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Bankstatement (1989)

Tony Banks geht mit einer Zweitband an den Start


Veröffentlicht im August 1989 auf Virgin/Atlantic Records, Gesamtspielzeit (CD-Fassung) 53:07

Tony Banks war nach Steve Hackett das zweite Genesis-Mitglied, das eine Solokarriere begann. Nachdem A Curious Feeling (1979) mit einem Leadsänger und The Fugitive (1983) mit Banks selbst als einzigem Leadsänger mehr oder minder gefloppt waren, lag sein Fokus zwischenzeitlich stärker auf Filmmusiken. 1988 begannen dann die Aufnahmen zu einem neuen Album, bei dem Banks dem Beispiel seines Genesis-Bandkollegen folgte und statt unter eigenem Namen als Solokünstler zu operieren, eine (Quasi-)Bandformation unter dem Namen Bankstatement aufbot. Michael Rutherford hatte einen kleinen Hinweis auf seine Person im Bandnamen Mike & The Mechanics untergebracht, nun versuchte Banks es auf dieselbe Weise, wobei man sich fragen kann, ob die Namenswahl gelungen war. Bankstatement bedeutet auf Deutsch Kontoauszug (ein Schelm, wer dabei Böses denkt!), man könnte es aber auch als Banks’ Statement lesen, also nach dem Motto: Tony Banks liefert ein musikalisches Statement ab!


CoverDas im August 1989 veröffentlichte Album wurde von Tony Banks gemeinsam mit niemand geringerem als Steve Hillage, einem Prog- und Psychedelic-Guru der 70er Jahre, produziert. Hillage, durch seine Zusammenarbeit mit Gong bekannt und mit dem legendären, ziemlich abgefahrenen Album “L” von 1976 noch in Erinnerung, war mittlerweile eher zum Produzentenjob gewechselt und steuerte auf dieser Platte einige Gitarrenparts bei. Es handelt sich beim selbstbetitelten Debütalbum (das aber auch das einzige dieser “Formation” blieb) um ein soundtechnisch gut produziertes Popalbum mit kaum Ecken und Kanten. Alle Songs wurden von Tony Banks geschrieben.

Den Kern der “Formation” Bankstatement bildeten die drei Leadsänger des Albums: Alistair Gordon, Jayney Klimek und Tony Banks himself. Wo Bankstatement (der Bandname wurde teilweise auch als Bank Statement geschrieben) auftrat, waren diese drei das optische Erscheinungsbild, so auf dem Album-Backcover, im Video zu Throwback oder bei Fernsehauftritten (etwa mit I’ll Be Waiting im britischen Frühstücksfernsehen!). Unter den weiteren Musikern finden sich so herausragende Session-Musiker wie Pino Palladino am Bass oder die von Gary Barnacle am Saxofon angeführten Phantom Horns.


Throwback 4:39

Der erste Track beginnt mit einer Blechbläser-Fanfare – na, ist das das “Statement”?! Hier werden die eben erwähnten Phantom Horns (ein einziges Mal) aufgeboten, die Tony Banks mit zusätzlichen Synthesizer-Brass-Sounds unterstützen zu müssen meint. Phil Collins’ massiver Einsatz von Blechbläsern lässt grüßen, das passt aber durchaus zu diesem Midtempo-Song, der insgesamt klanglich wie kompositorisch zu überzeugen. Alistair Gordon macht am Anfang eine recht gute stimmliche Figur, bleibt aber emotional die gesamte Zeit auf derselben Sparflamme hängen – da wäre mehr dringewesen. Der Song ist recht traditionell strukturiert, doch die Performance stimmt, an einigen Stellen könnte man an Home By The Sea oder auch an I Missed Again erinnert sein. Der Text ist ein wenig pessimistisch, wenn sich der Ich-Erzähler als etwas defätistischer Außenseiter, als personifizierten Rückschlag (throwback) darstellt, der im Leben nicht zurechtkommt. Rechte Spannung kommt bei dem Song nicht auf, alles bleibt auf dem einmal eingeschlagenen Pfad, Tempo und Rhythmus bleiben bis zum Ende gleich. Aber ein ordentlicher Anfang und eine Single, die sicherlich Radiopotenzial hatte.


I'll Be Waiting 5:56

Es folgt ein Sample-Röchel-Chor allererster 80er-Jahre Güte (ächz), untermalt von einem ebenfalls zeittypisch klingenden Drum-Computer-Rhythmus. Alistair Gordons Stimme passt zu dieser zuckersüßklebrigen Ballade, im Refrain kommt Kollegin Klimek wiederum bei den Backing Vocals zur Hilfe. Kurz lässt Tony Banks seinen heiß geliebten Yamaha CP-70 E-Flügel auch mal ans Werk, im Refrain gibt es Sounds, die einem von Tonight Tonight Tonight bekannt vorkommen. Der Song plätschert bis auf einen kurzen Zwischenteil im selben Fahrwasser weiter und hat angesichts dieser fehlenden Abwechslung deutliche Überlänge, weil er eigentlich zu wenig Überraschungen zu bieten hat.


Queen Of Darkness 4:26

Jetzt geht’s aber zur Sache! Mit Lyrics versehen, geht hier im Grunde nichts anderes als eine Vokalfassung des Tracks Lorca aus der Redwing Suite an den Start, die Banks für die Filmmusik zu Lorca and the Outlaws komponiert hatte (auf dem Sampler Soundtracks erschienen). Allerdings gehen die Musiker hier mit nochmal mehr Power ans Werk und Jayney Klimek hat das passende Timbre für diesen auch vom Songtext her recht düsteren Track. Endlich macht auch das Schlagzeug ordentlich Druck, es fehlen eigentlich nur ein paar ordentliche verzerrte Gitarren und das wäre ein richtiger Rocksong. Einer der stimmigsten Titel, der durch eine dramatische Steigerung in der Mitte nochmal etwas dramatischer wirkt als das bisher Gehörte.


That Night 4:41

Und wieder geht es ins Balladenfach! Wieder haucht ein für die 80er typischer Banks-Sound. Man will den Song schon abhaken, dann wird alles zurückgefahren auf Alistair Gordons hier zerbrechlich wirkende Stimme, ein Tambourin und das CP70-Piano. Nach dieser intimen Strophe spült fast schon Genesis-artiger Bombast über uns und Jayney Klimek spendet mit ihrem zart gesungenen Refrain Trost. In diesem Song zahlt sich die Kombination von männlicher und weiblicher Stimme voll aus, weil so die Aussage des Textes (“rest your weary head with mine, I’ll take you through the night...”) erst richtig transportiert werden kann. Von daher erinnert der Track inhaltlich, nicht musikalisch, durchaus an Peter Gabriels Duett mit Kate Bush in Don’t Give Up. Ein Song, in dem die Frau dem zerbrochenen Mann Mut macht. Als dann gegen Ende die beiden Stimme verschmelzen, kann man diesem Kitsch durchaus etwas abgewinnen.


Raincloud 4:40

Es folgt eines der harmlosen Pop-Liedchen, für die Banks im Laufe seiner Karriere auch bekannt wurde. Im Prinzip ist die Aussage gar nicht so unähnlich wie im vorangehenden Track. Es kann zwar private Regenwolken geben, aber man soll den Kopf nicht hängen lassen. Tja. Tony Banks greift zu einem sehr merkwürdig geratenen Sample-Gitarren-Sound, einige Akkordwechsel und der Einsatz der Keyboard-Sounds lassen wieder an sein Wirken bei Genesis erinnern. Immerhin bringt die erst beim zweiten Hinhören stärker auffallende Percussion-Arbeit etwas Farbe in den Song.


BankstatementThe Border 5:52

Wenn sich auf diesem Pop-Album irgendwo doch Ansätze von Prog-Rock finden lassen, dann am ehesten in diesem massiven Track, der seinerzeit die zweite Seite der LP oder MC eröffnete. Als solcher machte er überaus Sinn. Synthesizer-Arpeggien und wuchtige Piano-Bass-Töne und Alistair Gordons Stimme setzen gleich zu Beginn einen dramatischen Ton, ehe wieder eine dieser Soundwalls, die wir auch von Genesis kennen, über uns hereinbricht. Hier gibt es weitaus mehr Abwechslung, selbst wenn das Muster eigentlich nur mehrmals durchgespielt wird, hält es viele Wechsel in Rhythmus und Dynamik parat. Hier wird einem nicht so schnell langweilig. Was allerdings doch auffällt, sind die stimmlichen Begrenzungen Gordons, der zwar durchaus Gefühl in seine Performance legen kann, aber dann doch über wenig Steigerungs- oder Nuancierungsmöglichkeiten verfügt. Egal – für mich der Top-Track des Albums, der eigentlich nah an dem Genesis-typischen Poprock-Prog der 80er und 90er Jahre ist. Und endlich mal kein Fadeout!


Big Man 4:16

In diesem Song schreitet Mister Banks dann wieder mal persönlich als Sänger zur Tat. Erst einmal wähnt man sich aber in einer irgendwie ausgeleierten Version vom Endteil zu The Musical Box. Ein mellotronartiger Sound leitet uns auf eine falsche Fährte, denn nun folgt ein irgendwie merkwürdig flacher Popsong, der zwar einen recht zackigen Rhythmus hat, aber eine an keiner Stelle funktionierende Melodie. Zwar kann Banks bestimmte Lieder durchaus gut singen, aber hier wirkt es einfach so, als musste sich die Gesangslinie seinem geringen Tonumfang anpassen. Und wieder muss Banks zur unsäglichen Synthesizer-Gitarre greifen! Schade.


A House Needs A Roof 4:07

Und die Synthie- oder Sample-Gitarre leitet auch den nächsten Song ein, bei dem es sich um gradlinigen Pop handelt. Jayney Klimek müht sich hier redlich ab, kann aber aus der erneut an Überraschungen armen Komposition nicht mehr herauskitzeln als ein nettes Poplied. Man fragt sich, warum Tony Banks, der grandiose Prog-Großtaten vollbracht hat, sich mit einem so einfach strukturierten Song zufrieden gibt. Erstmals gibt es so etwas wie ein kurzes “Keyboard-Solo”, wobei dieses mit einem wenig distinkten Sound im Echo verschwindet. Ein Lied, das man sehr gut nebenher hören kann, weil es nicht weiter stört.


The More I Hide It 4:30

Der meiner Meinung nach beste und emotionalste Popsong der gesamten Platte. Ein eigentlich sehr einfaches Piano-Riff und eine intime Instrumentierung zu Beginn lassen hier wieder die Stimme von Alistair Gordon zur Geltung kommen. Als dann die volle Band einsteigt, ist dies die logische klangliche Steigerung des Anfangs, der Übergang zum 1. Refrain ist klassisch. Textlich sind wir hier auf dem Terrain des enttäuschten Lovers, der einer nicht erreichten Liebe, die ihn nicht versteht, hinterher weint. Das kommt aber irgendwie gut rüber, man nimmt Gordon den Liebeskummer durchaus ab und dann kommt vor dem 2. Refrain die Überraschung: ein kurzes Stück Solosaxofon. Dieser Track ist ein gutes Beispiel, dass eine an sich gar nicht so revolutionäre Songstruktur dennoch Unterhaltung und Abwechslung bringt, das kurze Innehalten vor dem zweiten Refrain, allein, dass es zwei Refrains gibt und die gelungene Ausführung zeigen es: Simpel muss nicht schlecht sein.


Diamonds Aren't So Hard (CD bonus track) 5:12

CD-Bonus-Tracks! Ja, das gab es mal, als nicht alles auf die LP passen wollte und vor allem, um zum Kauf des damals immer noch recht neuartigen Tonträgers zu animieren. Meine erste Version von Bankstatement war damals die LP-Version, daher habe ich diesen Song erst später kennen gelernt. Ein weiterer aus dem Lager der absurd naiv anmutender Harmlos-Songs aus Banks’scher Feder, aber dennoch einer der interessanteren. Die Rhythmuswechsel machen hier einiges aus, auch wenn alles im braven 4/4-Takt bleibt. Und dann noch ein kleines Saxofon-Solo – nett.

Allerdings wünsche ich mir insgeheim, aber ich bin mir nicht sicher, dass Banks mit dem Text eigentlich eine Parodie beabsichtigte (oder doch nicht?): “Come with me//Where dragons rule the air//And diamonds aren't so hard to find//And come what may//Heroes never fail//And time stands still//No matter if you're young or old”...


Thursday The Twelfth 4:48

Zum Schluss ein Instrumental – da lassen Genesis-Traditionen grüßen. Hier kommt so etwas wie Tony Banks’ Version von Led Zeppelins legendärem Track Kashmir dabei heraus. Darauf deuten jedenfalls das mächtige, durchaus nach Bonham oder wahlweise Collins klingende Schlagzeug und die orientalisch anmutenden Streichersounds hin. Und es gibt mal eine echte E-Gitarre, na sowas! Allerdings darf die nicht allzu stark zu Werke gehen, weil wie bei Banks üblich die Keyboards regieren. Myriadenhaft sich rankende Streicherlinien werden von Akkordblöcken abgelöst. Am Ende gibt es fast so etwas wie eine Hookline. Die Schlagzeugfills und die Keyboardsounds lassen einen unweigerlich an die Arbeit mit den Kollegen bei Genesis denken, gerade nochmal das Ende des langsam ausklingenden Tracks. Nicht Tony Banks’ bestes Instrumentalstück, aber auch nicht sein schlechtestes.


Das Fazit ist durchwachsen. Die Platte hat einige Glanzpunkte zu bieten, allen voran sicherlich The Border und The More I Hide It. Es bleiben einige recht gute und einige mittelmäßige Songs. Zu oft verlässt sich Banks in seinen Kompositionen auf die immer wiederkehrende Struktur und teilweise wirklich flache Lyrics. Der Sound ist noch stark von den 80er Jahren geprägt, doch merkt man etwa am Schlagzeug-Klang, dass die Platte eher schon Ende des Jahrzehnts aufgenommen ist. Es sind einige radiotaugliche Tracks dabei, wie Throwback oder That Night. Mit dem Video von Throwback samt dazugehöriger Home Story war Banks sogar in der seinerzeit beliebten TV-Musikshow “Formel Eins” vertreten. Einige Tracks hätten durchaus mehr Beachtung verdient, allerdings ist das Bandkonzept auch nur halbherzig umgesetzt. Eine echte Band ist bei Bankstatement nicht herausgekommen, was man auch daran sehen kann, dass die nächste Soloplatte (denn eigentlich ist Bankstatement nichts anderes) wieder unter Tony Banks’ eigenem Namen erschien, obwohl das Konzept auf Still sich von dem auf Bankstatement gar nicht so sehr unterschied.

Woran es der Platte letztlich mangelt, ist ein größerer Abwechslungsreichtum und auch an wirklich länger hängen bleibenden Melodien. Vieles bleibt zu beliebig und man könnte etwas böswillig sagen, dass spannendere Tracks wie The Border oder Thursday The Twelfth eigentlich gar nicht auf das Album passten. Zumindest wenn man vermuten darf, dass aufgrund der mehrheitlich im Pop-Lager angesiedelten Songs das Ziel eigentlich die Single-Charts waren. Auch wenn Gordon den Großteil der Lead Vocals schultert, könnte doch das (an sich reizvolle) Wechseln der Stimmen und die gewisse Unklarheit darüber, wer denn jetzt der “Bandleader” sein sollte, zur fehlenden Identifizierbarkeit von Bankstatement beigetragen haben.


Autor: Jan Hecker-Stampehl


Tony Banks


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