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Calling Nir Z's Station - Interview mit Nir Z.

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it: Es ist allgemein bekannt, in welchem Land du geboren bist. Aber die wenigsten wissen, wann du zur Welt gekommen bist?

Nir Z: Das war im November 1967.


it: Ursprünglich kommst du aus Israel, aber du wohnst jetzt in New York. Was war der Grund, Israel zu verlassen und nach New York zu ziehen?

Nir Z: Ich bin schon sehr früh Berufsmusiker geworden, und ich fand, es wäre es eine wichtige Erfahrung, mein Glück in New York zu versuchen. Der Ort hat mich schon immer angezogen und so bin ich halt dorthin gegangen. Ich war schon fast 25, als ich Israel verlassen habe. Wenn ich jetzt schildern sollte, was ich all die Jahre hier gemacht habe, na, das wäre wirklich schwierig. Es ist viel Zeit vergangen. Jedenfalls war es die richtige Entscheidung und die Musik war der Hauptgrund. Ich wusste, dass ich in New York viel mehr Möglichkeiten hatte als in Israel, mit mehr Leuten arbeiten, von all den großartigen Musikern lernen und verschiedene Musikrichtungen ausprobieren konnte. So war das einfach.


it: Seit ein paar Jahren hast du in New York deine eigenen Studios. Was gefällt dir als Musiker besser – in einer Band zu sein oder als Studiodrummer zu arbeiten?

Nir Z: Ich mag beides. Es macht mir Spaß, live mit anderen zusammen zu spielen, aber die Arbeit im Studio gefällt mir auch. Dass ich in den letzten Jahren mehr Zeit im Studio verbracht habe, liegt einfach daran, dass ich mehr zu tun habe. Wenn du als Tourmusiker in einer Band spielt, ist das etwas ganz anderes als wenn man Teil eines kreativen Prozesses im Studio ist. Ich produziere und schreibe ja auch Musik. Im Studio kann man da viel mehr abdecken als live. Umgekehrt gibt es natürlich nichts, was so ist, wie live vor einem Publikum zu spielen; das fehlt mir schon sehr. Aber momentan mag ich lieber im Studio arbeiten und mit Musik experimentieren... Aus der ganzen Welt bekomme ich Musik von Leuten, für die ich Schlagzeug spielen soll. Das ist faszinierend, weil man immer wieder etwas neues entdeckt und neue Ideen bekommt. Als Studiomusiker habe ich, glaube ich, im Moment mehr zu geben als wenn ich einer Band mitspielen würde.


it: Dein Studio funktioniert also so, dass du Material von überall bekommst und dann dafür Schlagzeug spielst...?

Nir Z: Ja, manche Leute schicken mir die Musik, aber es gibt auch viele, die hier in New York ins Studio kommen; mal so, mal so. Ich spiele ja nicht nur Schlagzeug für sie, sondern produziere ihnen auch Demos, erledige die Vorproduktion und solche Sachen. Der technische Fortschritt erlaubt es uns heute, Musik quasi mit der Fernbedienung zu machen; eine tolle Sache! Allein schon was wir mit Ray auf seiner neuen Stiltskinscheibe gemacht haben.


it: Zu Stiltskin haben wir auch noch ein paar Fragen. Zunächst würden wir aber gerne erfahren, was du in den letzten zehn Jahren so gemacht hat, angefangen mit Genesis. Wie gut kannstest du ihre Musik, bevor du bei ihnen gespielt hast?

Nir Z: Oh, damit war ich eigentlich kaum vertraut. Ich war kein zweihunderprozentiger Fan, aber Genesis waren eigentlich immer da, und ich habe die Band auch immer gemocht. Ich habe Respekt für sie. Aber ich habe mir nie gesagt, „oh, das möchte ich machen“ und ich habe es auch nicht darauf angelegt, ihre Musik zu spielen, geschweige denn mit ihnen. Sie gehörten zu meiner musikalischen Bildung. Und dann passierte es und es war eine ganz besondere Erfahrung, wirklich großartig. Als Musiker habe ich mich dort weiterentwickeln können, und es hat mich wohl auch eine Stufe höhergebracht.


it: Seit du auf dem Album und der Tour zu Calling All Stations gespielt hat, sind inzwischen fast zehn Jahre vergangen. Wenn du zurückblickst, siehst du heute manches anders als damals?

Nir Z: Natürlich. Heute sehe ich alles viel objektiver als ich das damals konnte. Aber es war sehr wichtig für mich und ich möchte, dass die Leute meine Zeit in Genesis als ein gutes, positives Erlebnis wahrnehmen. Um aber ganz ehrlich zu sein, kam es dann auch mal soweit, dass ich es sehr ermüdend fand. Das lag an den ganzen Diskussionen. Ray Wilson und ich mussten eine gewaltige Lücke füllen: Da ist diese legendäre Band mit einer Geschichte, die schon dreißig Jahre zurückgeht, und wir springen sozusagen einfach hinein ins Geschehen. Damals haben wir es so gut wie möglich gemacht. Aber ich fürchte, wir haben keine Chance bekommen, unsere Rolle zu entwickeln, den Sprung auf die nächste Ebene zu schaffen. Erst ganz am Ende der Calling All Stations-Tour, da kam der Moment, an dem wir uns wirklich wie eine Band fühlten. Und ich dachte „Wow, jetzt sollten wir ins Studio gehen und ein neues Album aufnehmen, das wäre cool". Aber das geschah nicht. Natürlich war ich am Ende enttäuscht, aber es ist halt passiert und da muss man halt durch. Wir mussten eine Menge Druck aushalten. Alle möglichen Leute kamen und analysierten die „neue Band“ – aber das waren doch nur ein Album und drei Monate Tour. Das mussten wir akzeptieren und fertig. Ich ziehe es vor, diese Zeit als eine gute Erfahrung anzunehmen. Wir waren an einem großartigen Projekt beteiligt, über das wir aber keinerlei Kontrolle hatten.

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Calling All Stations war ein großartiges Projekt,

aber keines, über das wir irgendeine Kontrolle hatten


it: Weil wir gerade von der Tour sprechen – war es schwer, die Teile zu spielen, für die Phil Collins so berühmt war, zum Beispiel das doppelte Schlagzeug bei Firth Of Fifth mit Chester Thompson?

Nir Z: Ganz einfach war es natürlich nicht. Ich habe mich bemüht meine eigenen Vorstellungen, meinen Stil einzubringen und trotzdem den typischen Genesis-Schlagzeugsound beizubehalten – das ist ja eben Phil Collins. Wenn ich mir das heute anhöre, bin ich ganz zufrieden mit meiner Arbeit. Es ist aber auch eine Frage der Zeit. Je öfter man sie spielt, desto besser kann man seine eigenen Vorstellungen bei den Stücken umsetzen. Mike und Tony haben mir da sehr viel Freiraum gelassen, muss ich sagen. Ich hatte immer die Möglichkeit, es auf meine Art zu tun. Insofern gab das auch nie ein Problem, weil es mir sehr leicht gefallen ist. Insgesamt war das wohl die müheloseste unter all den Erfahrungen mit der Band. Natürlich vergleichen mich immer alle mit Phil Collins. Das finde ich merkwürdig, weil man da Äpfel mit Birnen vergleicht wie z.B auch Ray Wilson mit Peter Gabriel. Es ist einfach jemand Neues.


it: Bist du Phil Collins und Chester Thompson schonmal begegnet?

Nir Z: Ja, Phil habe ich bei der Weihnachtsfeier von Hit & Run in England getroffen. Das war toll, Phil hat mir sehr den Rücken gestärkt. Nach dem, was ich gehört habe, hat ihm das Schlagzeug auf Calling All Stations sehr gut gefallen. Chester habe ich auf der Namm-Show in Los Angeles getroffen, ein sehr netter Mensch.


it: Als Dave Negrin dich 2001 für worldofgenesis.com interviewt hat, hast du gesagt, dass du gerne wieder mit Mike oder Tony bei ihren Soloprojekten spielen würdest. Gab es da mal Gespräche, dass du auf ihren Solowerken mitspielst?

Nir Z: Ich kann mich nicht erinnern, dass wir darüber mal gesprochen haben. Mit mir hat keiner von beiden über irgendein besonderes Projekt gesprochen. Ich sag’s mal so: Sie wissen, wo sie mich finden können [lacht]. Sie haben noch nicht angerufen und gefragt, ob ich mich auf irgendein Soloprojekt einlassen würde.


it: Sie tun ja auch nicht gerade viel dieser Tage.

Nir Z: Darüber wisst ihr besser Bescheid als ich. Ich habe keine Ahnung, was sie tun.


it: Wirst du in Interviews oft nach deiner Zeit in Genesis gefragt?

Nir Z: Kommt ganz darauf an, wo ich bin. In Europa wurde es mehr wahrgenommen als in den USA, weil wir ja in Europa auf Tournee waren. Und wie ihr wisst, war das Album in den Staaten nicht so erfolgreich und deshalb haben wir dort auch keine Konzerte gegeben. Deshalb kommt es nicht oft vor, dass ich in der Kategorie „Genesis“ lande. Die Leute wissen, dass ich bei Genesis gespielt habe, aber das ist nicht so wichtig.

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Wenn man am Ende von der Bühne geht und merkt,

dass man 25 Leute in dem Club glücklich gemacht hat,

dann ist das genauso gut

wie wenn man 30.000 im Stadion glücklich macht.


it: Nachdem die Zeit bei Genesis um war, hast du mit Ray Wilson weitergearbeitet und warst auf jedem Soloprojekt von ihm vertreten. Mit Cut habt ihr vor 90 Leuten in Clubs gespielt, aber auch vor 60000 im Stadion als Vorgruppe von Westernhagen, oder vor 10000 als Vorgruppe der Scorpions. Wenn du diese drei Kategorien von Cut-Auftritten vergleichst, woran erinnerst du dich da?

Nir Z: Mir haben alle drei gefallen. Die Atmosphäre ist eben bei jeder Show anders. Man kann vor fünfzig Leuten spielen und eine Menge Spaß haben und den habe ich gehabt. In kleinen Clubs ist es der intensive Kontakt zum Publikum. Man sieht einander in die Augen und bekommt sofort die Reaktion, wie auf einer Party. In einem Stadion ist das ganz anders, aber genauso aufregend, wenn man zehn-, zwanzig- oder dreißigtausend Leute beobachtet. Der persönliche Kontakt ist da natürlich nicht gegeben; von meinem Blickwinkel hinterm Schlagzeug aus sehe ich nur ein Meer aus Menschen [lacht]. Aber Spaß machen tut es alles, wenn auch eben anders. Es gibt Situationen, da spielen die großartigsten Musiker in einem Club vor 20 Leuten und haben jede Menge Spaß. Es geht ja gar nicht immer um die Show, sondern es geht um die Musik und die Seele. Wenn man am Ende von der Bühne geht und merkt, dass man 25 Leute in dem Club glücklich gemacht hat, dann ist das genauso gut wie wenn man 30.000 im Stadion glücklich macht.


it: Als das Projekt Cut zu Ende ging, hast du begonnen, mehr als Studiomusiker als live zu spielen. Hat sich das zufällig so ergeben oder hast du dich bewusst entschieden?

Nir Z: Manche Dinge kann man planen, aber die volle Kontrolle hat man nicht immer. Ich hätte es toll gefunden, wenn wir damals mit Genesis hätten weitermachen können. Ich wollte Teil eines kreativen Ganzen sein, von einer richtigen Band. Ich wollte mit ihnen die nächste Ebene erreichen. Mit Genesis kam es nicht soweit, und irgendwie auch nicht mit Cut. Aber ich habe mich nach Genesis Cut angeschlossen, weil ich die Hoffnung hatte, dass die Band es schaffen würde – ich sah großes Potential. Dann wurde es nichts und ich ging wieder heim. Und ich musste weiter tun, was ich tat, also habe ich weiter im Studio gearbeitet. So kam das eigentlich. Manchmal schwimmt man eben mit dem Strom. Das war eben meine Richtung oder mein Schicksal, wenn man will. Und als Musiker kommt man auch an einen Punkt, an dem man sagt, okay, ich bin nicht mehr 22 und auch nicht mehr 25. Allmählich kann ich nicht einfach weiter abwarten, dass etwas passiert. Also habe ich mich mehr auf Studioarbeit konzentriert. Und das mache ich jetzt und gebe für jedes Projekt 100 Prozent, als wäre es mein eigenes Ding.


it: Du hast auf allen Soloalben von Ray gespielt, und auch auf SHE. In der letzten Woche haben wir Ray Wilson vor seinem Auftritt in einem Club in Heiligenhaus (bei Essen) gesprochen. Er hat uns erzählt, im Moment könne er es sich schlichtweg nicht leisten, dich für die Band zu verpflichten. Würdest du trotzdem wieder in seiner Band spielen?
Nir Z: Lasst mich das mal ganz klarstellen. Ray Wilson ist wahrscheinlich einer der besten lebenden Sänger. Das ist meine tiefempfundene Überzeugung. Ich habe mich immer gefreut, mit ihm zu spielen. Ich glaube, gemeinsam können wir beide etwas richtig großartiges zustandebringen, was nur passiert, wenn wir zusammenspielen. Das liegt daran, wie wir musikalisch aufeinander reagieren. Natürlich würde ich jederzeit gerne mit Ray spielen! Aber dann gibt es noch diese ganzen finanziellen Angelegenheiten – wie dass er sich mich nicht leisten kann und so. Wir haben alle gewisse Verpflichtungen und Verantwortungen; als Ray seine erste Soloplatte aufnahm, kam er nach New York, und ich war für ihn da und habe ihm geholfen, wo ich konnte. Ich habe die Aufnahme für ihn kostenlos gemacht! Das macht man nicht mal einfach so. Und ich bin froh, dass ich das tun konnte.
New York City ist eine sehr teure Stadt; und ich habe eine Frau und ein Kind. Wenn ich also auf Tour gehe, gibt es gewisse Mindestanforderungen... Wer weiß? Vielleicht spielen wir eines Tages mal wieder zusammen. Ich würde mich freuen, wieder in seiner Band zu sein. Und ich hoffe ganz ehrlich, dass das zustande kommt. Also ... dass ein Künstler wie Ray Wilson keinen großen Plattenvertrag hat, ist eine erbärmliche Schande. Ich weiß nicht, was die Plattenfirmen suchen. Wie kann man einen Sänger wie ihn übersehen? Es gibt viele gute Musiker da draußen, Schlagzeuger, Gitarristen und Sänger, die richtig gut sind. Aber nur alle zwanzig Jahre taucht einer auf, der richtig hervorsticht – und das tut Ray! Ich sag euch noch eins: Eine ganze Reihe von Leuten, die für mein Studio arbeiten, haben die Tracks für das SHE-Album gehört – und sie waren schockiert, als sie hörten, dass der Typ keinen großen Plattenvertrag hat. Es ist wirklich eine Schande. Mehr kann man dazu nicht sagen...

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Dass ein Künstler wie Ray Wilson keinen großen Plattenvertrag hat,

ist eine erbärmliche Schande


it: Wie müssen wir uns das vorstellen – wie hast du das Schlagzeug für SHE aufgenommen? Hattest du eine leere Tonspur, auf die du das Schlagzeug aufgenommen hast, oder gab es eine Art Drumcomputer?
Nir Z: Da gab es mehrere Wege. Peter Hoff, der Produzent, hat mir seine Vorstellungen am Telefon erläutert und seine Vision geschildert. Man darf auch nicht vergessen, dass ich Ray und seinen Geschmack seit vielen Jahren kenne und weiß, was er haben möchte. Und er kennt mich auch sehr gut. Es war gegenseitiges Vertrauen, denke ich. Peter hat mir die Tracks mit sehr guten Arrangements geschickt. Und, ja, auch Tonspuren vom Drumcomputer für die ganz grobe Richtung. Also habe ich seine Vorstellungen aufgegriffen und in echtes Schlagzeugspiel übersetzt! Dazu habe ich ihnen verschiedene Optionen für jeden Song gegeben. Ich habe eben ein Stück von A bis Z durchgespielt und dann noch mal, nur auf eine andere Art. Peter und Ray haben dann ausgewählt, was ihrer Meinung nach am besten passte.

it: Auf wie vielen Stücken hast du getrommelt? Ray sagte, er hätte drei Stücke übrig und auf SHE hört man dich ja bei elf der zwölf Stücke am Schlagzeug?
Nir Z: Wir haben zwölf oder dreizehn Stücke für SHE aufgenommen, aber nicht alle haben es auf die Platte geschafft. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, ich bin nicht auf allen Tracks auf dem Album zu hören.

it: Wann hast du den Schlagzeugteil für SHE aufgenommen?
Nir Z: 2005 irgendwann, genau weiß ich es nicht mehr.

it: Du sagtest, dass Ray nach New York kam, um die Drumspur für das Album Change aufzunehmen. Kannst du uns ein bisschen was erzählen über die Aufnahmen für Change und vielleicht The Next Best Thing?
Nir Z: Hm, ich verwechsle die beiden Alben vor SHE immer. Change war die Platte, auf der Andy Hess Bass gespielt hat, oder?

it: Ja.
Nir Z: Ray wollte die Sache auf Change mal anders angehen. Eigentlich haben wir mehr wie eine Liveband gespielt. Ray sang und spielte Akustikgitarre. Wir haben die Produktion um seine Stimme und sein Gitarrenspiel herum aufgebaut, und zwar in einem eher liveorientierten Umfeld. Damit die Musik nicht überproduziert ist; es war eine recht lockere Herangehensweise. Eher akustisch, nichts extremes. Andy Hess spielte den Bass – ein Freund von mir und ein großartiger Musiker; dann war da noch Adam Holzman, ein legendärer Musiker: Er hat mit Leuten wie Miles Davis gespielt! Als Adam Rays Stimme hörte, war er so begeistert, dass er unbedingt auf dem Album spielen wollte. Eine lockere Angelegenheit, es war nicht alles von A bis Z geplant. Wir haben gemacht, was uns in den Sinn kam. Bei den Aufnahmen für SHE habe ich Ray überhaupt nicht gesehen, ich habe sogar mehr mit Peter gesprochen als mit ihm.

it: Hast du ein Lieblingsstück auf SHE?
Nir Z: Oh, da gibt es so viele tolle Stücke! Es ist insgesamt ein großartiges Album. Ich mag die Stücke alle sehr gerne. Taking Time ist eine klasse Nummer, Fly High und Show Me The Way aber auch. Es kommt eben darauf an, in welcher Stimmung man ist.

it: Okay, jetzt ein paar Fragen über andere Projekte, die nichts mit Genesis zu tun haben. Wo befindet sich dein Studio?
Nir Z: Mein Studio liegt in einer Gegend namens Park Slope in Brookly. Ein schönes Viertel und nur zwanzig Minuten von Manhattan.

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Da kommt dieser Mann auf mich zu und meint

„Dein Schlagzeug gefällt mir, das war klasse“ und ich sage

„Vielen Dank, wie heißt du?“ und er sagt

„Billy Squier“, und ich sagte „freut mich, ich heiße Nir“.


it: Du hast mit Billy Squier gespielt, für den Freddie Mercury in den 80er Jahren die Vorband gemacht hat. Wie kam der Kontakt zustande?
Nir Z: Das ist schon eine lustige Geschichte. Ich war im LOHO Studio in New York und machte Aufnahmen mit dem Bassisten Jack Daley, der übrigens der Bassist von Lenny Kravitz ist. Wir machten also eine Aufnahme und er ging in den Mischraum. Da kommt dieser Mann auf mich zu und meint „Dein Schlagzeug gefällt mir, das war klasse“ und ich sage „Vielen Dank, wie heißt du?“ und er sagt „Billy“, und ich „Freut mich, ich heiße Nir“. Und ich frage ihn „Bist du ein Musiker?“ und er sagt „Ja, ich singe und spiele Gitarre, mein Name ist Billy Squier“. Bei dem Namen klingelte bei mir erst mal gar nichts, ich sagte „Hey cool, nett, dich kennenzulernen“ und bin rausgegangen. Die anderen haben sich totgelacht, und ich hab gar nicht verstanden warum. Ein anderer Typ aus seiner Begleitung kam zu mir und sagte „Hör mal, ich weiß nicht, ob du das mitgekriegt hast, aber du hast Billy Squier getroffen und er möchte, dass du auf seiner nächsten Tour spielst“ – da ist bei mir endlich der Groschen gefallen. Ein paar Monate später ruft mich Billy persönlich an und möchte mich für seine Liveband haben. Und so kam es dann auch – eine tolle Erfahrung, wir hatten so viel Spaß. Die Band war großartig und Billy war klasse. Auf der Tour waren Billy Squier, Bad Company (die Band von Paul Rodgers) und Styx.

it: Aber wie kam Billy Squier überhaupt dazu, in deinem Studio vorbeizuschauen. War er grade in der Nähe?
Nir Z: Nein, aber Jered Kotler, der Produzent von dem Projekt, an dem wir gerade saßen, ist ein Freund von Billy, und der hat ihn einfach mal besucht. Just diese Woche habe ich eine E-Mail von Billy bekommen; er ist gerade von einen All Star Band Tour mit Ringo Starr zurückgekommen.

it: Du warst auch mit Nena auf Tour...
Nir Z: Die deutsche Königin, ja [lacht].

it: Nena war in den Achtzigern sehr beliebt. Dann verschwand sie in der Versenkung bis zu ihrem unerwarteten Comeback. Wie kam es, dass du für sie getrommelt hast?
Nir Z: Ein guter Freund von mir, Van Romaine, hat schon seit Jahren für Nena gespielt. Er bat mich, ihn zu vertreten, weil er in Amerika einige Verpflichtungen eingegangen war. Ich habe dann auf der ganzen Tour gespielt. Und es war übrigens eine sehr gute Tour, ich glaube, das Livealbum klingt sehr gut.

it: Warst du in Nenas Band der einzige ohne deutschen Pass oder gab es da mehrere?
Nir Z: Es war eine einigermaßen internationale Band, der Bassist war Amerikaner. Aber alle anderen waren deutsche Musiker, insgesamt eine tolle Band.

it: Ein paar allgemeine Fragen... Wenn du dir anschaust, was du bisher so alles gemacht hast: Bei welchem Album bist du besonders stolz, mitgearbeitet zu haben?
Nir Z: Oh. Das ist eine schwere Frage. Ich bin auf sehr viele Platten stolz, aber sie sind alle so verschieden, musikalisch gesehen, dass man sie nur schwerlich vergleichen kann. Es war natürlich toll, mit Ray Wilson oder Alana Davis zu arbeiten, und mit John Mayer – kennt man den bei euch? – habe ich auch ein paar coole Sachen aufgenommen. Er ist eine ganz große Nummer in Amerika. Ich spiele auf seinem ersten Album, und es hat sich sieben Millionen Mal verkauft. Und dann gibt es noch eine Reihe von Platten, die mir sehr gut gefallen, die aber nie in Europa auf den Markt kommen. Hier in New York gibt es viele unabhängige Künstler, mit denen ich ins Studio gehe – einiges davon kann man auf den ZDrumStudio Webseiten anhören. Auch einige Aufnahmen, die ich in Nashville gemacht habe, das sind ganz andere, erstaunliche Künstler und Musiker. Sowas mag ich auch, was da so toll ist, ist, dass die Musiker noch wie früher alle zur selben Zeit im selben Studio aufgenommen werden.

it: Wenn du jetzt freie Wahl hättest, gibt es irgendjemanden, mit dem du wahnsinnig gerne mal arbeiten und Musik machen würdest?
Nir Z: Da gibt es jede so viele Leute. Meine Art zu trommeln kommt ja eigentlich aus dem Mittleren Osten – obwohl ich ganz verschiedene Stile spiele. Aber Musiker und Produzenten in Amerika fragen mich immer dasselbe – „Wieso bist du Peter Gabriel noch nicht aufgefallen?“ Nein, ehrlich, ich bekomme das oft zu hören. Ich habe ein paar Projekte mit einem Produzenten namens David Botriell gemacht. Näher bin ich an Peter Gabriel noch nicht herangekommen [lacht]. Peter Gabriel wäre jemand, mit dem ich sehr sehr gerne arbeiten würde. Ich kann mir vorstellen, dass das, was ich als Schlagzeuger mit dem Rhythmus mache, gut zu seiner Musik passen könnte.

it: Du hast mit zwölf Jahren angefangen zu trommeln...
Nir Z: Ja, so in etwa.

it: Hattest du da ein Vorbild, ein Idol?
Nir Z: Aber sicher, eine ganze lange Liste, mein Freund! Und ganz oben stehen immer erst mal die Leute aus meiner Heimat. Die sind vielleicht nicht weltbekannt, aber sie waren die besten Trommler in meiner Heimat und ich habe viel von ihnen gelernt. Die Liste fängt an mit Buddy Rich und Joe Morello bis hin zu John Bonham und Tony Williams. Und Stewart Copeland, als Teenager war ich ein riesiger Police-Fan. Und Jerry Marotta, der auf den frühen Alben von Peter Gabriel Schlagzeug spielt. Phil Collins natürlich – es ist einfach nicht fair, diese Leute zu nennen, weil ich ein paar andere auslasse, die ich eigentlich nicht auslassen darf. Es gibt so viele legendär gute Drummer, von denen ich sehr viel gelernt habe.

it: Bei unserem letzten Interview 1997 fragten wir, ob du Nick D’Virgilio jemals getroffen hast. Damals hast du mit „nein“ geantwortet – hast du ihn in den letzten neun Jahren getroffen?
Nir Z: Ja, wir sind einander kurz begegnet, für vielleicht zwei Minuten. In Los Angeles, bei der Namm-Show. Es war nur kurz „Hi, wie geht’s,“, „Schön, dich zu sehen“, das war meine einzige Begegnung mit Nick D’Virgilio.

it: Woran arbeitest du im Moment? Was kommt als nächstes?
Nir Z: Im Moment arbeite ich mit verschiedenen Künstlern, deren Musik ich in meinem Studio entwickele. Außerdem fangen wir in Nashville mit einer neuen Platte an. Frank Liddell produziert, Chack Leavell spielt Klavier, Waddy Wachtel die Gitarre und Glenn Worf Bass.

it: Was sind deine drei absoluten Lieblingsalben?
Nir Z: [Pause] Boah... noch eine schwierige Frage. Als hätte ich zwei Kinder und würde gefragt, welches ich lieber hätte! Ich mag sie alle, wisst du... Lieblingsalben... Wo beginnen? Über was für Musik sprechen wir?

it: Musik, einfach deine Lieblingalben.
Nir Z: Okay, schwierig. Ein paar Beispiele: My Song von Keith Jarrett ist ein großartiges Album. Ok Computer von Radiohead auch. Ähm.. irgendwas [lacht], was ihr kennt? Alles von Led Zeppelin, Tony Williams genauso oder UK mit Bill Bruford. Es gibt so viele King Crimson-Alben, und auch so viele von Peter Gabriel. So eine schwierige Frage! Ich hab immer gehofft, dass mich das nie jemand fragt. Wenn du dir zuhause meine Plattensammlung anschaust, gibt es da so viele verschiedene Platten. Heute höre ich vielleicht OK Computer und morgen Ojos De Brujo, eine spanische Band, ich weiß nicht, ob man die bei euch kennt. Sie spielen funkigen Flamenco aus der Weltmusikecke. Aber ich kann wirklich nicht nur drei Alben auswählen, das geht nicht. Jedesmal wenn ich ins Rolling Stone Magazine schaue und sie da die 100 besten Alben aller Zeiten oder so auflisten, dann kommt mir das immer sehr merkwürdige vor. Wie macht man das? Wie entscheidet man, dass diese Alben die besten Platten aller Zeiten sind?
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Ich nutze nur MACs.

Ich habe einfach keine Zeit für diese technischen PC-Probleme


it: Benutzt du einen PC oder einen MAC?
Nir Z: Ich benutze einen MAC. Auch im Studio gebe ich mich nicht mehr mit billigen Geräten ab, und das bedeutet, dass alles, was im Studio verwendet wird, erste Wahl ist. Einschließlich der Computer, weil ich einfach keine Zeit für diese technischen PC-Probleme habe [lacht]. Ich kann nicht verstehen, warum die Leute überhaupt den PC benutzen, aber egal. Ich benutze meine MACs seit Jahren und fühle mich damit sehr wohl. Außerdem benutzen die meisten Leute hier auch in meinem Freundeskreis MACs.

it: Magst du lieber amerikanischen Whiskey oder schottichen Whisky?
Nir Z: Ahh, nein, nein! Ich trinke ja sowieso kaum [lacht]. Bier vertrage ich besser als Whisky, aber nichts übertrifft den schottischen Whisky. Das wäre wie ein Billigersatz statt richtigem Bier. So wie das richtige Weißbier in Deutschland. So ein Bier habe ich noch nie in New York getrunken. Man bekommt so was hier, aber das ist nicht dasselbe.

it: Okay, das war’s, herzlichen Dank, dass du dir Zeit für uns genommen hast!
Nir Z: Gern geschehen!


Interview & Transkription: Christian Gerhardts
Übersetzung: Martin Klinkhardt


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