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Djabe & Steve Hackett live in Wien (5.2.2026) – Konzertbericht
Am 5. Februar 2026 spielten Djabe und Steve Hackett im Rahmen der Freya Winter Tour im Porgy & Bess Wien.
Djabe & Steve Hackett: Freya Winter Tour 2026
Konzertbericht Wien, Porgy & Bess, 5.2.2026
Steve Hackett und Djabe. Die Zusammenarbeit mit der ungarischen Jazz/Fusion-Gruppe hat mittlerweile über 20 Jahre Bestand. Seit gut 10 Jahren gehören dazu alljährliche kurze Tourneen, meist nur eine Hand voll Shows – andere im Genesis Kosmos würden es "A Selection of Shows" nennen. Gespielt wird meist in den Sommermonaten, fast immer in Budapest, oft in Györ, manchmal in der Slowakei und Tschechien und sehr oft auch in Wien.
Der Autor des Berichts hatte die ersten dieser Wiener Auftritte im Reigen und Porgy & Bess verpasst. Später machte dann eine Pandemie den Konzerten einen Strich durch die Rechnung. 2021 war Steve dann immerhin per Zoom Gast der Djabe Show in Wien. 2022 klappte es dann endlich und auch 2023, jeweils im Porgy & Bess. Und dann war wieder Schluss, denn der Club hatte nunmehr im August Sommerpause, just zu den Sommerdates von Djabe und Hackett in den beiden folgenden Jahren.
Das Porgy & Bess in Wien
2026 war das wieder anders. Wien stand am Tourplan, aber nicht im Sommer, sondern Februar, quasi passend zum aktuellen gemeinsamen Album Freya – Arctic Jam. Gleich blieb das Venue, das Porgy & Bess, erste Adresse in Sachen Jazz in Wien, ein etablierter Club mit großartigem Programm, in das sich auch immer wieder Fusion und Prog mischen. Hat man das Etablissement in der Riemergasse unweit vom Stephansplatz betreten, so heißt es erst mal anstellen, um die reservierten Tickets an der Abendkasse abzuholen, immer verbunden mit ein wenig Spannung, denn welchen Sitzplatz man zugeteilt bekommt erfährt man erst jetzt, was allerdings bei 350 Personen Kapazität auch keine große Problematik darstellt, nah dran ist man hier immer, ob erste Reihe oder Galerie.
Autogrammstunde vor dem Konzert
Nach einem weiteren Stopp bei der Garderobe, geht es die Treppen hinunter und siehe da, neben dem Merchtisch haben es sich die Djabe-Musiker und Steve bereits auf Ledersofas gemütlich gemacht. Nun, eigentlich sind sie zum signieren hier, vor dem Konzert – das haben sie auch bei ihren letzten Auftritten hier so gehandhabt. Die Schlange der um Autogramme und Selfies Bittenden ist bereits beachtlich, und sie wird bis knapp vor dem Konzert nicht abreißen. Am meisten hat natürlich Steve zu tun, der vor allem Genesisplatten vor das Schreibgerät gehalten bekommt, geduldig und freundlich handhabt er das ebenso wie Fotowünsche (zwecks Transparenz: der Autor lässt sich sein Exemplar von Steves Autobiographie, sowie die Quiet World-CD signieren – „ah, that one" sagt er, bekommt er wohl seltener als die Selling zu sehen….)
Im Auditorium angekommen (man sitzt hier an kleinen Tischen, die gepflegten Getränke gibts aus dem Glas – Tischservice pausiert während des Konzerts) dann eine Überraschung: Jo Hackett sitzt direkt hinter dem Rezensenten, im angeregten Gespräch zunächst mit Fans, dann mit einem Gast der Band, einem Organisator des Bodø Jazz Open, der durch seine Einladung zu ebenjenem Festival Djabe und Steve die Möglichkeit geben hatte, nahe am Polarkreis das Album Freya einzujammen.
Überraschender Start ins Konzert
Kurz vor 20:30, dem programmierten Beginn, bahnen sich Djabe den Weg nach vorne zum Backstageeingang neben der Bühne. Auch Steve hat sich von den Autogrammjägern befreien können und macht sich nach einem kleinen Plausch mit Jo auf den Weg – nicht ohne direkt davor erneut Preziosen signieren zu müssen. Zeit zur Kontemplation benötigt er wohl nicht vor dem Auftritt, keine fünf Minuten später betritt er nach Ansage von Clubboss Christoph Huber die Bühne. Djabe pflegten sonst oft zunächst ein Stück alleine zu spielen, ehe Steve dazustößt.
Aber diesmal startet man mit einem Hackett-Stück: Camino Royale, seit einiger Zeit fester Bestandteil der gemeinsamen Auftritte, mit ausuferndem Instrumentalteil mit Steve an der Mundharmonika. Und noch etwas ist neu: Djabe sind gewachsen, mit Zoltán Zana ist ein Saxophonist (er spielt auch Klarinette etc.) zur Band gestoßen und erweitert damit das Klangspektrum. Áron Koós-Hutás ist mit Trompete und Flügelhorn weiter mit von der Partie, ebenso Péter Kaszás am Schlagzeug, Zoltán Bubenyák am Keyboard sowie die beiden Stammkräfte und Songwriter: Tamás Barabás am Bass und Bandchef Attila Égerházi an Gitarre und Percussion.
Viele Freya-Tracks und Hackett Solo-Tracks im ersten Teil
Attila ist auch der Zeremonienmeister, sagt die Stücke an, erzählt ein wenig zum Hintergrund. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Kompositionen auf der diesjährigen Setlist steht Material von Freya. Der Titeltrack macht den Anfang, gefolgt von In the Silence. Danach folgt anlässlich des im letzten Jahr zelebrierten 30-Jahr-Jubiläums der Band ein Ausflug ins Jahr 2003 und zum Track Sheafs Are Dancing, vom gleichnamigen Album (ungarisch: Táncolnak a kazlak), auf dem Steve erstmals als Gast mitwirkte. Steve schrammelt hier sehr songdienlich mit, während er sich bei den Freya Tracks zeitweise recht zurück nimmt, oftmals ohne Gitarre zu spielen neben dem Schlagzeug sitzt und auf seinen Einsatz wartet.
Die Arctic Jams ähneln einander, werden getragen vom überragenden Bassspiel von Tamás Barabás. Auf dessen Groove liefern die Instrumentalisten nacheinander ihre Soli ab, per Blickkontakt wird der Solospot übergeben, bis dann Steve dran ist, den Stücken seinen Stempel aufzudrücken. Er genießt es sichtlich, oft huscht ein Lächeln über sein Gesicht, vielfach macht er anerkennende Gesten zu seinen Mitmusikern.
Genesis-Klassiker im zweiten Teil
Mit Ace of Wands nimmt das Konzert dann ordentlich Fahrt auf, das Stück eignet sich hervorragend für diese Besetzung. Mit Sliding Trees folgt ein Highlight des Freya Albums und Last Train to Istanbul, ein Dauerbrenner in den gemeinsamen Konzerten, beschließt das erste Set. Die Band verabschiedet sich für eine Viertelstunde von der Bühne und verbringt die Pause dann bei einem Kaltgetränk am Tisch von Jo. Jonas Reingold, in Wien lebender Bassist in Hacketts Soloband gesellt sich dazu und der Rezensent vernimmt einige Wortfetzen, die darauf schließen lassen, dass er wohl noch die Bühne betreten wird.
Der zweite Teil des Konzerts startet mit dem von einem Percussionintro unter Mitwirkung von Steve eingeleiteten Buzzy Island, einem Highlight des Albums Life is a Journey. Attila Égerházi erzählt danach, dass man im Juni 2026 erneut gemeinsam in Sardinien arbeiten werde, die fruchtbare Studioarbeit von Steve und Djabe wird also fortgesetzt werden. Es folgt ein weiterer jambasierter Track von Freya, Stone Age Tea. Nach Tamás Liebeserklärung an seine kleine Tochter Franciska, geht es für die Genesisfans im Publikum in die Vollen: In That Quiet Earth, Hairless Heart, die Solosektion von Firth of Fifth, das von Péter Kaszás gesungene Carpet Crawlers und Los Endos folgen hintereinander. Djabe zeigen sich dabei als mehr als solide Interpreten des Materials und das Publikum dankt es (natürlich) mit Standing Ovations.
Jonas Reingold kommt für eine Zugabe auf die Bühne
Tamás Barabás lässt sich nicht lange bitten und beginnt die Zugabe mit einem ausufernden Bass-Solo. Über eine am Looper laufende Figur zeigt er eindrucksvoll seine Fähigkeiten bis hin zu einer furiosen Slapbass Einlage, die an Level 42 denken lässt. Dann gesellt sich auch der Rest der Band dazu und Attila bittet Jonas Reingold, auf die Bühne zu kommen. Er hatte sich auch schon 2023 am Abschlußjam beteiligt, damals im Hochsommer in kurzen Hosen, diesmal tut er es seinem Chef gleich und trägt einen Schal. Auf Tamás Bass und von diesem angefeuert legt er nun los, ehe die ganze Band einsteigt und das Konzert gegen 23:15 Uhr furios beendet. Nach erneuten stehenden Ovationen gehts für die Musiker gleich wieder ins Publikum, und da packen auch schon wieder einige ihre mitgebrachten Vinylscheiben aus. Es wird wohl noch ein längerer Abend für Steve werden….
Für mich war es das beste der bisher miterlebten Konzerte dieser Kombination. Bereits seit den Sardinia Tapes wird die Band wagemutiger, jammt kompromissloser und nimmt sich Freiheiten, die früheren loungejazzigen Anteile wurden zurückgeschraubt. Und dass die Genesis-Nummern erst spät im Set kommen, zeigt, dass man auch auf das eigene Material vertraut, zurecht. Missen möchte ich diese dennoch nicht, schließlich ist Steve hier zwar oft mit Djabe zu sehen, allerdings nur sehr selten mit seiner eigenen Band.
Autor und Fotos: Siegfried Göllner
Setlist:
Set 1:
Camino Royale
Freya
In The Silence
Sheafs Are Dancing
Ace Of Wands
Sliding Trees
Last Train To Istanbul
Set 2:
Clouds Dance
Stone Age Tea
Franciska
…In That Quiet Earth
Hairless Heart
Firth Of Fifth
Carpet Crawlers
Los Endos
Encore:
Bass Solo
Jam/Distant Dance (mit Jonas Reingold)
Band:
Steve Hackett: guitar, vocals, harmonica
Tamás Barabás: bass guitar
Attila Égerházi: guitar, percussion
Áron Koós-Hutás: trumpet, flugelhorn
Péter Kaszás: drums, vocals
Zoltán Bubenyák: piano, keyboards
Zoltán Zana: saxophone



