Mike Rutherford über The Lamb live und ein neues Album
Ein interessantes Interview mit Mike Rutherford gibt es nun online zu lesen. Auf “innerviews” spricht Mike über die Möglichkeit eines neue Albums. Scheinbar diskutiert die Band eifrig über neues Material, man ist wohl nur etwas scheu, die ganze Promotion-Aktivitäten wieder machen zu müssen. Doch Mike erkennt auch, dass eine sture Album-Struktur nicht mehr zwingend erforderlich sei. Nach der Tour will die Band darüber entscheiden.
Weitaus interessanter sind seine Anmerkungen zu The Lamb Lies Down On Broadway. Scheinbar gab es in der Band schon Überlegungen, wie man den gealterten Peter Gabriel zu einem jungen Gesicht verhilft, damit er die Rolle des Rael spielen kann. Demnach soll ihm eine Maske via Videoproduktion auf Screens (Teil der Bühnenshow) verpasst werden. So detailreiche Infos zu einer möglichen Lamb-Tour hatte es bisher nicht gegeben.
Außerdem spricht Mike viel über die Entwicklung bei Genesis, Daryl Stuermer und auch die Calling All Stations-Phase - und dazu gibt es ebenfalls einige interessante Äußerungen!
Hier einige Auszüge:
Mike: The Lamb beispielsweise ist viel stärker als ich es in Erinnerung hatte. Es ist wirklich ein scharfes Album voller Leidenschaft und Feuer, was mir früher gar nicht aufgefallen war (…)
Ich bin eher ein Songwriter, der Gitarre spielt, als ein virtuoser Gitarrist, aber ich fühle mich wohl, wenn ich Leadgitarre spiele.
…über den Song, der die größte Herausforderung im Set darstellt:
Wahrscheinlich Home By The Sea, denn im Instrumental ändern sich die Stimmungen so schnell. Ursprünglich haben wir es abschnittsweise aufgenommen, und in jedem Abschnitt habe ich verschiedene Klänge nach Belieben eingesetzt. Live wird das sehr schwierig. Einmal ist der Sound sehr raumgreifend mit viel Echo und viel Flange, und gleich darauf brauche ich einen sehr engen Verstärkerklang. Die Bandbreite von Klängen in diesen vier Minuten auf dem Album war gewaltig; das dann live wiederzugeben ist immer eine Herausforderung.
…über Daryls Einstieg als Live-Gitarrist:
Der erste, der zum Vorspielen kam, war der Bassist Alphonso Johnson. Während wir jammten, merkten wir beide, dass es verkehrt lief. Wir merkten, dass wir einen Gitarristen brauchten, der den Bass beherrschte, weil die Gitarrenteile zu anspruchsvoll für einen Bassisten im allgemeinen waren. Ich glaube, Alphonso empfahl uns dann Daryl. Auf einer frühen Tour mit Daryl, erinnere ich mich, hat er dann den Bass richtig verstanden. Jeder Gitarrist kann Bassnoten zu einem Stück spielen, aber es gibt da etwas Einzigartiges am Bass, was das Gefühl für die Noten angeht. Man merkt sofort, ob da ein Gitarrist Bass spielt oder ein Bassist. Daryl ist jetzt neben all seinen andere Talenten auch noch ein toller Bassist. Es ist schon seltsam, dass Chester und Daryl beide aus der Jazz-Ecke kommen. Ich denke, das liegt daran, dass wir einen bestimmten Grad an Technik verlangen, den Musiker aus dieser Richtung einfach schon mitbringen.
…über Calling All Stations und das damalige vorläufige Ende der Band:
Unglücklicherweise wird Calling All Stations jetzt als das Album einer „Nur-einmal-Besetzung“ betrachtet, und das wertet es ab. Wenn man es als Einstieg in eine neue Phase gesehen hätte, würde es anders bewertet, obwohl es ja in Europa sehr erfolgreich war. Ich bin mir auch im Klaren, wie wir das nächste Album hätten verbessern können. Ich hätte jemanden hinzugezogen, der mit uns zusammen schreibt. Calling All Stations war in manchen Aspekten nicht so stark, aber ich glaube, das zweite Album wäre viel besser gewesen. Aber mit Genesis weiterzumachen war damals sehr mühsam, und ich wollte mich darauf nicht einlassen.
…über eine potentielle The Lamb Tour:
Es gab ein paar Gespräche darüber, ein Computerprogramm einzusetzen, das Peters Gesicht und seine Bewegungen aufzeichnet und auf einen Bildschirm hinter der Band projiziert. Seine Gesten würden dann ein computergeneriertes Bild einer anderen, jüngeren Person bewegen. Das ist natürlich allerneueste Technik. Es wäre schon lustig, das auf der Bühne zu machen, denn damals haben wir es mit einem Budget von ein paar tausend Dollar aufgeführt. Manchmal funktionierten die Bildschirme und Projektoren, manchmal nicht. Diese Show heutzutage zu entwickeln wäre sehr aufregend. Da ergeben sich starke Darstellungsmöglichkeiten. Ich finde, The Lamb konnte in dieser Hinsicht niemals ordentlich aufgeführt werden. Die größere Frage ist, was wir in puncto Shows machen bzw. nicht machen. Angedacht waren fünf Konzerte in Europa und fünf in Amerika. Wir sprechen wieder darüber, wenn Peter sein Album und seine Tournee beendet hat; dann werden wir mal schauen, wie wir alle darüber denken. Es liegt jetzt alles bei Pete. Wir anderen sind dabei.
Zum Interview auf innerviews
Komplettes Interview mit Mike - auf deutsch übersetzt [hier klicken]


Am 4. September 2007 um 13:36 Uhr
Das ist wirklich das interessanteste Interview seit langer. Zumindest für mich enthält es wirklich einige ganz neue Informationen. Mehr davon!
Zy
Am 4. September 2007 um 22:23 Uhr
Genesis: Sie drehen wieder auf
Von Anil Prasad.
Die britischen Titanen des Prog-Rock Genesis überraschten den größten Teil ihrer weltweiten Fangemeinde, als sie bekanntgaben, dass sich das hitschmiedende Lineup von Phil Collins, Mike Rutherford und Tony Banks 2007 für eine Tournee durch Europa und Nordamerika wieder zusammenfinden würde. Collins war zuletzt 1992 mit Genesis unterwegs und verließ die Gruppe 1996, um sich auf seine Solokarriere zu konzentrieren.
Lest den kompletten Artikel hier:
Deutsche Fassung des Interviews
Hier gibt es das englische Original.
Am 4. September 2007 um 23:08 Uhr
Martinus, großes Lob und Dank für die Übersetzung!
Am 5. September 2007 um 01:12 Uhr
Auch von mir vielen Dank für diese tolle Übersetzung eines wirklich interessanten Interviews.
Am 5. September 2007 um 08:22 Uhr
Wirklich ein schönes Interview, stellt mir Rutherford sehr sympathisch vor.
5 Konzerte je in US und EU…das wird knapp mit den Tickets…
Danke für die wunderbare Übersetzung!
Am 5. September 2007 um 09:18 Uhr
Martinus,
kann mich dem Dank für diese Übersetzung nur anschließen, WELL DONE!
Denn das Interview ist viel zu interessant, als das man viele Sachen vielleicht aufgrund mangelnder Englischkenntnisse nicht versteht.
Am 5. September 2007 um 10:01 Uhr
erstmal vielen dank für die tolle übersetzung. nur eines ist mir aufgefallen: chester thompson war doch gar nicht auf phils “dance-into-the-light”-tour 1997 als drummer dabei. da saß ricky lawsons am schlagzeug.
Am 5. September 2007 um 10:30 Uhr
oliver zu chester steht folgendes auf wikipedia:
Album und Tournee mit Ray Wilson
Rutherford und Banks beschlossen weiterzumachen, benötigten nun aber mehr als nur ein neues Mitglied. Tatsächlich hatte Genesis nicht nur Phil Collins verloren, sondern auch die Live-Musiker Daryl Stuermer und Chester Thompson. Die Band fragte bei Stuermer an, der sich jedoch bereits zu einer Tournee mit Collins verpflichtet hatte. Thompson interessierte sich für die freie Position am Schlagzeug, allerdings machte er sein Engagement von einer Vollmitgliedschaft in der Band abhängig, was Banks und Rutherford ihm nicht einräumen wollten.
Am 5. September 2007 um 13:13 Uhr
Vielen Dank für die Übersetzung.Wenn das Wirklichkeit wird,die alten Säcke nochmal mit der Lamb Tour zu sehen,werd ich wohl oder übel ein Jahr Urlaub nehmen müssen um dabei zusein.
Am 5. September 2007 um 13:43 Uhr
Nur 5 Shows in Europa und das wahrscheinlich in kleinen Halen- da wird ne Karte für The Lamb 500 Euro kosten
Am 5. September 2007 um 16:15 Uhr
Ich war ja am Anfang erstmal ein bißchen “stinkig”, daß es nach CAS nur deshalb nicht weiterging, weil Mike keine Lust hatte. Als ich dann aber gelesen habe, wie er sich den weiteren Weg in puncto Stückeschreiben vorstellte, war ich dann doch erleichtert - das wäre doch wohl nicht der richtige Weg gewesen…
Am 5. September 2007 um 20:39 Uhr
Sagte ich doch: Phil macht das Schon!
Am 5. September 2007 um 21:35 Uhr
Absolute Ausnahmemusiker alle vier !!