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Trading Boundaries Voyage – Bericht zur Rheinkreuzfahrt 2026

Im Juli fand die Trading Boundaries Voyage Rheinkreuzfahrt statt. Das Programm bot viel für Genesis-Fans. Volker Warncke war dabei und berichtet.

Vom 11.7. bis zum 25.7. fand die Trading Boundaries Voyage statt – ausgerichtet von Trading Boundaries (www.tradingboundaries.com) anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums. In diesem Veranstaltungsort treten jede Menge Künstler aus der Prog-Szene auf; viele davon in reduzierter akustischer Besetzung, da es sich um eine kleine intime Halle handelt. Steve Hackett tritt dort seit vielen Jahren quasi traditionell mit seiner akustischen Band auf und im letzten Jahr wurde auch ein Audio-Mitschnitt davon veröffentlicht (Live Magic at Trading Boundaries).

Die Trading Boundaries Voyage hat nun zum ersten Mal dieses Konzept aufs Schiff gebracht. Sie haben ein Rheinschiff gechartert, das in der ersten Woche von Basel nach Amsterdam und in der zweiten Woche von Amsterdam nach Basel fuhr. Man konnte zwar auch beide Wochen zusammen buchen, aber die meisten Passagiere haben entweder die eine oder die andere Woche gebucht. Das Programm beider Wochen war ähnlich, aber einige Künstler waren nur bei einem der beiden Abschnitte dabei. Nur in der ersten Woche spielten Martin Barre und Rick Wakeman, während die zweite Woche mehrere Künstler hatte, die nur dann spielten. Deswegen hatte ich nur die zweite Woche gebucht:

Line-Up

Caravan acoustic trio
Damian Wilson & Adam Wakeman
Chris Welch interviewt Roger Dean
Mark Walker (Caravan) – Drum Clinic
Paul Carrack mit Schlagzeuger und Gitarrist
Pete Jones solo an den Keyboards
The Lamb Lies Down on Piano & Paper in Koblenz
Think Lloyd (Pink Floyd cover aus Frankreich, einzige Show auf dem Sonnendeck)
Ray Wilson acoustic trio
Thijs van Leer / Menno Gootjes
Pete Jones / Rob Townsend
Marco LoMuscio an der Orgel in Strasbourg (Eglise Saint-Paul)
Chris Welch interviewt Armando Gallo
Eddie Jobson (akustische Geige / Keyboards) mit seinem Sohn Chris an der Gitarre
Roger Dean Live painting presentation
Thijs van Leer / Menno Gootjes, Rob Townsend, Paul Carrack, Pete Jones

Rahmenprogramm

Darüber hinaus gab es noch Gelegenheiten, einige Städte / Orte zu erkunden, wie z.B. Düsseldorf, Rüdesheim, Speyer, Straßburg, Colmar. Der Schwerpunkt lag aber natürlich ganz klar auf den Konzerten. Bis auf The Lamb Lies Down on Piano & Paper in Koblenz und Marco Lo Muscio in Straßburg fanden alle Konzerte an Bord statt. Eine richtige Bühne gab es dort nicht, sondern es wurde einfach der Platz vor der Kaffee-Selbstbedienungs-Station in der Lounge mit einem großen Trading Boundaries-Banner abgetrennt und davor fanden alle Konzerte statt.

Hier ein paar Details zu den für Genesis-Fans vermutlich interessanteren Auftritten:

Paul Carrack Set:

Satisfy My Soul
Life In A Bubble
Tempted
Bet Your Life
Love Will Keep Us Alive
Shame On You, Shame On Me
Where Did I Go Wrong?
The Living Years
If I Should Fall Behind
How Long
Groovin'

Ein relativ kurzes Set war das, aber der Abend war noch jung, und so konnte Pete Jones gewonnen werden, mehr oder weniger ungeplant schon vor seinem eigentlichen Auftritt sich ans Keyboard zu setzen.

Pete Jones Set nach Paul Carrack:

Firth Of Fifth piano intro / Guide Vocal
For Absent Friends
The Musical Box
(komplett)
Harold The Barrel
Hygge
(Tiger Moth Tales)
Long Goodbyes (Camel)
You Know What I Mean (ab hier sitzt Mark Walker von Caravan an dem Schlagzeug, das für Paul Carrack aufgebaut war)
Afterglow
A Trick Of The Tail
Against All Odds
I Know What I Like

In Koblenz stieg Ray Wilson mit Ali Ferguson und Kool Lyszek zu, um am selben Abend nach dem Konzert auch gleich wieder das Schiff zu verlassen.


Frank Grabowski über seinen Auftritt:

Steffen Waidelich & Frank Grabowski
The Lamb Lies Down on Piano & Paper

Am Vormittag ging es für die Passagiere zunächst von Bord in den Görressaal der Rheinischen Philharmonie. Wir waren gespannt, wie unser gemeinsames Projekt „The Lamb Lies Down on Piano and Paper" bei den Gästen von Trading Boundaries ankommen würde. Das Interesse war groß – der historische Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Für mich, Frank Grabowski, war es eine besondere Rückkehr zu Trading Boundaries. Bereits 2018 hatte ich anlässlich eines Genesis-Weekends mit The Watch, Richard MacPhail und Dale Newman meine erste Ausstellung in Großbritannien in der Galerie von Roger Dean. Umso schöner war es, nun mit Steffen unserem gemeinsames Projekt auf der exklusiven Kreuzfahrt präsentiern zu dürfen.

Steffen spielte am exzellenten Konzertflügel des Hauses seine ganz eigene Interpretation von Genesis' legendärem Album The Lamb Lies Down on Broadway. Direkt daneben saß ich an meinem Arbeitstisch und kolorierte die zuvor im Atelier vorbereiteten Skizzen live. Über eine Projektion konnten die Zuschauer die Entstehung der Bilder unmittelbar mitverfolgen. Für uns ist genau das der besondere Reiz dieses Konzepts: Steffens Musik gibt den Bildern ihren Rhythmus und ihre Atmosphäre, während aus den Klängen vor den Augen des Publikums nach und nach eigenständige Kunstwerke entstehen.

Wir haben dieses Zusammenspiel von Musik und Malerei bereits bei mehreren Auftritten erprobt und weiterentwickelt. Trotzdem ist jede Performance anders, weil auch die Musik jedes Mal neue Impulse gibt. In Koblenz entstanden insgesamt 20 Kunstwerke, die während der Aufführung live zu Steffens virtuosem Spiel koloriert wurden. Die begeisterten Reaktionen des Publikums waren für uns eine wunderbare Bestätigung, dass die Verbindung von The Lamb und Live-Malerei funktioniert.

Ein ganz besonderer Moment erwartete uns in der Pause. Armando Gallo, der legendäre Genesis-Fotograf, Autor und ausgewiesene Kenner der Bandgeschichte, kam backstage zu uns. Er überreichte uns sein neues Buch Remembering… THE LAMB mit persönlicher Widmung. Dass gerade er, der die Geschichte von Genesis über Jahrzehnte als Zeitzeuge und Fotograf begleitet hat, sich so begeistert von unserer Idee zeigte, Musik und Malerei miteinander verschmelzen zu lassen, hat uns beide besonders gefreut.

Setlist

The Lamb Lies Down on Broadway,
Fly on a Windshield / Broadway Melody of 1974
Cuckoo Cocoon
In the Cage
The Grand Parade of Lifeless Packaging

Back in N.Y.C.
Hairless Heart
Counting Out Time
The Carpet Crawlers
The Chamber of 32 Doors

Pause

Lilywhite Lilith
Anyway
Here Comes the Supernatural Anaesthetist
The Lamia
The Light Dies Down on Broadway
Supper's Ready

Zugabe

The Musical Box

Für uns war dieser Vormittag im Görressaal deshalb weit mehr als ein Konzert. Wir durften erleben, wie sich Musik und Malerei unmittelbar begegnen und gegenseitig inspirieren – und wie aus Steffens Interpretation von Genesis' The Lamb vor den Augen des Publikums Bild für Bild eine ganz eigene visuelle Geschichte entstand.


Am Abend spielte dann Ray Wilson mit seinem Trio auf dem Schiff:

Ray Wilson Acoustic Trio

Vor dem ersten Song erzählt er kurz, wie er im Mai 1996 bei Genesis einstieg, indem er einige Songs zum Lernen bekam, darunter auch einige, die er zuvor noch nie gehört hatte, darunter In The Cage, den er daraufhin sehr zu schätzen wusste. Aber er begann mit dem Song, den er als erstes bei der Audition gesungen hatte:

No Son Of Mine
In Your Eyes
Inside
Another Day In Paradise
Carpet Crawlers
(erste Strophe nur mit Gitarre, ohne Keyboards)
Home By The Sea
Propaganda Man
Follow You, Follow Me
Change
Not About Us

The Actor (Ray bezeichnet das Stück als das einzige progressive Stück von ihm, abgesehen von Makes Me Think of Home)
Another Day (Ray erzählt von seinen ersten Bands, Electric Mistress und Cheap Dialogue, weil der Song von dem damaligen Bandkollegen handelt, der sich mit 14 Jahren umgebracht hatte)
In The Air Tonight (Ray erzählt nach langer Zeit mal wieder die Geschichte, wie seine Mutter ihn 1996 anrief und sagte: „Phil Collins wants his job back", als Ray gerade erst angefangen hatte, mit Mike und Tony im Studio zu arbeiten. Und als er dann 2007 in Hannover Phil backstage traf, hätte der ihm gesagt: „Tell your Mum, I got my job back!".)
Solsbury Hill
That's All

Pete Jones eigentliche Show war dann am Mittwoch, er begann mit einigen Songs seines neuesten Albums The Turning Of The World von 2023. Dann kam ein absoluter Höhepunkt des Abends: Pete spielt Spectral Mornings mit dem Text von David Longdon, dem ehemaligen Sänger von Big Big Train. Auch hier sind es nur Gesang und Piano. Eine weitere Überraschung ist seine Darbietung von „Solange man Träume noch leben kann" von Münchner Freiheit, das er tatsächlich auf Deutsch sang, und man konnte die Worte auch einigermaßen verstehen.

Von Camel, bei denen er auch Mitglied ist, brachte er:
Spirit of the Water, Lady Fantasy (mit Saxophon mit einer Hand, Keyboard mit der anderen Hand),
Ripples (der Instrumentalteil wird nur kurz angedeutet)
Rob Townsend kam dazu, sie spielten:
The Virgin And The Gypsy (mit Rob an der Flöte)
Déja Vu (Pete klingt schon ein bisschen wie Paul Carrack, der es auf Steve Hacketts Genesis Revisited II-Album gesungen hat – schade, dass der es nicht selber bei seinem Set gespielt hat) mit Rob am Tenor-Saxofon.
The Fountain Of Salmacis
Harold The Barrel
(auf vielfachen Wunsch wiederholt)
More Fool Me

Armando Gallo Interview (Chris Welch)

Armando Gallo, der legendäre Genesis-Fotograf, wurde vom ebenfalls legendären Musik-Journalisten Chris Welch interviewt und hat dabei jede Menge seiner Fotos von damals gezeigt, aber man konnte auch einige seiner Fotos von Hollywood-Schauspielern sehen, da Armando auch in Hollywood beste Kontakte zu den ganzen Celebreties hat.

Best of Show

Am letzten Tag gab es eine Art „Best of" einiger der Musiker, die die ganze Zeit an Bord dabei waren. Thijs van Leer und Menno Gootjes spielten nochmal einige Focus-Klassiker und einen Jam zusammen mit Rob Townsend. Pete Jones spielte:
Cuckoo Cocoon
The Cinema Show (komplett mit dem Instrumentalteil),
One For The Vine (wobei er ein paar Texthänger hatte, aber auch das bringt er irgendwie unterhaltsam rüber), Dancing With The Moonlit Knight (intro) / Carpet Crawlers.

Paul Carrack sang u.a. Eyes Of Blue, mit Pete Jones an den Keyboards.

Pete Jones war definitive derjenige Künstler, der mit Abstand am meisten aufgetreten ist und bei seinen Fähigkeiten und Unterhaltungswert kann man sich darüber wahrlich nicht beschweren!

Fazit

Wenn man sich die 6900 Pfund für die billigste Doppelkabine für eine Woche irgendwie leisten kann, ist so eine Woche auf einem Flussschiff auf jeden Fall äußerst empfehlenswert. Man trifft neben den Künstlern jede Menge Gleichgesinnte unter den Passagieren. Da Trading Boundaries ja aus Großbritannien ist, waren mehr als die Hälfte der Passagiere auch aus dem Land. Dazu kamen noch einige Amerikaner, einige aus Südamerika, Italien, und sogar einige wenige Deutsche. Vom Altersdurchschnitt her hätte es vermutlich auch eine Schlager- oder Volksmusikveranstaltung sein können.

Der hohe Preis erklärt sich auch damit, dass bewusst ein Schiff der Luxusklasse ausgewählt wurde (Emerald Luna / Astra) und die kulinarische Qualität zu allen 3 Mahlzeiten war schon sehr ordentlich. Wir mussten übrigens wegen des niedrigen Wasserstandes des Rheins zwischen Mainz und Straßburg mit dem Bus die Schiffe wechseln. Immerhin war es aber wie geplant möglich, während Think Lloyd auf dem Sonnendeck spielten, an der Loreley vorbei zu schippern.

Man kann sich auf der Website für die nächste Schifffahrt dieser Art im Sommer 2027 als Interessent eintragen lassen. Es ist damit zu rechnen, dass das dann sicher nicht billiger sein wird.

Autor: Volker Warncke
The Lamb… on Piano & Paper: Frank Grabowski

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