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Tony Banks Interview: Six, Seven und Mehr

it im Gespräch mit Tony Banks, 16.02.2012 (per Telefon)


it: Tony, bevor wir richtig in das Interview einsteigen, muss ich sagen, dass ich noch nicht die ganze Musik von dem neuen Album gehört habe. Carol hat mir eine CD geschickt, auf der eine Minute von jedem Stück war, daher kann ich leider bei der Musik nicht so ins Detail gehen.

Tony Banks: Das liegt wohl daran, dass das Album ja erst in einem halben Monat oder so erscheint. Darum.

it: Die Turn It On Again-Tour endete im Oktober 2007. Im März 2011 fingen die Aufnahmen für dein neues Album an. Hast du die ganze Zeit an Six gearbeitet?

Tony: Nicht die ganze Zeit. Am Ende der Tour hatte ich noch überhaupt nichts geschrieben, aber ich hatte die Idee im Hinterkopf, dass ich noch ein Orchesterwerk schreiben wollte. Damit habe ich dann angefangen, allerdings nicht sofort. Stetig gearbeitet habe ich daran im Sommer 2009, und der größte Teil ist in dieser Zeit entstanden. Danach stellte sich die Frage, wie ich damit weitermache, wen ich mir als Unterstützung heranhole. Es ist ja offenkundig ein Jahr vergangen, seit ich tatsächlich mit dem Album fertig bin. Dann ging darum, Plattenfirmen zu finden und alles in trockene Tücher zu bringen. Das dauert immer länger als es sollte. Mir ist es lieber, wenn alles ziemlich schnell geht.

it: Das Beiheft zur CD erwähnt, dass Six sich von Seven unterscheidet. Worin liegen die Hauptunterschiede?

1Tony: Der offensichtliche Unterschied besteht darin, dass es sechs Stücke sind statt sieben. Das ist schon ein Unterschied [lacht]. Zwei der Stücke werden von einem Soloinstrument angeführt, das eine von einem Altsaxophon, das andere von einer Geige. Ich wollte es ein bisschen mehr so haben, ein bisschen wie die Solos, die ich mit Genesis in The Cinema Show oder Apocalypse in 9/8 gespielt habe, in dem Sinne, dass ein Instrument führt und der Hintergrund sozusagen etwas weniger wichtig ist. Ich hatte da ein Stück, von dem ich immer den Eindruck hatte, dass es mit einem Saxophon als Leitinstrument gut klingen würde; das war die ganze Zeit schon da. Das andere Stücke, bei dem die Geige soliert, war eher ein Hintergrund für irgendwas, ohne dass ich genau wusste, wofür. Es hätte wirklich in jede Richtung gehen können, es war wie ein schnelles Klavierstück; dann dachte ich mir aber, wenn es eine nette lebhafte Melodie obendrüber hätte, könnte es richtig gut funktionieren als ein Solostück für ein ziemlich schnelles Instrument. Der offensichtliche Verdächtige für schnelles Spielen in der klassischen Musik ist für mich die Geige, die auch so ausdrucksstark ist wie eine Gitarre. Dafür habe ich mich dann entschieden. Als ich erst mal ein paar kleine Stückchen geschrieben hatte, ging es recht einfach.

it: Was gibt es noch über das Album zu wissen?

Tony: Ich habe wieder mit einem Arrangeur gearbeitet, aber mit einem anderen. Ich glaube, einige der Stücke waren dieses Mal etwas weiter entwickelt, als sie zum Arrangement kamen, Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass die Titel … also, mir Titel für klassische Orchesterstücke auszudenken fällt mir schwer, weil das für mich einfach Musik ist. Aber die Stücke haben sich zu einer sehr natürlichen Vorstellung von einer einfachen Geschichte zusammengefunden, wobei die beiden Solostücke gewissermaßen Held und Heldin der Handlung sind, und die anderen Stücke Handlungsteile andeuten; das letzte Stück ist das dramatischste und auch der Zielpunkt, der Sinn der Geschichte. Ich finde, das funktioniert ziemlich gut. Aber es ist jetzt nichts, was vom Hörer verlangt, dass er darüber tiefgründig nachdenken soll.

2it: Wie bist du auf das Philharmonieorchester der Stadt Prag gekommen?

Tony: Nun, ich hätte es schon gerne in England probiert, zumindest mit dem London Philharmonic Orchestra – ich finde es nur unerschwinglich teuer, hierzulande Probezeit mit dem Orchester zu bekommen. Und viele Leute haben mir vorgeschlagen, dass man das gut in Prag machen könnte, insbesondere mit einer Gruppe von Musikern, die da von jemandem für alle Orchester in – naja, in der ganzen Tschechischen Republik zusammengestellt wird. Da bekommt man dann eben einige Leute, wie sie verfügbar sind und hat bestimmte zentrale Musiker, die die ganze Zeit über verfügbar sind. Ich muss ja auch ein wenig auf die Kosten schauen, also habe ich gesagt: Ich probiere das, weil ich mir vorstellen kann, dass ich mehr Zeit mit den Musikern bekomme und mehr Probenzeit und alles für deutlich weniger Geld, als ich hier in die Hand nehmen müsste. Solche Dinge wie ein Orchester zusammenzustellen und eine Aufnahme zu machen sind ziemlich zeit- und geldaufwendig, und man holt das nicht wieder rein, weil die Verkaufszahlen das nicht wettmachen. Das ist eben so. Also dachte ich mir „Halt es im Rahmen“. Wie sich herausstellte, hatte ich sogar mehr Zeit mit den Leuten als ich brauchte. Sie sind sehr schnell, sehr gut, offenbar auch gewohnt, mit Leuten wie mir zu arbeiten, und Probezeiten … Wir haben tatsächlich nur einen Tag geprobt, aber es hat unglaublich viel gebracht - vor allem was die Berichtigung der Partituren anging, damit man die ganzen offensichtlichen Fehler los wird und auch einige offensichtliche Themen beim Arrangement anpassen konnten. So konnten wir es uns dann noch einmal anhören und einen echten Eindruck gewinnen, von den Tempi und alle fanden… Als wir dann so weit waren, dass wir mit der Aufnahme anfangen konnten, waren wir schon halbwegs fertig. Manche, vor allem die langsameren Stücke, waren wirklich schnell erledigt.

it: Wird es Liveaufführungen deiner Musik von einem Orchester geben?

Tony: Nun, das ist etwas, das mir schon gefallen würde. Es gibt zwar momentan keine Pläne, aber wir haben schon darüber gesprochen. Könnte schon passieren, glaube ich. Es wäre schön, das zu tun. Vor allem dieses Stück. Seven auch, ich hatte mir schon vorgenommen, das zu machen, obwohl ich manches davon gerne vorher überarbeiten möchte. Jedenfalls ist das etwas, auf das mich verschiedene Leute angesprochen haben, und es könnte passieren. Ich möchte aber ein bisschen „abwarten und Tee trinken“ und sehen, wie das Album besprochen wird, wie es bei den Leuten ankommt. Dann sehen wir, wie es von dort aus weitergeht.

it: Peter Gabriel hat mit großem Erfolg seine Musik in Orchesterarrangements aufgenommen und ist damit auf Tour gegangen. Ray Wilson spielt bei seinem Genesis Classic-Programm mit einem Orchester…

Tony (versteht die Frage nicht richtig): Entschuldigung, wer war der zweite?

it: Ray Wilson.

Tony: Ah. Ahso. Das wusste ich gar nicht.

it: Er macht das schon eine ganze Weile, dass er Genesis-Stücke mit Orchester spielt. Kannst du dir etwas ähnliches vorstellen mit Musik von Genesis, vielleicht mit Mike und Phil zusammen?

3Tony: So etwas interessiert mich sehr viel weniger. Wie Peter es gemacht hat, waren es ja Orchesterarrangements für seine Stücke, und zwar hat er auf den klassischen Stil der Orchestermusik gezielt. Die Arrangements waren im Ganzen recht einfach. Was Ray macht, habe ich nicht gehört. Nicht besonders gefallen hat mir, was [überlegt] … dieser Typ … gemacht hat … die Genesis-Sinfonie-Sache … Tolga [Kashir]. Ich fand nicht, dass es den Stücken gerecht geworden ist. Ich glaube, man könnte es tun, wenn man es wollte. Die Stücke, die man dafür nehmen müsste, sind die viel verwickelteren. Ich würde da schon das Herz anrühren wollen und etwas Bedeutsames tun. Aber ich weiß nicht. Es ist alte Musik. Ob ich da noch mal rangehen möchte – ich weiß nicht. Manche Stücke bieten sich dafür an. Eins der Stücke, die Tolga aufgegriffen hat, was Mad Man Moon, aber davon hat er nur eine Minute verwendet, der Rest war seine eigene Musik. Das fand ich nicht so gut. Die eine Minute aus dem Stück klang gut. Das ist ein erstklassiger Kandidat für eine Orchesterversion. Ich war ziemlich begeistert und gespannt, als ich gesehen habe, dass er eine 12-Minuten-Version daraus gemacht hat. Ich fand, das könnte toll sein! [lacht] Und dann, muss ich sagen, war ich ziemlich enttäuscht. Es gibt Stücke, die sich ganz klar für eine Orchesterdarbietung anbieten, wie Firth Of Fifth, und andere Stücke, aber ich weiß nicht…. Ich weiß nicht, ob ich die … Man braucht dafür eine Menge Zeit, Energie und alles, und ich finde, dass das Musik ist, die … sehr gut in dem einen Medium funktioniert hat. Die gibt es schon. Wenn jemand anders sich daran machen will, von mir aus: Gerne. Ehrlich gesagt, fand ich, dass, bei dem, was ich von Peter gehört habe, wenig zum Original hinzugekommen ist. Ein Stück wie San Jacinto hat eine Bassgruppe, die von den Instrumenten, die er ursprünglich verwendet hat, so fantastisch – sowas kann man mit dem Orchester gar nicht hinbekommen. Es ist einfach etwas anderes. Ein anderer Zugang. Manchen gefällt’s, manchen nicht. Ich habe es nicht live gesehen, und ich habe mir sagen lassen, dass es live sehr, sehr gut war. Ich hätte es gerne gesehen, aber ich bin nicht dazu gekommen. Es ist jetzt auch nichts, das mir ganz besonders wichtig wäre. Die Verheiratung von Rock, Pop und klassischer Musik ist eine ziemlich turbulente Ehe. Ich wüsste jetzt kein Beispiel, wo sie besonders wirkmächtig gewesen wäre.

it: Was meinst du: War die Turn It On Again-Tour die letzte Aktivität von Genesis, oder könnte es noch eine Tour, ein Album geben?

Tony: Ihr seid vermutlich verpflichtet, jedem diese Frage zu stellen [lacht], und die Antwort ist ein ziemlich klares „Nein“. Von uns dreien, Mike, Phil und mir, liegt es vor allem an Phil als irgendwem sonst, der gewissermaßen das Gefühl hat, dass er das jetzt zum letzten Mal gemacht hat. Er hat ja einige Probleme mit seinem Arm und findet die Vorstellung, ein zehnminütiges Schlagzeugsolo zu spielen, vielleicht nicht mehr so attraktiv. Ich glaube, Mike und ich könnten möglicherweise überzeugbar sein, aber … nein. Ich glaube nicht, dass irgendwas mehr passieren wird, und ich glaube nicht, und kann mir auch vom Standpunkt einer Platteneinspielung nichts vorstellen. Ich denke, jeder ist ein wenig seiner eigenen Wege gegangen. Aber wie du weißt, schließe ich nichts aus. Wer weiß? Ich sehe Mike ziemlich oft und in der Richtung könnte alles mögliche passieren, aber in Richtung Phil sehe ich gar nichts passieren.

it: Wie sieht deine persönliche Zukunftsplanung aus?

coverTony: Erstmal habe ich natürlich dieses Projekt, das mich die nächsten zwei oder drei Monate lang beschäftigt halten wird. Vieles hängt davon ab, wie es aufgenommen wird. Ich habe im Laufe meines Lebens eine Menge Soloalben aufgenommen, wie du weißt, mit, ehrlich gesagt, sehr wenig Erfolg, und man muss sich dann jedes Mal erst wieder aufraffen, die Motivation zu finden, es nochmal zu tun. Ich weiß nicht recht. Ich möchte das schon gerne weiter tun, glaube ich, aber ich möchte auch nicht mehr länger versuchen, mit dem Kopf durch die Wand zu kommen. Denn jedes Mal wenn man das macht, durchläuft man diese Kette von Vorfreude und man wünscht sich, dass das Ergebnis gut ankommt, und dann ist die Enttäuschung jedes Mal ein ziemliches Ding. Ich sehe keinen besonderen Sinn mehr darin. Ich habe über die Jahre eine Menge Musik gemacht, mit der ich selbst sehr glücklich bin. A Curious Feeling: Als ich das gemacht habe, fand ich, das sei ziemlich die beste Musik, die ich jemals geschrieben habe, ob nun mit oder ohne Genesis. Das Album war ein mäßiger Erfolg, aber kein umwerfender. Und dann habe ich vor ein paar Jahren versucht, da noch einmal heranzugehen, aber das hat nicht wirklich funktioniert. Also, ich meine, das Album ist draußen, wenn es jemand hören will, darf er das gerne tun [lacht]. Davon mehr zu machen – ich weiß nicht. Es hängt einigermaßen davon ab, wie ich mich fühle. Ich mache gerne Musik, aber dieser ganze Aufnahmezirkus und ganz gewiss der ganze Zirkus mit der Werbung hintendran … Ich schreibe gerne Musik und ich mache gerne Musik. Auf den Rest kann ich verzichten. Und wenn das nicht zu einem großartigen Ergebnis führt, verliert man einigermaßen das Interesse.

it: Wie sieht es denn mit einem Best Of Tony Banks Solo-Album aus, um die Leute auf deine Musik neugierig zu machen?

Tony: Klingt vermarktbar. Was wir tun werden, worüber wir jedenfalls sprechen: Wir werden meine Webseite wieder aktivieren und könnten alle Alben dort verfügbar machen. Ich habe mir schon überlegt, eine Art Best Of zu machen, aber das ist schon eine einigermaßen schwierige Sache. Man macht damit Werbung bei Leuten, die davon wahrscheinlich sowieso schon wissen. Ich kam auf die Idee, weil ich es schön fände, ein Sampleralbum zu haben, auf dem die Sachen sind, die ich für die besten halte. Ich halte es für möglich, es könnte passieren. Es ist schwierig zu entscheiden, wie A Curious Feeling dort hineinpasst, weil ich nur sehr ungern Teile und Stücke aus dem Zusammenhang des Albums herausnehme. Es funktioniert in der Summe am besten. Also muss man überlegen: Dieses Album oder alles andere? Ich weiß es nicht. Ich denke darüber nach, aber ich sehe keinen tieferen Sinn darin außer dass ich eine schöne, ordentliche Methode habe, mit der ich sagen kann: „Also, das sind die Stücke, die du dir meiner Meinung nach anhören solltest“? Aber man kann ja heute nichts bewerben, um im Radio gespielt zu werden oder so, und darum … ich bin da etwas … weiß nicht.

it: Wie wäre es mit einer CD-Veröffentlichung von The Wicked Lady?

4Tony: Das werden wir ganz sicher machen, wenn wir alles machen – die Idee ist im Moment die, dass wir alle Alben herausbringen, also werden wir dieses Album mitnehmen, weil es verfügbar sein sollte. Es gibt schöne Sachen auf dem Album. Eigentlich ist es eine merkwürdige Mischung, denn die originale Platte hatte auf der einen Seite Demos, die ich für die originalen Stücke gemacht habe, und auf der anderen Seite waren natürlich die Orchesterversionen, darunter auch eine etwas peinliche Version mit Trommeln und so quer über das Hauptthema; das Stück wegzulassen ist eine ziemliche Versuchung für mich. Aber mir ist schon klar, dass ich Dresche bekomme, wenn ich das mache. Das Ganze aber… die ganze Suite ist so etwas, ein Beispiel, wie ich zuhause arbeite. Was ich wirklich mache, Sachen am Klavier zusammenzubauen, ein paar Stücke hier und da, um eine Vorstellung zu bekommen, wie es alles klingen könnte. The Wicked Lady war ein schönes Erlebnis, als ich daran gearbeitet habe. Ich war damals nur sehr gehetzt, weil ich zur selben Zeit an [dem Soundtrack für] The Fugitive gearbeitet habe und vielleicht mehr Zeit darauf verwendet habe. Und ich habe mich damals ziemlich stark auf Christopher Palmer, den Arrangeur, gestützt, als er dazu kam, und ehrlich gesagt hat er bei ein oder zwei Stücken der Orchesterversion auch ein paar thematische Stücke geschrieben, so dass The Wicked Lady nicht so hundertprozentig meins ist wie alles andere...

it: Dann lass mich aber dir und deinem neuen Album alles Gute und viel Glück wünschen…

Tony: Ich hoffe, dir gefällt das Album, wenn du es komplett hörst. Ich bin sehr glücklich darüber. Die Reaktionen waren bisher sehr gut, aber das ist oft so, bevor das Album erscheint, darum hoffe ich, dass es euch gefällt.

it: Tony, wir danken für das Gespräch.

Tony: Ich bedanke mich.


Interview: Helmut Janisch

Transkription und Übersetzung: Martin Klinkhardt

Tony Banks


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