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Brian Cummins im Gespräch

Über Herausforderungen, Freundschaften und unfreiwilliges Multi-Tasking


Der gebürtige Liverpooler Brian Cummins gründete 2005 die Genesis-Tribute-Band Carpet Crawlers. Er ist Frontmann, Sänger und Schlagzeuger der Gruppe. Mit uns sprach er vor dem Konzert im Jovel in Münster am 2. Dezember 2016 nicht nur ausführlich über dieses Projekt und die aktuelle Invisible Touch Tour sondern auch über seine anderen Engagements, u. a. bei The Security Project.


it: Lass uns mit den Anfängen beginnen. Wie bist du generell zur Musik gekommen und wie zur Musik von Genesis?

Brian Cummins: Ich habe mit zehn Jahren mit der Musik begonnen. Ich schnappte mir eine Gitarre und war anfangs Gitarrist. Weil ich aus Liverpool komme, fing es offensichtlich mit The Beatles an. Aber ich habe Genesis immer geliebt. Davon diese Musik zu spielen, habe ich erst in späteren Jahren geträumt, aber ich war immer ein Gitarrist und Sänger seit ich mit zwölf in Pubs und Clubs gesungen habe. Mitte der 1990er-Jahre war ich ein Session-Gitarrist und spielte mit unterschiedlichen Bands. Ich habe das In The Cage-Medley immer live spielen wollen und Supper’s Ready. Ich habe immer Luft-Schlagzeug gespielt seit ich als Kind das Mama Tour-Video sah – wie es vermutlich jeder Genesis-Fan in diesem Alter getan hat. Ich mag es, mich zu strecken. Deswegen gründete ich eine Band, legte die Gitarre beiseite, verließ meine Komfortzone und lernte Schlagzeug und Flöte, weil ich noch nie Schlagzeug gespielt hatte. Also lernte ich Flöte und Schlagzeug für die Carpet Crawlers. Es begann wirklich aus Spaß. Wenn du einmal angefangen hast, willst du die nächste Stufe erreichen, dann die nächste und wieder die nächste. Und zwölf Jahre später ist es ziemlich groß geworden, eine ziemlich große Sache.


Warum hast du für die Carpet Crawlers ausgerechnet Genesis ausgesucht? Du hast eine Tribute Band gegründet und warum sollte es Genesis und keine andere Band wie The Beatles oder etwas ähnliches sein?

Hauptsächlich, weil es, obwohl es gute Musik ist, zu leicht ist. Ich wollte mich selbst herausfordern. Ich wollte mich immer strecken, weißt du. Ich wollte Gitarre spielen. Kannst du schneller und schneller und schneller spielen? Und dann, kannst du melodischer spielen, verschiedene Stilrichtungen? Und es erreichte irgendwie einen Punkt mit der Gitarre, wo ich glücklich war. Bei Genesis gibt es so viele Facetten. Es ist die Ausdauer, die Musik zu spielen. Dann sind es die Show, die Produktion, das Licht und die Kostüme. Und du wirst nie arm an Zielen, die es zu erreichen gibt, wenn du nur tief genug gräbst. Keine Tribute Band wird jemals so gut sein wie Genesis. Aber du kannst es immer versuchen und näher und näher herankommen. Und jedes Jahr versuchen wir 5 % näher zu kommen. Wir werden nie 100 % erreichen, denn sie sind aus gutem Grund Genesis.


Mit welchen anderen Projekten, d. h. Bandprojekten, hattest du bislang zu tun?

In jüngeren Jahren war ich in einer Heavy Metal-Band, der Prog Metal-Band Valle Crucis, die heutzutage unter dem Namen Leafblade auftreten. Und sie haben ein Album mit Danny Cavanagh von Anathema gemacht. Anathema waren tatsächlich junge Fans von uns als sie anfingen. Später hatte ich das Glück, mit der Mick Pointer Band aufzutreten und war am 25. Jubiläum von Script For A Jester’s Tear beteiligt. Wir tourten für fünf bis sechs Jahre und brachten vor ein paar Jahren ein Livealbum heraus, nachdem wir ursprünglich eine Live-DVD veröffentlicht hatten. Außerdem hatte ich eine Peter Gabriel-Einmann-Show und war damit 2013 auf Tour, die damals unter dem Namen Be Gabriel lief. Es war schön und schlicht und es reproduzierte Peters Musik live von Beginn an ohne Backing Tapes. Nur live, mit Loop-Pedals und akustisch. Und das kommt wiederum daher, dass ich mich herausfordern möchte. Ok, ich werde San Jacinto ganz alleine machen. Und ich spielte sogar Signal To Noise, Sky Blue mit den Blind Boys of Alabama, „oh-oh-oh“ (singt). Ich habe es mit meiner Stimme gemacht und dann geloopt. Es war eine sehr anspruchsvolle Show. Und dann schließlich, vor nicht allzu langer Zeit wurde ich gefragt, ob ich mit The Security Project singen möchte. Das sind Jerry Marotta, Peters Schlagzeuger und Trey Gunn von King Crimson. Und ich habe mit ihnen drei Jahre weltweit getourt. Wir waren in Europa, dann in Amerika. Und allein Peters Musik mit diesen Musikern zu spielen… Ich hatte als Prog-Fan extremes Glück mit vielen meiner Helden zusammenzuarbeiten und ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.


Wie ist die Zusammenarbeit mit The Security Project zustande gekommen?
Das war, als ich meine erste Be Gabriel-Show hatte. Ich war in der Boerderij in Zoetermeer, Holland. Ich kam grade von der Bühne, hatte meine erste Show absolviert und bekam eine E-Mail von einem Kerl namens Scott Weinberger, ...


... der jetzt in Brand X ist?

Er ist jetzt in Brand X, richtig. Scott stellte The Security Project zusammen. Es war sein Projekt. Er holte die Musiker zusammen. Sie suchten auf der ganzen Welt einen Peter Gabriel-Sänger und fanden mich. Sie fragten, ob ich vorsingen wollte und ich sagte „oh, ja!“. Und dann passierten verschiedene Dinge. Scott arbeitete schlussendlich nicht mehr mit The Security Project und konzentrierte sich darauf, Brand X auf die Beine zu stellen. Jetzt ist er mit Brand X auf Tour. Sie hatten eine unglaublich erfolgreiche Tour in Amerika und sind im Januar wieder unterwegs. Also bin ich irgendwie auch mit Brand X verbunden. In der Tat werde ich möglicherweise als Vorgruppe demnächst mit ihnen zusammenarbeiten und ihre Shows eröffnen. Es ist ganz verrückt. Schon wieder hat die Gründung der Carpet Crawlers so viele Türen für mich geöffnet, zu Mick Pointer, Jerry Marotta, und auch Mike Kidson. Das sind alles Namen, mit denen wir als Genesis-Fans groß geworden sind. Und jetzt sind es meine Freunde. Kneif mich! (lacht)


Kannst du schon genaueres über die mögliche Zusammenarbeit mit Brand X sagen? Du sagtest, es würde um einen Support Act gehen?

Noch ist nichts bestätigt. Durch The Security Project ist Scott natürlich mein Freund. Es kann sein, dass ich ein paar Solo-Shows mache, Gabriel-Shows in Amerika. Der Vorschlag war, dass wir bei einem Festival nächstes Jahr in Amerika zusammen mit anderen Bands auftreten. [Anm. d. Autors: Es handelt sich dabei um das „Genesis Fan Festival 2017” am 24. und 25. Juni in Duluth, Minnesota.] Und dann wurde generell darüber gesprochen, dass ich für sie als Vorgruppe arbeiten könnte, wenn ich sowieso schon mal drüben bin. Aber es hängt auch davon ab, ob sie das brauchen. Wenn Brand X mich braucht, bin ich da. Ich habe offensichtlich viel mit Scott Weinberger gesprochen, weil er mein Freund ist und ich freue mich sehr für ihn, dass er nun in Brand X ist. Also bislang ist nichts definitiv, aber es hat Gespräche gegeben.


Zurück zu den Carpet Crawlers. Ihr habt Gabriel-Shows gemacht, nun spielt ihr Collins-Shows. Hinsichtlich deines Gesangstils, singst du einfach deinen persönlichen Stil oder versuchst du den Stil von Gabriel oder Collins zu kopieren?

Natürlich ist meine Stimme, also meine Sprechstimme, wie du vielleicht hören kannst, sehr nah an Peters. An den Phil Collins-Sachen muss ich etwas härter arbeiten, um meine Stimme leicht zu ändern. Also, ja das mache ich immer. Mit Mick Pointer war es genauso, da habe ich meine Stimme verändert, um wie Fish zu klingen. Und dann zum Beispiel, hast du mich in den Selling England-Shows gesehen? Gabriels Stimme klingt völlig anders zu der bei The Security Project. (singt) „Saw the man at JFK.“ Wenn Gabriel das auf Selling England gesungen hätte, wäre es viel nasaler gewesen und dünn. Seine Stimme hat sich über die Jahre entwickelt. Also abhängig davon welche Peter-Ära man singt, ändert sich die Stimme. Ich habe es immer genossen, damit zu spielen. Nach alldem Stress auf dieser Tour ist meine Stimme sehr müde. Ich habe viel sprechen müssen, viel organisieren. Als Sänger solltest du es dir wirklich leicht machen und tagsüber zu niemandem sprechen. Auf dieser Tour mache ich so einige Jobs. Meine Stimme ist angegriffen, aber den Genesis-Fans, die kommen und unsere Show sehen, gefällt es. Bei dem Spektakel, das unsere Show bietet, da wird niemand wegen ein paar Fehlern und falschen Tönen nach einer Drei-Stunden-Show meckernd nach Hause gehen.

Umso mehr wissen wir es zu würdigen, dass du uns deine Zeit und Stimme für ein Gespräch opferst!

Oh Gott, ja, es ist mir ein Vergnügen.


Wenn du bei Genesis Peter Gabriel spielst, wie fühlt es sich da an auf der Bühne zu stehen und das Slipperman-Kostüm zu tragen oder andere Kostüme? Ist es peinlich?

Nein, als Peter sie trug war er ein 22-jähriger gutaussehender junger Typ. Und ich bin 44 und…

… nur gutaussehend.

(lacht) Ja. Ich bin 44 und gebaut wie ein Security-Typ. Aber mir ist das egal. Wir hatten ein paar Kommentare von Leuten, die sagten, Brian kommt übergewichtig daher und bla-bla-bla. Aber ich versuche euch einen schönen Abend zu bereiten. Ich bin für Reaktionen wie „oh, wow, ich erinnere mich als ich das ’75 gesehen habe“ oder in anderen Fällen „ich habe sie nie sehen können, also wow, ich habe Fotos von The Lamia gesehen“ zuständig aber wenn du siehst wie die Lamia sich um dich herum erhebt, ist es wie „wow, was für ein Anblick“! Wir tun einfach alles, was wir können, um Genesis-Fans eine tolle Zeit zu bereiten. Ich habe alle Perücken und Make-Up, bin für In The Cage oben ohne auf die Bühne gegangen, oder für Cuckoo Cocoon. Ich bin kein physisch topfitter Typ, aber ich fühle mich wie von Freunden umgeben, wenn ich ein Publikum mit Genesis-Fans habe. Ich bin auch nur ein Genesis-Fan. Also ist es mir egal, weil ich mit Freunden im Raum bin.


Welche Songs führst du am liebsten mit den Carpet Crawlers auf, unabhängig von deinen persönlichen Lieblingssongs?

Auf dieser Tour bekomme ich Gänsehaut bei The Brazilian. The Brazilian hat mich jedes Mal umgehauen. Ich finde, dass es eines der unglaublichsten Stücke von Tony Banks ist und oft übersehen wird. Soweit ich weiß, sind wir die einzige Genesis-Tribute-Band weltweit, die The Brazilian spielt. Ich habe es noch bei keiner anderen Band gehört. Weil es eine ziemlich große Aufgabe ist. Man braucht vier Drum Kits, zwei Live-Schlagzeuge und zwei elektrische Schlagzeuge, um es spielen zu können. Ich liebe The Brazilian, ich liebe diese Doppel-Schlagzeug-Sachen. Und dann Afterglow, das haut mich einfach um. Bei Afterglow heule ich fast jeden Abend. Da sind Momente wie Afterglow, Momente wie der Drop-Down bei Domino: (singt) „We held each other near…“ Der Kiefer zieht sich zusammen und du weinst fast wegen der Schönheit dieser Musik. Auf der anderen Seite beim Gabriel-Material ist da The Battle Of Epping Forest, die verschiedenen Charaktere zu spielen, die verschiedenen Stimmen. Ich liebe Get ’Em Out By Friday. Wir haben das auf der Selling England-Tour gespielt und es war großartig, das zu aufzuführen. Supper’s Ready ist eine Meisterleistung. The Lamb, komischerweise liebe ich The Waiting Room auch wenn ich damit nicht allzu viel zu tun hatte. The Waiting Room war live atemberaubend und jeden Abend anders. Und das ist wieder die Belohnung für die Arbeit, die wir da reinstecken. Deine erste Frage war, warum ich das getan habe. Weil wir an manchen Abenden auf die Bühne gehen – und wir denken nie, dass wir Genesis sind, bitte nicht falsch verstehen – aber an manchen Abenden stehst du da mit Gänsehaut, fühlst die Power der Musik und dann schauen wir uns um und sehen einige der Fans weinen. Dann denkst du, oh Gott, wie gut muss es sich angefühlt haben, wirklich Genesis zu sein. Jesus, das ist eine besondere Verbindung. Und wir denken wirklich nicht, dass wir „sie“ sind. Aber mit dem Kontakt, den wir mit dem Publikum herstellen – und wir haben meistens ein großartiges Publikum, egal wie viele kommen – versuchen wir alles, um ein angenehm warmes Gefühl zu erzeugen. Und zusammen, zwischen uns und euch, da sind einige ganz besondere Momente auf der Bühne, jedes Mal!


Zurück zur aktuellen Tour. Wie habt ihr euch diesem Projekt genähert und warum habt ihr die Invisible Touch Tour ausgewählt?

Viele Bands spielen nur die Gabriel-Ära. Und wir machen das auch wie jeder andere. Es ist stimmlich definitiv mein Ding und wir sind natürlich Engländer. Also denken wir, wir singen es mit dem richtigen Akzent und so. So viele andere Bands machen es, aber als englischer Fan hörst du den Unterschied zwischen einem italienischen oder einem franko-kanadischen Akzent. Ich denke einfach, die Phil-Fans verdienen es, das Material auch zu hören. Songs wie The Brazilian, Tonight, Tonight, Tonight und da sind auch ein paar Überraschungssongs in der Show. Es ist schwierig die Phil-Shows durchzuziehen, denn das Niveau der Produktion sprengt einfach jeden Rahmen. Jetzt verstehe ich, warum viele Bands das nicht anpacken wollen, denn wenn du es machst, brauchst du Doppel-Schlagzeuge, du brauchst die Lichtshow. Und ich komme nochmal auf die Eingangsfrage zurück: ich liebe die Herausforderung. Es ist ein bisschen wie, ok, wir haben zwei Jahre The Lamb aufgeführt, davor haben wir Selling England gemacht. Und viele Fans haben gesagt, "ok, ihr werdet Trick Of The Tail machen". Und ich möchte die Leute überraschen. Also dachte ich, wir haben drei Jahre lang die frühen Sachen gemacht. Lass uns den anderen Fans etwas geben, lass es uns umdrehen. Und ich kenne nicht viele Bands auf der Welt, die von The Lamb Lies Down On Broadway in einem Jahr zur Invisible Touch Tour wechseln können, und beides mit fast der gleichen Produktion. Als wir The Lamb gemacht haben, hatten wir die Dias, wir hatten den Slipperman, wir hatten die Lamia, wir hatten den Dummy. Die Lichtshow, die wir auf dieser Tour haben, habe ich selbst gekauft. Sie ist nicht geliehen. Ich habe da richtig investiert. Also bringen wir eine riesige Lichtshow mit. Leute, die Fotos und Videos von unserer Show sehen, sagen "wow, die Lichtshow sieht toll aus. Der Veranstaltungsort muss tolles Licht haben." Aber nein, einige Veranstaltungsorte haben auch großartiges Licht, aber der Großteil der Lichtshow besteht tatsächlich aus dem, was wir zu jedem Club mitbringen.


Mit welchen besonderen Herausforderungen habt ihr bei den Vorbereitungen für diese Tour zu tun gehabt?

Es ist schwerer, als man denkt. Die Leute denken, die Phil-Sachen sind einfach. Es ist verdammt schwer zu spielen und eine komplizierte Sache war wirklich das Licht. Mein Licht-Mann Alec Morris hat Monate an den Vorbereitungen für die Tour gearbeitet. Ich habe in Licht investiert, das gut genug ist, so auszusehen wie Wembley aber das gleichzeitig klein genug ist, um mit uns in den Bus zu passen. Wir können keine zwei Trucks mitbringen. An dem Punkt sind wir noch nicht. Also musste ich eine Show designen, die wie Wembley aussieht, aber in einen Anhänger passt. Und das tut sie. Wir haben ein sehr fortschrittliches System auf der Bühne für den Sound und das Licht. Es ist alles tragbar und sieht enorm aus. Eine andere große Aufgabe war, die elektrischen Schlagzeuge zu bekommen. Ich nutze ein Simmons-Kit wie Phil und Ged hat Trigger wie Chester. Das alles zu bekommen, war schwierig. Es war eine große Herausforderung und die ganze Arbeit wert.


Wann habt ihr mit den ersten Vorbereitungen für diese Tour angefangen?

Vergangenen Januar. Wir hatten einen neuen Gitarristen und dann mussten wir uns auch noch um einen neuen Keyboarder kümmern. Unser Keyboarder Andrew Keegan war familiär und beruflich stark eingebunden und wir respektieren das total. Er ist immer noch in der Band aber er hatte am Ende Probleme, freie Zeit neben Familie und Arbeit zu finden. Also holten wir Raymond Pitt, der schon mit der Band Face Value gearbeitet hat. Wir haben ihn aus dem Ruhestand geholt. Wir verbrachten Januar, Februar und März mit Andrew und mussten dann mit Ray neu starten. Den ganzen Mai bis in den Juni hinein war ich mit The Security Project in Amerika. Und als ich dann im Juni zurückkam, probten wir erneut. Aber im Juli und August haben einige Bandmitglieder Familienurlaub. Ab Mai wurde uns also sehr schnell die Zeit knapp, weil der eine in Urlaub ging und wenn er zurückkam, ging ein anderer in Urlaub. Wir mussten sehr viel proben und sind sehr in die Tiefe gegangen. Viele Bands machen Annäherungen. Für den Gelegenheitsfan mag das gut klingen, aber wir gehen sehr in die Details. Wir versuchen jeden Akkord auf dem Keyboard, jeden Gitarren-Sound, alle Schlagzeugsamples zu bekommen. Und jedes Mal wenn wir dachten, es ist ok, fanden wir mehr und gingen nochmal 5 % tiefer. Es war ein laufender Prozess.


Und ihr bekommt Hilfe von der Genesis-Familie, von Mike Kidson?

Mike ist ein großartiger Freund. Ursprünglich kontaktierte ich Mike, um ihn zu fragen, welche elektronischen Schlagzeuge wir nutzen sollen. Er war Drum-Tech auf der Invisible Touch Tour. Er antwortete sehr schnell und kam dann vorbei, um mich zu treffen. Er ist ein sehr, sehr enger Freund geworden. Und um ehrlich zu sein, er sagte „ihr habt alles getan, ich kann nicht glauben, dass ihr mit den Carpet Crawlers, also mit praktisch zwei Leuten auf die Beine gestellt habt, wofür wir 120 Crewmitglieder und Millionen Pfund zur Verfügung hatten.“ Er sagte, „ihr habt es geschafft.“ Er war so enthusiastisch und voll des Lobes über das, was wir erreicht haben. Er sollte eigentlich mit auf Tour kommen, aber leider haben familiäre Probleme, Krankheit, dazu geführt, dass er nicht dabei ist. Er ist irgendwie Teil der Crew und doch wieder nicht im eigentlichen Sinn, weil er sich zur Ruhe gesetzt hat und damit glücklich ist. Aber er wird nächstes Jahr dabei sein, wenn wir weitere Shows spielen und wir sind täglich in Kontakt. Er sagt immer, er wünschte er könnte dabei sein, weil wir wirklich eng verbunden sind. Ich kann nicht glauben, wie eng ich mit Mike nun befreundet bin. So ein liebenswerter Kerl. Und oje, die Geschichten, die ich alle gar nicht wiedergeben könnte. Er hat zu allem, was du sagst, irgendeine tolle Geschichte mit unglaublichen Musikern parat.


Wir werden auch mit ihm ein Interview machen. Ich sollte ihn heute eigentlich auch interviewen. Er sagte mir, dass er nicht kommt, aber er bot an, eine Frage-Antwort-Session per E-Mail zu machen. Das werden wir also auch haben.

Ja, er ist ein großartiger Kerl!


Apropos Hilfe von Genesis, wo hat euer Bassist und Gitarrist Chris Watt (auf dem Foto ganz links) dieses zeitlose Jackett her, das er auf der Tour trägt? Es sieht genauso aus wie das, was Mike damals getragen hat.

Ich habe einen Schneider in Liverpool, meiner Heimatstadt. Er hat sie gemacht. Daniel trägt das gleiche Jackett wie Daryl. Wir haben sogar eine Firma gefunden, die für uns den Kansai Chief-Aufnäher [Anm. des Autors: Der Aufnäher trägt tatsächlich den Schriftzug „Kansai Officer“, siehe auch das Album-Cover von Daryl Stuermers Steppin’ Out.] reproduziert haben. Daniel hat also die gleichen Aufnäher auf seinem Sakko. Für Tonys Jackett konnten wir den richtigen Stoff nicht finden, aber Rays Jackett ist sehr ähnlich. Und ich trage natürlich ein weißes Hemd und Miami Vice-Hosen. Wie gesagt, wir haben da einen tollen Kerl namens Robbie Davis, ein guter Freund. Er hat viel Zeit in die Herstellung gesteckt. Es ist einfach schön, wenn du sagen kannst, „wow, das die das Rutherford-Jackett.“ Chris sieht nicht aus wie Mike Rutherford, aber wenn du aus 30 Metern Entfernung mit den Augen blinzelst, sieht es aus wie Wembley. Das sind Kleinigkeiten, aber hoffentlich wissen die Fans zu schätzen, wie weit wir gehen, um ihnen noch mehr Gänsehaut zu bereiten.


Lass uns nach alldem Positiven auch über die negativen Seiten dieser Tour sprechen. Was hat dazu geführt, dass ihr einige Termine absagen musstet?

Ich werde nicht zu sehr in die persönliche Ebene gehen, denn das ist nicht so mein Ding. Wir wurden einem deutschen Promoter vorgestellt, der uns ein Geschäft versprach. Er fragte mich nach meiner Kostenplanung für die Tour, die ich immer so niedrig wie möglich halte. Solange ich meine Band und Crew bezahlen kann, bin ich glücklich. Ich mache mit den Carpet Crawlers wirklich nicht viel Geld. Es macht mir einfach Freude. Solange sie alle bezahlt werden, bin ich zufrieden. Also gab ich ihm ein Budget an, das er mir versprach, für jede Show abzudecken. Und dann habe ich das ganze Jahr über tausende Pfund für Licht ausgegeben, die ich niemals zurückbekommen werde. Das sollte er auch gar nicht abdecken. Das waren meine Ausgaben. Aber so wusste ich, dass auf der Tour der Bus, die Band und die Crew abgedeckt sein werden. Ich denke, er hat die Arbeit unterschätzt, die es braucht um die Genesis-Fans zu erreichen. Da war einfach nicht genug Promotion. Und wir bekamen nur ganz wenige Infos. Der Informationsfluss war sehr schlecht. Also bekamen wir nicht viele Updates bis es zu spät war. Und dann fanden wir zwei Wochen vor der Tour heraus, dass es keine oder nur schlechte Vorverkäufe gab. Es ist keine Wissenschaft. Wenn du eine Show ankündigst und die Show ist gut, werden die Leute kommen. Wenn im Vorverkauf zwanzig oder achtzehn Tickets abgesetzt wurden, heißt das, es gab keine Promotion. Wir reden nicht über Raketenwissenschaft. Er hatte es einfach nicht gemacht und um ehrlich zu sein, auf dieser Tour quäle ich mich wirklich, weil ich so erschöpft bin. Ich hatte Stress, weil vor einer Woche die ganze Tour abgesagt war. Und ich hasse es, jemanden zu enttäuschen. Ich habe mich so geärgert. Ich hätte die Fans enttäuscht, das Busunternehmen, die Veranstaltungsorte. Und ich habe alles getan, was ich konnte. Alles was ich gesagt habe, dass ich tun würde, habe ich getan. Ich habe gesagt, ich bringe eine riesige Show mit den Kostümen und ich habe es getan. Es hat mich viel Geld gekostet. Er hat uns enttäuscht, er hat sich selbst enttäuscht und die Fans und viele andere Leute. Das wird mir auf ewig leidtun. Es war sehr schwierig auf dieser Tour. Ich habe mich wegen meiner Stimme gequält, was normalerweise nicht passiert, weil ich völlig erledigt bin, absolut ausgelaugt. Und das zu ertragen ist nicht schön. Ich stehe auf der Bühne und habe diese Last auf meinen Schultern. Ich versuche es zu vergessen. Ich habe dann viel Spaß mit den Fans. Aber ich gehe nicht so energiegeladen auf die Bühne wie sonst. Ich spüre einfach, dass ich so viele Leute enttäuscht habe. Das ist schwer zu verdauen. Alles, was ich unseren Fans in Deutschland sagen kann ist: es tut mir unglaublich leid! Ich würde nie jemandem sagen, was er tun soll, aber so viele Leute haben gesagt, dass sie kommen wollten. Aber der Vorverkauf der Tickets hat das einfach nicht widergespiegelt. Es kann sein, dass jeden Abend zweihundert Leute gekommen wären und an der Abendkasse bezahlt hätten, was toll gewesen wäre, weil die Tickets an der Abendkasse ein bisschen teurer sind. Aber wenn da so gar nichts ist… Wir wollten hoch nach Flensburg, was wirklich eine lange Fahrt ist und der Bus ist so teuer, wenn wir so weite Strecken fahren. Und wenn dann nur zwanzig Leute kommen, ist das Selbstmord. Es ist unmöglich, dass solche Shows funktionieren. Also ja, es war sehr hart. Und es macht mir nichts aus zuzugeben, dass ich mich auf dieser Tour wirklich quäle. Wir steigen in England in den Bus, um nach Europa zu fahren und plötzlich werde ich ganz heftig krank. Ich werde sonst nie krank. Ich kann alles essen, ich habe keinen schwachen Magen. Ich musste mich übergeben und ich denke, es lag am Stress. Und so kann ich es kaum erwarten, dass diese Tour vorbei ist, weil ich spüre, dass ich einfach nicht bei 100 % bin. Ich werde dafür sorgen, dass die Tour nächstes Jahr [2017] fantastisch wird. Diese Shows sind fantastisch. Die Band klingt unglaublich. Ich kämpfe um Energie, weißt du. Daher war es echt anstrengend.


Also habt ihr Pläne, nächstes Jahr in einem vernünftigen Rahmen wiederzukommen?

Nächstes Jahr werden wir mit derselben Show wiederkommen. Sie ist zu groß. Es ist eine zu große Show, um sie nur einmal zu spielen. Es ist das gleiche wie mit The Lamb. Wir haben The Lamb gemacht und wir mussten es einfach nochmal machen. Also werden wir wiederkommen. Wir spielen die komplette Wembley-Show inklusive Cage-Medley und Turn It On Again-Medley. Und wir haben ein paar Bonustracks. Auf dieser Tour hatten wir vier oder fünf Bonustracks. Abhängig davon, wo wir nächstes Jahr spielen, werden wir die Bonussongs ändern. Wir spielen immer das Drum Duet. Man sieht nicht viele Bands, die das machen. Ich bin stolz auf unsere Show. Es war höllisch viel Arbeit aber viel wichtiger sind die Leidenschaft und der Respekt gegenüber der Band, die wir lieben. Wir alle respektieren Genesis sehr. Wir gehen damit sehr sorgsam um. Wir geben uns sehr viel Mühe, es richtig zu machen.


Da freuen wir uns schon sehr drauf und wünschen euch alles Gute. Vielen Dank dafür, dass du deine Zeit und deine Stimme für uns geopfert hast.

Vielen Dank! Es war mir ein Vergnügen. Die Carpet Crawlers haben keine echten Fans, wenn du zu einer Carpet Crawlers-Show kommst, bist du ein Genesis-Fan. Und wenn du zu einer The Security Project-Show kommst, bist du ein Peter Gabriel-Fan. Wer zu einer The Mick Pointer Band-Show geht, ist ein Marillion-Fan. Ich habe keine Fans, ich habe Freunde. Ich hoffe, dass wir auf der Tour nächstes Jahr viel mehr unserer Freunde sehen werden.


Interview, Transkription, Übersetzung und Fotos: Ulrich Klemt

Links:
Webseite der Carpet Crawlers



 


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