- Artikel
- Lesezeit ca. 1 Minuten
Nachruf von Helmut Janisch
Helmut Janischs Nachruf an Karin Woywod, die 2023 viel zu früh von uns gegangen ist
Im Laufe der Zeit habe ich über meine Funktion im Fanclub viele neue Menschen kennengelernt. Einige dieser Kontakte waren kurz und oberflächlich, aus anderen entstanden lange Freundschaften. Manche fanden nur sporadisch statt, waren aber dennoch sehr bedeutsam. Karin gehörte definitiv zu letzterer Kategorie.
Mehr als drei Jahrzehnte lang gehörte Karin mal mehr mal weniger zu meinem Leben, ohne dass wir je wirklich eng befreundet waren. Dennoch fühlte ich mich ihr verbunden und erinnere mich gerne an gemeinsame Momente.
An unzähligen Clubtagen platzierte Karin die Konzertplakate für die Ausstellung perfekt mittig in den Bilderrahmen. Niemand konnte das so gut wie sie. Ihre helfende Hand war stets zur Stelle, wenn wir sie brauchten. Und egal ob beim stressigen Auf- und Abbau oder beim geselligen Beisammensein am Abend, sorgte sie immer für gute Laune. Wir haben gemeinsam viel gelacht.
Karin hat bereits zu Zeiten als Fotografieren noch analog und somit mit einigen Kosten verbunden war, mehr Fotos geschossen als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Wie sie es schaffte, fast immer eine Kamera in ein Konzert zu schmuggeln und dann auch noch aus der ersten Reihe eine ganze Show zu fotografieren, ist mir ein Rätsel. Mit Digitalfotografie, Smartphone und Internet änderte sich alles und die letzten Jahre Ihres Lebens sind daher auf ihrem Facebook-Account bestens visuell dokumentiert. Was für ein großartiger Nachlass.
Ein besonderes Highlight war die gemeinsame (oder eher parallel verlaufende) Konzertreise der it-Redaktion mit Karin zur ersten Europatour von The Musical Box 2002 in England, verbunden mit anderen gemeinsamen Unternehmungen. Wir hatten unglaublich viel Spaß zusammen.
Irgendwann änderte sich dann wohl Karins Begeisterung für Genesis und Peter Gabriel und wir verloren uns ein wenig aus den Augen. Durch ihre Präsenz auf Social Media konnte man aber immer noch ein wenig an ihrem Leben teilhaben. So erfuhr ich vor einigen Jahren auch von ihrer Krebserkrankung und den Höhen und Tiefen während und nach der Therapie. Sie war offenbar lange guter Dinge, bis eine weitere Diagnose Anfang 2023 die Hoffnung auf ein Happy End zerschlug.
Ein letztes Treffen mit Karin fand im Mai 2023 in ihrer Wahlheimat Berlin am Vorabend des Peter Gabriel-Konzerts statt. Karin war sichtlich geschwächt und von der Krankheit gezeichnet, aber ansonsten schien sie ganz „die Alte" zu sein. Wir schwelgten in Erinnerungen und freuten uns auf das bevorstehende Konzert in der Waldbühne. Im Wissen, dass es für sie wohl das letzte Livekonzert überhaupt sein würde, wollte sie die Strapazen auf sich nehmen. Kurz vor Beginn der Show sah ich sie dann zum letzen Mal aus der Ferne, ganz weit weg von meinem Sitzplatz … selbst aus der Masse der Zuschauer herausstechend, bunt … so wie Karin nun mal war. Wie kaum jemand den ich kenne, war Karin aufgeschlossen, lebensbejahend, herzlich, genügsam und zugleich oft auch leidenschaftlich und genießerisch. Sie war einzigartig. In einer oft viel zu grauen Welt war sie ein absoluter Lichtblick.
Wo immer du jetzt bist, Karin – ich hoffe, wir sehen uns wieder.
Helmut


