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  4. GENESIS - 1966 bis 1977

Supper's Ready - Hui oder pfui?

  • sussudio
  • 29. Juni 2009 um 22:24
1. offizieller Beitrag
  • sussudio
    Squonk
    Beiträge
    4.625
    • 29. Juni 2009 um 22:24
    • #1

    Nun also zu "Supper's Ready", laut vieler Genesis-Anhänger der Genesis-Song schlechthin. Aber ist dem wirklich so?

    Zu "Supper's Ready" hab ich seit einiger Zeit ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Einerseits ist es kompositorisch, wie spiel- und gesangstechnisch auf sehr hohem Niveau (besonders hervorzuheben ist die Rhythmusfraktion, wobei auch Tony und Peter sehr gute Arbet leisten, über die Texte kann man sicher streiten), andererseits wirkt es doch ziemlich arg zusammengestückelt, also mehrere Songs aneinandergeklebt. Was möglicherweise auch der Grund ist, dass Genesis sich danach nie wieder an einem weiteren eine LP-Seite umfassenden Stück versucht haben. Wenn ich mir mal andere Musiker aus jener Zeit zu Gemüte führe wie Pink Floyd, Mike Oldfield, ELP, Van der Graaf Generator oder Yes, die ja schon mehrere Longtracks in ihrem Repertoire haben, muss ich feststellen, dass diese einfach das bessere Händchen für Longtracks haben, da diese meist von den Kompositionen her geschlossener sind und nicht so zusammengestückelt.

    Nicht, dass ihr mich falsch versteht, ich bin froh, dass es "Supper's Ready" gibt und ich bereue im Nachhinein keine Zeit, in der ich dieses Stück gehört habe. Jedoch ist SR, um Unbedarften die frühen Genesis mit Gabriel als Frontmann näherzubringen, nicht unbedingt die perfekteste Wahl. Da eignen sich Stücke wie "Firth Of Fifth", "Cinema Show", "Musical Box", "Fountain Of Salmacis", "Get Em Out By Friday" oder "Watcher Of The Skies" einfach besser.

    31.10.1997 PHIL COLLINS (Hannover)
    11.06.2004 PHIL COLLINS (Berlin)
    15.06.2007 GENESIS (Hamburg)
    15.06.2012 ROACHFORD (Kiel)
    24.06.2012 MIKE & THE MECHANICS (Kiel)
    18.05.2014 STEVE HACKETT (Hamburg)

  • Prophet
    Moderator
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    amyristom
    • 29. Juni 2009 um 22:32
    • Offizieller Beitrag
    • #2

    Also ohne Supper's Ready jetzt in den Himmel loben zu wollen (da gibts lyrisch, athmosphärisch und emtional "dichtere" Songs von Genesis), aber es für meinen Geschmack der beste Longtrack, den ich kenn. Andere 20-30 Minüter (man nehme z.B. diverse Spock's Beard oder Transatlantic Longtracks - nur als Beispiel) sind vielleicht weniger aus "Einzelsongs" zusammengeflickt, ergehen sich aber auch daher in teils minutenlangem Gedudel, ohne dass wirklich etwas passiert oder musikalisch neues hinzukommt.

    Da bietet der "Flickenteppich" Supper's Ready eben genau deshalb mehr musikalische Abwechslung.

    Now our end has come so near
    But you’re still reminded
    On the way to loose our fear
    We walk – still we’re blinded

    • Nächster offizieller Beitrag
  • HoHoHo
    Giant Hogweed
    Beiträge
    7.289
    • 29. Juni 2009 um 22:39
    • #3

    OK, ich werde nach dieser Antwort wohl des Forums verwiesen, aber wenn schon mal die Frage kommt...

    Ich habe nie verstanden und verstehe es heute auch nicht, warum "Supper's Ready"...

    ...ein Lied sein soll
    - Für mich sind das ein paar Stücke, die aber musikalisch noch nix ganzes ergeben. Nur den Schnitt zwischen den einzelnen Teilen wegzulassen macht daraus noch nicht ein zusammenhängendes Lied.

    ...der genialste Song von Genesis sein soll
    - Hier hab ich jetzt keine objektiven Argumente, ich kann nur sagen dass keiner der Teile von "Supper's Ready" mich wirklich anspricht. Ich find's halt ganz ok, als "Song der Woche" würde ich 8 Punkte geben.

    Mit den Texten der Gabriel-Ära kann ich ohnehin in den wenigsten Fällen etwas anfangen. Da stellt "Supper's Ready" keine Ausnahme da. Allein der Titel... Und dann die Titel der einzelnen Stücke... Nö, das ist nicht meine Welt.

  • Smokejumper
    Lurker
    Beiträge
    100
    • 29. Juni 2009 um 23:01
    • #4

    Ja, man könnte Supper´s ready als zusammengestückelt betrachten. Aber es ist perfekt zusammengestückelt!!!
    SR ist einer der besten Genesis- Songs die es gibt, mir gefällt vorallem das auf und ab von laut, schnell und langsam, leise. Der song birgt ein Highlight nach dem anderen.

    Ich denke kein anderer Longtrack ist so abwechslungsreich wie SR. Sehr viele verschiedene Takte, Wechsel in der Lautstärke - mit einem Wort: GENESIS:topp:

    "Es gibt 2 Sachen, die unendlich sind: das Universum und die Dummheit des Menschen - beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher."

    Albert Einstein

  • Deep Thought
    Lurker
    Beiträge
    336
    • 29. Juni 2009 um 23:03
    • #5

    Ja gut... und nu? :D

    Hui oder Pfui? :ka:

    Also für mich persönlich Hui, wie fast alle Sachen von Genesis - sonst wäre ich wohl nicht auf dieses Forum gestossen. Allerdings kam dieses Hui auch erst einige Zeit nachdem ich Genesis kennengelernt habe. Mein Einstieg war Invisiblbe Touch mit dazugehörigem Konzert, davor kannte ich Mama und That's All - und ja, ich finde auch Anything She Does klasse. :p

    Mittlerweile habe ich alle Alben, die doch recht häufig in meiner persönlichen Heavy Rotation laufen oder es sind einfach Lieder der Band, die ich vor mich hin singe oder pfeife - sehr zum Leidwesen meiner besseren Hälfte. :rollen:

    Das sie sooo ein langes Stück nie mehr gemacht haben könnte wohl auch an Peter liegen, ich denke, dass er da die treibende Kraft war. Andererseits haben sie ja schon einige Longtracks im Angebot. Es war halt wahrscheinlich zur passenden Zeit der passende Song. Deswegen finde ich die Musik ja auch Klasse: für jede Stimmung die passende Mucke. Mal habe ich Lust auf Invisible Touch und mal auf The Lamb Lies Down On Broadway. Von dieser Band finde ich immer irgendwas und das macht sie für mich - persönlich - auch so einzigartig.

    Es muss halt passen. Ich denke, dass der Einstieg für die Jüngeren/nachkommende Generation über das Spätwerk leichter fällt, bei Interesse muss man sich halt auf das Gesamt- und somit Frühwerk einlassen.

    Aber ich denke, dies ist bei vielen Bands so, die "seit Ewigkeiten" im Musikbusiness präsent sind.

    Irgendwelche Grabenkämpfe à la Gabriel/Collins kann ich - ebenso wie bei anderen Bands - irgendwie nicht wirklich nachvollziehen...

    Viele Grüße
    Deep Thought

    ... irgendwas ist immer.

    Einmal editiert, zuletzt von Deep Thought (29. Juni 2009 um 23:10) aus folgendem Grund: Rechtschreibung nach bestem Wissen und Gewissen nach irgendwelchen Reformen korrigiert

  • Kaleidophon
    Lurker
    Beiträge
    278
    • 29. Juni 2009 um 23:08
    • #6

    ich will auch nichts schlechtes über Suppers verlieren da ich das LIed liebe, ganz besonders im 5.1 Mix, da finde ich profitiert vor allem die Apocalypse durch mehr Vumms.

    Trotzdem muss ich sagen sprechen mich nur drei Teile von Suppers an.
    Das wären

    -Lovers Leap: Allein die Stimmung die da aufkommt finde ich zum Teil romantisch. Den Text finde ich auch schön und wenn man die Heiligen raus lässt hat es wirklich was von ner Mini Love Story.

    -Apocalypse 9/8: Als ich das erste mal die Apocalypse hörte konnte ich nix damit anfangen. Dieser, in meinen Ohren damals, komischer Keyboard Sound, ergab für mich keinen Sinn. Doch als ich die Zeile 666 is no longer alone hörte, musste ich das Lied noch mal hören. Und bin von da an auf voll begeistert. Und nun versuche ich selbst die Apocalypse gesanglich so hinzubekommen, das es Peter/Phil nah kommt. Nihct besser oder gleich wird sondern nah kommt. Da ich finde, dass fast jeder die Apo singen kann.

    -Ass Eggs....: Nach der Apocalypse das Ende des Liedes. Allein das Gitarren Solo am Ende finde ich herrlich. Wenn sie die Melodie die Steve zu anfang des Solo´s spielt noch ein zwei mal wiederholt hätten, und es dann leise ausklingen gelassen hätten wie sie es Live aisklingen gelassen haben, wäre es perfekt aba man kann nicht alles haben^^

    Alles in allem würde ich SR auf einer Skala von 1 bis 10 ne glatte 8 geben. Da es troztdem in meinen Augen eins der besten Lieder is doe Genesis je geschrieben haben.

    The Heartless Nobody
    wait for the Apocalypse

  • soenner
    Lurker
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    soenke.bohm
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    soenner
    • 29. Juni 2009 um 23:17
    • #7

    Ohä - da hast Du ja ein Fass aufgemacht.
    Ohne mich als Progger bezeichnen zu wollen: ich finde, in SR ist fast alles zu finden, was Genesis ausmacht: mal balladesk, mal rockig, einige "krumme" Takte, Instrumentale... Bei mir brauchte es allerdings zugegebenermaßen eine Weile, bis ich mich in das Stück reingehört hatte. Und trotzdem oder gerade deswegen: die einzelnen Teile würden als separate Stücke wohl eine ganz andere Wirkung haben als so im Ganzen. Also Hui natürlich.

    For me there's no mystery...

    2025: 25.01. MidWinter Prog Festival @ Utrecht | 14.03. Wilson @ Isernhagen | Tonbandgerät @ Flensburg | The Pineapple Thief @ HH | 24.04. M&tM @ H | 30.04. M&tM @ HH | 02.05. Stereophonics @ HH | 03.05. Stereophonics @ B | 04.05. M&tM @ B | 14.08. Wilson @ Wyk auf Föhr | 16.08. Wilson @ Isernhagen | 14.11. Wilson @ Worpswede

    tbc

  • Online
    townman
    Giant Hogweed
    Beiträge
    7.036
    • 30. Juni 2009 um 00:00
    • #8

    Die Diskussion / der Thread ist mehr als berechtigt. Und das Gute ist, dass hier alle mal sachlich und unaufgeregt die wichtigsten Aspekte dieses Genesis-Mythos offengelegt haben. Dass SR immer wieder herhalten muss, um quasi-ideologische Glaubenskämpfe zwischen Genesishörern herbeizureden, finde ich sehr unangebracht und auch schädlich für das gesamte Forum. Dem Mythos des ultimativen und unantastbaren Songs gilt es entschiedenst entgegenzuwirken:
    Der Song wird m. E. eklatant überschätzt. Die kompositorische Gesamtstruktur ist - und da haben andere vor mir sehr pointiert gewichtet und argumentiert - natürlich nicht ausgewogen (trotz der etwas gewollten Wiederaufnahme am Schluss). Und die einzelnen Teile sind keineswegs alle ausnahmslos Höhepunkte der ersten Genesis-Phase.
    Allerdings vereint der Song (das ist, glaube ich, ein äußerst wichtiger Punkt) quasi prototypisch die wichtigsten Elemente, die diese Phase auszeichnen, von denen einige in sich wunderbar und einzigartig gestaltet sind. (Den Text würde ich jederzeit in Schutz nehmen.)
    Ich habe mir eben im SdW die Auseinandersetzung um den inflationären Gebrauch der 15 Punkte zu Gemüte geführt, dem ich selbst auch äußerst kritisch gegenüberstehe. Nach der hiesigen Diskussion bedeutet das aber für mich auch ganz klar, dass 15 Punkte für SR nicht in Frage kommen: Es ist definitiv kein perfekter Song und nur dafür könnte es die Höchstpunktzahl geben.
    "ICH FINDE ABER TROTZDEM, DASS...! WILLST DU MIR ETWA MEIN RECHT AUF EINE SUBJEKTIVE, FREIE ENTSCHEIDUNG...?" - Nein, will ich nicht. Ich wäre dann einfach an deiner Begründung mehr als interessiert.


  • tom
    Moderator
    Beiträge
    7.991
    • 30. Juni 2009 um 00:07
    • Offizieller Beitrag
    • #9

    Ich sehe da auch nichts wirklich Schlimmes an der Eingangsthese: SR ist tatsächlich ein aus mehreren, ursprünglich unabhängigen, aber nicht ganz fertig gewordenen Songs zusammengestückelter Longtrack. Einige Teile haben noch nicht einmal ausgearbeitete Übergänge, stattdessen gibt es Breaks ("A flower?") und harte Schnitte. Es funktioniert trotzdem genial, denn es gibt einen klaren Spannungsbogen von Anfang bis Ende und durchgehende musikalische Motive. Auch textlich hat Peter sich durchaus Mühe gegeben. Es ist zwar kryptisch und merkwürdig, jedoch voll mit Wortspielen und Anspielungen auf christliche Religion und abendländische Kulturgeschichte.

    Es gibt nicht viele gelungene "Medleys" dieser Machart - die zweite Seite von Abbey Road fällt mir dazu ein, obwohl die Zusammenhänge dort noch loser sind - aber Genesis haben das Supper's Ready-Konzept mit The Lamb Lies Down On Broadway durchaus wiederholt und verfeinert - hier gibt es sogar vier seitenfüllende Longtracks in ähnlicher Bauweise!
    (Wer jetzt argumentiert mit Trackmarken - ja, auch bei Supper's Ready gibts die, allerdings in Form von Index-Marken, die nur noch wenige CD-Player anzeigen können. Und die Original-LPs von The Lamb hatten tatsächlich keine sichtbaren Trennrillen, um die einzelnen Tracks auffindbar zu machen!)

    Fazit: Ich kann's nicht immer hören (auch weil es Zeit kostet), aber auch für mich gilt uneingeschränkt: Daumen hoch!

    Mein Blog: Rockworte
    Mein Solo-Album: "Geduld, meine Herren, Geduld! (Die Grundig-Demos 1980-83)"

    Einmal editiert, zuletzt von tom (30. Juni 2009 um 00:09)

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  • Online
    townman
    Giant Hogweed
    Beiträge
    7.036
    • 30. Juni 2009 um 00:24
    • #10

    tom Prod.: Ich finde auch , dass das super funktioniert. Ich musste eben sehr an Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre" denken - ein vordergründig relativ rücksichtslos unstrukturiertes (unmotiviertes?), zusammengestückeltes Konglomerat verschiedenster Textsorten zu einem umfangreichen Roman. Und auch das funktioniert fantastisch, da der inhaltlich-ästhetische Zusammenhalt durch den Rezipienten selbst konstruiert wird - der Rahmen hierfür ist einfach super angelegt.
    Bei SR sehe ich jedoch einfach "handwerkliche" Schwächen (und der Sound ist ebenfalls nicht auf höchstem Niveau).
    Übrigens (musste noch ergänzt werden) finde ich die Überlegung mit "Lamb" total interessant.


    Einmal editiert, zuletzt von townman (30. Juni 2009 um 00:29)

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