrain wechselt erstmals die Grundharmonie, damit auch die Stimmung hin zu Zuversicht. Zum Refrain setzt das Schlagzeug voll ein und eine zusätzliche dumpfe Trommel unterlegt einen Puls. Vor allem aber spielen (Synth)Bläser eine markante Aufwärtsfigur. Sie stellt das Zentralelement des Songs dar und zu ihm wird immer wieder zurückgekehrt. Alles ergibt wippende Leichtigkeit mit Swing, irgendwo zwischen Latin- und Afro-Feeling.

Die Abfolge von Strophe, Vor-Refrain und Refrain wiederholt sich. Dieser zweite Refrain ist jedoch schon verdoppelt und wird im Verlauf auch recht frei abgewandelt. Insbesondere der Text verteilt sich gelegentlich unerwartet.

Dann kommt eine muntere Abfolge von Zwischen-, Refrain- und Intrumentalteilen, gelegentlich mit unerwartet eingestreutem Gesang, die in einen ausgedehnten Schluss münden, der gutgelaunt die Fröhlichkeit feiert.

Spikes Mix setzt die einzelnen Segmente möglichst wenig voneinander ab und erzeugt so wieder einmal einen eher durchlaufenden Gesamtbogen. Alles groovt und federt, zeigt große Verbindlichkeit und bleibt eingängig.

Besetzung

Neben der üblichen Stammband – von der insbesondere Levins Bass hier sehr zentral steht – sind auch wieder einige Gäste mit dabei, die alle nicht unbekannt sind.

Zunächst ist da Richard Evans, der im ersten Zwischenspiel auf der Mandoline zu hören ist. Dann auch noch einmal Abe Rounds, der für Percussions und "Additional breakdown hi-hat" aufgeführt wird. Besondere Würdigung erfährt Josh Shpak, der nicht nur alle Blasinstrumente spielt, sondern Gabriels Arrangement durch Improvisationen erweitert hat. Seine Arbeit trägt demnach führend zur Wirkung von Looking For The Happy bei.

Schließlich ist auch Don E gelistet, der Gabriel ja bei der i/o Tour begleitet hat und jetzt nochmal zu Aufnahmen für etwas gebeten wurde, was "Additional Rideout Keys" benannt ist.


Dark-Side Mix – 11. September 2026

Autor: Thomas Schrage


Links
Einführungsvideo zu Looking For The Happy:

Song-Hintergrund auf petergabriel.com

Der Instagram-Kanal von Tishan Hsu.

Diskutiert mit über den Song hier im Forum.


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