Post Tour Blues II: Die Rückkehr des singenden Drummers
Ist es wirklich schon etwa 4 Monate her? Ja ist es. Die Rückkehr von Genesis in einem wettermäßig grauenvollen Anti-Sommer ist, was Europa betrifft, tatsächlich schon so lange her.
Mit etwas zeitlichem Abstand sei eine subjektive Wahrnehmung der Tour erlaubt. Dies kann nur eine von vielen sein und erhebt keinen Anspruch auf Zustimmung.
Erwartet wurde alles und nichts. Wenn wir ehrlich sind, aber unterm Strich nicht viel. Vieles sprach dafür, dass es ein mäßiges Erlebnis wird. Die Musiker zu alt, machen es nur wegen der Kohle, Stadionshows, Materialschlacht, teilweise sehr dürftige Darbietungen der einzelnen Mitglieder in den letzten Jahren und schließlich wusste keiner so richtig, wo diese Band anno 2007 steht.
Für viele jüngere Fans war diese Tour ein Muss und unter dieser Fangruppe herrschte naturgemäß der größte Optimismus, schließlich würde es das erste Mal sein, dass man seine Helden sieht. Andere Fans kamen so in die Situation, ihren Kindern die Gruppe mal zu zeigen, die sie einst verehrten und es (teilweise insgeheim) immer noch tun. Bei diesen “älteren Fans” spielte natürlich die Angst, enttäuscht zu werden, ein deutlich größere Rolle.
Das Frühjahr war geprägt von Setlistdiskussionen, hat-Mike-es-noch-drauf-Fragereien und sie-machen-es-doch-wegen-des-Geldes-Unterstellungen. Es ist eine grandiose Merkwürdigkeit - keine andere Band wird von den Fans im Vorfeld in Foren so niedergepostet wie Genesis. Sie sollen alles spielen bis Wind & Wuthering, bloß nix aus der Gabriel Zeit, was ist mit Calling All Stations, ach nein, schlimm diese Phase, nein doch nicht und überhaupt waren die 80er großer Mist und die 70er gnadenlos verkrampft. Drei Sänger hat die Band verschlissen, gleich 2 Gitarristen und noch mehr Schlagzeuger.
Dann kehren Genesis zurück, ja aber welche Genesis? Sind das Genesis? Ja natürlich sind das Genesis! Was aber soll diese Rückkehr? Tony Banks setzt fast schon in Ulli Hoeneß Manier eine erste Duftmarke: “Wir wollen den Leuten zeigen, was Genesis wirklich ausmacht” und man wolle “einen Querschnitt spielen”, allerdings - früher als 1973 wird es nicht zurück gehen - und über 1992 hinaus auch nicht. Und wieder diskutierten die Fans - als würde die Band einem Stadionpublikum Prog zumuten und sie haben es ja eh nicht mehr drauf aber egal, Hauptsache die Hits werden gespielt, oh nein bitte nicht usw.
Dann kam der 4.06., als Genesis ihr Dress Rehearsal in Brüssel spielten und nun endgültig feststand, was die Fans erwartete. Die Setlist ist hinlänglich bekannt und betrachtet man das Unterfangen aus heutiger Sicht mit etwas Abstand, dann hat Tony Banks Recht behalten. Viele Hits, die die meisten Fans erwartet hatten, wurden nicht gespielt. Dafür war der Set voll mit langen Songs wie Domino und Home By The Sea oder Instrumentalattacken wie Los Endos und Firth of Fifth. Dazwischen gab es zwar Medleys, aber eben auch Perlen wie Ripples und The Carpet Crawlers. Bei allen Diskussionen herrschte der größte Konsens wieder mal bei einem potentiellen Negativthema - Hold On My Heart ist Mist und der Schwachpunkt des Sets.
Genesis spielten also wirklich eine Berg- und Talfahrt ihres Schaffens, aber auf einem erstaunlich hohen Niveau mit Phil Collins, der erstaunlich gut bei Stimme war. Das vielleicht großartigste an dieser Tour war die Rückkehr des “singing drummers”, wie Phil sich selbst immer beschreibt. Immer, wenn es irgendwie ging, setzte er sich an die Drums, bei Follow You Follow Me wagte er nach langer Zeit mal wieder den Bühnenspagat, gleichzeitig zu drummen und zu singen. Nicht selten hörte man von weiteren Konzertbesuchern verwunderte Kommentare, warum Phil denn so viel Schlagzug spielt. Für so manchen Konzertbesucher war es sicher merkwürdig, dass Genesis ihre “alten Hits” wie In The Air Tonight (danach fragt mich jemand in Düsseldorf) nicht spielten und statt dessen Daryl ein überdimensionales Solo spielen darf oder nach einem Schlagzeugduett gleich noch mal sieben Minuten Instrumentalmusik kommen. Und Los Endos hätte das Ende des regulären Sets sein müssen. Hier hätten sich die Herren ruhig noch etwas mehr aus dem Fenster lehnen können.
Überhaupt dürfte so manchem Konzertbesucher ein Licht aufgegangen sein: Das war gar kein Phil Collins-Konzert, sondern eine Genesis-Show, na sowas. Auch diesen Beweis lieferten Genesis 2007 - die Band macht definiiv eine andere Musik als ihr Frontmann solo.


Am 13. November 2007 um 12:22 Uhr
Sehr schön geschrieben Christian.
Du hast das Genesis-Jahr 2007 nochmals sehr anschaulich Revue passieren lassen.
Die Zerissenheit unter den Genesis-Fans ist schon erstaunlich. Man kann es halt nicht allen immer Recht machen. Diese Heterogenität unter den Band-Anhängern habe ich so noch bei keiner anderen Gruppe beobachtet. Spricht wahrscheinlich für die Vielschichtigkeit der Musik und der Band-Historie.
Viele Grüße aus Köln
Vincent_Lawnmower
Am 14. November 2007 um 13:41 Uhr
ich gehöre zum glück zu denen die allen zeiten von genesis was abgewinnen können ok..bis auf die erste pladde und TTWT , aber das ist ja geschmackssache. der bericht oben trifft es genau. ich bin froh die jungs wieder gesehen und vor allen gehört zuhaben und wer weiss…vielleicht gibts auch was neues auf die ohren…in welcher form auch immer…
danke allen, die sich mit, für meine augen phänomen genesis, beschäftigen.
gruß
Sven
Am 14. November 2007 um 15:30 Uhr
wieso: ” Post Tour Blues II ” ??
Wo ist Teil I ?? Wieso endet die schöne Darstellung der Geschehnisse mit Beginn der Konzerte ??
Und wieso Regen ??
Am 14. November 2007 um 17:12 Uhr
Bis dahin gut geschrieben, jedoch etwas stark aus der Sicht eines Kritikers… Ich finde es ist an der Zeit Genesis für ihre Taten zu loben. Die Tour war grandios!
Am 14. November 2007 um 19:10 Uhr
In The Air Tonight (Ha, Ha), sehr gut!
Für mich war Genesis das zweitschönste Erlebnis in diesem Jahr!
Am 14. November 2007 um 19:16 Uhr
oh ja….
So, nun kommt mein Senf dazu:
Genesis 2007….
Ich habe jede Phase vorher mitgemacht… Die mit PG, SH, PC, RW…. Und ich bin treu geblieben…
Was ich auf jeden Fall hasse, sind (und es gibt sie immer wieder) die unverbesserlichen Diskutierer, denen man es in keiner Weise Recht machen kann.
Dieses Phänomen gibt es aber auch schon seit 1974… Vielleicht ist die Band auch deshalb zum Megastar der männlichen Elite aufgestiegen….
Sei’s drum… Ich kann den Diskussionen nichts abgewinnen.
Wenn Mike Rutherford nicht Gitarre spielen könnte, wäre er bestimmt nicht soweit, wie er heute ist…
Wenn Tony Banks bei jedem Tastengriff nach links grinsen würde…. Was würden die Zuschauer sagen, wenn er die Hälfte falsch spielen würde?
Wenn Phil “fyfm” an den Drums begleitet, hat er wohl seine Gründe dafür… Nicht jeder Drummer ist auch noch ein guter Sänger… Schon gar nicht an beiden “instrumenten” gleichzeitig…
Der Job, den die 5 dieses Jahr abgeliefert haben war schon sehr gut… Musikalisch 1a, technisch “menschlich”… Und die Auswahl der Stücke war wunderbar!!!
Und den Kritikern im Raum rufe ich zu: “NACHMACHEN…. einfach NACHMACHEN”…. Und dann kritisieren wir…
Am 14. November 2007 um 21:56 Uhr
Hallo Christian,
es ist doch toll, Genesis lebt im Jahr 2007! Seit 1973 bin ich “Anhänger” von Genesis. Ich habe ihre Musik
geliebt und gehaßt. Heute weiß ich, daß gerade die Vielfalt der verschiedensten Musikrichtungen Genesis
so interessant macht. Manchmal ist es wirklich ätzend wie heute über einige Bandmitglieder hergezogen wird - doch solange dies passiert lebt Genesis.
Vielleicht schafft es Genesis in den nächsten Jahren nochmal mit 2 Sängern (??) den Geschmack der
Fangemeinde zu treffen. Ein Wunschdenken - doch Genesis lebt. Ich würde mich über den Tourbericht
im Jahre ?? freuen. Danke an “IT” + Christian ………. - Genesis forever!!
Am 15. November 2007 um 02:10 Uhr
@René
Was war denn das Schönste?
Am 15. November 2007 um 11:38 Uhr
@Olli
Der Hochzeitstag mit meiner Frau.
Am 15. November 2007 um 19:04 Uhr
@Peter
Volltreffer!
Am 16. November 2007 um 00:47 Uhr
@Peter
vollkommen richtig peter dieses gelaber von collins vs. gabriel was und wer nun besser ist geht mir auch auf n
sack
Am 18. November 2007 um 10:29 Uhr
Post Tour Blues I ist jetzt auch online. Der Übersetzer hatte mal wieder völlig den Zug verpennt…
Am 1. Dezember 2007 um 20:05 Uhr
Hallo an alle Genesis-Fans!
Hier mal meine Meinung zu dem obigem Thema:
Für mich hat Genesis einen Nachteil gegenüber anderer sogenannten Supergruppen, und zwar hampelt nicht ein hässlicher Möchtegernsänger wärend der Show von liks nach recht, es versuchen auch nicht irgendwelche eingeölten Muskelproze wärend der Show Turnübungen nachzuturnen, es sind auch keine halbnackten Backgroundsängeringen dabei, Genesis zieht sich nicht 5mal während eines Konzertes um, 1 Song von Genesis geht länger wie so manch anderes Gesammtkonzert, sie wiederholen nicht x-mal jede Textzeile während eines Liedes, es sind noch keine Gitarristen im Pool ersoffen , ect.
Das Wichtigste ist aber: Genesis kommt für Ihre Musik auf die Bühne, und zwar nur dafür.
Das werden aber so manche einfach nicht verstehen, das war immer so, und wird auch so bleiben.
Am 2. Dezember 2007 um 22:59 Uhr
@ n. Dieckmann
Du sprichst mir aus der Seele. Hier hat man (endlich) mal wieder gesehen, dass Genesis immer aus Mitgliedern bestanden hat bzw. besteht, die ihr Metier beherrschen. Dabei ist es m.E. völig egal, wer da gerade singt oder Gitarre spielt, oder ….? Habe mir gerade die 2007 Live CD’s genüsslich reingezogen und festgestellt, zu den früheren Livemitschnitten fehlt ein wenig der Drive, aber das Alter geht ja auch an uns nicht spurlos vorbei. Aber gerade wegen des Alters der Band kann es nur heißen Hut ab, diese Leistung live sucht ihresgleichen, und bei der Setlist haben die Herren sich wirklich nicht vor den schwierigen Songs gebrückt. Und einen (für die Meisten zumindest) Ausrutscher (Homh) kann man wohl verzeihen, dafür gab es mehr als genug highlights. Ich hoffe auf ein nächstes Mal, dann aber nicht mehr in Düsseldörf unter dem Dach sondern irgendwo vor der Bühne.
Am 4. Dezember 2007 um 21:38 Uhr
Wunderbare Musik-Wunderbare Künstler-Wunderbare Menschen
Genesis, die Liebe meines Lebens
ich wiederhole mich gerne: Genesis 2007 nie wahren Sie besser.
Am 5. Dezember 2007 um 07:33 Uhr
So ist es.
Am 6. Dezember 2007 um 00:05 Uhr
In Ewigkeit. Amen.