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Song 08: "One By One" (29. Juli 2026)
Zum Juliende beschert uns Gabriel den längsten Track von o\i. Und ein alter Bekannter taucht wieder auf: Die Figur Mozo, ein aus der Gesellschaft gefallener.
Intro und Übersicht zur o\i Artikelreihe
Zwei Auffälligkeiten sind am Juli-Track festzustellen. Zunächst ist er der längste auf o\i. Er unterteilt sich dabei in verscheidene Segmente und kommt damit Gabriels schon vor Jahren geäußertem Gedanken nach, dass er am liebsten Stücke mache, die verschiedene Wandlungen durchlaufen und eine Reise unternehmen. Gute Beispiele dafür sind sicher auf Scratch My Back die "Mini-Opern" Mirrowball und My Body Is A Cage. Beim neuen Song nun gibt es vor allem eine starke Veränderung in der Mitte, die One By One in zwei Hälften teilt (ähnlich wie auch Live And Let Live auf i/o).
Die zweite Besonderheit ist, dass hier nach langer Zeit wieder die Figur "Mozo" in Erscheinung tritt. Das ist ein aus der Gesellschaft gefallener, der namentlich in On The Air auftauchte und dort mit seinen rebellischen Radioausstrahlungen ein Held zu sein versuchte. Gabriel schrieb noch weitere Songs um die Lebensumstände dieser Gestalt und verteilte sie auf mehrere Alben. Ursprünglich war gedacht, daraus ein größeres Ganzes entstehen zu lassen, aber das Projekt wurde nach So nicht mehr weitergeführt.
Und auch in Bezug auf One By One räumt Gabriel ein, dass die hauptsächliche Motivation nicht war, die Geschichte des Mozo-Charakters endlich weiterzuspinnen, sondern dass er für den Gedanken des Stücks eine Figur brauchte, und Mozo sich anbot.
Er ergänzt ansonsten noch, dass auch dieses Stück ein Teil seines Gehirn-Projekts ist.
Lyrics
Zunächst wird über Mozo berichtet, dass er gewissermaßen auseinandergerissen ist. Dass alles in seinem Leben untergegangen und sein Herz zerschlagen ist. Aber nach außen scheint es, alles sei gut. Doch die Wolken kommen und im Refrain sagt er tapfer: "I'm putting it back together, this is my only self-defence (Ich setzte alles wieder zusammen, das ist mein einziger Selbstschutz)".
In der zweiten Strophe wird zurück in die Betrachtung von außen gewechselt und gesagt, auch wenn Mozo scheinbar entschwunden war, musste seine Geschichte erzählt werden: "By the time the crowd had noticed him, there was nowhere else to roam (Als die Menge ihn endlich wahrnahm, war woanders hinwandern nicht mehr möglich)".
Zum zweiten Teil des Stücks wird dann in eine viel freiere Form gewechselt, einer großen Aufzählung gleich. Noch immer beschreibt Mozo, dass ihm die Dinge zerfallen – er kommt aber zurück, bringt sich wieder in ein Ganzes, wie bei einem Puzzle. Auch wenn nichts geblieben ist, "um diese Liebe zu spüren", Mozo kann noch immer "dein Gesicht ausmachen". Und darauf läuft der Fluss der vielen Wort letztendlich hinaus: "Zusammenkommen. Deine Hand halten."

Kunst
Das diesmalige Kunstwerk stammt von David Altmejd und heißt Pieces. Es wurde extra zum Song angefertigt und in Gabriels Einführungsvideo kann man auch ein paar Momente der Entstehung sehen.
Es handelt sich um eine Büste mit der Darstellung eines Menschen, der Querflöte spielt. Die Skulptur ist horizontal und vertikal in Segmente geschnitten, die sich wiederholen und aneinandergereiht wurden. Das führt zu einem merkwürdig quadratischen Erscheinungsbild. In der Wirkung hat das Kunstwerk etwas menschliches und technisches zugleich.
David Altmejd wurde 1974 in Montréal geboren, lebt und arbeitet heute aber in Los Angeles. Er studierte an der Université du Québec à Montréal und machte 2001 den Abschluss zum Masters of Fine Arts an der Columbia University in the City of New York.
Bekannt ist er für solche eigenwilligen Skulpturen, die Grenzen zwischen figurativer und abstrakter Darstellung verwischen, zwischen Innerem und Äußerem, dem Schönen und dem Grotesken. Fast immer sind es Büsten, die er erschafft, und dabei Materialien wie Gips, Epoxidharz und Glasaugen verwendet. Oft beruhen sie zunächst auf der menschlichen Anatomie, stets aber sind sie verfremdet durch Dopplungen einzelner Segmente oder durch Vermischung mit Teilen von Tieren oder leblosen Objekten. Die Ergebnisse sind mindestens ungewöhnlich, je nach dem auch verstörend, und stellen Fragen nach Schönheit und Unvollendung, nach Akzeptanz, nach Wandel.
Eher untypisch ist Davids anderer Ausflug in die Musikwelt: Er gestaltete das Cover für das Album Amen & Goodbye von Yeasayer, das eine Ansammlung vergleichsweise normaler Gestalten zeigt.
David Altmejds Webseite findet sich hier. Unter anderem geben dort Videos noch weitere Einblicke, wie seine Werke entstehen.
Mehr zur Kunst für o\i und den Künstlern dahinter in unserem separaten Artikel.
Bright-Side Mix – 29. Juli 2026
Words and Music by Peter Gabriel
Produced by Peter Gabriel
Mixed by Mark 'Spike' Stent
Engineering: Faye Dolle, Katie May, Dom Shaw
Additional Engineering: Erica Block, Alex Wilders, Abe Rounds at Phantom Studios
Pre-Production Engineering: Richard Chappell
Assistant Engineering: Charles Hughes, Xav Sinden, Maisy Preece
Mastered by Matt Colton at Metropolis Studios
Recorded at Real World Studios, Bath and The Beehive, London, Phantom Studios, Gallatin, TN
Drums: Manu Katché
Rhythm Programming: Mike Elizondo, Charles Hughes, Peter Gabriel
Percussion: Abe Rounds
Bass: Tony Levin
Electric Guitar: David Rhodes
Acoustic Guitar: Katie May, David Rhodes
Flugel Horn, French Horn: Josh Shpak
Saxophone, Flute: Evan Smith
Synth Strings: Faye Dolle
Piano, Synths, Synth Brass, Rideout Bass, Vocals: Peter Gabriel
Länge 9:37
Als Download bei amazonMP3* erhältlich
Gabriel ist sich bewusst, dass One By One ungewöhnlich lang ist, und kann sich auch vorstellen, dass manche Hörer das schmerzhaft finden. Aber er ist der Meinung, dass manchmal ein Stück eine lange Laufzeit brauche, damit man wirklich eintauche. Damit man am neuen Ort ankommen und seinen Schritt dort finden kann.
Musik
Über die erste Minute läuft ein instrumentales Intro, das mit zögernden Klaviertönen beginnt. Schnell nehmen sie Fahrt auf und die Tonfolge wird von Keyboards wiederholt und weitergetragen. Aus den ersten, einsamen Klängen baut sich eine filigran flirrende Klanglandschaft auf. Sie ist bewegt und doch meditativ – Gabriel beschreibt sie aber auch als gespenstisch und etwas verrückt.
Mit der ersten Strophe setzt dezent die Band ein, begleitet eine scheinbar simple Gesangslinie. Gabriel sagt, auf die Harmonien habe jeder schon Musik geschrieben. Er nun untermalt hier die Beschreibungen von Mozos Zustand eher zurückhaltend, nicht mit großer Geste, geradezu ungerührt.
Zum Refrain jedoch wird Gewechselt in die Sicht von Mozo und passend zu seinem Aufraffen zur Selbstheilung baut die Begleitung ganz leichten Rockmusik-Druck auf, wird sachte energetisch. Trotzdem bleibt alles – nicht zuletzt durch die Harmonik – verhalten melancholisch.
Die erste Hälfte von One By One hat einen üblichen Aufbau mit zwei Strophenblöcken und zwei Refrains. Dazwischen wird immer wieder zu der flirrenden Klanglandschaft zurückgekehrt. Recht genau in der Mitte bei etwa 4:45 ändert sich das. Mit einem friedlichen Flöten-Zwischenspiel setzt ein neuer Spannungsbogen ein. Ein anderer Harmonieverlauf bringt einen beinahe sakralen Gestus, der Bass rückt auffällig ins Zentrum.
Der lange Schlussteil untermalt die litaneienhaften Beschreibungen von Zerrüttungen und tapferen Neuversuchen mit Beigaben verschiedener Elemente. Weiterhin die Flöte, später auch andere Blasinstrumente, Gabriel singt Vokalschnörkel mit angespannter Stimme. Es sind verschlungene Schichten, die sich immer weiter ineinander weben.
Bemerkenswert dabei ist, dass all das keine große Steigerung zu einem Höhepunkt ergibt. Die erhoffte Entladung oder gar Erlösung bleibt aus. Der Finalteil kreist musikalisch um sich und findet keinen Abschluss. Mozo hat seinen Prozess der Selbstrettung noch nicht vollendet.
Folgerichtig endet das Stück mit einem Fade-Out, was es bei o\i bislang (fast) noch nicht gegeben hat.
Besetzung
Auch wenn die Liste der Beteiligten nicht besonders lang ist – wie ja eigentlich bei allen Stücken von o\i – so ist doch festzustellen, dass viele der besonderen Gäste der bisherigen Songs hier erneut dabei sind. Ein weiteres Mal ergänzen Mike Elizondo und Abe Rounds die Rhythmussektion, die allerdings hier nicht sehr herausstechend ist. Ebenfalls spielt Evan Smith wieder mit, der so zentrale Saxophonist von I Belong To The Sky, dessen Beitrag aber ebenfalls nicht stark im Fokus steht, genauso wie der von Josh Shpak an Flügelhorn bzw. Horn. Interessant aber, dass überhaupt auf eine Bläsersektion Wert gelegt wurde.
Ansonsten spielt die übliche Kernband, ergänzt um die bereits bekannten Namen der Studiobesatzung, die wieder Ergänzendes beigetragen haben.
Dark-Side Mix – 12. August 2026
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Autor: Thomas Schrage
Links
Einführungsvideo zu One By One:
Song-Hintergrund auf petergabriel.com
Die Webseite von David Altmejd.
Diskutiert mit über den Song hier im Forum.
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