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Song 01: "Been Undone" (3. Januar 2026)

Im Januar 2026 hat Gabriel recht überraschend den ersten Song des neuen Albums vorgestellt. Alles Wissenswerte zu dessen Mixen wurde von uns zusammengetragen.

Dark-Side Mix
Bright-Side Mix

Intro und Übersicht zur o\i Artikelreihe


o\i startet mit einem ruhigen Song, der recht verbittert auf das Leben schaut. Zumindest mag man das denken, bedeutet der Titel "(I've) Been Undone" doch soviel wie "ich bin am Ende" oder im Zusammenhang auch "es hat mich fertig gemacht".

Peter sagt, dass der Ursprung des Songs sehr alt ist (von 1995/96), gleichzeitig ist es der neueste Song für o\i, denn er wurde erst im Oktober 2025 – gerade etwas mehr als zwei Monate vor Veröffentlichung – von der Band endgültig eingespielt. Dabei scheint er sich auch erst wirklich vollends entfaltet zu haben.

Lyrics

Über die mehr als sieben Minuten erstreckt sich viel Text. Es wird in einer langen Liste aufgezählt, was im Leben alles fertig gemacht oder zu Grunde gerichtet hat: Überhört zu werden, der Klang einer Waffe, die Vergangenheit, die man zurückverfolgt. Dabei ist nicht immer alles völlig konkret, es wird bisweilen auch zu sehr offenen Bildern gegriffen, etwa mit "From the Mandelbrot set, I've been undone [Von der Mandelbrot-Menge, bin ich fertig gemacht worden]". Was damit genau gemeint ist, bleibt also etwas rätselhaft, passt aber zu Gabriels Erläuterung, dass einige Songs des Albums Teil des Gehirnprojekts sind, mit er sich seit einigen Jahren beschäftigt. Also mit der Erforschung neuer Wahrnehmungswelten und Verbindungsmöglichkeiten.

Der Text ist aber allgemein sehr assoziationsreich, spielt nicht zuletzt im Titel mit Mehrdeutigkeit, die auch positiv ausgelegt werden kann. "Undone" im Sinne von "Zurückgetragen worden, nochmal ans Überdenken gebracht worden". Trotzdem überwiegt die Gebrochenheit im Text, etwa wenn in den Zwischenteilen "notwendige Informationen fehlen" und man nicht "an etwas glauben kann, das niemals wahr sein kann".

Gabriel sagt jedoch auch, manche der Songs machen ihn einfach nur glücklich. Und so auch hier: All die aufgezählten Bitterkeiten sieht er positiv. Aus schweren und schmerzhaften Lebensmomenten, sagt er, lernt man – oft am meisten. Weiterentwicklung entsteht nicht immer aus Gutem.

Im Zwischenteil des Stücks heißt es dann auch beschwichtigend: "Just listen and feel". Und am Schluss sogar "And I feel it in you, you feel it in me". Darauf läuft also die eingedunkelte Bilanz hin: Dass man doch etwas fühlen kann – im anderen, in sich selbst.

Kunst

Das erste Kunstwerk zum Album stammt von der Brasilianerin Janaina Mello Landini (Geboren 1975), ist von 2019, heißt Ciclotrama 156 (palindrome), (138cm x 138cm) und besteht aus handgefertigtem grünen Baumwollseil auf Leinen.

Landini studierte zunächst Architektur, dann Bildende Kunst, und in ihr Schaffen fließen auch Erkenntnisse aus Physik und Mathematik ein. Ihre künstlerischen Themen sind Zeit und Vielfalt.

Häufig arbeitet sie mit Schnüren und Seilen, die sie zu Wandbehängen, aber auch zu raumgreifenden Gespinsten webt und knotet. In vielen erkennt man Wurzeln, Zweige, Bäume. Einen umfassenden Einblick gibt ihre Webseite.

Gabriel findet im ausgewählten Werk etliche Anknüpfungen (!) zu seinem Song: Das Thema Verknotung und Ver- oder Entwirrung, er sieht im Dargestellten so etwas wie Hirnhälften, vielleicht den Lebensfaden ganz allgemein.

Im Moment ist für das Stück eins von Landinis bestehenden Objekten ausgewählt – aber Gabriel verkündet erfreut, dass noch ein eigens zum Track gefertigtes Werk folgen soll.

Mehr zu den Album-Kunstwerken und den Künstlern dahinter könnt ihr unserem separaten Artikel entnehmen.


Dark-Side Mix – 3. Januar 2026

Words and Music by Peter Gabriel
Published by Real World Music Ltd / Sony Music Publishing
Produced by Peter Gabriel
Mixed by Tchad Blake
Mastered by Matt Colton at Metropolis Studios
Engineering by Faye Dolle, Katie, May, Dom Shaw, Richard Chappell, Ben Findlay
Assistant engineering by Xav Sinden, Charles Hughes, Maisy Preece
Recorded at Real World Studios, Bath and The Beehive, London

Manu Katché – drums
Tony Levin – bass
David Rhodes – electric guitar
Richard Evans – electric guitar, acoustic guitar, mandolin
Faye Dolle – rhythm programming, additional synths, percussion
Charles Hughes – percussion
Ged Lynch – percussion
Peter Gabriel – piano, synths, rhythm programming, vocals, backing vocals

Länge 7:39

Als Download bei amazonMP3* erhältlich

Angekündigt wird, dass sich die beiden Mixe deutlicher voneinander unterscheiden werden, als das bei i/o der Fall war. Nun, der Dark-Side Mix kommt ruhig daher. In gewisser Weise behutsam. Gabriel stellte fest, dass Tchad Blake es mag, wenn Dinge Zeit haben, sich zu entwickeln. Das dürfte die Länge dieses ersten Mixes durchaus bestätigen. Auch der weitere Aufbau zeugt davon.

Musik

Die Grundlage bildet eine harmoniumartige Begleitung, in die zunehmend andere Klänge gewoben werden. Dazu eine sacht flatternde Rhythmussektion. Später setzen kräftige, akzentuierende Drums ein, die aber doch angenehm im Gesamtgeflecht bleiben. In die Bridge noch etwas später mischen sich arabisch anmutenden Percussions.

Die Strophenmelodie ist simpel, ohne zu langweilen. Die Zwischenteile sind dann eher verschroben und wenig vorhersehbar – dafür bleiben sie kurz. Eine klassische Strophe-Refrain-Struktur hat das Stück nicht.

Been Undone wirkt stattdessen durch die allmähliche Entwicklung, dadurch, dass es sich langsam aufbaut über seine ganze Länge hin. Zunehmend bekommt es Swing und dezenten Groove, bleibt aber im Ganzen zurückgenommen. Der Text erzählt von lauter Unglück, aber die Musik ist eher versöhnlich. Nur einmal bricht die Brutalität kurz und machtvoll ein, verleugnet nicht die Realitäten – es übernimmt aber gleich wieder der nicht totzukriegende Optimismus.

Besetzung

Ähnlich wie schon bei i/o beginnt das Album mit einem Stück in recht kompakter Besetzung. Im Wesentlichen spielt hier Gabriels Kernband, wie man sie inzwischen sicher mit Fug und Recht nennen kann.

Bemerkenswert ist, dass Richard Evans beteiligt ist. Ob sein Beitrag noch aus den Urzeiten des Stücks stammt (mittlere Neunziger) oder erst kürzlich aufgenommen wurde, ist zunächst einmal nicht erkennbar. Da auch Ged Lynch mit dabei ist, der in letzter Zeit eher nicht nochmal in den Real World Studios war, ist zumindest ein langes Arbeiten an dem Track bezeugt.


Song-Hintergrund auf petergabriel.com
Webseite von Janaina Mello Landini

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Autor: Thomas Schrage


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