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Dave Kerzner - it-Interview 2016


Dave Kerzner ist nicht nur einer der Köpfe hinter Sound Of Contact (an dem Projekt ist auch Phil Collins Sohn Simon beteiligt), sondern tauchte gelegentlich im Genesis-Umfeld auf, zuletzt arbeitete er auch mit Steve Hackett zusammen. Dave Kerzner hatte aber auch mit New World ein viel beachtetes Soloalbum vorgelegt und plant bereits neue Projekte. Anneke und Tony Reinsperger trafen Dave Kerzner am 31.03.2016 im Club Das Rind in Rüsselsheim zum it-Interview.


it: Dein Album New World wurde von der Presse sehr gut aufgenommen. Wie läuft die Tour bisher?

Dave Kerzner: Wir haben letztes Jahr ein bisschen getourt. Ende letzten Jahres spielten wir auf Yes’ Cruise To The Edge zusammen mit Marillion und anderen. Dieses Jahr spiele ich mit einer anderen Besetzung. Es sind Leute dabei mit denen ich in den Staaten spiele, Durga McBroom (Pink Floyd) sang auch auf dem Album, und die Rhythmusgruppe einer Band namens Mantra Vega, die ich produziert habe. Das ist ein Projekt in England mit Heather Findlay als Sängerin. Alex Cromarty und Stuart Fletcher sind Schlagzeuger und Bassist dieser Band und Heathers eigener Band. Sie leben in Großbritannien. Für die Europatour dachte ich, dass Teile meiner Band aus den Staaten, Fernando Perdomo als hauptsächlicher Gitarrist und Bassist auf dem Album, Durga und ich zusammen mit Alex und Stu eine interessante Mischung ergäben. Das war fantastisch. Wir waren für vier Termine in England. Jetzt sind wir in Rüsselsheim, ein großartiger Ort. Ich war hier mit Sound Of Contact (SoC) vor drei Jahren. Ein anderer Ort, an dem ich mit SoC gespielt habe und ich mich freue, bald wieder zu bespielen ist das Prog Dreams Festival in Boerderij, Holland. Das wird das Finale der Europatour. Dann treten wir beim Rosfest auf, einem großen Progressive Rock Festival in den Staaten im Mai. Danach widme ich mich wieder dem SoC-Album und meinem nächsten Soloalbum.


it: Also ist einiges in der Mache. Das Mantra Vega-Album ist fertig?

Dave: Es ist erschienen und heißt The Illusion’s Reckoning. Mantra Vega ist in erster Linie eine Studioband, die das Songwriting von Heather Findlay und mir kombiniert. Ich schrieb den Großteil der Musik, sie übernahm die Texte und ist die Leadsängerin. Es ist also eine Band mit Frontfrau am ehesten vergleichbar mit ihrer früheren Band Mostly Autumn. Ich schreibe die Musik meistens an der Gitarre und den Keyboards, so gesehen ist auch ein wenig des SoC-Stils auf dem Album. Matt Dorsey hat einen der Songs mit mir geschrieben (In A Dream). Ich zeige auch etwas von meiner folkigen Seite im Harmoniegesang mit Heather wie bei Fleetwood Mac, es gibt auch Classic Rock, den wir beide mögen wie Led Zeppelin. Da ich in den Staaten lebe, ist der Hauptgitarrist Dave Kilminster (Steven Wilson, Roger Waters). Wir sind ja alle beschäftigt. Der Rest besteht aus Heathers Soloband. Sie leben in und um York. Sie bringen das Album als die Heather Findlay Band auf die Bühne. Auf dem Album sind noch Arjen Lucassen (Star One, Ayreon), Troy Donockley (Nightwish) und andere zu hören. Das ist jetzt abgeschlossen.


it: Also wirst du mit Mantra Vega nicht auf Tour gehen?

Dave: Höchstens mal ein Gastauftritt. Touren besteht ja nicht nur aus den Konzerten sondern auch aus Vorbereitungen. In jedem meiner Projekte leben die Teilnehmer mindestens in unterschiedlichen amerikanischen Bundesstaaten. SoC besteht aus drei Nationalitäten. Matt und ich leben an unterschiedlichen Enden der Vereinigten Staaten. Er lebt in LA und ich lebe in Miami, Florida. Simon (Collins) lebt in Großbritannien und Kelly (Nordstrom) wohnt in Kanada. Uns zu treffen ist teuer, mit SoC haben wir das hingekriegt. Aber für jedes andere Projekt brauche ich z.B. eine Kickstarter-Kampagne, um es unabhängig durchführen zu können. Das ist ein guter Ansatz aber ich bevorzuge, an meinen Projekten in meinem eigenen Studio zu arbeiten. Mantra Vega lief entweder in meinem Studio oder in York. Das war viel Arbeit, auf die wir stolz sind.


it: Woran arbeitest du zur Zeit?

Dave: Ich arbeite an Tribute-Alben, die ich zurückgestellt habe, um an neuer Musik arbeiten zu können. Das sind Herzensangelegenheiten. Es gibt ein Genesis Tribute basierend auf The Lamb (Lies Down On Broadway) als Filmsoundtrack, filmischer und mit echtem Orchester. Francis Dunnery (It Bites) ist dabei, Steve Rothery (Marillion), Nick D’Virgilio (Genesis, Spock’s Beard, Big Big Train), Nad Sylvan (Steve Hackett), ich selbst, Lee Pomeroy (It Bites, Steve Hackett) - eben Leute, die Genesis lieben. Ich arbeite auch an anderen Tributes, Pink Floyd, Rush, und ich produziere das Album von Durga und Lorelei McBroom (Australian Pink Floyd Show), wo sie die Leadsängerinnen sind. Wir haben einige Songs zusammen geschrieben und auch Pink Floyd Songs mit den weiblichen Stimmen neu interpretiert.


Interviewit: Wann können die Fans mit The Lamb rechnen?

Dave: Ich sollte es diesen Sommer fertigstellen können. Wir sind ziemlich weit. Martin Levac (The Musical Box) hat mir erst ein paar Tracks geschickt. Es wird einige Spezialitäten als Überraschungen geben. Ein Stück weit ist es neue Musik. Es ist authentisch, da wir unveröffentlichtes Genesis-Material aufgearbeitet haben, das zu The Lamb passt. Es ist erweitert im Sinne von: “Was wenn The Lamb noch länger wäre?” Aber das ist nicht alles. Ich weiß, dass viele Fans gerne einen Film gesehen hätten. Wenn das jemand machen würde, könnte er auf meinen Soundtrack zurückgreifen. Ich würde es selbst tun, aber das wäre ein bisschen viel. Ich denke von jeher filmisch bei meiner Musik. Der künstlerische Ansatz, Filmmusik ohne den Film zu machen, ist nicht vollends erschöpft. Progressive Rock Alben sind an sich schon ein bisschen so aber nicht im Sinne von sinfonischen Überleitungen wie in einem Film, wo man John Williams (Star Wars) zur Verfügung hätte.


it: Also ist es weniger ein Genesis Revisited sondern kreative Arbeit?

Dave: Steve Hackett sagte mir, eine frühe Version meines Lamb habe ihm Anregungen für Genesis Revisited gegeben. Meine Version von The Chamber of 32 Doors mit Nad Sylvan und Orchestrierung hat ihm den Job bei Steve verschafft. Ich hatte mich bereits für Francis (Dunnery) entschieden. Mein ursprünglicher Plan war es, verschiedene Sänger zu haben. Billy Sherwood (Yes) sang Lilywhite Lilith, ich hatte Francis und Nad. Aber mir kam der Gedanke, dass es ja ein Konzeptalbum ist. Für ein Genesis Revisited sind verschiedene Sänger großartig, denn es ist wie eine Compilation. The Lamb ist jedoch ein zusammenhängendes Stück und es ergäben sich etwas zu viele Unterschiede. Deswegen singt Francis nun alle Stücke. Die Versionen mit den anderen Sängern nehme ich als Bonustracks. Randy McStine (Lo-Fi Resistance) sang Back in N.Y.C. beispielsweise. Dieser Aspekt und die orchestrale Ausschmückung haben Steve beeinflusst. Ich bin ziemlich hartnäckig, was meine Motivation betrifft, dieses Projekt anzugehen. Einer meiner Freunde, Mark Hornsby, und Nick D’Virgilio haben Rewiring Genesis aufgenommen aber ohne Keyboards.

 

Sie haben mit Orchester und Bluegrass-Instrumentierung experimentiert. Es stellte sich raus, dass Tony Banks laut Nick Davis diese Version liebt, ich ebenso. Ich dachte: “Was wenn die Keyboards dazukämen und man es noch filmischer aufziehen würde?” Ich unterhielt mich mit Mark, dem Produzenten: “Würdest du mich einige dieser Tracks lizenzieren lassen? Dann produziere und schmücke ich es auf eine andere Weise aus.” Einige Orchesterparts und eine komplette Aufnahme mit dem London Philharmonic Orchestra wurden gar nicht genutzt. Lasst es mich anders machen und die Arp Synthesizer und Mellotrons wieder einfügen. Auf dem Moody Blues Album Days Of Future Passed (Nights Of White Satin, Tuesday Afternoon) hört man ein komplettes Orchester sowie das Mellotron und die Mischung aus den üblichen Rockinstrumenten. Manchen sinfonischen Rockalben fehlt der Biss und es klingt wie Fahrstuhlmusik. Für mich geht es bei Genesis Musik vor allem um die richtige Balance. Gewisse Sounds sind spezifisch für Tony Banks oder Mike Rutherford, wo man nicht einfach einen Bass mit verzerrtem Fuzz-Sound durch eine Tuba ersetzen kann. Wenn ich der Regisseur von The Lamb wäre, würde ich wollen, dass es klingt wie eine Band, die mit dem Orchester spielt, das mit der Band zusammenspielt. Es hat also eine Genesis-Note, aber ausgeschmückt.


it: Du erwähntest Steve Hackett. Vor kurzem haben wir Keith Emerson (Emerson, Lake & Palmer - ELP) betrauert. Es soll unveröffentlichte Musik von Euch Dreien geben.

Dave: Ich arbeite gerade an einem Rush Tribute. Der Grund dafür ist meine Firma Sonic Reality, die Softwareprodukte für Musiker vertreibt. Wir haben eine Sample-Bibliothek namens Neil Peart Drums erstellt und ich habe ein Rush Tribute mit Neil Peart Drums als Grundgerüst aufgenommen.


it: Du gehst einfach zu Leuten und nimmst sie auf?

Dave: Ja, ich habe die Firma seit 20 Jahren und es ist eine angesehene Marke. Wir haben verschiedene Schlagzeuger gesamplet: Nick Mason (Pink Floyd) aufgenommen von Alan Parsons, Billy Cobham, Terry Bozzio (Frank Zappa, UK), Mick ’Woody’ Woodmansey (David Bowie). Ich war in den Ocean Way Studios in LA als Rush gerade Snakes & Arrows abmischten. Aus Spaß sagte ich zum A&R-Beauftragten der Plattenfirma: “Wenn Neil Peart sich gerne samplen lassen möchte, sag Bescheid”. Dann bekam ich einen Anruf von der Plattenfirma: “Willst Du das immer noch machen? Komm morgen nach LA.” OK! Jeder könnte Neil Peart Drums kaufen und ein Rush Cover aufnehmen, aber ich dachte, ich bin ein Musiker und es könnte Spaß machen, also mach ich es selbst. Wir spielten YYZ mit mir an den Keyboards, Billy Sherwood am Bass, Steve Hackett an der Gitarre und Keith Emerson als mein Keyboard-Duellant. Wir haben noch eine witzige Sache gemacht, die wie ein Rush-ELP-Crossover klingt.

Wir haben noch ein Stück neue Musik eingespielt aber ohne Keith, dafür mit Steve und Neil Peart Drums. Keith hat auch auf dem Pink Floyd Tribute mit Nick Mason Drums aufgenommen von Alan Parsons mitgewirkt, als wir seinen Moog gesamplet haben. Es gibt auch noch ein großes Interview mit Keith von mir, das erst noch erscheinen muss.


it: Erscheint das alles noch 2016?

Dave: Ich weiß es nicht, aber ich sollte es fertigstellen. Es hängt vom Timing ab. Ich habe Pläne mit SoC aber Simon arbeitet an einem Soloalbum und wenn sich das verspätet gehe ich zu meinen Tribute-Projekten über. Ich bin also immer beschäftigt.


it: Wie hast Du Dich mit Steve Hackett angefreundet?

Dave: Er ist eine rundum nette und zugängliche Person. Es waren mehrere kleine Begebenheiten, die dazu führten. Eine davon war, dass er auf Simons Album (U-Catastrophe) spielte während wir parallel an Keep It Dark (Genesis Cover) arbeiteten [YouTube].

Simon hat ihn natürlich schon vor Jahren getroffen. Steve war bereit, auf Fast Forward The Future zu spielen. Ich hätte gerne mit ihm zusammen gespielt aber nicht einfach nur so. Es gab bereits genug Keyboards auf dem Stück [YouTube].

 

Aber ich hab mit Phil Collins gespielt und den Song The Big Bang mitgeschrieben [YouTube].

 

Dafür bin ich Simon dankbar. Ich fragte Steve, ob er auf meinem Lamb spielen möchte. Er sagte nur: “Ich kann nicht, aber ich kann Dir noch nicht sagen warum.” Er arbeitete bereits an Genesis Revisited II. Nach der Ankündigung ging ich auf ihn zu: “Sag Bescheid, wenn du Hilfe brauchst bei Aufnahmen mit Simon, mir oder Francis. Ich koordinierte Francis Dunnerys Beitrag zu Dancing With The Moonlit Knight, Simons Beitrag zu Supper’s Ready und ich spielte Keyboards auf Supper’s Ready, der absolute Traum. Er führte mich als Produzenten auf und spielte auf meinem Album. Er dachte er schuldet mir was aber ich erwiderte: “Wenn Du auf meinem Album spielst, ist das ein Gefallen für mich.”


it: Wird Steve auf Deinem nächsten Soloalbum oder bei SoC zu hören sein?

Dave: Bei SoC geht es um die vier von uns. Als wir uns zeitweise trennten waren es nur noch zwei. Bevor das Album erschien, verließ Kelly bereits die Band. Er hat großen Anteil an Dimensionaut. Danach ging ich und Simon und Matt hätten sich fast getrennt. Man muss Simon hoch anrechnen, dass er auf alle zuging und sagte, dass es kein neues SoC album geben dürfe, wenn es nicht wir vier sind, die das erste Album gemacht haben. Wir erkannten, dass wir nicht die einzige Band sind, eine andere beginnt mit G und endet mit Enesis, die Soloalben veröffentlichen während es die Band gibt. Alles was man schreibt wird veröffentlicht und man verlässt sich mehr auf das Zusammenwirken auf dem Bandalbum.


it: Wie weit ist das neue SoC Album gediehen?

Dave: Wir haben angefangen und haben schon ein gutes paar Songs aufgenommen. Die klingen großartig. Wir trafen uns zum Herumprobieren und die Magie war sofort da. Besonders zwischen Simon und mir, da es wie Genesis eine Keyboard- und Schlagzeug-lastige Band ist. Wir sind beide auf unterschiedliche Art mit Genesis groß geworden und man spricht dadurch eine gewisse Sprache. Allerdings ist die neue Musik etwas gitarrenbetonter, Matt und Kelly sind stärker beteiligt. Ich mag ihren Sound. Simon und ich schrieben einen Großteil der Musik für das erste Album. Einzelne Lieder haben etwas mehr vom Sound der anderen. Cosmic Distance Ladder ist ein gutes Beispiel für Matts Art zu schreiben [YouTube].

 

Die Musik vom zweiten Teil von Möbius Slip hat Kelly eingebracht. Sie haben einen coolen Sound, den wir mehr nutzen können. Der Plan ist, alle Songs zusammen zu schreiben, auch wenn das ein bisschen länger dauert. Letzten Endes wird es mehr wie ein echtes Rockalbum. Auf dem ersten Album war Not Coming Down typisch Dave, typisch Squids. Pale Blue Dot ist typisch Simon. Auf der nächsten Simon Collins-Platte hört man womöglich mehr so etwas und auf meinem Album wird man andere Sounds hören. Das ist eine gute Mischung aber das nächste Album ist bandorientierter, auch wenn es länger dauert. Wenn einer das Ruder an sich reißt wie bei The Lamb wo Peter Gabriel alle Texte schrieb, mochten das die anderen nicht. Das hatte Vorteile, aber sie trennten sich. Manche Bands verkraften das nicht, ich schon. Bei Mantra Vega hat Heather Findlay fast alle Texte geschrieben und ich liebe Texten, jedoch war es effizient so. Die Idee der reformierten SoC fußt auf demokratischem und gleichberechtigtem Engagemant.


it: Wann hast du Simon das erste Mal getroffen?

Dave: Geoff Callingham lud mich ein, um über Sounds für die Genesis Reunion Tour zu sprechen. Er ist Techniker. Ich hab Simon zuvor noch nie getroffen. Wir verstanden uns auf Anhieb. Wir haben uns so intensiv über Musik unterhalten, dass Genesis selbst uns während ihrer Pause belauschten. Simon hat ermöglicht, dass dieses Foto von uns allen entsteht, das da war mein Genesis Traum. Ich inmitten von Genesis. Er sagte: “Ich wollte schon immer ein Genesis Cover machen, vielleicht bist Du genau der, mit dem ich das machen kann.” So kam es zu Keep It Dark und von da an arbeiteten wir zusammen. Ich produzierte es mit ihm, spielte Keyboards und ich spiele sogar Schlagzeug. Ich benutzte Samples, die ich mit meinen Fingern per Keyboard abspiele.


it: Waren das echte Phil Collins Drums?

Dave: Wir haben tatsächlich Schlagzeugsamples im Genesis Studio mit Hugh Padgham und Nick Davis aufgenommen. Der Klang dieses einen Raumes dort! Ein steinerner Raum, der ein gewisses Echo erzeugt und wenn man dann Trommeln ohne Resonanzfell hat, klingt es wie [imitiert In The Air Tonight Drumroll], dieser polternde Tom-Sound. Sie sagten mir, ich sei der letzte Außenstehende, der in diesem Studio Aufnahmen machen dürfe. Es stand für kurze Zeit offen, doch das wurde gestoppt. Es ist nicht für die Bedürfnisse aller ausgestattet. Das Coole daran ist, dass ich die Samples nicht nur für meine eigene Musik nutzen kann, sondern Leute sie kaufen können.


it: Man könnte auch Simon zuhören und zusehen und wenn man die Augen zukneift, sieht man Phil…

Dave: Er hat das im Blut. Er hat diese natürliche Leichtigkeit. Simon muss nicht mal üben. Er setzt sich an sein Schlagzeug und legt einfach los. Er hat Einflüsse seines Vaters in seiner Art zu spielen und seine eigene Kreativität, gewisse innovative Beats sind einzigartig an ihm. Ich habe schon mit vielen Schlagzeugern gearbeitet und Simon hat seinen eigenen Sound. Ich habe auch mit vielen Schlagzeugern gearbeitet, auf die Phil Einfluss hatte, wie Nick D’Virgilio. Ich mag Drummer mit Phil-Einflüssen. Das sagt etwas über ihr Gefühl, den Groove, den Swing und ihre Dynamik. Es gibt dem Ganzen Persönlichkeit. Viele Drummer sind berechnender, das ist beeindruckend aber keine Frage des Gefühls. Bei Jon Bonham geht es auch ums Gefühl. Ich könnte ewig über Drummer sprechen.


it: Welche zeitgenössischen Künstler beeinflussen Dich?

Dave Kerzner liveDave: Sigur Rós aus Island, ich mag Radiohead, die frühen Coldplay, ich mag Muse. Ich höre nicht viel moderne Musik. Ich bin ein Liebhaber der 70er und frühen 80er aber neue Musik muss immer noch gemacht werden. Ein wichtiger Teil meiner Philosophie, die ich Simon und anderen teile – wir machen Musik, die wir selber hören wollen. Was würde ich wollen, wenn ich eine Platte kaufe? Vielleicht möchte ich eine Geschichte, eine komplette Albumerfahrung, coole Instrumentalstücke. Was wenn man Alternative Rock und moderne filmische Musik mit typischen analogen Keyboardsounds aus den 70ern kombiniert? Aber keinen reinen Prog, wo wenn man es jemandem vorspielt, der sowas noch nie gehört hat, es ihn überfordern würde. Ich mochte Genesis, weil sie vielen Leuten zugänglich waren und Dich hineingezogen haben. Meine erste Platte war Duke und ich wurde hineingezogen wegen Turn It On Again. Dann entdeckte ich Cul-De-Sac und Duke’s Travels und dachte WOW. Dann ging ich zurück und kaufte die anderen Alben. Das ist ein super Weg, mehr Leute für Prog Rock zu begeistern, anstatt ihnen direkt ungerade Taktarten um die Ohren zu hauen. Ich setze lieber einige dieser Feinheiten in den Kontext von Songs, an die man sich erinnern kann.


it: Wie wurdest du auf die Genesis-Proben eingeladen?

Dave: Das geht weit zurück. Als Genesis an Calling All Stations arbeiteten, unterhielten sich alle online darüber, wer Phil Collins ersetzen könnte. Ich postete in einer Newsgroup dass es Nick D’Virgilio sein sollte. Er wäre perfekt. Versehentlich postete ich das um die 10 mal. Ups. Nick Davis war für das Vorspielen verantwortlich und hat das bemerkt, was Nick das Vorspielen beschafft hat.


it: Als Schlagzeuger oder singender Schlagzeuger?

Dave: Dazu habe ich eine interessante Geschichte. Damals schlug ich ihn als Drummer vor und er bewarb sich als Drummer. Als Nick Rewiring Genesis gemacht hat, verriet Tony Banks Nick Davis, er verriet mir und ich verriet Nick, dass wenn Tony gewusst hätte, dass er so singen konnte, er womöglich auch den Zuschlag als Sänger bekommen hätte. Das mag etwas bittersüß sein, aber für ihn war das Glas halb voll und er war einfach glücklich, mit Genesis spielen zu können. Er spielte auf dem Album neben Nir Z und ich freundete mich mit Nick Davis an. Über Nick Davis konnte ich jedes Jahr an die Band herantreten: “Mike, Tony und Phil, benutzen die eigentlich Software?” Er meinte nur: “Sie sind noch nicht so weit, sie sind oldschool”. Irgendwann um 2002/03 meinte er “Könnten wir?” Ich stellte für jeden von ihnen etwas zusammen und sie liebten es. Sie fingen an, Produkte von mir und IK Multimedia zu nutzen. Tony benutzt meine sinfonischen Produkte um orchestrale Klänge für seine Arbeit an Klassik-Alben zu emulieren. Mike benutzt Sachen von mir für Mike & The Mechanics. Phil nutzt mein Kram in seinem Studio. So kam ich Genesis näher. Und 2006, als sie sich auf die Tour vorbereiteten, überlegten sie, Tonys Aufbau mit einem Computer auszustatten, so dass die Keyboards Samples von Arp Synthesizern und Mellotrons wiedergeben könnten. Wir hätten es fast gemacht aber er war nicht sicher, ob er sich auf der Bühne auf einen Computer verlassen könne und das verstehe ich. Ich mag es auch nicht, Computer auf der Bühne zu benutzen. Er entschied sich für sein Calling All Stations-Setup, das ein bisschen anders ist.


it: Bei manchem Klassiker wie Los Endos dachte man auf der 2007er Tour: “Man hätte auch…”

Dave: Ich unterhielt mich mit Tony darüber und er sagte, dass er den Klang der Mellotron-Chöre nicht mag. Warum nicht? Es klänge wie eine Orgel und man müsse all diese Effekte darauf anwenden damit es gut klingt. Ich sagte ihm: „Ich weiß und es klang SEHR gut“. Er meinte: “Ich hänge nicht so sehr an diesen alten Sounds wie ihr“. Ich konnte ihn nicht dazu bringen, Mellotron-Chöre zu benutzen. Er ist speziell und hat eine starke Meinung. Er weiß, was er mag. Es gab die Möglichkeit, andere Retroklänge zu benutzen, die ich eingerichtet habe, aber sie steckten im Computer, den er nicht benutzen wollte. Die meisten der anderen Sounds hat er aber in seinem Setup.


it: Kannst Du Dich an witzige Anekdoten von den Proben erinnern, die nicht auf der Doku zu sehen sind?

Dave: Die Kameras liefen nicht, als ich da war. Ich bekam mit, wie sie versuchten, den Harmoniegesang bei Carpet Crawlers hinzukriegen. Es war wie Spinal Tap. “Was singst du da?” “Keine Ahnung, ich singe irgendwas”. Dann sagte Phil: “Dann sing ich auch einfach irgendwas.” Ich saß auf der Couch und wartete auf sie. Ich war wie eine Fliege an der Wand (oder auf der Windschutzscheibe). Simon sagte dann: “Willst du meinem Vater von hinterm Schlagzeug aus zugucken?” “Können wir?” Es war so energetisch, Phil beim Spielen zuhören wenn man hinter ihm steht. Dann wurde ich mutig. Lass uns Tony zugucken! Ich fragte: “Ach so machst du das?” Er meinte nur: “Verzieh Dich Kleiner!” Ich fuhr auch mal mit Phil und Simon zu einem Genesis-Konzert. Ich verdanke all meine Genesis-Träume Simon. Er lud mich ein. Es fiel mir gar nicht ein, denn Simon ist ein aufrichtiger Freund, doch er sagte: “Wir gehen auf ein Genesis-Konzert.” “Ok, auf geht‘s!” “Spring ins Auto.” “Mit Deinem Vater? Wow.” Phil fragte mich hinterher, was ich von der Show hielt und selbstredend war es großartig. Ich hatte keinen Draht zur Band, als ich jung war. Ich ging zur Mama Tour und dachte: “Wie könnte ich sie treffen? Ich kenne niemanden.” Es gab kein Internet, also vergiss es. Jetzt ist die Welt so klein.


it: Wie schätzt Du die Chancen ein, dass Genesis nochmal irgendwie zusammenkommen?

Dave: Ziemlich gering, es ist immer möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Als erstes sollte Phil wieder etwas machen. Ich sah ihn kürzlich performen und er klang großartig. Ich half ihm im Studio aus. Er hat vor, was im Studio zu machen. Ich bin mit der Genesis-Technikmannschaft befreundet, Steve “Pud” Jones und Geoff Callingham. Ich bin eine ihrer technischen Ressourcen, falls Phil etwas in Miami braucht. Sie wollten in meinem Studio proben aber dann doch nicht, denn Brad (Cole) brauchte einen Konzertflügel. Mein Studio war nicht groß genug dafür, deswegen sprangen sie im letzten Moment ab. Ich half ihnen mit Sounds aus. Ich gab ihnen Motown Sounds. Ich fände es großartig, wenn er wieder Musik macht. Ob mit Genesis? Eine groß angelegte Tour steht wohl nicht zur Diskussion, vielleicht etwas Einmaliges. Alle fünf, eher nicht.


it: Letzte Frage: Dein Wikipedia-Eintrag titelt “Dave Kerzner – Rapper, Produzent, Schauspieler”!?!?

Dave: Da erlaubt sich jemand einen Spaß. [rappt] YO WHAT’S UP? I LIKE PROG, LIKE A FROG. MY NAME IS SQUIDS…. Ich rappe nicht sonderlich gut. Man darf seinen eigenen Wikipedia-Eintrag nicht bearbeiten. Man kann sich beschweren. Ich hab das mal gemacht. Sie antworteten: “Du hast hier nix zu melden! Du bist der Künstler!” Ich schauspielere ein wenig, ich mache Imitationen. Ich schauspielere nicht aktiv. Als ich jünger war, nahm ich an Schauspielwettbewerben teil.


Interview, Transkript, Übersetzung & Fotos: Anneke und Tony Reinsperger

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Das zweite Studioalbum im Jahr 2016, dieses Mal mit kompletter Band eingespielt. Das ALbum kommt wie schon Song For A Friend in einem schön gestalteten Digibook.


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Debutalbum der Prog-Band um Phil's Sohn Simon Collins und Dave Kerzner.


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