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Kommentar zum vorerst letzten Konzert von Phil Collins in Deutschland - von Christian Gerhardts


Deutschland und Phil Collins – das ist eine besondere Beziehung. Mit …But Seriously und We Can’t Dance (mit Genesis) gelang ihm als einzigem das Kunststück, gleich zwei Alben jeweils über drei Millionen Mal zu verkaufen. Zudem wurde Both Sides 1993 das Album, welches sich am schnellsten in den ersten vier Wochen verkaufte. Und als ob das nicht genug wäre, stellten 240.000 Zuschauer bei vier Konzerten im Niedersachsenstadion in Hannover im September 1994 gleich noch einen Rekord auf. Er war so unerträglich erfolgreich. Another Day In Paradise lief so unerträglich oft im Radio. Und dass er nun keine Tour mehr machen will und in einem unerträglich großen Stadion „Auf Wiedersehn Deutschland“ sagt, ist auch unerträglich.

We Wait and we wonder - by Matthias Fengler„It’s still my First Farewell Tour“ flachste er am ersten Abend in der Düsseldorfer LTU-Arena. Bereits im letzten Jahr hatte er "servus" gesagt aber kam nun doch noch mal her. Dubai, New York, Mailand, Tallinn, Montreal, London, Beirut, Berlin, Moskau. Bisher schaffte es Phil bei seiner Farewell Tour um die halbe Welt. Jedes Mal war ein Stück Wehmut im Spiel. Jedes Mal betonte er „this is my last tour“, jedes Mal gab es dafür Pfiffe. In Deutschland verkauften sich die Tickets am schnellsten, jeder wollte hin, keiner wollte es verpassen, wenn der singende Schlagzeuger alles platt trommelt und im nächsten Moment alles niederschnulzt. Da war es egal, dass die Tickets im Vergleich zu seiner letzten Tournee doppelt so teuer waren. Es war egal, dass man im Stadion klatschnass werden kann. Es war egal, dass man am Ende hundert Meter weit weg von der Bühne sein kann. Es war egal, dass sein jüngstes Album Testify viele Erwartungen nicht erfüllen konnte. Und alle, die ihn 2004 aus 100 Metern Entfernung sahen und dabei klatschnass wurden, erhielten unverhofft 2005 zwei neue Chancen. Für die überdachte LTU-Arena, die ja ein Fußball-Stadion in der Stadt eines Drittligisten ist, musste man ggf. im Tausch für’s Trockenbleiben hunderte von Kilometern fahren. Aber das war egal. Draußen vor dem Stadion musste man frierend warten. Auch das war egal. Man hatte eigentlich keine Chance mehr, ihn nochmals zu sehen und dann kam er doch noch mal. Deutschland war und ist Phil Collins nicht egal.

Düsseldorf erlebte zwei Konzerte, viele Besucher waren zwei Mal da, zum ersten vorletzten und zum ersten letzten Mal. Finally….the first Düsseldorf shows quasi. Die meisten Menschen im Publikum haben den Wortwitz seiner First Final Farewell Tour nicht oder falsch verstanden – dass er es ernst meint…nein, das kann nicht sein, 2004 hatte er auch gesagt, ich komm nicht mehr und da kommt er schon wieder auf die Bühne und trommelt sich die Seele aus dem Leib.

Gemäkelt wurde viel in Fankreisen. Greatest Hits Set, wenig improvisiert, wenig Änderungen von Abend zu Abend. Gekommen sind sie doch alle. Die Show unterschied sich nur in wenigen Details von 2004, zwei neue Songs sorgten für ordentlich Stimmung. Zum einen Invisible Touch, mit Bläsern, mit dem Phil seine Genesis-Zeit zumindest etwas huldigen wollte. Highlight aber wurde We Wait And We Wonder. Jenes Lied, das er einst aus Protest gegen die Aktionen der IRA schrieb und sich damit Morddrohungen einhandelte. Die IRA ist Geschichte, und für Phil dürfte es eine besondere Sache werden, den Song im Rahmen der Tour in Belfast zu spielen. Am Ende des Songs streckte Phil die Faust in die Höhe und es sah irgendwie so aus wie Peter Gabriel bei Biko. Seinen Ex-Kollegen trifft Phil demnächst, um das Thema Reunion zu besprechen. Nun denn, We Wait And We Wonder.

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In Düsseldorf zeigten sich Phil und seine Band von ihrer besten Seite. Es passierte etwas, das bei Konzerten sehr selten passiert. Die extrem gute Stimmung auf den Rängen fusionierte mit der überdurchschnittlichen Leidenschaft der Musiker auf der Bühne. Insbesondere am letzten Abend steckte Phil eine besondere Portion Emotion in seine Performance. So viel, dass er am Ende kaum gegen seine Tränen ankämpfen konnte, als er sich von Deutschland verabschiedete. „Germany, I’ve always loved you, you know that“ – das sagte er am ersten Abend. Am zweiten Abend aber zitterte seine Stimme: “this is the last leg of the last tour and this is the last show in Germany – thank you to all of you in Germany, not just you here tonight but all of you for the last 30, 35 years for your support” und schob mit angestrengter Stimme hinterher, dass er in absehbarer Zeit in Deutschland kein Konzert mehr mit dieser Band spielen wird. Und dann spielte Phil Collins Always, was er 2005 noch bei keinem Konzert getan hatte. Es war egal, dass er sich beim Text verhaspelte, es war egal, dass man sich stundenlang die Beine in den Bauch gestanden hatte und es war egal, dass die Arena viel zu groß für ein Rock-Konzert ist. Zwei unglaubliche Shows haben das alles egalisiert. Am 13.11.2005 spielte Phil vielleicht sogar sein bestes Konzert auf deutschem Boden. Phils letzten Worte nach Take Me Home fassen wohl seine Beziehung zu Deutschland am besten zusammen: „Ich Liebe Dich“.


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