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Tony Banks – Bühneninterview mit Chris Welch (Trading Boundaries 2025)

Am 14. November war Tony Banks im britischen Trading Boundaries zu Gast und stand für ein Bühneninterview mit Chris Welch zur Verfügung. Wir haben das Interview für euch aufbereitet.

Das Trading Boundaries in East Sussex ist im Laufe der Jahre zu einem wahren Kult-Club geworden. Es ist klein und Auftritte dort sind immer begleitet von Dinner und nahbaren Musikern. Steve Hackett ist seit Jahren dort Stammgast und hat dem Club auch sein Livealbum Live Magic At Trading Boundaries gewidmet. Dazu kommen viele weitere interessante Konzerte aus dem Genesis-Umfeld, unter anderem auch der Auftritt von Rocking Horse Music Club, die 2019 Songs von Anthony Phillips und Mike Rutherford darboten.

Auch 2025 spielten Rocking Horse Music Club wieder dort. Das dieses Jahr erschienene Album The Last Pink Glow enthielt bekanntermaßen einen von Tony Banks mitgeschriebenen Song, auf dem er auch als Keyboarder zu hören ist. Tony Banks war an dem Abend im Trading Boundaries, aber nicht um live zu spielen. Er stellte sich im Rahmen eines Bühneninterviews den Fragen der Fans. Moderiert hat dieses Interview kein geringerer als der Journalist Chris Welch.

Das folgende Interview basiert auf einem Transkript von Stefano Tucciarelli, das von Paul Kingsbury optimiert und von Martin Klinkhardt und Christian Gerhardts redaktionell aufbereitet wurde.

Sprecher: Guten Abend, alle zusammen. Im Namen von uns allen hier bei Trading Boundaries möchte ich euch herzlich willkommen heißen. Wir haben heute zwei Legenden ihres jeweiligen Genres zu Gast auf der Bühne. Zunächst einmal Chris Welch. Viele von euch werden seine Texte gelesen haben. Vielleicht habt ihr eines seiner 40 Bücher gelesen, oder vielleicht habt ihr seine Kolumnen gelesen, die seit 1964 im Melody Maker und seitdem in vielen, vielen anderen Publikationen erschienen sind. Er kennt sich wirklich sehr gut aus, und es ist eine große Ehre, ihn heute Abend hier zu haben.

Nach der Hauptdiskussion wird er eine Fragerunde leiten. Es wird auch ein paar Minuten Zeit für das Publikum geben, um einige Fragen zu stellen. Und dann haben wir unseren ganz besonderen Gast heute Abend. Jetzt muss ich mich wirklich kneifen. Wir haben solche Momente bei Trading Boundaries, und es ist einfach alles so lohnenswert. Ich weiß, dass ich in sehr guter Gesellschaft bin, wenn ich sage, dass hin und wieder jemand kommt, dessen Musik zum Teil Ihres Lebens wird, und heute Abend ist da absolut keine Ausnahme. Also, zusammen mit Chris Welch, bitte heißt Tony Banks ganz herzlich willkommen.

Tony Banks: Ich sollte mich vorstellen: Ich bin Tony Banks. Aber Chris, was für ein Typ. Interviewe ich dich oder interviewst du mich? Ich freue mich, dass du mich interviewst. Wann hast du angefangen, für Melody Maker zu arbeiten?

Tony Banks im Trading Boundaries
Foto: Ibelise Paiva

Chris Welch: Also, um ehrlich zu sein, ich hatte den Job meines Lebens. Ich habe die Schulzeitung redigiert und dann bekam ich einen Job bei der Zeitung The Scotsman, wo ich mehr so Handlangerdienste geleistet habe. Ich wollte Reporter werden, aber sie stellten mich als Laufbursche ein. Es war aber eine tolle Erfahrung, und ich habe tatsächlich dort meinen ersten Artikel veröffentlicht, eine Rezension über Louis Armstrong im Gaumont State in Kilburn. Das war meine erste gedruckte Geschichte. Ich bekam einen Job bei der Lokalzeitung, und unsere lokale Band waren die The Rolling Stones, also los ging's. Ich fing an, über die Stones zu schreiben, und die Leute sagten: „Du solltest für eine Musikzeitung arbeiten." Also schickte ich meine Artikel an den Melody Maker, sie luden mich zum Vorstellungsgespräch ein, und dann bekam ich den Job. Das war 1964.

Das Tolle an der Arbeit für den Melody Maker war, dass es eine Musikerzeitung war. Wir sollten alle Musikrichtungen fördern. Ganz egal ob es Jazz, Rock oder Folk war, wir haben über alles berichtet. Und so verbrachte ich meine Zeit damit, die ganze Nacht in Nachtclubs zu verbringen, wo ich viel getrunken habe, was super war, und Rockkonzerte zu besuchen. Deshalb habe ich alle neuen Bands wie E.R. Bert, Spencer Davis Group, Georgie Fame und The Blue Flames gesehen. Und dann habe ich über sie geschrieben.

Und dann ging ich eines Tages abends in den Ronnie Scott's Club. Oben spielte diese bemerkenswerte Band. Ich glaube, Roger Dean hatte den Raum im Obergeschoss von Ronnie Scott's gestaltet. Ich war mit Peter Frampton dort, wir hatten wahrscheinlich einen getrunken. Und er sagte: „Lass uns diese Band anschauen gehen." Da spielte diese außergewöhnliche Band im Obergeschoss. Da war dieser Mann, der die Bassdrum spielte und sang, und später fand ich natürlich heraus, dass das Peter Gabriel war. Und das war das erste Mal, dass ich Genesis live sah.

Tony Banks: Ich finde, „Bassdrum spielen" ist ein bisschen übertrieben. Aber er hatte auf jeden Fall eine, ja!

Chris Welch: Erzähl mir doch mal, wie Genesis zusammengekommen sind und wie ihr an diesem Abend im Ronnie Scott's Club gelandet seid.

Tony Banks: Nun, wir haben uns in der Schule kennengelernt. Peter Gabriel und ich waren in unseren späteren Schuljahren so etwas wie beste Freunde. Anthony Phillips, der ursprünglich Gitarrist war, und Mike Rutherford waren auch gute Freunde, und Ant wollte ein Tape aufnehmen. Er fragte mich, ob ich mitkommen und ihm helfen wolle. Und ich sagte: „Ja. Warum kommen wir nicht mit und spielen auch unseren Song?"

Am ersten Tag wollte Anthony seinen eigenen Song zu singen, weil Peter noch nicht da war. Und ich meinte: „Du solltest warten, bis Pete kommt. Das wäre es wert, es wäre besser." Als Pete dann kam, haben wir den Rest gemacht, und das hat uns irgendwie unglaublich viel Selbstvertrauen gegeben. Das brachte uns natürlich erstmal nicht weiter. Wir haben die Kassette dann Jonathan King zukommen lassen. Er war damals eine bekannte Persönlichkeit in der Musikbranche. Er mochte, was er gehört hat, sodass er uns für die nächste Zeit finanziell unterstützt hat.

Ich war sehr jung und dachte: „Das ist jetzt mein großer Moment."

Aber ich muss noch mal auf deine erste Begegnung mit Genesis zurückkommen. Denn das erste Mal, dass Genesis im Melody Maker erwähnt wurde, war in einer Rezension zu unserer ersten Single namens The Silent Sun. Das war 1968, und ich war 17, als die rauskam. Ich bekam einen Anruf von Richard Macphail, den ihr alle kennen solltet, der mir erzählte, was drinstand. Und er las mir also vor: „Lieber Jonathan King. Diese Aufnahme, Sir, ist Mist. Ein Werk, das der Welt nicht würdig ist, da es künstlerisch so armselig ist, dass es ziemlich ungenießbar ist." Ich war sehr jung und dachte: „Das ist jetzt mein großer Moment."

Er war fast schon vorbei, bevor es überhaupt angefangen hatte: Chris Welch, den wir damals sehr bewunderten, hasst es. Und dann änderte er offenbar seine Meinung und sagte: „Ich scherze nur. Es ist ein trauriges Vergnügen, sich über einen der besseren Songs der Woche lustig zu machen. Alle sind glücklich, ein großer Hit." Nun, was das angeht, hattest du natürlich nicht recht. Eigentlich kann ich mich nicht besonders gut an Dinge erinnern. Das hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt, denn als Richard es mir vorlas, war es genau so, wie ich es gesagt hatte.

Chris Welch: Entschuldige bitte meine damalige Einleitung.

Tony Banks: Ja, zurück zu Ronnie Scott's. Als wir anfingen, auf Tour zu gehen, wollten wir eigentlich nur in die hinteren Seiten des Melody Maker kommen und so tun, als würden wir viel arbeiten. Also haben wir diese Shows gespielt, ein paar davon waren ganz okay, und dann haben wir noch ein paar andere hinzugenommen. Und wir haben es geschafft, eine sogenannte Residency im Ronnie Scott's Upstairs zu bekommen. Das war der Jazzclub, ein berühmter Club.

Im Obergeschoss haben wir versucht, etwas anderes zu machen. Ich glaube, wir hatten nie mehr als drei oder vier Leute im Publikum, und meistens kannten wir die Leute. Aber für uns war das echt wichtig, weil Tony Stratton Smith, der Chef von Charisma Records, uns dort gesehen hat. John Anthony, der damals Rare Bird gemanagt und produziert hat, hatte ihm gesagt, er solle sich uns mal anschauen.

Tony mit Chris Welch auf der Bühne

Ihm gefiel, was er hörte, und er gründete damals gerade sein Plattenlabel und war wahrscheinlich verzweifelt auf der Suche nach Bands, die er unter Vertrag nehmen konnte. Wir passten genau ins Profil. Das war also wirklich ein sehr wichtiger Moment für uns. Aber um ehrlich zu sein, haben wir dabei auch viel gelernt.

Zum Beispiel haben wir gelernt, dass es eigentlich egal war, ob man einen Songtext hatte oder nicht, weil ihn sowieso niemand hören konnte. Wir hatten diesen einen Song Because I'd Been Traveling All Night, zumindest nannten wir ihn damals so, und der arme Pete sang ihn. Niemand kümmerte sich darum, aber wir haben daraus gelernt, wie man spielt. Es war noch früh für uns, wir spielten erst seit kurzer Zeit.

Chris Welch: Charisma war eigentlich sehr gut zu der Band. Das heißt, es war eigentlich zuerst Decca, oder?

Tony Banks: Decca war nicht besonders gut zu uns, aber mit Jonathan King waren wir bei Decca, als wir From Genesis To Revelation aufgenommen haben. Jonathan King war gut zu uns. Wir haben drei Singles mit ihm aufgenommen und das Album, und er hat uns alle unterstützt. Das Album hat leider gar keinen Eindruck hinterlassen.

Ich nahm mir ein Jahr frei von der Uni um zu sehen, wie es laufen würde

Vor allem Ant wollte aber unbedingt live spielen. Also haben wir beschlossen, es zu versuchen. Wir haben angefangen zu proben und eine andere Art von Musik zu schreiben, um mit allem, was wir machten, ein bisschen weiter zu gehen. Außerdem dachten Peter und ich, dass wir nicht dabei bleiben würden. Wir wussten aber, dass Ant und Mike sehr daran interessiert waren, weiterzumachen.

Nachdem ich nach einer Weile wieder an die Uni zurückgegangen war, dachte ich mir: Solche Chancen bieten sich nur ein- oder zweimal und es klang echt interessant. Also nahm ich mir ein Jahr frei von der Uni, um zu sehen, wie es laufen würde.

Chris Welch: Du hast dann Chemie studiert.

Tony Banks: Physik. Naja, zuerst Chemie, dann bin ich zu Physik und Philosophie gewechselt. Nach einem Jahr, in dem die Band eigentlich gar nichts gemacht hatte, hab ich mich trotzdem entschieden, nicht an die Uni zurückzukehren, und sie haben mich tatsächlich ein weiteres Jahr freigestellt. Seitdem hatte ich nie wieder Probleme mit der Uni. Es war mitten im Studium, aber das war die Entscheidung, die ich treffen musste. Ich glaube, Mike sagt immer, dass ich den Gedanken nicht ertragen konnte, dass die Band ohne uns, ohne mich, erfolgreich sein könnte.

Das ist vielleicht wahr. Ant hatte einen Freund namens Harry Williamson, einen Keyboarder, der mich ersetzen sollte, und ich dachte: „Ich weiß nicht, ob ich das verkraften kann." Ich liebte die Musik, und wir schrieben damals einige interessante Sachen, die später zu Trespass und verschiedenen anderen Stücken wurden.

Die Vorstellung, in einer Band zu sein, war eigentlich ein unmöglicher Traum. Als ich jünger war, hätte ich nie gedacht, dass man so etwas machen könnte, vor allem mit unserem Hintergrund. Wir kamen aus einem ziemlich traditionellen Mittelklasse-Milieu, und das war nicht das, was man von uns erwartete, aber es gab eine Chance. Es war wirklich aufregend, dass wir es versuchen konnten.

Chris Welch: Du hattest ja auch von klein auf Klavierunterricht. – Aber a propos Melody Maker, das war eine tolle Sache für Musiker, oder?

Tony Banks: Ja, die letzten Seiten des Melody Maker waren echt wichtig. Denn auch wenn man nicht wirklich viel gemacht hat, musste man so aussehen, als ob. Und wir haben ein paar unglaubliche Shows gemacht. Die beste, die wir je gemacht haben, war wahrscheinlich in einem Club in Beckenham, der eigentlich ein Tanzlokal war. Aber montags gab es dort eine Progressive-Night.

Wir sind dann dort aufgetreten, und ganz hinten saßen zwei Mädchen. Das war das ganze Publikum. Peter sagte zu ihnen: „Warum kommt ihr nicht nach vorne?" Das Letzte, was sie sehen wollten, war eine Band wie uns, das kann ich dir versichern. Er sagte: „Warum kommt ihr nicht nach vorne? – Ich bin Peter, das ist Tony, das ist Mike." Und die armen Mädchen mussten dort sitzen bleiben, während wir unsere Show spielten. Dafür bekamen wir fünf Pfund. Das war das Wichtigste.

Aber einige der Shows waren so. Man hatte die Shows, die der Agent für einen gefunden hatte, und man spielte einige, die gut waren, andere waren schlecht. Oft waren die Shows, die am besten bezahlt wurden, tatsächlich die schlechtesten, aber das ist eine andere Geschichte.

Tony mit Chris Welch auf der Bühne
Foto: Ibelise Paiva

Chris Welch: Es ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, wie viele unserer großartigen Bands, die wir heute alle verehren, diese Anfangsphase durchmachen und leiden mussten.

Tony Banks: Wir haben furchtbar gelitten, es war hart. Wir hatten trotzdem immer das Gefühl, dass wir uns in einer Aufwärtsspirale befanden. Und wir spielten mit vielen Bands dieser Zeit. Wir waren die Vorgruppe von The Who, die uns tatsächlich sehr unterstützt haben. Und einen Monat später spielten wir an demselben Veranstaltungsort als Headliner. Das war also alles ziemlich aufregend, man spürte den stetigen Aufstieg.

Wir hatten ein paar Clubs, Fox, die wir schon erwähnt haben, und Friars, die zu großen Fans der Band wurden. Was uns außerdem ein bisschen half, war, dass wir aus irgendeinem Grund sehr beliebt waren, das Album Trespass lief super in Belgien, und das weckte großes Interesse an uns.

Und dann war das nächste Album, Nursery Cryme, in Italien sehr populär. Wir sind tatsächlich nach Italien gereist und haben in großen Hallen gespielt, wirklich großen Hallen, vor Tausenden von Menschen. Und zurück in England spielten wir wieder vor 20 Leuten. Das war wirklich eine seltsame Erfahrung. Als wir 1971 oder 1972 mit Van der Graaf Generator und Lindisfarne auf Tour waren, da waren Van der Graaf in England der Headliner.

In Italien waren wir die Headliner. Das war ziemlich aufregend. Es war also eine Art stetiger Aufbau, und wir hatten mit dem dritten Album Foxtrot einen kleinen Erfolg, und so ging es weiter.

Chris Welch: Natürlich habt ihr all diese farbenfrohen Arrangements … [unverständlich] The Musical Box. Tolle Arrangements, an denen die Band gemeinsam gearbeitet hat.

Tony Banks: Wir mochten das sehr, ich glaube, was uns wirklich angesprochen hat, war, dass wir nicht immer dasselbe gemacht haben, wenn wir versucht haben, mit einem Song eine Geschichte zu erzählen. Wir hatten also nicht unbedingt einen konventionellen Vers und Refrain, sondern wir haben mit einem kleinen Teil angefangen und haben dann geschaut, wohin die Musik einen führt. Für uns schien das gut zu funktionieren, und man konnte darauf aufbauen.

Ich denke, bei einem Song wie The Musical Box ist der Höhepunkt der letzte Teil, auf den man den Song ausrichtet. Man braucht aber alles davor, damit es funktioniert, finde ich. Darauf waren wir damals ziemlich stolz. Eigentlich ist es eines dieser Beispiele, bei denen ich dachte, ich hätte einen geradlinigen Teil geschrieben, und das wäre gut so. Dann fing Peter einfach an, dazu zu singen. Ich dachte: „Du Mistkerl, du singst!" Und dann kam dieser Abschnitt „you stand there with your fixed expression", und als ich ihn hörte, fand ich ihn genial. Und so habe ich mich irgendwie dafür erwärmt.

"Der Anfang von Watcher Of The Skies ist mit dem Mellotron echt ein Klassiker seiner Zeit."

Chris Welch: Findest du, dass die Verwendung mehrerer verschiedener Keyboards fast wie ein Orchestereffekt Genesis selbst ausgemacht hat? Du hast das Mellotron …

Tony Banks: Das war ein wichtiger Aspekt des Sounds. Wir waren eine Gruppe. Ich denke, die Art der Keyboards dieser Zeit, natürlich Klavier, Orgel und dann insbesondere das Mellotron, waren sehr charakteristisch. Die Akkorde (ich bin ja bekannt für meine Akkorde), und die Keyboardklänge waren ein wichtiger Teil der frühen Genesis-Sachen. Der Anfang von Watcher Of The Skies ist mit dem Mellotron echt ein Klassiker seiner Zeit.

Das war in vielerlei Hinsicht echt interessant, denn obwohl die ersten beiden Akkorde fantastisch klangen, fand ich es toll. Dann habe ich versucht, weitere Akkorde zu schreiben, und wegen der Art des Mellotrons habe ich gleichzeitig Blechbläser und Streicher verwendet und mit den Stimmen angefangen. Es gab viele Akkorde, die ich spielen wollte, aber nicht spielen konnte, also musste ich sie aus Akkorden zusammenstellen, die ich spielen konnte, und das hat offensichtlich gut funktioniert und war ein sehr dramatischer Moment.

Es war ein großartiger Bühnenmoment. Peter kam mit dem markanten roten Ding und mit dem UV-Licht, dem Batswitch, zurück in eine andere Ära, mit dem Ultraviolett-Zeug. Es war auch eines der ersten Male, dass eine Band das gemacht hat, glaube ich: Wir haben das Mellotron in Stereo über die PA laufen lassen. Bis dahin hatten Bands, soweit ich weiß, nur den Gesang über die PA laufen lassen. Es war halt noch eine andere Zeit.

Ich glaube, es gab nur sehr wenige Leute, die mit diesem unglaublich breiten Sound und Make-up und so auf die Bühne kamen. Außerdem hatten wir diesen Gazevorhang, der die ganze Ausrüstung verdeckte, was ebenfalls sehr gegen den Trend war. Die meisten Bands wollten mit so vielen Marshall-Verstärkern wie möglich hinter sich auftreten. Die Hälfte der Zeit war da eigentlich gar nichts drin.

Bei einer Band, mit der wir gespielt haben, war nur ein einziger Lautsprecher angeschlossen. Alle anderen waren nur leere Kisten. Aber niemand hat das wirklich gemerkt, weil sie laut klangen.

Chris Welch: Das war die schreckliche Marshall-Klangwand.

Tony Banks: Ja, genau. Nun, das war es, was sie damals zu Beginn hatten. Wahrscheinlich haben sie die Kisten irgendwann mal verkauft.

Chris Welch: Nur kurz zum Mellotron: Es hat einen unglaublich unheimlichen Klang erzeugt, den sicher alle Genesis-Fans kennen, einen wunderbaren Klang auf dem Mellotron.

Tony Banks: Damals haben es nicht viele Leute benutzt, King Crimson natürlich. In The Court Of The Crimson King war ein bemerkenswertes Album, und das hat uns in unseren Anfängen ziemlich beeinflusst. Ich wollte ein Mellotron auf dem Album nutzen; also haben wir uns eins ausgeliehen und bei Visions Of Angels auf Trespass benutzt.

Auf Nursery Cryme wurde es dann sehr wichtig, vor allem bei The Fountain of Salmacis. Man konnte damit diese großartigen Streichercrescendos und so weiter machen, und ich fand das einfach total spannend.

"Supper's Ready war meiner Meinung nach das Beste, was wir in Peters Ära gemacht haben"

Chris Welch: Ein weiterer toller Trend war Supper's Ready auf Foxtrot, oder?

Tony Banks: Stimmt. Supper's Ready war meiner Meinung nach das Beste, was wir in Peters Ära gemacht haben, und es war auch das längste Stück. Ob es da einen Zusammenhang gibt, weiß ich nicht. Es fing ein bisschen wie The Musical Box an. Ich hatte diese Gitarrensequenz, eigentlich war es eher ein Vorläufer davon. Wir haben das dann als Grundlage genommen und eine Melodie darüber gelegt, und das wurde der erste Teil. Dann haben wir ein bisschen improvisiert und nach und nach Teile hinzugefügt, und so hat es sich entwickelt.

Es lief ziemlich gut. Es wurde ein bisschen zu Musical Box Teil Zwei. Peter hatte diesen großartigen Song, der nicht als eigenständiger Titel veröffentlicht wurde, nämlich Willow Farm. Ich dachte, es wäre einfach toll, das einzubauen. Es war ein wirklich schöner Teil, der echt fies klang, und das war so ein toller Effekt, und wir haben dabei echt viel gelernt.

Und als wir das dann gemacht hatten, die Drums und die großen Keyboards eingebaut hatten, entwickelte sich daraus einfach das Ganze. Ich glaube, dieser Teil war die Apocalypse, die zum letzten Teil führte. Das war echt stark.

Chris Welch: Wart ihr in irgendeiner Weise von anderen Bands beeinflusst?

Tony Banks: Nur am Anfang. Natürlich sollte man [King] Crimson nennen, aber zu der Zeit danach haben wir sie nicht wirklich gehört, sie waren alle die Konkurrenz, wir haben sie alle gehasst. Wir waren aber besonder stark immer noch von dem beeinflusst, was wir in den 60ern mochten, angefangen mit den Beatles und in meinem Fall den Beach Boys und Simon and Garfunkel. Und dann einige dieser späteren Bands aus den 60ern wie Family und Fairport Convention, Procol Harum.

Ich glaube, sie alle haben uns den Eindruck vermittelt, dass man noch ein bisschen weiter gehen könnte, und genau das haben wir dann auch gemacht, und es schien uns zu gelingen, ein Publikum zu gewinnen, das das auch wollte.

Chris Welch: Nur eine lustige Geschichte: Als ich Genesis zum ersten Mal sah, habe ich euch im Friars gesehen. Ich kam etwas zu spät, und als ich ankam, buhte das Publikum die Band aus. Und ich dachte : "Wie schrecklich. Warum buht ihr denn?"

Tony Banks: Das war eigentlich eine ziemlich blöde Idee. Pete sagte: „Heute abend buht ihr einfach jedes Mal, wenn euch etwas gefällt?" Es war echt deprimierend, denn obwohl man wusste, dass es irgendwie enthusiastisch gemeint war, hat es nicht funktioniert. Denn normalerweise war es für uns fantastisch, und dieser bestimmte Abend war etwas … eigenartig.

Chris Welch: Ich habe mit euch mitgefühlt, ich dachte wirklich, sie würden buhen.

Tony Banks: Das taten sie auch.

Interview mit Spaßfaktor
Foto: Ibelise Paiva

Chris Welch: Aber danach hattet ihr eine Reihe von Hits, oder? Ihr habt euch zu den ersten Hits, den Singles, hochgearbeitet.

Tony Banks: Naja, wir hatten eigentlich gar keine Single-Hits. Ich meine, I Know What I Like landete zwar bei „Top of the Pops", wo Pan's People dazu tanzten. Das war etwas seltsam. Aber wir waren damals ein bisschen zu empfindlich. Wir wollten nicht bei „Top of the Pops" auftreten, das war einfach nichts für uns.

Chris Welch: Ich glaube, ich fühle mich wie Pan's People.

Tony Banks: Nichts bringt Pan's People in Schwung, ich schaue ihnen selbst gerne zu. Aber es war seltsam, weil es nicht wirklich etwas ist, das sich für Tanzmusik eignet. Das hat ein bisschen geholfen, ich erinnere mich an Selling England By The Pound, das war die Ausnahme. Es lief etwas besser als die vorherigen Alben.

Chris Welch: Aber der berühmte Ausruf: „It's one o'clock and it's time for lunch" – 13 Uhr, tatsächlich Zeit fürs Mittagessen. Ich habe das jeden Tag gesagt.

Tony Banks: Nun, es war gut. Es war ein guter kleiner Song und ein tolles kleines Riff. Das Riff kam von Steve und wir haben es dann zu einem Song weiterentwickelt. Es schien uns das richtige dafür zu sein. Es war sowohl spontan als auch inspiriert vom Albumcover, und ich glaube, es ist ein Song entstanden, den wir über die Jahre immer gespielt haben, weil er sich gut anfühlt ist.

Chris Welch: Apropos Albumcover: Die Albumcover von Genesis in den 70ern waren ziemlich herausragend.

Tony Banks: Ich denke, Selling England ist wahrscheinlich eines der besten. Es wurde von einer echten Künstlerin gemacht, Betty Swanwick, die ich sowieso sehr bewundere. Und dann die, die wir mit Hipgnosis gemacht haben, insbesondere The Lamb, Wind & Wuthering und A Trick of the Tail. Wir hatten einige gute, aber auch einige weniger gute. Von And Then There Were Three war ich nicht so überzeugt.

Wir hatten keine stimmige Idee, wir konnten kein wirklich gutes Albumcover daraus machen, es enthält gute Songs, aber es war einfach nicht unser bestes, mit roten und braunen Farben. Aber wir haben immer versucht, etwas zu finden, das die Stimmung widerspiegelt. Deshalb hat Abacab für uns so gut funktioniert, weil das Artwork nicht so abgehoben war wie in der Vergangenheit und das Album etwas anders sein sollte.

Chris Welch: Ich erinnere mich, dass ich in dieser Zeit fast alle Genesis-Konzerte gesehen habe. Ich habe heute Abend hier jemanden getroffen, der gesagt hat, dass er in Drury Lane war, als ihr dort zwei Abende gespielt habt.

Tony Banks: War er an dem Abend da, als ich aufgehört habe, die Einleitung von Firth of Fifth zu spielen, die ich damals immer gespielt habe? Ich musste es auf einem E-Piano spielen, und die haben keine hohen Oktaven, also musste ich alles eine Oktave tiefer spielen. Eines Abends habe ich es gespielt und weil ich keine hohen Oktaven spielen konnte, hörte ich einfach so auf. Das war echt peinlich. Die Band schaute mich nur so an, und Phil sagte "… drei, vier".

Danach hatte ich Hemmungen, das Stück zu spielen. Ich muss sagen, dass es echt schwierig war, auf einem E-Piano zu spielen, weil es keine Anschlagstärke hat und es daher etwas komisch war.

Tony und Chris im Gespräch

Chris Welch: Musstest du die Instrumente und so eigentlich selbst tragen oder hast du sie nur aufgebaut?

Tony Banks: Nein, wir hatten damals schon ein Team, das sich darum gekümmert hat. Am Anfang haben wir alles selbst gemacht. Ich war eigentlich ziemlich gut mit dem Lötkolben. Ich habe viele Kabel und so weiter gemacht.

Chris Welch: Da haben wir's! Das Geheimnis von Genesis ist ein Lötkolben.

Tony Banks: Das ist eigentlich eine sehr wichtige Sache. Ant schaffte es immer, nur die Ausrüstung mitzunehmen, und er trug nur ein Plektrum bei sich – er dachte, das würde ihm völlig ausreichen, um seine empfindlichen Finger zu schützen.

Chris Welch: Und dann war da ja auch Drury Lane, da hat Peter einen seiner berühmten Stunts gemacht, weißt du noch? Er flog durch die Luft.

Tony Banks: Das haben wir während der ganzen Tour gemacht, es war die Foxtrot-Tour, ich weiß nicht mehr, wo. In der Luft trug er sein schwarzes Kostüm. Er kam am Ende raus, als alles schon fertig war. Danach trug er dieses silberne Kostüm mit silbernem Make-up und so weiter. Und dann hing er an einer Seilrolle und schwebte in der Luft und sang den Refrain des Songs.

Meistens hat das echt gut geklappt, aber einmal drehte sich alles rückwärts. Er stand mit dem Rücken zum Publikum und man versuchte verzweifelt, Peter vor dem Ding zu retten. Das ist das Problem mit solchen Effekten, vor allem in den frühen Tagen, als sie noch nicht sehr ausgereift waren.

Chris Welch: Schmerzhaft.

Tony Banks: Bestimmt.

"Wir wollten The Lamb komplett spielen. Wir hielten das für eine gute Idee."

Chris Welch: Aber dann kam natürlich The Lamb Lies Down On Broadway, ein episches Album voller wirklich guter, interessanter Ideen, aber auch ein bisschen umstritten, würdest du sagen?

Tony Banks: Ja. Selling England By The Pound kam ziemlich gut an. The Lamb danach nicht annähernd so gut, das Doppelalbum. Ich weiß nicht, was die Leute davon hielten. Ich glaube, wir hatten ein wenig zu kämpfen, denn als wir es zum ersten Mal live spielten, wollten wir das ganze Album spielen. Wir hielten das für eine gute Idee.

Als wir es in Amerika spielten, war das Album noch nicht veröffentlicht. Also spielten wir eineinhalb Stunden lang Musik, die die Leute noch nie gehört hatten, und das war ein bisschen seltsam, und ich glaube, das Publikum war darauf nicht ganz vorbereitet. Im Laufe der Tournee lernten die Leute das Album kennen, und es wurde dann besser aufgenommen.

Aber es war eigenartig, denn wir hatten immer Songs auf Alben, die wir nicht live gespielt haben, weil sie live nicht so gut funktionierten oder zu schwer zu spielen waren. Bei The Lamb wollten wir aber jeden Song spielen. Aber einige der Songs hätten wir nie ausgewählt, wenn sie nicht Teil des Albums gewesen wären. Es gab also auch Tiefpunkte. Es war eine seltsame Tour, weil Peter nicht mehr so richtig dabei war, und die letzten Konzerte spielten wir in Besançon.

Foto: Ibelise Paiva

Chris Welch: Das war in Frankreich?

Tony Banks: Besançon, Frankreich, ja. Es war ziemlich mies, das Publikum war nicht besonders interessiert und es kam nicht gut an. Eigentlich sollte Toulouse das Tour-Ende sein, aber wir haben das Konzert dort abgesagt, weil wir nicht viele Karten verkauft hatten. Die Tour ging also eher einfach so zu Ende. Seltsam. Es war ganz sicher nicht meine Lieblings-Tournee, daher war es immer das Album, das wir zuvor gemacht hatten.

Später, nachdem Peter nicht mehr bei uns war, entschieden wir uns, ein weiteres Album aufzunehmen. Das sollte aber ein Einzelalbum werden und mehr Songs enthalten, die vielleicht etwas geradliniger waren und weniger mit der Geschichte und dieser Art von dunklem Zeitalter zu tun hatten, das der Mensch [in The Lamb] durchlebte. Bei A Trick Of The Tail konnten wir dann einen ausgewogeneren Sound erzielen.

Chris Welch: The Lamb Lies Down On Broadway wurde in späteren Jahren von Kritikern neu bewertet.

Tony Banks: Ja, es ist zu einer Ikone geworden. Ich war kürzlich zusammen mit Peter bei Real World an der Neuabmischung beteiligt. Das hat uns großen Spaß gemacht, weil wir alles noch einmal durchgehen und uns die Songs anhören konnten. Wir waren wirklich beeindruckt und fanden, dass es gut klingt. Denn wenn man so etwas macht, ist man sich nie ganz sicher, man muss ständig Kompromisse eingehen, es passieren viele Dinge, und man hört es sich nicht so an, wie es das Publikum tut.

Aber ich finde, dass da echt ein paar richtig gute Sachen drauf sind. Ich hatte nur nie das Gefühl, dass es richtig gut endet. Es ist nichts daran auszusetzen. Als Track ist es okay, aber es ist kein Abschluss. So wie das Ganze wirklich war, endete es in einem solchen Höhepunkt und war so stark. Das habe ich dabei gespürt.

Aber alle sagen, es wäre ein großartiges Single-Album, aber niemand nimmt die gleichen Tracks auf. Das ist der Punkt. Aber ich finde, dass Peters Gesang in einem Song wie Back In N.Y.C. außergewöhnlich ist, und ich habe ihm gerade gesagt: „Wir sollten das jetzt machen, weil du jetzt so singst. Es müsste nur eine Oktave tiefer sein, denke ich."

Chris Welch: Es gab Veränderungen in der Besetzung von Genesis. Ich denke, der Melody Maker hat dabei eine konstruktive Rolle gespielt.

Tony Banks: Echt?

Chris Welch: Ja. Ich hab gesagt, man soll ihn feuern. Aber habt ihr Leute über Anzeigen im Melody Maker gesucht?

Tony Banks: Ja. Die waren so gut, dass wir keinen von ihnen genommen haben, wie schon gesagt. Ja, wir haben uns viele Leute angesehen. Nachdem Peter gegangen war, haben wir Leute zum Vorsingen eingeladen. Wir wollten einen neuen Sänger finden. Keiner passte wirklich, und Phil hat den Leuten die Songs vorgesungen, damit sie eine Vorstellung davon bekamen, worum es ging, und er klang ziemlich gut.

Und dann kam irgendwie der Punkt, an dem wir dachten, wir würden niemanden finden. Wir haben es mit einem armen Kerl versucht, der Squonk im Studio gesungen hat. Die Tonart war völlig falsch für ihn und es klang furchtbar. Das war schade, denn er hatte an und für sich eine gute Stimme. Aber egal. Wir hatten immer gedacht, dass Phil wahrscheinlich solche Songs wie Ripples singen würde, weil es sanfte Songs sind und er damals eine sehr sanfte Stimme hatte. Aber dann tat er es und sagte: „Lasst mich mal Squonk versuchen."

Also sang er den Song und es klang tatsächlich ziemlich gut. Natürlich wurde er später noch besser, aber er klang schon ziemlich gut. Also dachten wir: „Das wird funktionieren, machen wir das." Wir nahmen das Album auf. Dann dachten wir, wir bräuchten einen Sänger für Live-Auftritte, denn Phil würde niemals das Schlagzeug verlassen wollen. Und dann sagte er: „Lass es mich versuchen."

Ich habe gezögert, weil ich mich so an Peter gewöhnt hatte. Ich war Peters Bühnenpräsenz gewohnt, und Phil war der Schlagzeuger. Also haben wir Bill Bruford als Schlagzeuger engagiert, als Kompromiss. Er war jemand, den Phil wirklich bewunderte und den wir alle sehr mochten. Also haben wir das gemacht, und es war außergewöhnlich. Als wir das erste Mal diese Show in London, Ontario, spielten, stand Phil vorne und ich dachte: „Das ist echt komisch. Es ist, als würde man nackt auf die Bühne gehen."

Ich war es so gewohnt, Peter vorne zu sehen, und hatte großes Vertrauen in seine Fähigkeiten. Er hatte immer eine tolle Ausstrahlung und war ein großartiger Sänger. Nach ein oder zwei Songs merkte ich, dass das Publikum Phil wirklich mochte und dass das funktionieren würde. Nach dieser ersten Tournee dachte ich: „Das ist fantastisch. Das funktioniert, wir können so weitermachen", was wir dann natürlich auch mit den folgenden Alben getan haben.

Die Idee, Phil als Sänger einzusetzen, scheint heute ganz selbstverständlich, war damals aber aus keiner Perspektive wirklich naheliegend, auch nicht aus seiner eigenen. Ich war ziemlich überrascht, als er sagte, er wolle es versuchen. Er hatte ja immer schon Schlagzeug gespielt hatte. Das war es, was er machen wollte, einfach nur Schlagzeug spielen. Aber ich glaube, die Tatsache, dass er ein bisschen Schlagzeug spielen und zusammen mit Bill [Bruford] ein bisschen Double Drumming machen konnte, war echt solide.

Chris Welch: Ich erinnere mich, wie ich Phil zum ersten Mal [als Sänger; d.Über.] sah, als er in Hammersmith auf die Bühne kam, glaube ich. Er trug einen flachen Hut.

Tony Banks: Das war eine Anspielung auf It's All Right, Joe. Es war ein vager Versuch, ein bisschen mit Kostümen zu experimentieren. Peter hatte all diese extravaganten Kostüme und so weiter, und Phils Idee von einem Kostüm war es, eine Schiebermütze oder einen schlappen Hut zu tragen. Das schien für ihn zu funktionieren, also war das okay.

Aber wir haben damals beschlossen, Peters Charakter etwas weniger in den Vordergrund zu stellen. Er machte eben sein Ding. Und wir haben Phil mit Dias im Hintergrund und viel subtilerer Beleuchtung in Szene gesetzt, und das wurde im Laufe der Jahre natürlich immer subtiler.

"Steves Rolle innerhalb der Gruppe wuchs im Laufe der Jahre, es war seltsam, dass er aussteigen wollte"

Chris Welch: Es gab das Album And Then There Were Three, für das ihr einen neuen Gitarrsten brauchtet, denn Gitarrist Steve Hackett war ausgestiegen.

Tony Banks: Mit Steve war es wirklich komisch. Steves Rolle innerhalb der Gruppe wuchs im Laufe der Jahre wirklich, denn in den Anfangsjahren waren er und Phil die jüngsten Mitglieder, aber nachdem Peter ausgestiegen war, wurde er prominenter. Besonders auf Wind & Wuthering, wo er den wirklich schönen Song Blood On The Rooftops geschrieben hat; zwar kam der Refrain von Phil, aber alles andere war von Steve.

Es war seltsam, dass er sich zu diesem Zeitpunkt entschied, die Band zu verlassen. Wir waren gerade dabei, das Live-Album Seconds Out abzumischen, als er vorbeikam, und Phil traf ihn zufällig auf der Straße. Er sagte: „Kann ich dich irgendwohin mitnehmen?" Und er sagte: „Nein, nein, ich komme gleich nach" oder so. Und später rief er einfach an und sagte: „Ich bin raus." Also, es war, ehrlich gesagt, nicht toll, aber wir beschlossen nach dem Verlust mit Phil, dass wir es wahrscheinlich als Trio versuchen wollten.

Mike war eigentlich eher Rhythmusgitarrist. Leadgitarre war neu für ihn, das musste er erst lernen, aber er war natürlich super wichtig für das Ganze, und Steve probierte sich auch aus. Auf And Then There Were Three entwickelte sich Phil meiner Meinung nach zu einem ziemlich versierten Sänger, und Mike hat meiner Meinung nach ziemlich gute Arbeit an der Gitarre geleistet.

Er spielte zu diesem Zeitpunkt noch nicht so flüssig wie Steve. Aber Songs wie Burning Rope hatte zum Beispiel eine Gitarrenpassage in der Mitte, die im Grunde genommen ich geschrieben hatte. Wenn Steve noch in der Band gewesen wäre, hätte sich der Song noch weiter entwickelt und wäre vielleicht etwas spannender geworden. Aber es hat ziemlich gut funktioniert, und das bedeutete, dass wir es schaffen konnten.

Danach entwickelte sich Mike zu einem sehr guten Leadgitarristen, und von Duke an war es immer ein großer Erfolg. Eines meiner Lieblingsalben war das, das danach kam. Ich glaube, wir haben alle als Band wirklich gut gespielt. Als Trio schienen wir einfach perfekt zusammenzupassen.

Chris Welch: Und dann waren es drei.

Tony Banks: And Then There Were Three war wahrscheinlich das Album, das zwischen den anderen Alben lag. Es enthält einige schöne Songs, aber ich finde, es war nicht so gut wie die Alben davor und danach.

Chris Welch: Das Besondere an Mike war, dass er einen sehr coolen Sinn für Humor und eine coole Art hatte. Ich erinnere mich, dass ich ihn in Tokio im obersten Stockwerk eines Hotels, dem Hilton Hotel, interviewt habe. Plötzlich begann die Decke zu beben, der Kronleuchter zerbrach und fiel herunter, und er sagte: „Ich glaube, das war ein Erdbeben." Er war sehr gelassen.

Tony Banks: Nun, Phil war schon damals, als wir ihn in die Band holten, sehr lustig. Er konnte super Witze erzählen und so weiter, und er dachte, er hätte den Job wegen seiner Witze bekommen. Also hat er jedes Mal, wenn wir ihn zu einem Auftritt abgeholt haben, ein paar Witze vorbereitet, die er uns im Auto erzählen wollte. Das war natürlich total unnötig, weil er einfach ein super Schlagzeuger war.

Aber er war sehr locker, und wir, vor allem ich, waren dagegen eher beherrschter, steifer. Peter und ich waren beste Freunde, aber wir konnten uns auch streiten, wenn wir wollten, und Phil konnte die Stimmung manchmal etwas auflockern.

Chris Welch: Die 1980er Jahre waren in gewisser Weise die goldenen Jahre für Genesis, weil ihr eine Reihe von Alben und viele Hits hattet.

Tony Banks: Wir hatten echt Glück mit der Welt von MTV. Wir schienen genau zum richtigen Zeitpunkt da zu sein. Phil war natürlich ein großartiger Performer, was sehr geholfen hat. Mike und ich waren das nicht so sehr, aber wenn man einen Hut aufsetzt und einen falschen Schnurrbart trägt, ist es erstaunlich, was einem die Leute durchgehen lassen. Und so habe ich es eigentlich geliebt, diese Videos zu drehen, es hat wirklich Spaß gemacht.

Foto: Ibelise Paiva

Chris Welch: Ja, es war echt lustig.

Tony Banks: Einige waren ziemlich schlecht, aber andere waren echt gut, finde ich. Besonders mag ich das Video zu Keep It Dark, das ich für eines der besten Videos halte, die wir gemacht haben. Mir gefällt der Kontrast zwischen Strophe und Refrain, aber solche Sachen hat man eben gemacht. Wir hatten natürlich viel Spaß mit Jesus He Knows Me und dem Mittelteil, er sagte: „Ich möchte bitte ein Video mit vielen hübschen Mädchen in Bikinis machen, wer wollte das nicht machen?" Es schien also so zu sein, weil alle anderen mitgemacht haben.

Chris Welch: Man will es nicht zu spät machen.

Tony Banks: Ja. Wie auch immer. Also führte es weg vom Kern, dem Aufbau dieses Songs, in dem es um Korruption, Fernsehprediger und alles Mögliche ging. Es schien ein sehr guter Ort dafür zu sein, also haben wir es gemacht.

Chris Welch: Genial. Und Invisible Touch von 1986 war ein Blockbuster-Album, oder?

Tony Banks: Es lief echt gut. Es brachte uns unseren ersten und einzigen Nummer-eins-Hit in Amerika, was natürlich in der nächsten Woche von Sledgehammer abgelöst wurde. Das hat die Sache ein bisschen verändert. Aber egal, so war es eben. Wenigstens haben wir es vor ihm geschafft. Aber wir hatten damals Glück… Wir konnten fünf Songs vom Album [Invisible Touch] als Singles veröffentlichen, die alle in den USA Hits waren. Hier waren sie das nicht wirklich, aber da herrscht eine andere Einstellung. Denn wenn amerikanische Singles oft im Radio gespielt wurden, bedeutete das, dass sie immer in die Charts kamen. Also hatten wir Tonight, Tonight, Tonight, In Too Deep, Throwing It All Away und andere Songs, die alle sehr gut liefen. Und so war das Album kommerziell unser größter Erfolg zu dieser Zeit, besonders in Amerika, wo es wirklich gut lief.

Die Single war also auf Platz eins in Amerika. Das Album nicht, aber es verkaufte sich sehr gut. Es war eine außergewöhnliche Zeit für uns. In gewisser Weise war es nicht das, was wir erwartet hatten. Irgendetwas schien sich zu entwickeln. Es hat uns natürlich nicht geschadet, dass Phil selbst kommerziell erfolgreich war, aber ich denke, es wäre auch so passiert.

Wenn man sich die Musik genauer ansah, war sie ziemlich anders. Aber es war offensichtlich, dass Phils großer Single-Erfolg uns nicht geschadet hat, das kann ich nicht leugnen. Er hat uns viele Türen geöffnet, und die zwei oder drei Alben, die wir in den 80ern gemacht haben, von Duke bis We Can't Dance, haben einfach Spaß gemacht. Man ging raus und viele Leute mochten einen.

Chris Welch: Und ihr habt dann eine der größten Tourneen der Welt gemacht, oder?

Tony Banks: Naja, der Rekord wurde schnell gebrochen. Wir hatten die meisten Auftritte im Wembley-Stadion, was dann, glaube ich, später Michael Jackson und dann wieder von Madonna übertroffen wurde. Es ist nicht wie bei Coldplay, die dort sechs Wochen lang spielen. Es ist eine Frage der Perspektive. Das war nicht wirklich unser Ziel, aber es war schon etwas Besonderes.

Man hat einfach nicht damit gerechnet. Das Album Invisible Touch war in England etwa ein Jahr lang in den Top 10, und das war so anders als das, was wir in den 70ern erlebt hatten. All die Alben damals waren nur ein oder zwei Wochen in den Charts.

Chris Welch: Weit entfernt von „Upstairs" oder Ronnie Scott's Club, denke ich.

Tony Banks: Eigentlich bin ich darüber nicht allzu traurig. Diese Sachen haben Spaß gemacht. Man hat das Gefühl, dass man es sich ein Stück weit verdient hat. Es gab – vermutlich im Gegensatz zu heute – eine Zeit, in der man ziemlich schnell auf einem recht hohen Niveau einsteigen konnte. Man hatte eine Hit-Single oder so etwas, und dann musste man versuchen, eine Show auf die Beine zu stellen. Wir haben 10 Jahre lang gelernt, wie man das macht, bevor wir eine richtige Hit-Single hatten; also die erste, die für mich eine richtige Hit-Single war. Und dann waren wir dann auch bereit dafür.

Chris Welch: Du hattest auch die Möglichkeit, deine eigenen Soloalben aufzunehmen.

Tony Banks: Ja, das hatte ich.

"Und dann kam natürlich etwa einen Monat später Mikes Album heraus und landete auf Platz 10 der Charts."

Chris Welch: Hat dir das Spaß gemacht, weil es dir Freiheit gabt?

Tony Banks: Die Alben aufzunehmen, habe ich wirklich geliebt. Aber ich habe es nie wirklich genossen, sie zu veröffentlichen, weil das Feedback etwas enttäuschend war. Ich habe damals A Curious Feeling gemacht, das war mein erstes Solo-Album, es kam nach Wind & Wuthering. Und ich dachte: Ich möchte diese Idee von einer Geschichte, wie ich es bei dem Song One For The Vine hatte, auf den ich damals sehr stolz war, auf ein Album ausweiten.

Und genau das habe ich mit A Curious Feeling gemacht, und ich fand immer, dass es ziemlich gut klang. Das Album kam heraus, während wir gerade Duke schrieben, und es landete auf Platz 20 der Charts. In der Woche danach war es auf Platz 21, und danach verschwand es komplett aus den Charts. Und dann kam natürlich etwa einen Monat später Mikes Album heraus und landete auf Platz 10 der Charts.

Und danach war es Phil, der uns aus diesem Markt verdrängte. Das war vor Mike + The Mechanics, es war sein erstes Soloalbum, und es war ein schöner Song. Ich glaube also, dass es einen kleinen Einfluss hatte. Ich hatte erwartet, dass ein größerer Teil des Genesis-Publikums mir zu meinem ersten Album folgen würde, weil es ein sehr Genesis-ähnliches Album war.

Chris Welch: Hast du auf The Fugitive gesungen?

Tony Banks: Ich habe auf The Fugitive gesungen. Dafür gab es viele Gründe. Einer war, dass ich A Curious Feeling gemacht hatte und es immer ein kleines Identitätsproblem gab, weil ich kein Sänger war. Ich bekam eine nette E-Mail, eigentlich eine nette Nachricht von Pete Townsend, die auf Bondpapier geschrieben war. Er schrieb, wie sehr ihm das Album gefiel und wie sehr er meine Stimme mochte. Ich brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass ich damit nicht glücklich war. Das habe ich nicht gesagt.

Wie auch immer. Ein paar Jahre später schrieb ich ihm eine Nachricht und erwähnte das, und er sagte: „Warum zum Teufel hast du mir nicht geantwortet?" Und ich sagte: „Weil du meine Stimme so sehr gelobt hast." Wie auch immer, das war ziemlich lustig. Aber dann dachte ich bei The Fugitive: „Na gut, ich versuche es mal."

Ich hatte eine Demoversion von Keep It Dark gesungen, die eigentlich ganz gut klang. Ich fand, dass es ganz okay klang, und ich das also machen könnte. Und ich dachte: „Ich versuche es mal und schaue, was ich diesen Leuten [den Sängern, denen er Lieder geschrieben hat] all die Jahre zugemutet habe." Ich habe versucht, die Songs etwas geradliniger zu halten, damit ich sie singen konnte und ihr kein Identitätsproblem habt. Ich habe das gemacht und war ziemlich zufrieden. Stiff Records war seltsamerweise sehr daran interessiert, es zu veröffentlichen, bis sie mich trafen.

Chris Welch: Was ist passiert?

Tony Banks: Ich tauchte im Mantel, mit Schal und langen Haaren auf und war nicht wirklich das, was sie suchten. Stiff Records war zu dieser Zeit sehr trendy und hip, und Madness war damals ihr wichtigstes Projekt. Aber viele wissen, dass ich Madness nicht wirklich mag, also war ich mit dieser ganzen Sache ziemlich zufrieden. Es war nicht so sehr Punk, sondern einfach nur Musik, wieder etwas direktere Musik.

Sie mochten das Album, das schon, aber sie konnten mich nicht nehmen. Sie konnten nichts damit anfangen, sie wussten nicht, wo sie anfangen sollten, was sie zuerst streichen sollten. Also ging ich zurück zu Charisma, die natürlich in ihrer Art eingeschränkt sind, sehr nett waren und mich wieder aufnahmen und das Album herausbrachten, und natürlich kam nichts dabei raus. Aber ich denke, es geht eben auch darum, dass man seine eigenen Songs singt, auch wenn man nicht der beste Sänger der Welt ist.

Seien wir ehrlich, es gibt viele Sänger, die keine großartigen Sänger sind. Bob Dylan und Bob Geldof fallen mir ein, Leute, die keine wirklich großartige Stimme haben, aber wenn sie ihre eigenen Sachen singen, funktioniert es irgendwie wirklich. Ich glaube, es gibt ein oder zwei Momente auf diesem Album, die so funktioniert haben. Und diese persönliche Qualität gefällt mir sehr gut.

Foto: Ibelise Paiva

Chris Welch: Hättest du gerne live auf der Bühne gesungen?

Tony Banks: Ich wollte nicht mal auf meinem Album singen, ich wollte nicht singen. Ich habe ein Video gedreht, und wenn du es gesehen hast, hast du sicherlich ganz deutlich gemerkt, dass ich das auch nicht wirklich machen wollte. Das sind alles Dinge, die mir nicht liegen. Ich wusste, dass ich wahrscheinlich ganz gut singen konnte, aber vor Publikum zu stehen, lag mir einfach nicht. Ich bin einfach ein introvertierter Mensch, zu wenig selbstbewusst, um so etwas zu tun.

Das war nicht wirklich das, was ich wollte. Aber wir haben den Song This Is Love ausprobiert, ich habe ihn gesungen und ein Video dazu gedreht. Es war okay, denke ich.

Chris Welch: Es ist schön, dass du es gemacht hast, dass du es machen wolltest, dass du es geschafft und gemacht hast.

Tony Banks: Ich habe nur bei ein oder zwei Songs auf späteren Alben gesungen, und dann nur bei Songs, die ich ziemlich witzig fand. Danach habe ich beschlossen, wieder echte Sänger zu engagieren, weil ich finde, dass die Songs dann besser klingen.

Da ich in der Vergangenheit den Luxus hatte, dass ich mit Phil und Peter zwei fantastische Sänger hatte, die meine Songs gesungen haben, sah ich keinen Sinn darin, mir einen guten Sänger zu versagen. Deshalb habe ich es bei allen späteren Alben wieder versucht.

Chris Welch: Und natürlich hast du in den letzten Jahren Filmmusik geschrieben, glaube ich. Wie war das, wie klingt das?

Tony Banks: Ich wurde ursprünglich engagiert, um die Musik für den Film 2010 zu machen, die Fortsetzung von 2001. Ich traf Peter Hyams, den Regisseur, und er war total begeistert von dem, was ich für einen Schulfilm namens The Shout geschrieben hatte. Er konnte es sogar singen, obwohl es ziemlich schwer zu singen ist, und ich dachte: „Das muss ihm wirklich gefallen." Wie auch immer. Ich dachte also, das wäre ein Kinderspiel, so etwas könnte ich im Schlaf schreiben.

Also schrieb ich ein paar Sachen für ihn, aber ihm gefiel nichts davon. Sein Produzent fand die Sachen echt gut, aber er war nicht der Richtige. Ich war auch noch ziemlich unerfahren und hatte nur Ideen und Vorstellungen, wie sie klingen sollten, aber ihm gefiel das nicht. Ich versuchte es mit zwei oder drei weiteren Stücken, aber es klappte nicht. Also hat er mich im Grunde genommen gefeuert und James Horner engagiert, was wahrscheinlich eine ziemlich gute Entscheidung war.

Es stellte sich heraus, dass alle eigentlich einen orchestralen Soundtrack wollten, was er mir aber nicht gesagt hatte. Er wollte etwas Ausgefalleneres. Aber das war mein erster Versuch. Ich habe [Musik für] zwei oder drei Filme geschrieben, die nicht wirklich gut geworden sind.

Ich habe diesen Song mit dem Stück von Michael Winner namens The Wicked Lady geschrieben, das er mir besorgt hat. Er hat an einem Album mit John Paul Jones oder so gearbeitet, glaube ich. Er hat einen Film mit ihm gemacht, entweder das oder mit Jimmy Page, mit einem von beiden.

Chris Welch: Jimmy Page, glaube ich.

Tony Banks: Jemand, der für Atlantic gearbeitet hat, schlug mich ihm vor: „Warum probierst du es nicht mal mit Tony?" Ich habe ihn getroffen und wir haben uns ziemlich gut verstanden. Ich hatte dieses Stück, das ich nicht für The Fugitive verwendet hatte oder nicht für The Fugitive verwenden würde, weil ich zu diesem Zeitpunkt schon aufgegeben hatte, und es war nur ein kleiner Manager, den ich ziemlich nett fand und der es mochte.

Also haben wir das als Grundlage für diesen Film genommen. Ich habe noch ein paar andere Teile dazu geschrieben. Der Film ist eigentlich echt mies, aber er hat eine fantastische Besetzung. Mit Faye Dunaway – wenn man sich die Besetzung ansieht, denkt man, das wird großartig. Am bekanntesten ist er jetzt für die Peitschen-Szene, in der Faye Dunaway dieses knallharte Mädchen auspeitscht, das später in „Star Trek: The Next Generation" mitgespielt hat. Das ist also ein Film für sie. Er bekommt wahrscheinlich mehr Aufrufe, als er verdient.

Aber nein, was du sagen wolltest, als ich dich vorhin so unhöflich unterbrochen habe, ist, dass ich seitdem Orchestermusik mache. Ich habe seitdem drei Orchesteralben gemacht. Seven, Six und Five. Frag mich nicht, warum sie so heißen.

"Für ein Orchester zu komponieren ist eine große Aufgabe. Es war eine tolle Erfahrung!"

Chris Welch: Hast du die Partituren geschrieben? Musstest du alle Arrangements notieren?

Tony Banks: Nein, eigentlich nicht. Im Grunde habe ich Demos in unterschiedlichem Ausarbeitungsgrad erstellt, insbesondere das letzte, Five, bei dem viele Arrangements ziemlich genau festgelegt waren. Bei dem ersten Album habe ich mit Arrangeuren und Simon Hale zusammengearbeitet, beim zweiten mit Paul Englishby und beim dritten mit Nick Ingman. Das sind alles großartige Leute, mit denen man gut zusammenarbeiten kann, und sie haben in die Songs ein bisschen was von sich selbst mit eingebracht, insbesondere Paul, bei dem es meiner Meinung nach (auf dem zweiten Album) in gewisser Weise mehr war.

Für ein Orchester zu komponieren ist eine große Aufgabe. Ich hätte eine einfache Partitur schreiben können, und ein paar Stücke sind auch so ziemlich so geworden, wie ich sie geschrieben habe. Aber für komplexere Sachen, dachte ich mir, hole ich mir lieber Leute, die sich damit auskennen und viel über Orchester wissen. Vor allem beim zweiten und dritten Album habe ich sie eingesetzt, sie waren auch die Dirigenten, was echt hilfreich war, weil sie den Klang so steuern konnten, wie sie wollten.

Es war also eine tolle Erfahrung. Ich persönlich finde, dass sie immer besser wurden. Aber wie bei meinen Soloalben verkauften sie sich immer weniger. Ich glaube, es ist einfach schwierig, Gehör zu finden. Ich bin mir sicher, dass es hier im Publikum Leute gibt, die Sachen geschrieben haben, die sie für großartig halten, die aber nie die Chance hatten, gehört zu werden. Und das passiert jedem. Aber ich bin sehr stolz darauf, eigentlich auf alle, aber besonders auf das dritte Album, das sich wirklich aus dem Klavierspiel entwickelt hat, das Teil meiner Demos war.

Ich habe diese als Vorlage verwendet und alle anderen Orchesterparts darauf gesetzt. Das bedeutete, dass das Endergebnis sehr nah an dem war, was ich ursprünglich beabsichtigt hatte, Während einige der anderen Stücke zu Beginn manchmal etwas vom Kurs abkamen.

Chris Welch: Ich nehme an, du hattest Eltern, die klassische Musik liebten.

Tony Banks: Nun, meine Mutter ganz gewiss. Mein Vater war unmusikalisch. Er hatte keine Ahnung, was da vor sich ging. Er war sehr gegen Musik. In meiner Jugend hatten wir ein ziemlich offenes Wohnzimmer, das man durchqueren musste, um nach oben zu gelangen. Ich spielte ständig Klavier und muss alle verrückt gemacht haben. Ich spielte endlos Beatles-Songs, und er ging mit den Händen auf den Ohren durch den Raum.

Aber später, als es uns etwas besser ging, hatte er natürlich ein Auge darauf. Und wenn er in Plattenläden ging, sagte er: „Das ist mein Sohn." Das hat ihm ziemlich gut gefallen. Meine Mutter war zwar musikalisch, aber sie konnte nichts auswendig spielen. Sie musste die Noten vor sich haben. Es ist schon erstaunlich. Nimm ihr die Noten weg, und sie konnte ein Stück nicht mehr spielen, das sie schon hunderttausend Mal gespielt hatte.

Es ist echt komisch, dass ich genau das Gegenteil bin. Ich hasse es, Noten vor mir zu haben, ich will ein bisschen was ändern können, wenn ich will. Aber es hat mich beeinflusst, und ich bin sehr mit klassischer Musik aufgewachsen, und das waren die Showmelodien.

Chris Welch: Mahler?

Foto: Ibelise Paiva

Tony Banks: Mahler kam eigentlich etwas später. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Steve. Wir hatten Tod in Venedig gesehen und fanden die Musik fantastisch. Was ist das? Zu dieser Zeit war Mahler überhaupt nicht bekannt, es gab ein fantastisches Musikstück, das Adagietto aus der Fünften Symphonie, das in diesem Film verwendet wurde. Was ist das? Er versuchte, es zu finden, aber zu dieser Zeit war die Musik zu Tod in Venedig noch nicht erschienen.

Also ging ich in die Bücherei, in die Plattenabteilung, und konnte die Fünfte Symphonie nicht finden. Ich fand die Vierte und einige andere. Es war außergewöhnlich. Aber kurz danach fing Mahler plötzlich an, bedeutender zu werden. Heute gilt er als einer der Großen, aber damals war er das noch nicht.

Als ich vorhin über die Showmelodien sprach, meinte ich die, die ich als Kind gehört habe, mit meiner Mutter. Wir hatten insbesondere alle Platten von Rodgers & Hammerstein, und ich finde Richard Rodgers klasse. Er war ein wunderbarer Komponist. Einiges von ihm mag ich sehr gerne. Auf der anderen Seite war ich etwas misstrauisch gegenüber meinen übermäßigen Akkorden und verminderten Akkorden und so weiter, die ich gerne einbaue. Die habe ich eigentlich alle von Richard Rogers.

Er kann sie so gut im Kontext einsetzen, dass sie ganz natürlich klingen. In The Sound of Music, dem Titellied, gibt es innerhalb der ersten 10 Sekunden einen verminderten Akkord, und ich liebe solche Sachen. Ich finde, er macht das super, und die Texte sind auch ziemlich gut, aber das ist nicht in allen Fällen so, nicht bei den anderen Hammerstein-Songs. Das war also das eine, und dann gab es natürlich West Side Story, das war Bernstein. Und auch My Fair Lady, das meiner Meinung nach nicht so bekannt war. Wir hatten all diese Stücke zu Hause, und ich habe sie oft gespielt, weil ich diese Musik einfach geliebt habe. Sie hat mich in eine bestimmte Richtung inspiriert, genauso wie ich Popmusik liebe. Ich habe damals alle Popmusik geliebt, aber diese Showmelodien waren damals etwas ausgefeilter und haben mich wirklich bewegt.

Chris Welch: Spielst du immer noch gerne zu Hause Klavier?

Tony Banks: Manchmal schon. Ich spiele ein bisschen. Manchmal habe ich keine Lust zu schreiben. Ich spiele nicht mehr so viel wie früher. Es gab eine Zeit, in der ich nie aufgehört habe zu spielen, und heutzutage verläuft das in Phasen. Es gibt Tage, an denen ich ziemlich viel spiele, und andere Tage, an denen ich im Garten bin. Das hängt eigentlich sehr vom Wetter ab, muss ich sagen. Wenn das Wetter schön ist, bin ich draußen. Es war auch ein sehr schöner Sommer, daher habe ich nicht viel geschrieben.

Chris Welch: Es gibt sicher einige Zuschauer, die dir liebend gerne ein paar Fragen stellen würden. Aber ganz kurz: Was war dein größter Erfolg mit Genesis? Was ist dein Lieblingsalbum von Genesis?

Tony Banks: Ich habe im Laufe der Jahre verschiedene Antworten gegeben, und ich mochte Duke schon immer sehr, weil ich fand, dass es so eine positive, aufbauende Stimmung hat. Ich war schon immer ein großer Fan des Songs Duchess. Der gehört zu meinen Lieblingssongs. Er ist prägnant, passt aber gut zum Gesamtwerk von Genesis.

Ich liebe Wind & Wuthering, weil es viele schöne Stücke enthält. Ich mag meine eigene Musik. Viele Leute halten mich davon ab, und ich kann meine eigenen Filme nicht ansehen. Meine eigenen Stücke höre ich mir schon an, ich finde sie großartig. Es wäre auch ein bisschen seltsam, das nicht zu tun. Wind & Wuthering und die [Musik der] frühen Tage, die wir erwähnt haben, Selling England By The Pound, sehr gut. Ich finde auch, dass die letzten beiden Alben sehr gut waren, besonders Invisible Touch und We Can't Dance. Ich denke, sie haben etwas wirklich Gutes bewahrt.

"Auf We Can't Dance fand ich Since I Lost You ziemlich gut!"

Es ist lustig, ich bin kürzlich auf einen der Songs darauf gestoßen. Ich habe etwas gelesen und jemand hatte den Song Since I Lost You erwähnt, den ich damals ein wenig ignoriert hatte. Damals hatte ich diese Akkordfolge geschrieben und auf dem Klavier gespielt, und dann hat Phil den Text dazu geschrieben und so, und ich hatte mir nicht wirklich viele Gedanken darüber gemacht.

Ich habe ihn gehört und fand ihn eigentlich ziemlich gut. Der Text handelt offensichtlich vom Tod von Eric Claptons Sohn und ist unglaublich bewegend. Er ist sehr einfach. Ich fand ihn ziemlich gut. Die Akkorde sind ziemlich einfach gehalten, aber nicht ganz so simpel. Und so stößt man manchmal viele Jahre später auf Dinge, die man damals abgelehnt hatte, die wieder auftauchen und von denen man denkt, dass sie ziemlich gut sind. Nun, einige der anderen Songs fand man fantastisch, aber nicht wirklich.

Chris Welch: Manchmal, wenn man einen Musiker fragt, ob er sich zur Ruhe gesetzt hat, sagt er: „Oh nein, habe ich nicht." Du hast dich also nicht wirklich aus der Musik zurückgezogen, oder?

Tony Banks: Man kann immer sagen, dass man sich als Musiker nicht zurückgezogen hat, weil niemand wirklich weiß, was man macht. Es ist wie bei Autoren, ich bin zwischen zwei Jobs. Nein, ich würde es auf keinen Fall ausschließen, in Zukunft etwas zu machen. Ich habe diese Sache mit Brian gemacht –

Chris Welch: Danach wollte ich auch noch fragen.

Tony Banks: Das kam durch Richard Macphail, den ich auch oft gesehen habe. Er kam vorbei und erwähnte, dass dieser Typ namens Brian Lust auf ein Projekt hatte. Er schickte mir ein Buch von Jack Kerouac, The Haunted Life, und darin sind ein paar mögliche Ideen für Songtexte. Ich setzte mich hin und las etwas, das mir im Sinne des Buches gut gefiel.

Es ist also kein Teil der progressiven Musik von Michael Wilde, sondern eher ein Stimmungsstück, wenn man so will. Das war erst vor ein oder zwei Jahren. Ich finde das Projekt eigentlich ziemlich cool. Es ist nur so, dass ich keine Verantwortung dafür trage, die liegt bei ihnen. Am Ende hat er meinen Demo-Part verwendet, weil Michael Wilde damit einverstanden war.

Chris Welch: Hast du ihre Musik gut gefunden, weil sie auf eine Art und Weise neu interpretiert wurde, die von britischer progressiver Musik inspiriert ist?

Tony Banks: Ich habe mir den Rest des Albums angehört, da sind ein paar echt gute Tracks drauf. Ich mag es viel lieber als viele andere zeitgenössische Popmusik. Ich weiß nicht, ob ich das so sagen kann, aber es war schon aufregend. Es sind aber alles nur Bruchstücke, und all die Sängerinnen da verwirren mich total. Darum finde ich es musikalisch nicht so interessant, die Akkorde sind meistens einfach.

Heutzutage kommt es vor allem auf die Texte, die Arrangements und die Gesangsdarbietungen an. Aber bei den grundlegenden Akkordstrukturen halten die Leute meist an den alten Abfolgen fest, und das interessiert mich dann nicht wirklich. Wenn man dagegen etwas hört, das davon abweicht, wie es Brian gemacht hat, dann ist das gut. Sicher gibt es noch viel mehr Leute, die solche Sachen machen. Aber ich habe nicht mehr die gleiche Energie wie früher, um mir solche Sachen anzuhören.

In den 60er Jahren habe ich versucht, neue Sachen zu entdecken, und ich erinnere mich, dass ich eine der ersten Singles von David Bowie gekauft habe, einen Song namens Can't Help Thinking About Me, weil ich ihn im Radio gehört habe. Ich dachte: „Das ist fantastisch, das gefällt mir wirklich."

Natürlich wurde es kein Hit, aber es hat mich angesprochen, und von da an habe ich ihn verfolgt. Natürlich nicht durchgehend, aber eigentlich während seiner ganzen Karriere. Aber das lag daran, dass er Akkorde auf eine Art und Weise einsetzte, die nicht ganz normal war, und ich fand das toll. Das ist keine Standardsequenz. Das ist etwas ganz Besonderes.

Moderator: Ich möchte vorschlagen, dass wir nun zu den Fragen aus dem Publikum kommen.

Terry: Danke, dass ihr heute hier bei uns seid. Meine Frage bezieht sich auf A Curious Feeling. Wurden einige dieser Titel ausgelagert oder stammen Teile davon aus anderem Genesis-Material, das ihr überarbeitet habt?

Tony Banks: Nicht wirklich. Abgesehen natürlich vom Eröffnungsstück From The Undertow, das ursprünglich als Teil der Einleitung zum Song Undertow konzipiert war. Das Stück habe ich aber neu gestaltet und den Schwerpunkt verändert. Aber man hört, dass das große Thema in der Mitte von From The Undertow offensichtlich mit dem Refrain von Undertow zusammenhängt. Darüber hinaus: nein. Es war einfach das nächste Stück, das ich geschrieben habe.

Die Leute haben mich damals oft gefragt: „Hältst du etwas für Genesis zurück?" Es war einfach das nächste, was ich geschrieben habe, das waren alles die nächsten Stücke. Wären sie [bei der Arbeit] für ein Genesis-Album entstanden, wären viele davon wohl auf einem Genesis-Album erschienen, denke ich. Sie hätten wahrscheinlich anders geklungen, weil andere Musiker, Sänger und so weiter dabei gewesen wären.

Aber es blieb nichts übrig. Die späten 70er Jahre waren für mich eine sehr kreative Zeit, ich habe viel geschrieben und es kam viel aus mir heraus. Ich glaube nicht, dass irgendetwas davon wirklich vorherbestimmt war, nicht einmal für das jeweilige Album.

Publikum: Du hast vorhin erwähnt, Tony, dass du mit Peter bei Real World zusammengearbeitet hast. Es gab ein schönes Bild von euch beiden im Internet. Kannst du dir vorstellen, irgendwann mal wieder kreativ mit Peter zusammenzuarbeiten?

Tony Banks: Ich glaube nicht… Wir haben uns seitdem weit auseinander entwickelt. Wir verstehen uns super und haben immer noch viele gemeinsame visuelle Vorlieben, aber ich glaube einfach nicht, dass das jemals passieren wird. Ich sehe auch keinen Grund dafür. Peter macht sein eigenes Ding und ist damit sehr erfolgreich. Er braucht mich nicht wirklich um sich herum.

Aber ich weiß es nicht. Ich schließe nie irgendwas mit irgendjemandem aus. Da habe ich keine Regeln. Ich hätte nie gedacht, dass irgendetwas von dem, was in meinem Leben in Sachen Musik passiert ist, jemals passieren würde. Also akzeptiere ich einfach, was passiert und wohin es mich führt. Aber man sollte keine allzu großen Erwartungen hegen.

Publikum: Es muss sehr schön gewesen sein, all die Jahre mit ihm zusammenzuarbeiten.

Tony Banks: Ich habe immer noch mehr Haare, was sehr wichtig ist. Wir verstehen uns immer noch sehr gut. Es ist lustig, denn er ist ein Typ, der über die Jahre so unglaublich erfolgreich war, aber sich wirklich nicht sehr verändert hat. Nun, was sein Selbstvertrauen angeht, schon, aber darüber hinaus ist er ziemlich genau derselbe tollpatschige Typ, der er immer war. Er hatte immer diesen Vorteil.

Peter und ich haben früher ziemlich viel zusammen gemacht, wobei ich gemein und launisch und etwas distanziert und aus diesem Grund etwas unattraktiv war. Er war tollpatschig und die Mädchen mochten das einfach, weil er so verletzlich wirkte und außerdem ziemlich gut aussah oder sogar sehr gut aussah, finde ich.

Es war also in gewisser Weise anders, einen solchen Freund zu haben, weil er alle Mädchen bekam, aber wir verstanden uns sehr gut. Wir haben uns oft gestritten, als wir zusammen gearbeitet haben. Er war jemand, der sehr lange an einer Sache gearbeitet hat. Ich hingegen habe immer versucht, alles so schnell wie möglich fertig zu bekommen, um mit der nächsten Sache weiterzumachen. Das hat zu einigen Reibereien zwischen uns geführt, aber wir haben zusammen viel Gutes geschrieben, also war es eine tolle Zeit.

"Ich finde dass Nir als Schlagzeuger ausgezeichnet war, ich war sehr zufrieden."

Graham: Tony, du hast über die Genesis-Alben gesprochen und dabei Calling All Stations nicht erwähnt. Wo ordnest du dieses Album persönlich ein?

Tony Banks: Calling All Stations sehe ich mit gemischten Gefühlen. Wir haben es mit sehr großen Hoffnungen herausgebracht, und es hat sie nicht wirklich erfüllt. Vielleicht kann man das so sagen: Wenn etwas erfolgreich ist, hat es einen gewissen Glanz, und wenn etwas nicht ganz so erfolgreich ist, hat es eine etwas dunklere Stimmung. Ich finde, viele der Songs darauf sind großartig, und ich finde, einige der Songs darauf sind wirklich gut dargeboten. Ich finde insbesondere, dass Nir, der Schlagzeuger, ausgezeichnet war, und ich war sehr zufrieden. Was mir aus meiner Sicht eigentlich sehr gut gefallen hat, war, dass ich einige Erwachsenen-Themen in die Texte aufgenommen habe.

Ich habe viel über Scheidung gelesen. Ich habe über Terrorismus gelesen, ich habe über Sucht gelesen. Das hat es leider nicht auf das Album geschafft, aber es kommt in dem Song und an einer anderen Stelle vor, und es hat ziemlich viel Spaß gemacht, das zu machen. Da ich über die Jahre hinweg immer Fantasy-Geschichten geschrieben habe, habe ich selbst wenn ich etwas ziemlich Ernstes wie The Dividing Line erzählt habe, es eher in eine kleine Fabel verpackt, als es direkt anzusprechen.

Also war ich ziemlich zufrieden. Besonders gefiel mir die erste Hälfte von One Man's Fool, in der es um Terrorismus, Bomben und so weiter geht. Das klingt, als wäre es nach dem 11. September geschrieben worden, aber natürlich war das nicht der Fall, es wurde davor geschrieben. Ich dachte dabei vor allem an den Bombenanschlag in Manchester [am 15.06.1996 zündete die IRA in Manchester eine große Autobombe, die viele Gebäude beschädigte, aber keine Todesopfer forderte; d.Übers.].

Wenn ihr den Song noch nicht gehört habt, hört ihn euch noch einmal an und achtet auf den Text. Mit dem war ich ziemlich zufrieden, der funktioniert gut. Die zweite Hälfte des Songs kann damit nicht wirklich mithalten, aber die erste Hälfte war großartig.

Ursula: Wirst du mal in den Norden kommen? Nach Newcastle zum Beispiel?

Tony Banks: Wenn ich eingeladen werde, dann ja. Ich hab nichts dagegen, aber ich hab so was noch nicht oft gemacht. Einmal war ich in Cheltenham, als eines meiner Stücke dort aufgeführt wurde. Ich war eigentlich nur zum Reden dort. Das war irgendwie seltsam. Aber man gibt im Laufe der Jahre so viele Interviews und macht so viele Sachen, dass man sich bewusst wiederholt.

Foto: Ibelise Paiva

Bevor ich hierher kam, habe ich mir ein oder zwei frühere Interviews angehört, um zu sehen, was ich früher gesagt habe. Jemand hatte da etwas gefunden, was ich 1978 in Malmö gemacht hatte, und es klingt, als wäre ich ein bisschen arrogant. Ich hab auch was gesagt, was damals komisch war: dass ich mich für unpolitisch hielt. Ich habe damals überhaupt nicht über Politik nachgedacht. Und jetzt beschäftige ich mich natürlich ziemlich viel damit.

Man verändert sich, und das war vor etwa 50 Jahren. Ich bin etwas milder geworden, denke ich. Ich habe mir auch ein bisschen von dem angesehen, was ich mit Phil gemacht habe, das muss etwa zur Zeit von „Invisible Touch" gewesen sein. Es war ganz nett, mit ein bisschen Geplänkel zwischen uns und allem. Es ist schön, sich so an Phil zu erinnern, denn heute ist es ein bisschen anders. Aber wir hatten eine tolle Zeit zusammen, also war es schön, sich das nochmal vor Augen zu führen.

Publikum: Tony, du sagtest vorhin, es ärgere dich, dass nicht mehr Leute deine Soloalben hören. Wenn du einen Wunsch frei hättest und einen Song aus deinen Soloalben wählen könntest, den jeder hören müsste, welcher wäre das? Wenn ich meine Ansicht einwerfen darf, würde ich Lion of Symmetry wählen, mit der tollen Stimme von Toyah. Welchen Song würdest du wählen, den jeder hören sollte?

Tony Banks: Da gibt es zu viele. Auf Lion of Symmetry war ich damals echt stolz, und es hat viel Spaß gemacht, mit Toyah zusammenzuarbeiten, weil sie bis dahin ihre Stimme noch nicht so sehr ausgereizt hatte. Sie hat viel mit verschiedenen Leuten zusammengearbeitet. Ich dachte mir einfach, ich versuche es mal, und es hat echt gut geklappt.

Es war toll, mit ihr zu arbeiten, denn ich habe einen Text geschrieben. Für mich klang er okay, und sie sagte: „Ich mag ihn nicht", und schrieb danach einen ganz neuen Text, und ich finde, sie hat ihn großartig gesungen. Ich stimme dir zu, ich mag den Song.

Einer meiner Favoriten ist The Waters of Lethe. Es passt gut als Musical. Ich hatte das Gefühl, dass die Akkorde in der Mitte vielleicht ein bisschen zu viel sind, aber es klingt einfach richtig gut. Ich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Was mag ich noch, Chris?

Chris Welch: Ich hab keine Ahnung.

Tony Banks: Ah. I'll Be Waiting. Das ist ein Song, den ich auf Bankstatement sehr mag. Aber natürlich mag ich auch An Island In The Darkness, das ich fast wie ein Stück geschrieben habe, in dem ich mich irgendwie an meine Vergangenheit erinnere. Ich dachte mir, lass uns einfach einen Song machen, bei dem ich mir erlaube, einfach überall hin zu gehen.

Vieles davon war improvisiert, der Anfang und der Teil in der Mitte. Der Mittelteil war eigentlich fast komplett improvisiert, und ich musste neu lernen, wie ich spiele, weil ich nicht gut genug war, und das hat ziemlich viel Zeit gekostet. Die Idee, das Thema leise zu spielen und dann laut, wie wir es wohl bei Firth of Fifth gemacht haben, hat mir gefallen, weil es bei Firth of Fifth so gut funktioniert hat.

Die Melodie [von Firth Of Fifth] hatte ich eigentlich für Flöte und Klavier geschrieben, und als wir uns entschieden hatten, als Steve die Idee hatte, sie laut zu spielen, sagte er: „Lasst es uns laut spielen, du spielst Mellotron, Phil spielt Schlagzeug und los geht's." Ich dachte, das wird so ein Klischee, das können wir nicht machen. Aber wir haben es gemacht und ich fand den Song fantastisch.

Als es um An Island In The Darkness ging, dachte ich, ich mache das wieder ein bisschen so, verwende die kleine Melodie und spiele sie dann noch einmal mit Gitarren-Lead, mit Daryl, der ein wunderschönes Gitarrensolo spielte, ich glaube, am Ende eines 15-minütigen Songs. Ich finde, es wurde ganz in der Tradition der frühen Genesis so konzipiert und gemacht. Aber ich finde, es ist ein gutes Stück, ich finde, es funktioniert wirklich gut, also bin ich stolz darauf.

Jedes Mal, wenn ich ein Stück erwähne, fallen mir andere ein. Es gibt einfachere Stücke, von denen ich mir wünsche, wir hätten I Wanna Change The Score zu einem Hit gemacht. Es hätte einer werden können, und das hätte damals einen großen Unterschied gemacht. Aber die Platte war auf dem Markt, viele Leute waren sehr begeistert davon, aber kein DJ wollte es riskieren, sie zu spielen, obwohl Nik Kershaw dabei war! Der war ziemlich angesagt.

Chris Welch: Hast du Lust, wieder auf Tour zu gehen und mit der Band live zu spielen?

Tony Banks: Ob ich das tun würde?

Chris Welch: Ja. Heute Abend.

Tony Banks: Ich habe noch nie mit Visuals oder Filmen auf der Bühne gestanden. Das ist nicht meine Stärke. Ich fühle mich dabei nicht wirklich wohl. Ich weiß, dass Steve das ziemlich gut kann, versteh mich nicht falsch. Er würde sagen, dass es nicht wirklich das ist, was er von Natur aus machen möchte, aber für mich ist es auch nichts. Schreiben macht mir wirklich Spaß, und wenn ich das machen und etwas veröffentlichen kann, dann möchte ich das auch tun.

Ich hätte nichts dagegen, Teil dieser Kombination zu sein, aber das Problem ist, dass Phil wahrscheinlich nicht in der Verfassung sein wird, wieder live zu spielen. Du hast Peter erwähnt, aber ich glaube nicht, dass Peter uns braucht, es sei denn, wir machen etwas, eine Art Retrospektive, was ich für sehr unwahrscheinlich halte.

Und außerdem ist es ziemlich aufwendig, das Ganze auf die Beine zu stellen. Wenn man live spielen und einige dieser Stücke aufführen will, die noch nie live auf Tour gespielt wurden, ist es eine Menge Arbeit, alles so hinzubekommen, dass es funktioniert. Man muss Leute finden, Musiker und so, und oh Gott, ich bin jetzt schon total müde.

Publikum: Ich bin hier drüben. Ich bin mit Genesis aufgewachsen und habe sie mein ganzes Leben lang gehört, meine Lieblingsband. Firth of Fifth ist eines meiner Lieblingsstücke überhaupt. Könntest du mir bitte erzählen, wie du dieses Intro komponiert hast?

Tony Banks: Das ist eine sehr gute Frage. Ich hatte ein kleines Stück, das ich vielleicht für Foxtrot verwenden wollte, in dem ein Klavier vorkam. Wir haben es auf Foxtrot dann nicht verwendet. Ich weiß nicht wirklich, wie es so geworden ist, wie es geworden ist. Ich hatte einfach diese erste Phrase und dachte: „Das ist ziemlich spannend."

Aber ich hab mir keine Gedanken darüber gemacht, ich war sowieso nie so ein Typ, der sich um Taktarten gekümmert hat, oder dass ich mich nicht an Viervierteltakte oder so gehalten hab. Ich kann ehrlich gesagt nicht sagen, warum es so geworden ist. Eins führte zum anderen, und so ist es dann geworden.

Chris Welch: Die Magie der Musik, man weiß nie so genau, wie sie…

Tony Banks: Manchmal schon. Meistens weiß man aber nicht, ob man was Gutes geschrieben hat oder nicht. Ich war wieder ziemlich stolz darauf, als ich es fertig hatte, aber ich musste die Band davon überzeugen, dass es dabei sein sollte. Der beste Weg, die Band davon zu überzeugen, war, eine Version davon mit der Band zu spielen, was wir dann auch wirklich gemacht haben. Das hat mir ziemlich viel Spaß gemacht, weil es wie eine Big-Band-Sache war. Ich fand, es war genau das Richtige.

Am Ende hatte ich also drei Teile, die ich ursprünglich nicht im selben Abschnitt gesehen hatte. Ich hatte einen Anfang, ich hatte eine Flötenmelodie und ich hatte einen Grundsong. Ich glaube, die anderen sagten, um sie aus dem Weg zu schaffen: „Lasst uns alle drei nehmen." Und genau das haben wir dann auch gemacht.

Als wir die Idee hatten, das Flötensolo laut zu spielen, tat sich plötzlich eine ganze Reihe von Möglichkeiten auf, wie wir vorgehen konnten, um zu diesem großen, großen Höhepunkt zu gelangen und dann am Ende wieder zu den Strophen zurückzukehren. Für mich war das einer der stärksten Momente der frühen Genesis, und so wie ich es sehe, ist es meine Melodie.

"Wir hatten darüber gesprochen, Peter auf die Bühne zu holen."

Publikum: Tony, hast du jemals darüber nachgedacht, Peter Gabriel für den allerletzten Auftritt in der O2 Arena auf die Bühne einzuladen?

Tony Banks: Wir haben darüber gesprochen. Es war ein seltsamer Moment für uns, weil das wirklich das Ende unserer gesamten Karriere war. Ich fand, wir hätten den Akzent verändert, wenn wir Peter auf die Bühne holen, und zwar so sehr, dass es falsch wäre, das zu tun.

Es gab eine ähnliche Gelegenheit, als wir kurz nach Peters Ausstieg aus der Band im Madison Square Garden auftraten und Peter bei der Zugabe von The Knife auf die Bühne kam. Ich erinnere mich, dass ich danach von der Bühne kam und alle um mich herum Peter zu seiner Show und seiner Leistung gratulierten. Ich fand, dass sich der Schwerpunkt ganz seltsam verschoben hatte. Man kommt von der Bühne, hat eine gute Show gespielt, die den Leuten gefallen hat, und alles ist gut. Aber das Einzige, woran sie sich erinnerten, war, dass Peter am Ende auf die Bühne gekommen war.

Ich glaube, im Fall von The Carpet Crawlers war das der Grund. Ich kann verstehen, dass die Leute das für relevant halten. Es ist ein Song aus seiner Zeit und so, und es wäre auf eine gewisse Weise schön gewesen. Aber ich finde, als Abschluss wäre es einfach ein bisschen seltsam gewesen.

Chris Welch: Ich wollte gerade noch fragen, was war das Lustigste, das dir passiert ist, als du noch bei Genesis warst?

Tony Banks: Solche Fragen sollte man niemals stellen. Es gab einige davon. Eine meiner Lieblings-Situationen kam tatsächlich am Ende von Supper's Ready, als wir in Seattle auftraten, dem letzten Konzert der Tournee. Unser Manager dachte, es wäre lustig, drei Stripperinnen auf die Bühne zu holen. Es war außergewöhnlich. Um ehrlich zu sein, diese Mädchen, wie soll ich sagen? Nicht gerade die schlanksten. Ich spielte dort und Supper's Ready war, wie ihr wisst, ein großer Song, das ist fantastisches Material. Und plötzlich kamen diese Mädchen vor uns auf die Bühne und ich dachte: „Was zum Teufel ist hier los?" Sie umkreisten Peter und das Publikum dachte natürlich, dass dies offensichtlich Teil unserer Show war. Gott weiß, dass es sehr, sehr seltsam war.

Und dann gab's noch was anderes, das ich auch erwähnen will, weil es etwas mehr Pathos hat. Ich habe schon von der Show in Besançon erzählt, das war unsere letzte Show, und wir wussten, dass es die letzte Show sein würde. Die Crew wusste aber nicht, dass es so war und dass Peter die Band verlassen würde und so. Also wollten sie einen ihrer Streiche spielen.

Ich weiß nicht, ob jemand die Live-Show gesehen hat, aber kurz vor dem Finale gab es einen Moment, der zu den besten Momenten der Show gehörte. Peter stand auf der einen Seite und eine Puppe, die wie Peter aussah, auf der anderen Seite. Das Ganze wurde von Stroboskoplicht beleuchtet, sodass man nicht wusste, wer wer war. Das war sehr effektiv. Als Peter sich dann tatsächlich bewegte, war das sehr, sehr beeindruckend. Also beschlossen sie, dass einer der Roadies, wie sich herausstellte mein Roadie, anstelle der Puppe nackt auf die Bühne gehen sollte. Ich habe erwähnt, dass diese Mädchen nicht besonders schlank waren, nun, dieser Kerl war auch nicht besonders schlank. Es war urkomisch.

Die Leute am Mischpult, meine Frau und alle, die da so waren, die alles beobachteten, wussten, dass es die letzte Show war. Das Letzte, was man wollte, war so ein außergewöhnlicher Moment als Abschluss der letzten Show mit Peter. Das war's also. Es war irgendwie lustig, aber eigentlich auch wieder nicht so lustig.


Bühneninterview: Chris Welch
Englisches Transkript: Stefano Tucciarelli, Paul Kingsbury
Übersetzung: Christian Gerhardts
Redaktion / Lektorat: Martin Klinkhardt, Christian Gerhardts, Markus Scharpey
Fotos: Volker Warncke; Ibelise Paiva