Vera Osina spielt Anthony Phillips – Konzertbericht Bad Wildungen
Am 22. Februar spielte Vera Osina im Rahmen der Klaviertage in Bad Wildungen ein Konzert mit der Musik von Anthony Phillips.
Ivory Moon – Vera Osina spielt Klaviermusik von Anthony Phillips in Bad Wildungen am 22. Februar 2026.
Ende 2025 wurde bekannt, dass es Rahmen der Klaviertage in Bad Wildungen (liegt zwischen Kassel und Marburg) ein besonderes Konzert geben wird, das vor allem für Fans von Anthony Phillips interessant sein würde. Ein Auftritt der Pianistin Vera Osina wurde angekündigt, bei dem sie sich vollständig der Klaviermusik von Anthony Phillips widmet. Da Anthony selbst nicht live auftritt, sind solche Konzerte eine seltene Gelegenheit, die Musik von Ant live zu hören. Andreas Schütze war in Bad Wildungen dabei und schildert seine Eindrücke:
Bad Wildungen ist nicht nur für Erholungssuchende und Kurgäste eine Reise wert, sondern auch für Freunde guter Musik. Für die jährlich stattfindenden Klaviertage hatte man sich für dieses Jahr etwas ganz Besonderes ausgedacht: ein Matineekonzert mit Klaviermusik von Anthony Phillips, interpretiert von der begnadeten Pianistin Vera Osina. Zwischen die einzelnen Musikstücke wurden Liebesgedichte von Pablo Neruda und Erich Fried eingestreut, gelesen von Sören Gehrke. In solch einem Rahmen vielleicht eine gute Idee.
Nach einleitenden Worten des Organisators mit der Bitte, die Vorführung als Ganzes zu geniessen, den Beifall für den Schluss aufzuheben und dafür umso reichlicher zu spenden, stand einem einmaligen musikalischen Kunstgenuss nichts mehr im Wege.
Die Zusammenstellung und Auswahl der Stücke war sehr gelungen und hielt auch einige Überraschungen bereit. Und eine Überraschung war sicherlich auch die Eröffnung mit Sleepfall: The Geese Fly West. Bei dieser reinen Pianoversion vermisst man natürlich die Flötenklänge von John Hackett und die Oboe von Rob Phillips bzw. Kate St. John. Aber vielleicht findet Jonathan Dann für eine weitere Archive Collection eine passende Aufnahme, ansonsten kommt der Basictrack der gestern gehörten Version dem schon recht nah.
Gekonnt vorgetragen wurde die Suite Sea-Dogs Motoring, Rapids und Moonfall (alle von Private Parts & Pieces IV: Ivory Moon) sowie Autumnal vom ersten Private Parts & Pieces-Album. Bei Moonfall läuft für mich im Kopf auch immerzu der schöne Gesang von Lindsey Moore mit. Im Anschluss daran gibt es Auszüge aus Slow Dance für das Solo-Piano. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen und es funktioniert in dieser Form ohne Orchestrierung ebenfalls sehr gut – mit hohem Wiedererkennungswert.
Für hoffentlich zukünftige Aufführungen könnte auch über eine passende Bearbeitung von Tarka nachgedacht werden. Es würde sich auf jeden Fall lohnen, denn genug Potential ist in diesem Meisterwerk vorhanden. Hatte das Konzert mit der ältesten veröffentlichten Komposition begonnen, endete es folgerichtig mit dem in Kürze erscheinenden Gemini, welches bereits von Martha Argerich im Palau de la Musica Catalana in Barcelona uraufgeführt wurde.
Wenn im April dann das neue Doppelalbum von Ant erscheint, befinden sich darauf sicherlich genügend musikalische Perlen, die nach einer Umsetzung live vor Publikum geradezu verlangen, man kann somit hoffen, dass eine Fortsetzung folgt!
Da in der ganzen Vorbereitung viel Mühe und Arbeit gesteckt haben muss (an der, wie ich nebenher erfuhr, auch Musiker der Ant Band beteiligt waren), wäre es jammerschade, wenn es nicht zu weiteren Auftritten Vera Osinas mit diesem Programm käme!
Bleibt am Ende noch die Frage, lohnt es sich für Musik, die man auch zu Hause anhören kann, eine Strecke von insgesamt annährend 500 km zu fahren? Diese Frage kann ich in diesem Fall mit einem eindeutigen ja beantworten!
Autor: Andreas Schütze Fotos: Christian Hedler, Andreas Schütze
Setlist:
Sleepfall – The Geese Fly West Suite: Sea-Dogs Motoring i. Sunrise Over Sienna ii. Basking Shark iii. Sea Dogs' Air iv. Safe Havens Rapids Moonfall Autumnal Slow Dance: Movement I-IV Gemini Fiver (Encore)