- Offizieller Beitrag
Der nun folgende Teil klingt vom Titel her ein bisschen nach „Robin Hood und die Geächteten vom Sherwood Forest auf Ägyptisch“. So abrupt der Sprung von der Schlange im Paradies zum Pharao Echnaton auch wirken mag, es gibt doch eine Verbindung: Die Religion, genauer gesagt, den Wechsel von der richtigen zur falschen, wahlweise auch umgekehrt. Echnaton, der als Amenhotep IV. den Thron bestieg, führte die Verehrung der Sonnenscheibe als (Über-)Gottheit Aton ein und versuchte damit in Ägypten bis dahin übliche Verehrung vieler Gottheiten abzulösen (näheres im bevorzugten Nachschlagewerk). Auch bei ihm geht es also um die Frage, welche Religion, welche Glaubenshaltung die richtige ist.
Echnaton zugesellt ist jemand, dessen Name zunächst auch ägyptisch wirkt: Itsacon. Dieser Name ist für englische Ohren jedoch sprechend: „It's a con“ - „es ist ein Schwindel“. Worin der Schwindel genau besteht, bleibt offen. Gemeint sein könnte die eine Glaubensrichtung oder die andere (jeweils im christlichen Bezugsrahmen des vorhergehenden Teils oder die ägyptische in diesem Teil), eventuell auch das, was aus dem Glauben möglicherweise hergeleitet wird. Festzuhalten bleibt, dass „die Schar fröhlicher Männer“ aus dem Titel alsbald mit sehr unfröhlichen Dingen beschäftigt ist, nämlich mit dem Töten anderer.
Die Situation wirkt allerdings zunächst sehr friedlich, und das „wir“, das der Sprecher beschreibt, scheint auch freundliche Absichten zu haben. Leider taucht auf einmal ein Heer dunkelhäutiger Krieger auf, das eine Schlacht erwartet. So einfach ist es aber nicht – schon die erste Zeile verrät, dass der Hörer hier in die Irre geführt werden soll. Die Doppeldeutigkeit der Zeile beruht darauf, dass der Engländer Gefühle nicht im Gesicht zeigt, sondern „auf dem Gesicht trägt“ - derselbe Ausdruck wird aber auch benutzt, wenn jemand eine Maske trägt. Die Gefühle sind hier offenkundig eine Maske, die über das Gesicht gelegt ist, da ja den Gesichtern selbst eine Ruhepause gegönnt wird, d.h. die Gefühle sind nicht echt - „wir“ gehen nicht einfach so hinüber, um die „Kinder des Westens“ zu sehen.
Welche Kinder sind das übrigens? Ich halte es für wahrscheinlich, dass sich hier mindestens zwei Assoziationen überlagern. Die erste kommt unter anderem durch die „dunkelhäutigen Krieger“ zustande und scheint auf die Entdeckung und Christianisierung Amerikas anzuspielen: Die Ureinwohner der Neuen Welt, die dort im Westen entdeckt wurde, waren dunklerer Hautfarbe; die ersten Missionare stellten die Amerikaner als Menschen von kindlicher Unwissenheit dar, die christlicher Unterweisung und Bildung bedurften (welchselbige dann bei Bedarf auch mit Waffengewalt durchgesetzt wurde): Das erklärte dann auch die Kämpfe. Die zweite Assoziation ist eine Anspielung auf das Zeitgeschehen, die 1972 womöglich deutlicher war als heute: Westlich von England, nämlich in Nordirland, kam es am 30.Januar 1972 bei Ausschreitungen zum sogenannten „Blutsonntag“, bei dem zahlreiche Demonstranten von britischem Militär getötet wurden. Während dies kein religiös motivierter Kampf war, ist dennoch festzuhalten, dass die Linien der Konfrontation entlang den Konfessionsgrenzen verliefen. Allzuviel Nordirland sollte man jedoch in das Stück nicht hineinlesen, weil man sonst Gefahr läuft, dieses Stück als zu gallig, kampflüstern und gar abstoßend zu empfinden. Es geht hier nicht um ein konkretes historisches Ereignis, sondern allgemein um die Situation eines kriegerischen Konflikts, der, das legt der Anschluss an den vorigen Teil nahe, mit religiösen Motiven gerechtfertigt wird. Eigentümlich ist die Erwähnung einer „Gebetskapsel“; damit wird gewöhnlich eine Komponente der jüdischen Gebetsriemen (Tefillin) bezeichnet, womit die religiöse Auseinandersetzung sich in den Nahen Osten (Sechs-Tage-Krieg 1967?) verlagern würde. Allerdings wird die „Gebetskapsel“ im Songtext „aktiviert“, was kaum an jenes lederne Gehäuse mit Thoraversen denken lässt. Vielmehr klingt es nach einer Art Pille, die religiöse Erfahrungen weckt, oder nach einem Science-Fiction-Gerät, das automatisch Gebete für jemanden vornimmt („Scotty, drei Vaterunser hochbeamen!“).
Wer auch immer hier kämpft, er ist siegreich – und doch seltsam fremdbestimmt: Zwar ist der Feind geschlagen und gibt es Grund zum Feiern, aber die Freudentänze sind vom Kommandierenden befohlen worden. Ist es am Ende ein Pyrrhussieg, sind die Siegesfeiern nur mutmachende Propaganda zur Hebung der Moral?