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Ungelesen 11.11.2010, 16:18   #41 (permalink)
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Benutzerbild von martinus
 
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Zitat von TM Productions Beitrag anzeigen
Das ist auf jeden Fall der richtige Ansatz; man muss sich zunächst mal grundsätzlich frei machen von der Sorte Textanalyse, wie ich und ein paar Generationen vor und nach mir sie noch in der Schule gelernt haben: die spannende Frage, "was ist die Intention des Verfassers, was will er uns damit sagen?". In der modernen, akademischen Textanalyse spielt diese Frage längst keine Rolle mehr, und damit ist sie auch für die Treue der Übersetzung irrelevant geworden.
Mhmmmm, nicht unbedingt. Gerade eine Übersetzung hat ja mit Analyse nichts zu tun. In einer Übersetzung hat der Übersetzer die interpretierende Rolle auf ein Minimum zurückzudrängen zugunsten einer authentischen Wiedergabe des Originals in einer fremden Sprache. Übersetzungstheorie hat sich lange bewegt zwischen "verbum ex verbo" (Wort für Wort) und "sensus ex sensu" (Sinn für Sinn). Idealerweise überträgt der Übersetzer den Sinn aus dem Original in die Zielsprache, bewahrt dabei möglichst viel von der Wortwahl und Diktion des Autors und produziert dennoch einen Text, dem man die Übersetzung nicht anmerkt.
Das ist ein gewaltiger Anforderungskatalog; allzuviele Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt dokumentieren, dass nicht jeder Übersetzer ihnen gewachsen ist.

Die Frage "Was will uns der Dichter damit sagen?" ist natürlich Humbug, weil die Botschaft kommunikationstheoretisch erst das ist, was beim Empfänger ankommt, so dass sich für jeden eine personalisierte Botschaft des Autors ergibt (oder eben unter Umständen auch: keine). Jeder Lehrer sollte für jede Anwendung dieser furchtbaren Frage ein Monatsgehalt ins Phrasenschwein einzahlen.

Das Gegenteil davon ist der Dekonstruktivismus. Diese Methode der Textanalyse ignoriert völlig, "was uns der Dichter damit sagen will", zerlegt den Text und konstruiert dort hinein, "was uns der Dichter unterbewußt wirklich sagen wollte".
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... cried a voice in the crowd.
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Alt 29.11.1981, 11:38 Nur für Gäste
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Ungelesen 11.11.2010, 16:20   #42 (permalink)
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Benutzerbild von lillywhitelillith
 
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Zitat:
Zitat von townman
"Was hilft es, wenn der Autor eine von ihm erhoffte Interpretation, die sich beim Lesen des Buchs nicht einstellt, dem Leser außerhalb des Buchs präsentiert? Welche Rolle spielt es, was ich sagen wollte - kommt es nicht darauf an, was das Buch sagt?"
Zitat:
Zitat von TM Productions Beitrag anzeigen
Das ist auf jeden Fall der richtige Ansatz; man muss sich zunächst mal grundsätzlich frei machen von der Sorte Textanalyse, wie ich und ein paar Generationen vor und nach mir sie noch in der Schule gelernt haben: die spannende Frage, "was ist die Intention des Verfassers, was will er uns damit sagen?". In der modernen, akademischen Textanalyse spielt diese Frage längst keine Rolle mehr, und damit ist sie auch für die Treue der Übersetzung irrelevant geworden.
Also ich kann hier natürlich keinem akdemischen Anspruch genügen. Wenn ich ein Genesis-Album höre und anschließend darüber meinen Senf hier abgebe, verlangt ja auch keiner von mir, dass ich Musik studiert habe. (oder???)

Aber ich finde die Treue der Übersetzung ebenfalls irrelevant, wenn vielleicht auch aus anderen Gründen. Sie sagt auch gar nichts darüber aus, ob und "was" ich nun genau verstehe oder nicht.

Ich weiß gar nicht, was ich auf solche Posts hier antworten soll : Darf ich das, verstehe ich das, kann ich das? Das ist völlig irrelevant. Für mich spiegeln diese Erörterungen eine gewisse Orientierungslosigkeit wieder. Jeder Depp sagt was er will, aber was dran ist, hängt von seinem Status ab. Wenn er kein Dr. phil. an der Stirn kleben hat oder sonstwie wichtig genug ist, ist's von vorne herein Schrott. Das hat für mich mit Kommunikation nichts mehr zu tun.

Was verstehe, spiegelt sich in meinen Interpretationen wieder. Da kann man (ansatzweise) lesen, "was mir das Buch sagt" (oder mal gesagt hat). Auch wenn ich öfter mal behaupte, das es nicht ich bin, der das sagt. Das hat was mit den Perspektiven zu tun, mit denen ich hier irgendwann mal angefangen habe zu arbeiten. Ich brauchte die aber, um zu sehen, wie die Texte z.B. in ihrer Struktur aussehen. Zugespitzt könnte man vielleicht sogar sagen, das der PG in meinen Interpretationen für mich das ist was Rael für PG war. (Und jetzt denkt warscheinlich der letzte hier, ich hätte was an der Raffel.) Aber wie gesagt, ich erlaube mir, ganz unwissenschaftliche Methoden.

Mich interessiert das Wesen der Sprache an sich. Das spielt in meinem Umgang mit den Texten eine sehr große Rolle. Ich erfahre, und eigentlich wäre "erfühle" der bessere Ausdruck, etwas über Sprache, ihre (kulturelle) Bedeutung und dem Umgang mit Sprache. Das ist aber nur ein Aspekt von unzähligen, mich damit zu beschäftigen (falls jemand schon wieder aber!!! schreien will). Ehrlich gesagt ist es ein unglaublich mühsames Unterfangen, Erfahrung (-fühlung) überhaupt in Worte zu fassen oder gar zu erklären. Deswegen gibt's ja Musik, Theater, Lyrik und andere "brotlosen Künste".

Ich sehe die Texte (inzwischen) als eine Spielwiese, die ich für mich nutzen kann. Einen größeren Anspruch brauche ich gar nicht. Das könnte ich ja auch alleine im stillen Kämmerlein, nur für mich machen. Aber ich teile es aus den gleichen Gründen aus denen townman heraus sagt: Es interessiert mich. Ich will sehen, wie die Welt für andere aussieht, jenseits von akademischer Textanalyse und mathematischen Gleichungen.

Zitat:
Zitat von townman
"Was hilft es, wenn der Autor eine von ihm erhoffte Interpretation, die sich beim Lesen des Buchs nicht einstellt, dem Leser außerhalb des Buchs präsentiert? Welche Rolle spielt es, was ich sagen wollte - kommt es nicht darauf an, was das Buch sagt?"
Möglicher Weise gab es gerade in den Lamb-Texten nie eine erhoffte Interpretation, sondern es wird doch ganz offensichtlich geradezu auch Platz für die eigene gemacht.

Vielleicht noch mal zur Übersetzung (body) selbst: In erster Linie finde ich meine eigene Übersetzung einfach schön, besonders BINYC und The Lamia.

Gruß Ute.
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lillywhitelillith ist offline   Mit Zitat antworten
Ungelesen 11.11.2010, 17:16   #43 (permalink)
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Benutzerbild von Aprilfrost
 
Registriert seit: 19.10.2006
Beiträge: 2.264
Hallo Lillywhite, nach Deinem letzten Beitrag sehe ich Deine Übersetzung nun in einem etwas anderen Licht. Was mir wichtig ist: mit der Diskussion wollte und will ich Deine Arbeit keineswegs herabwürdigen. Ich halte sich nach wie vor für angebracht und im Wesentlichen für gut (auf ein paar Übersetzungsfehler möchte ich Dich gerne per PN hinweisen - es sind nicht viele), und die neuerliche Beteiligung an diesem Thread zeigt, dass das Thema immer noch hoch aktuell, interessant und diskussionswürdig ist. Nochmal danke für den Link.
Du hast wirklich schöne Phrasen im Text, z. B. "und das Licht verlischt am Broadway". Ich hätte wahrscheinlich einfach "geht aus" geschrieben. Aber ich habe auch nur eine kümmerliche poetische Ader.
Aprilfrost ist offline   Mit Zitat antworten
Ungelesen 11.11.2010, 22:46   #44 (permalink)
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Benutzerbild von townman
 
Registriert seit: 02.06.2008
Beiträge: 1.977
Zitat:
Zitat von lillywhitelillith Beitrag anzeigen
Ich weiß gar nicht, was ich auf solche Posts hier antworten soll : Darf ich das, verstehe ich das, kann ich das? Das ist völlig irrelevant. Für mich spiegeln diese Erörterungen eine gewisse Orientierungslosigkeit wieder. Jeder Depp sagt was er will, aber was dran ist, hängt von seinem Status ab. Wenn er kein Dr. phil. an der Stirn kleben hat oder sonstwie wichtig genug ist, ist's von vorne herein Schrott. Das hat für mich mit Kommunikation nichts mehr zu tun.
*erschreck* Lillywhitelillith??? Was soll das bedeuten???

Zitat:
Zitat von lillywhitelillith Beitrag anzeigen
Möglicher Weise gab es gerade in den Lamb-Texten nie eine erhoffte Interpretation, sondern es wird doch ganz offensichtlich geradezu auch Platz für die eigene gemacht.
Das habe ich auch schon oft gedacht. Das Konzept verschließt sich zwar vordergründig und man könnte meinen, dass da geheimnisvolle Botschaften / Zusammenhänge versteckt sind, die man finden muss. Aber ich meine, Peter hat im Gegenteil ein ganz offenes Ding gemacht. Wenn man da was "findet", dann sind das Dinge, die zu einem selber gehören und nicht zu einem hermetisch abgeriegelten Sinn. RAEL findet sich, der Leser kann das auch (und damit meine ich nicht so einen aufgeblasenen esoterischen Selbstfindungsbegriff).
townman ist offline   Mit Zitat antworten
Ungelesen 12.11.2010, 00:16   #45 (permalink)
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Benutzerbild von TM Productions
 
Registriert seit: 29.03.2005
Beiträge: 2.904
Zitat:
Zitat von lillywhitelillith Beitrag anzeigen
Also ich kann hier natürlich keinem akdemischen Anspruch genügen. Wenn ich ein Genesis-Album höre und anschließend darüber meinen Senf hier abgebe, verlangt ja auch keiner von mir, dass ich Musik studiert habe. (oder???)

Aber ich finde die Treue der Übersetzung ebenfalls irrelevant, wenn vielleicht auch aus anderen Gründen. Sie sagt auch gar nichts darüber aus, ob und "was" ich nun genau verstehe oder nicht...
Hallo Ute, mir ging es darum, hier ein wenig den Anspruch der Allgemeingültigkeit zu relativieren, den eine Übersetzung haben kann/haben sollte. Entscheidend ist, das wollte ich klarstellen, die Rezeption, also was kommt wie beim Zuhörer an. Damit sollte, dachte ich, eigentlich klar sein, dass jeder die Freiheit hat, so zu übersetzen, wie er/sie es für richtig, schön und gut findet...

Daneben schadet es sicher nichts, wenn man Musik oder Anglistik studiert hat - es kann ggf. sogar hilfreich sein, denn es kann das Verständnis steigern, ebenso wie die Lektüre des von mir oben empfohlenen Buches - muss aber nicht.
TM Productions ist offline   Mit Zitat antworten
Ungelesen 12.11.2010, 04:13   #46 (permalink)
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User wurde gesperrt
 
Registriert seit: 12.03.2004
Beiträge: 637
Diese Übersetzung sollte sehr maßgebend sein: The Lamb deutsch
Meiner Auffassung nach sehr gelungen und bei weitem nicht so holprig und haarig wie die von Lilly.
Dunkelheit ist offline   Mit Zitat antworten
Ungelesen 12.11.2010, 08:34   #47 (permalink)
it-Mastermind 2010
 
Benutzerbild von William Wright
 
Registriert seit: 22.08.2007
Beiträge: 1.389
@ Dunkelheit: vielen Dank für eine weitere (m.E. gelungene) Übersetzung.

Deine persönliche Einschätzung zu der Arbeit von Lillywhitelillith kann ich allerdings nicht nachvollziehen, da ich Lillys Leistung auf ihrer HP sehr schätze.

Ich freue mich über jeden Beitrag zum Lamb-Thema (bringt mir stets ein "Mehr an" Licht an den Broadway ), ohne dass ich sie dabei in Konkurrenz zueinander stellen möchte. Letztendlich ist jeder Beitrag / Übersetzung hierzu persönliche Geschmacksache des Lesers. ... und ich bewundere und habe großen Respekt vor jedem, der es (u.a. auch hier) wagt, sich an diese (für mich: auch nach nunmehr 35 Jahren - die ich diese Platte besitze - immer noch sehr komplizierte und rätselhafte) Story anzunähern.

It's 5-4 on William Wright!

Geändert von William Wright (12.11.2010 um 08:55 Uhr).
William Wright ist offline   Mit Zitat antworten
Ungelesen 12.11.2010, 09:08   #48 (permalink)
it-FORUM User
 
Benutzerbild von lillywhitelillith
 
Registriert seit: 23.06.2007
Ort: im 8. Stock mit tollem Ausblick
Beiträge: 597
Ich habe mich nur mal kurz rein gelesen (Zeitmangel), aber der erste Blick ist so positiv, dass ich's gleich loswerden will.

Zu William Wright: Das kann ggf. auch daran liegen, dass ich Dich zuerst verdorben habe. Ausserdem gibt's da noch die schönen Bilder.
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lillywhitelillith ist offline   Mit Zitat antworten
Ungelesen 14.11.2010, 14:11   #49 (permalink)
it-FORUM User
 
Benutzerbild von townman
 
Registriert seit: 02.06.2008
Beiträge: 1.977
Also, mir macht es große Freude, die Übersetzungen durchzulesen. Habe diejenige von foxtrot.de auch dabei und mir also eben mit dem Titelsong in drei Übersetzungen die Mittagspause versüßt. Sehr anregend, sehr spannend, da kann ich allen Übersetzern und Quellen-zur Verfügung-Stellern nur ausdrücklich danken.
Trotzdem: Ich verstehe noch nicht einmal den ersten Song...macht aber nix, ich mach heute Abend einfach mit "Fly on a windshield" weiter. Irgendwas passiert dabei ja mit einem, auch wenn ich das kaum in Worte fassen kann.
townman ist offline   Mit Zitat antworten
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