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Song 02: "Put The Bucket Down" (1. Februar 2026)

Der zweite Song von o\i ist zumindest dem Titel nach ein alter Bekannter. Nachdem er schon für i/o im Gespräch war, erscheint er nun endlich.

Bright-Side Mix
Dark-Side Mix
Work in Progress Version

Intro und Übersicht zur o\i Artikelreihe


Der zweite Song für o\i war zumindest dem Titel nach schon länger bekannt. (Interessantweise war das beim zweiten Song von i/o auch so.) Schon 2023 wurde Put The Bucket Down auf mehreren Listen für Musiklizensierung und -verwertung gefunden, und daraufhin wurde erwartet, dass der Track auf i/o enthalten sein würde. Bekanntlich war er das nicht und so war er dann ein heißer Kandidat für den Nachfolger. Nun ist er da.

Auch dieser Song gehört wieder zu Gabriels Hirnprojekt und beschäftigt sich diesmal ausführlich mit dem Aspekt, Gedanken lesen und einschreiben zu können. Die im Stück erzählende Person ist sich nicht sicher, ob sie im Kopf eigene Gedanken hat oder fremde. Ob sie sich im eigenen Kopf befindet oder in dem eines anderen.

Der titelgebende "Eimer", der "abgestellt" werden soll, ist dabei voll Unnutzem, das einen überfüllt. Um seinen Weg nach vorne zu machen, muss man diesen Eimer loswerden.

Gabriel sagt, er ist von der Idee, menschliche Gedanken lesen und auch einschreiben zu können, fasziniert. Sieht aber gleichzeitig die Gefahren, durch ein solches Lesen Privatsphäre zu rauben, und durch ein Einschreiben fremde Ideen verpflanzen zu können. Und dass der gesamte Vorgang enorme Verwirrung auslösen kann. Von dieser Verwirrung handelt das Stück.

Lyrics

Ein erstes Bild sind ein Strand und Beobachtungen am Wasser. Eingestreut sind verschiedene Anspielungen (mit "tied to the rock" etwa auf Prometheus?) und im Ganzen ist die erzählende Person verunsichert, weiß nicht, was das genau ist, was sie hier erlebt. Ob es zu ihr oder zu jemand anderem gehört. In einem kurzen Zwischenteil wird das auch immer klar formuliert: "Who's mind is this?"

Eine Art Vor-Refrain beschwört dann mit unheilvollem "Oh", den weiter oben bereits erwähnten Eimer abzustellen. Der eigentliche Refrain stellt dann nochmals fest, wie viel Unbegreifliches eigentlich durch den Kopf geht. Aber auch: "The less you have, the more you can make of it (je weniger du hast, desto mehr kannst du draus machen)". Also soll der Eimer abgestellt werden.

Wer noch Spaß an sowas hat: Die Textstruktur ist Strophe, Zwischenstück, Strophe – dann Vorrefrain, Refrain, Vorrefrain. Im Zweiten Durchgang wiederholt sich Strophe, Zwischenstück, Strophe – es folgt dann aber Refrain, Vorrefrain, Refrain. Wobei nach dem ersten Refrain ein Instrumentalteil folgt.

Coverartwork Put The Bucket Down

Kunst

Erneut kommt der Künstler eines o\i Kunstwerks aus Südamerika. Tomás Saraceno ist in Argentinien geboren und das von ihm bereitgestellte Werk heißt Cosmic Spider/Web (2019).

Ganz genau handelt es sich um das Foto eines Objekts, das Saraceno mit Hilfe von Spinnen erschaffen hat, die entlang von Metallelementen Netze durch einen ganzen Raum gewebt haben. Entstanden sind dabei Strukturen, die erstaunlich den kosmischen Formen von Galaxien ähneln.

Saraceno ist Jahrgang 1973, studierte Kunst und Architektur in Buenos Aires und Frankfurt. In Italien war er Teilnehmer eines Kurses, den unter anderem Olafur Elliasson gab (der wiederum ein Kunstwerk für i/o beisteuerte). Im Sommer 2009 nahm er zudem am International Space Studies Program der NASA teil. Saraceno lebt seit 2001 in Deutschland.

Zeitgemäßes Wohnen und Leben sind sein Thema – aber auch immer wieder kosmische Strukturen sowie Klanginstallationen.

Gabriel sagt, es scheine eine Verbindung zwischen Spinnennetzen, Formen in der Natur und den Wahrnehmungen des Hirns zu geben, weshalb das Foto für ihn zum Song passe.

Mehr zu den Album-Kunstwerken und den Künstlern dahinter findet ihr in unserem separaten Artikel.


Bright-Side Mix – 1. Februar 2026

Written by Peter Gabriel
Published by Real World Music Ltd / Sony Music Publishing
Produced by Peter Gabriel
Mixed by Mark 'Spike' Stent
Mastered by Matt Colton at Metropolis Studios
Engineering by Oli Jacobs, Katie May, Dom Shaw, Faye Dolle
Assistant engineering by Charles Hughes
Additional engineering by Tim Bruzon, Antonello D'Urso
Orchestral engineering by Lewis Jones
Orchestral assistant engineering by Tom Coath, Luie Stylianou
Pre-production engineering by Richard Chappell
Recorded at Real World Studios, Bath and The Beehive, London, British Grove, London, Fonoprint Studios, Bologna

Rhythm Programming – Peter Gabriel, Brian Eno, Oli Jacobs, Richard Chappell
Bass – Tony Levin
Keyboard bass – Peter Gabriel
Electric Guitar – David Rhodes
Acoustic Guitar – Katie May
Trumpet – Paolo Fresu, Josh Shpak
French Horn – Josh Shpak
Piano & synths – Peter Gabriel
Backing vocals – Peter Gabriel, David Rhodes, Ríognach Connolly, Melanie Gabriel
Vocals – Peter Gabriel

Orchestral arrangement by John Metcalfe, with Peter Gabriel
New Blood Orchestra
Violin – Everton Nelson, Richard George, Natalia Bonner, Cathy Thompson, Debbie Widdup, Odile Ollagnon, Ian Humphries, Louisa Fuller, Martin Burgess, Clare Hayes, Charles Mutter, Marianne Hayne
Viola – Bruce White, Rachel Roberts, Fiona Bonds, Peter Lale
Cello – Ian Burdge, Caroline Dale, Tony Woollard, Chris Worsey, William Schofield, Chris Allan
Double bass – Chris Laurence, Lucy Shaw, Stacey Watton
Flute – Eliza Marshall

Länge 6:47

Als Download bei amazonMP3* erhältlich

Ein nicht einfaches, nicht leicht konsumierbares Stück. Seine Struktur wirkt verwirrend, obwohl sie eigentlich einer durchgehenden Linie folgt.

Musik

Zu beginn hören wir vier Takte lang einen eher dunkleren, klopfenden Rhythmusloop. Der wird hart abgelöst von einem leichteren, vielschichtigeren Loop, der scheinbar ganz anders ist. Tatsächlich bauen sie aufeinander auf und können auch miteinander abgespielt werden. Gabriel sagt, er habe Elemente um etwas gebaut, das er "ungleichgewichtigen Loop" nennt, und Spaß daran gehabt, das weiterzuentwickeln.

Rhythmusstrukturen dieser Art laufen dann auch durchgehend den gesamten Song über, variieren gelegentlich. Sie sind beweglich in Details (Percussioneinwürfe, die Bassfiguren von Levin), aber statisch in der Gesamtwirkung. Trotz des gut shuffelnden Grooves.

Das trifft auch auf die harmonische Begleitung zu, die zunächst in einer Tonart bleibt. Oder auf die Strophenmelodie (anfangs eh im Sprechgesang), die kaum nachvollziehbar ist. Der Zwischenteil ("Oh, oh, oh, oh…") bringt etwas Abwechslung, aber keine echte Bewegung.

Für den Hörer ist all das fordernd – was zur Situation der erlebenden Figur passt. Es herrscht Vibration, Anspannung – wirkliche Aufregung aber nicht.

Erst recht spät zum eigentlichen Refrain kommt der erste Harmoniewechsel, der sich dann zu einem bewegenden Bogen aufschwingt. Passend zu Erkenntnis und Entschluss die in dieser Passage erzählt werden.

Den Intrumentalteil nach dem zweiten Refraindurchgang nennt Gabriel "Traumsequenz". Tatsächlich ändert sich hier kurzzeitig sehr viel. Der dichte Percussionloop setzt allmählich aus (übrig bleibt das Klopfen vom Anfang), liegende Keyboardklänge setzen ein – und sogar das Rauschen von Ozeanwellen wird hörbar. Darüber legt sich ein sphärisches Trompetensolo, das ab der Mitte zweistimmig wird.

Mit seinem Verklingen setzt der gewohnte Groove wieder ein, kehrt die bisherige Struktur zurück, die jetzt zum Ende hin aber doch mit verschiedenen Elementen leicht verdichtet wird.

Besetzung

Zu hören ist wieder die Stammband (die Aufnahmen müssen noch von 2021/22 sein). Gabriel sagt, wie schon bei Been Undone, die Band habe den Großteil des Songs erarbeitet.

Zusätzlich ist bei genauem Hinhören auch Orchesterbegleitung auszumachen. Anders als noch auf i/o tritt sie nur dezent in Erscheinung, folgt lediglich einstimmig der Gesangslinie des Refrains. Erst in dessen allerletzten Wiederholung wird sie etwas verspielter.

Für das Trompenensolo hat Gabriel gleich zwei Musiker, die jeweils eine eigene Version eingespielt haben. Einmal Paolo Fresu, der schon auf i/o zu hören war (recht unauffällig in Live And Let Live) und Josh Shpack, der nicht zuletzt bei der i/o Tour dabei war. Von diesen beiden Solos ist eins im Bright-Side Mix zu hören, das andere im Dark-Side Mix. Hier ist es Fresu.


Dark-Side Mix – 17. Februar 2026

Written by Peter Gabriel
Published by Real World Music Ltd / Sony Music Publishing
Produced by Peter Gabriel
Mixed by Tchad Blake
Mastered by Matt Colton at Metropolis Studios
Engineering by Oli Jacobs, Katie May, Dom Shaw, Faye Dolle
Assistant engineering by Charles Hughes
Additional engineering by Tim Bruzon
Orchestral engineering by Lewis Jones
Orchestral assistant engineering by Tom Coath, Luie Stylianou
Pre-production engineering by Richard Chappell
Recorded at Real World Studios, Bath and The Beehive, London, British Grove, London, Fonoprint Studios, Bologna

Rhythm Programming – Peter Gabriel, Brian Eno, Oli Jacobs, Richard Chappell
Bass – Tony Levin
Keyboard bass – Peter Gabriel
Electric Guitar – David Rhodes
Acoustic Guitar – Katie May
Trumpet – Josh Shpak
French Horn – Josh Shpak
Piano & synths – Peter Gabriel
Backing vocals – Peter Gabriel, David Rhodes, Ríognach Connolly, Melanie Gabriel
Vocals – Peter Gabriel

Orchestral arrangement by John Metcalfe, with Peter Gabriel
New Blood Orchestra
Violin – Everton Nelson, Richard George, Natalia Bonner, Cathy Thompson, Debbie Widdup, Odile Ollagnon, Ian Humphries, Louisa Fuller, Martin Burgess, Clare Hayes, Charles Mutter, Marianne Hayne
Viola – Bruce White, Rachel Roberts, Fiona Bonds, Peter Lale
Cello – Ian Burdge, Caroline Dale, Tony Woollard, Chris Worsey, William Schofield, Chris Allan
Double bass – Chris Laurence, Lucy Shaw, Stacey Watton
Flute – Eliza Marshall

Länge 6:56

Als Download bei amazonMP3* erhältlich

Mit dem zweiten Mix von Put The Bucket Down bewahrheitet sich weiter Gabriels Ankündigung, dass sich die Stereo-Mixe von o\i diesmal stärker voneinander unterscheiden werden. Das zeigt sich schon alleine darin, dass erneut der Dark-Side Mix rund 10 Sekunden länger ist.

Das liegt vor allem am ausgeweiteten Trompetensolo. Es gibt aber noch weitere kleine Änderungen: Eine kurze Einfügung bei 3:09 min und dann erstaunlicherweise auch die Halbierung des rückführenden Teils mit Gitarre nach dem Solo. Am auffälligsten aber sicherlich, dass der Dark-Side Mix ausgeblendet wird.

Neben diesen eher technischen Aspekten hat die zweite Version aber auch sonst wieder ihren eigenen Charakter.

Musik

Wieder ist der Mix von Tchad Blake von vielen Zierelementen geleert, wieder ist verschiedenes dadurch deutlicher hörbar. Insbesondere wurden viele der kleinen, shuffelnden Rhythmuselemente entfernt, was den Song hier nicht ganz so grooven lässt. Wieder ist die Gesamtwirkung dadurch kantiger.

Eine deutlichere Betonung sitzt auf den Einwürfen der Gitarre, sobald sie mit dem ersten Refrain einsetzen. Interessanterweise liegen sie hier mit einer leichten Betonung rechts, im Bright-Side Mix links. Der Bass ist scheinbar lauter, in Wahrheit aber nur freigelegter und wirkt hier sogar dumpfer im Klang. Auffällig wurden die einzelnen Songteile (Strophe, Zwischenstück, Refrain) von einander abgesetzt. Insbesondere der Gesang weist unterschiedliche Bearbeitungen auf (Blechklang, Hall, Zentralisierung im Stereobild), die jedem Abschnitt eine eigene Wirkung geben.

Das Trompetensolo ist um die Hälfte verlängert, klingt zunächst nicht viel anders, ist in kleinen Details der Phrasierungen aber doch spürbar eigen. Interessanterweise ist es hier etwas weicher, dagegen im Bright-Side Mix akzentuierter in den Ansätzen, etwas mehr jazzig. In diesem instrumentalen Zwischenteil ist zudem das Ozeanrauschen weit zurückgenommen, vor allem wurden dessen Höhenanteile reduziert. Außerdem setzt jeglicher Rhythmus komplett aus (zumindest zunächst), was das Solo deutlicher freistellt.

Im Schlussteil taucht dafür völlig unerwartet das Schnaufen eines Dampfzugs auf. (Jetzt, wo man es kennt, ist es dann auch im Bright-Side Mix zu hören.)

Durch all diese Änderungen wirkt der Dark-Side Mix im Ganzen etwas zerrissener – vielleicht ja ganz im Sinne der erlebenden Figur.

Besetzung

Einige hatten gehofft, diesmal etwas Live-Drumming von Manu Katché zu hören – sie wurden nicht erhört. Auch im Dark-Side Mix gibt es nur gesampelte Rhythmen. Das Trompetensolo kommt diesmal von Josh Shpak, denn er ist (anders als im Bright-Side Mix) alleine aufgeführt. Das Orchester wird in den Credits zwar gelistet, zu hören ist es jedoch kaum. Dafür sitzen im Refrain an der Stelle öfters bereits deutliche Einwürfe der Trompete.


Work in Progress Version – 11. März 2026

Words and Music by Peter Gabriel
Engineering by Oli Jacobs, Katie May, Dom Shaw, Faye Dolle
Pre-production engineering by Richard Chappell
Produced by Peter Gabriel
Recorded at Real World Studios, Bath and The Beehive, London

Rhythm Programming by Peter Gabriel, Brian Eno, Oli Jacobs, Richard Chappell
Bass by Tony Levin
Electric guitar by David Rhodes
Keyboard bass, piano, synths, backing vocals and vocals by Peter Gabriel

Länge 3:17

Bis weit in den nächste Mondzyklus hinein dauert es, dass für die Bandcamp-Abonnenten eine Bonusversion von Put The Bucket Down bereitgestellt wird. Erst zum abnehmenden Halbmond im März wird sie veröffentlicht. Doch es ist dafür eine interessante Fassung. Sie nennt sich Work in Progress Version und ist in der Ausarbeitung schon gut fortgeschritten. Beinahe kann sie als offizielle Alternativvariante des Stücks durchgehen.

Musik

Die ersten Töne kommen von der Gitarre – und sie bleibt auch das beherrschende Instrument dieser Version. Die Aufnahme mit Rhodes ist von 2019, heißt es, und sein Instrument legt hier gleich mehrere Schichten übereinander. Die Rhythmussektion, die dann zugefügt wird, ist schon weitgehend die finale und deutlich ausgearbeitet. Dieses Element ist auf dem Stand von Ende 2021.

Gitarrenstimmen und Percussions – sie sind bis zum Hauptrefrain die einzige Begleitung und bilden eine kompakte Untermalung, die zwar klar nach der endgültigen Fassung klingt, aber in ihrer Reduziertheit eine eigenständige Variante darstellt. Die Work in Progress Version hat Charakter. Und sie verschafft außerdem einen guten Eindruck vom unauffälligen, aber versierten und ungemein wirkungsvollen Können von David Rhodes.

Im Ganzen ist die Version gerade einmal halb so lang, wie die endgültige Fassung. Das liegt (neben dem leicht kürzeren und auch abgewandelten Refrain) daran, dass nach der letzten Strophe lediglich die zweite Hälfte des Refrains angeschlossen wird (ab "With all those senses and those feelings") – danach endet das Stück unvermittelt mit einem letzten Pianoton. Die Solopassage und die Wiederholungen von Vor- und Hauptrefrain sind weggelassen. Doch in der abrupten Kürze liegt durchaus ein Reiz.

Besetzung

Neben dem Studiopersonal, das offenbar in mehreren Etappen das Rhythm Programming vorgenommen hat, wird lediglich Gabriel selbst für Keyboards gelistet, die nur leicht unterstützend beim Refrain zum Einsatz kommen. All die zusätzlichen spielerischen Einwürfe bis hin zu der dezenten Orchesterbegleitung sind nicht vorhanden.

Ach ja, Tony Levin am Bass tritt noch unauffällig in Erscheinung. Und auch bei dieser Version ist kein Manu Katché zu hören, der echtes Schlagzeug spielt, wie es einige für das Stück gewünscht hätten. Livedrumming war aber offenbar nie Teil des Plans.

Autor: Thomas Schrage


Links
Einführungsvideo zu Put The Bucket Down (inklusive eines Statements zur politischen Weltlage Ende Januar 2026):

Song-Hintergrund auf petergabriel.com
Webseite von Tomás Saraceno

Diskutiert mit über den Song hier im Forum.


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