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Ein Interview mit Ali Ferguson

Windmühlen, Musik, Ray Wilson, die Zukunft und die Sterne


Während der letzten Proben für die neue Tournee von Ray Wilson und Stiltskin hatte it Gelegenheit, mit Ray Wilson's Leadgitarrist über dessen eigene Projekte zu sprechen und natürlich besonders über sein brandneues Album The Windmills And The Stars.


it: Die meisten unserer Leser wissen über dich nur, was sie auf Facebook und ähnlichen Seiten gefunden haben. Ich möchte deshalb mit ein paar grundlegenden Fragen anfangen, wo du herkommst und was du beruflich machst?
Ali Ferguson: Ich komme aus Schottland, aus einer kleinen Stadt namens Dunfermline, nicht weit von Edinburgh, gleich am anderen Ende der Brücke [über den Firth of Forth]. Vor Dunfermline liegt ein winziges Dorf namens Crossford. Da bin ich zur Welt gekommen und aufgewachsen. Ein sehr kleiner Ort.

it: Und welchen Beruf hast du gelernt?
Ali: Ich habe nie einen normalen Beruf gehabt. Ich habe immer nur Gitarre gespielt. Ich bin aufgewachsen, ging zur Highschool, und bin von der Highschool an die Musikhochschule gewechselt. Einen normalen Job habe ich nicht gemacht, ich habe immer in Bands gespielt und für verschiedene. Leute.

it: Dann bist du also Musiker, und das ist auch dein Beruf?
Ali: Ja. Es ist ein ordentlicher Beruf, glaube ich [lacht]. Viele Leute sind da anderer Meinung.

it: Wann hast du angefangen, Musik zu machen?
Ali: In sehr jungen Jahren. Ich bin in eine sehr musikalische Familie hineingeboren worden. Mein Bruder ist Berufsmusiker. Er spielt Bratsche, klassisch, und jeder in meiner Familie spielte ein Instrument. Als ich fünf war, habe ich mit dem Cello angefangen. Von fünf bis 17 habe ich Cello gespielt. Das überlappte ein wenig mit dem Gitarrenspiel, das ich mit 15 angefangen habe. Also, sehr früh.

it: Dann hast Du begonnen in Bands zu spielen. Waren das schon ernsthafte Gruppen oder Freizeitbands?
Ali: Die erste Band war – Ich bin, wie gesagt, in Crossford groß geworden, einem kleinen Dorf, aus dem auch einige Mitglieder von Nazareth kommen, der Hartrockband...
it: Love Hurts.
Ali: Genau die. Ich bin mit den Söhnen des Bassisten aufgewachsen. Als wir gerade mal 14 oder 15 waren, haben wir eine Band gegründet. Wir sind herumgegangen und haben in Kneipen gespielt, in die wir sonst wegen unseres Alters noch gar nicht hineingedurft hätten, bei Schul- und Wohltätigkeitsveranstaltungen und eigentlich überall, wo man uns haben wollte. Wir haben Lynyrd Skynyrd gespielt, Jimi Hendrix und Pink Floyd, nur Coversongs. Alles zum Spaß, wir waren ja erst 14 – das war alles nur Spaß. Ich glaube, dass alle von uns in der Band danach an die Musikhochschule gegangen sind und dass die meisten immer noch ihr Geld mit Musik verdienen. Das lag uns wohl im Blut. Dunfermline und Crossford waren besonders, weil es so kleine Städte waren, die aber eine gute Musikszene hatten. Big Country kommen auch aus Dunfermline. Da hat es schon immer eine starke Musikszene gegeben.

it: Wie hast du dann Ray kennengelernt und den Job bei ihm bekommen?
Ali: Lawrie und Ashley [Macmillan] kommen auch aus der Nähe von Dunfermline – wir haben zusammen gespielt. Wir haben uns nicht so richtig gut gekannt, aber wir wussten voneinander, und als Ray einen Gitarristen für seine Band suchte, hat er Lawrie und Ashley gefragt, ob sie jemanden empfehlen könnten, und da haben sie freundlicherweise mich erwähnt.

it: Warst du der einzige Kandidat?
Ali: Das weiß ich nicht! [lacht] Da musst du schon die anderen fragen.

it: Wie hast du dann Ray kennengelernt und den Job bei ihm bekommen?
Ali: Ich bin [mit Lawrie und Ashley] mitgekommen, habe Ray getroffen und ein paar Stücke mit ihnen gespielt. Ich bin ihm eigentlich schon etwa ein Jahr vorher begegnet, bevor die beiden mich empfohlen haben. Damals wurde nichts daraus und ich glaube, Steve kam zurück und spielte dann auf der Tour, für die Ray mich gefragt hatte. Ein paar Jahre darauf verließ Steve die Band wieder und er [Ray] kam auf mich zu und bat mich mit ihm zu spielen. Das war genau vor der World Of Genesis-Tour, die wir in England durch Theater gemacht haben.

it: Du hast dann Steves Rolle in der Band übernommen, als er wegging. Jetzt ist er ja natürlich wieder da. Wie teilt ihr euch in die Gitarrenarbeit? Habt ihr unterschiedliche Stile? Wie siehst du das als Gitarrist?
Ali: Steve hat die Akustikshows mit Ray gespielt. Das haben immer die beiden gemacht, über viele Jahre. Das war für sie das Natürliche. Ich glaube, wenn wir in der Band spielen und nur wir zwei da sind, spiele ich die meisten Hauptteile und Steve vor allem Rhythmusgitarre und singt im Hintergrund. Es ist, glaube ich, ziemlich offensichtlich, wer was spielen wird. Ich mache vor allem Leadgitarre. Und … drei Gitarristen zu haben ist toll.


1it: Aber auch du hast mit Ray zusammen eine Zeitlang akustisch gespielt.
Ali: Stimmt.
it: Das wird zunehmend vermisst, weil die Shows sehr gut waren...
Ali: Ist das so? Ja, es waren schon gute Shows. Ich glaube, er [Ray] möchte alles frisch halten und verändern, die Besetzungen und die akustischen Sachen. Ich musste mich aus den akustischen Gigs zurückziehen, weil ich so viel von Zuhause weg war. Ich hatte damals ein Baby, und da war dann der Punkt erreicht, an dem ich zu viel weg war und das aufgeben musste. Das war etwa in derselben Zeit, als das Genesis Classic-Projekt sich abzeichnete. Da lag es dann auf der Hand, die Akustikkonzerte aufzugeben und … Du weißt ja, wie es mit Ray ist, er ist ständig auf Tour [lacht].

it: Er ist immer 'unfulfilled'.
Ali: So ist es. Er hört niemals auf.

it: Du hast Wish You Were Here von Pink Floyd in sein Liveset gebracht, und du singst das Stück auch selbst. War das deine Idee?
Ali: Das war eigentlich Rays Idee. Ich glaube, er wollte eine Pause haben. Er hat ja auch ein Stück eingebaut, das Steve singt. Er wollte wohl, dass auch jemand anders noch singt, weil es eine Dynamik in die Show bringt.
it: Damit er sich mal erholen kann.
Ali: Möglicherweise. Im Grunde hat er nur gefragt: „Was würdest du singen, wenn ich dich bitten würde, ein Cover zu singen?“ und ich meinte: „Naja, Wish You Were Here wäre das Richtige.“ Das Stück habe ich immer schon gesungen, es ist eins von meinen Lieblingsstücken, und es passte auch gut in das akustische Set, als wir damit angefangen haben. Für die Akustikshows war das sehr schön. Ich glaube nicht, dass wir es jetzt spielen werden. Damals fügte es sich gut in das Konzept ein.

it: Du hast in so vielen verschiedenen Lineups mit Ray zusammen gespielt. Hast du da eine Lieblingsbesetzung?
Ali: Das schwankt immer. Manchmal macht es Spaß, richtig hartes Zeug zu spielen, sowas wie die Sachen, die wir heute spielen. Das macht Laune. Aber ich bin eigentlich eher ein entspannter Mensch und manchmal ist mir das dann alles zu viel. Ich bin auch ein großer Fan von Genesis, ich mag auch klassische Sachen. Ich mag die Streicherpartien; ich komme eben aus einem Familie mit viel klassischer Musik. Es wechselt eben immer. Jedes der Projekte hat seine Stärken.

it: Wann hast du angefangen, eigene Stücke zu schreiben?
Ali: Angefangene eigene Stücke zu schreiben habe ich … nicht so lange her, ein paar Jahre, vielleicht fünf oder sechs. Wir hatten einen Schub, als wir so 14, 15 Jahre alt waren, aber wir haben nicht viel gute Sachen geschrieben. Ernsthaft zu schreiben habe ich angefangen... Ich habe viel geschrieben, und ich war in einer eigenständigen Band mit den Agnewbrüdern, und habe da vieles geschrieben, vieles mit ihnen zusammen. Danach ist es erst so sechs oder sieben Jahre her, dass ich angefangen habe, eigene Sachen zu schreiben – nicht richtige Stücke, aber meine eigene Musik, Instrumentalsachen und die Ambient-Sachen, von denen ich ein großer Fan bin.

it: Welches Stück ist denn das älteste auf dem Album?
Ali: Das älteste.... da gibt es einige, die ich schon länger geschrieben hatte. [schweigt nachdenklich] Gute Frage. Ich glaube, Coincidence Is No Accidence dürfte das älteste sein.
it: Mein Lieblingsstück.
Ali: Das sagen die meisten. Es ist auch das Stück auf dem Album, das am ehesten ein Lied ist.
it: Flickering Gold und Bending Bullets doch auch.
Ali: Stimmt. - Ich glaube, das war das erste Stück, das ich vor längerer Zeit geschrieben habe. Es hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert.

it: Dein neues Album ist nun offensichtlich dein erstes. Siehst du es als einmaligen Versuch?
Ali: Nein, nein. Ich möchte gerne damit weitermachen. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob sich irgendjemand dafür interessieren würde. Wie sich zeigt, ist das der Fall; das ist also toll. Ich nehme immer kleine Sachen auf meinem Telefon auf und merke sie mir. Und das zweite wird nicht so lange dauern. Versprochen.

it: Welche Idee verbirgt sich hinter dem Albumtitel? Windmühlen und Sterne haben doch nicht so viel gemeinsam?
Ali: Das war der erste Titel, der mir eingefallen ist. Die Windmühle – wir haben ziemlich viel Zeit damit verbracht, in Tourbussen und Transportern quer durch Europa zu fahren, und ich habe eine Menge Ambientmusik gehört, während wir gefahren und gereist sind. Wahrscheinlich habe ich irgendwann unterwegs Brian Eno gehört und die Rotoren eines Windparks gesehen. Daher kommt der Titel, glaube ich.


2it: Also steht dahinter kein Konzept, das in den Stücken wieder aufscheint, oder ein Geheimnis, das du versteckst?
Ali: Nein. Aber das ist eine tolle Idee. Gefällt mir. Das mache ich nächstes Mal, so ein kleines verstecktes Etwas. - Also, nein, eigentlich nicht. Es gibt ein kleines bisschen Konzept, aber es ist kein zusammenhängendes Konzeptalbum wie Dark Side Of The Moon.

it: Es klingt ein bisschen nach Pink Floyd.
Ali: Das lässt sich nicht vermeiden. Sie sind meine Helden.

it: Bist du mit den Reaktionen zufrieden, die du bisher erhalten hast?
Ali: Sehr!
it: Was kam an Kritik zurück?
Ali: Die Kritik war, was ich erwartet habe: Das Album hält vielleicht zu sehr an einem einheitlichen Tempo fest, was … naja, es ist eben so ein Album. Manche Leute mögen keinen Vogelgesang. Ich finde ihn toll. Im Ganzen waren die Reaktionen aber fantastisch. Sehr positiv. Viel besser als ich erwartet oder zu hoffen gewagt hätte. Alle Leute, die ich wegen des Albums angesprochen habe, waren sehr interessiert, haben mich sehr unterstützt und mir geholfen.

it: Du hast das Album bei Bandcamp veröffentlicht. Benutzst du diese Plattform, um es einfach zu halten?
Ali: Ja. Bandcamp wird ja immer größer. Es ist ein sehr einfacher und geradliniger Weg, auf dem unabhängige Künstler ihre Musik veröffentlichen können. Es gibt keinen Mittelmann. Sie nehmen – ohne Mittelmann – Bandcamp bekommt 15%, glaube ich, von jedem Kauf, und der Rest geht direkt an den Künstler.
it: Das ist ja genau umgekehrt wie bei iTunes!
Ali: Genau, ja. Ich habe das Album auch bei iTunes eingestellt, weil die Leute erwarten, dass es dort verfügbar ist, aber Bandcamp ist viel besser für den Käufer und den Künstler. Eine wirklich gute Seite. Ich bin sehr beeindruckt. Man kann da auch richtige CDs oder T-Shirts verkaufen.

it: Wirst du das Album auch auf CD veröffentlichen?
Ali: Das habe ich in der Tat vor. Genau genommen ist das Album, während wir hier miteinander sprechen, gerade im Presswerk, und ich sollte bis nächsten Dienstag eine limitierte Serie davon haben.
it: Also erstmal nur 200.000 Exemplare...
Ali: Genau, 200.000, erstmal klein anfangen (lacht). - Nein, es ist einfach sinnvoll, die CDs bei den Konzerten am Merchandising-Stand zu haben. Mir geht es ja genau so – ich habe auch lieber die CD in der Hand als einen Download. Ich habe nur einfach keine großen Gelder hinter mir oder eine Plattenfirma. CDs zu pressen kostet Geld. Daher war es schon sinnvoll, das Album erstmal nur als Download anzubieten.

it: Auf deinem Album gibt es Musiker, die denen, die dich nur von Ray Wilson her kennen, noch nicht bekannt sind. Magst du sie uns kurz vorstellen?
Ali: Gerne. Da ist erstmal Lawrie, der ja wohl bekannt ist. Er spielt Bass auf einem Stück. Auf allen anderen Stücken kommt der Bass von Chris Agnew, dem Sohn von Pete Agnew (von der Band Nazareth). Ihn kenne ich seit … Wir sind mit zwei Tagen Abstand im selben Krankenhaus zur Welt gekommen, und seitdem beste Freunde. Meine ganze Jugend über habe ich Musik mit ihm gemacht, deshalb war es für mich selbstverständlich, dass er auf dem Album ist. Liam Saunders ist ein Keyboarder, der auch aus der Gegend von Dunfermline kommt, und mit dem ich auch aufgewachsen bin. Ich habe ihn geholt. Ich bin kein Keyboarder, ich kann kein Klavier spielen. Kleinere Teile habe ich bei den Ambient-Sachen selbst gespielt, aber wenn es um richtige Klavier- oder Orgelpartien, also Hammondorgel-Partien geht, fand ich, sollte ich mir jemanden holen, der das richtig kann, also habe ich Liam gebeten, das zu tun. Kim [Shepherd] singt in einer Band, bei der auch Lawrie zuhause spielt. Sie ist die Frontfrau in der Band, in der auch er ist, und sie hat eine schöne Stimme. Ich brauchte eine Frauenstimme für den Hintergrundgesang auf einigen Stücken. Sie hatte Zeit. Ich glaube, das waren sie alle.

it: Was ist mit dem Schlagzeuger?
Ali: Der Schlagzeuger, ja, der ist ein guter Freund von mir. Den kenne ich schon seit Jahren [lacht]. Also eigentlich, seltsamerweise – du hast ja offensichtlich gemerkt, dass auf dem Album kein echtes Schlagzeug ist. Die Drums habe ich selbst mit einer Anwendung programmiert. Sie heißt EZdrummer, und Ray hat sie früher auch schon benutzt. Kurioserweise ist derjenige, der alle Samples für das Programm eingespielt hat, Nir Z. Na bitte! Er nimmt all diese Sounds auf. Auch damit verdient er sein Geld.

it: Vermutlich hast du dich aus praktischen und finanziellen Gründen gegen echtes Schlagzeug entschieden?
Ali: Ja. Beides. Vor allem aus praktischen Gründen. Ich habe viele Freunde, die toll Schlagzeug spielen. Sie wären bestimmt so großzügig gewesen und hätten das gemacht. Aber um ein echtes Schlagzeug aufzunehmen, braucht man ein Studio, ein richtiges Studio und die richtigen Mikrofone. Zu der Zeit, als ich das Album eingespielt habe, zwischen den Touren mit Ray und wenn ich zuhause rumsaß, war mein Studio eben immer gerade dort eingerichtet, wo ich meinen Computer hatte. Ich mag die Loops, diese Schlagzeugloops. Da gibt es tolle Sachen, weißt du, so wie Peter Gabriel es auf Secret World und so gemacht hat, mit drei Loops. Ich mag diesen Sound, also hat mir das ehrlich gesagt nie Sorgen bereitet. Es wäre natürlich schon lustig, die Stücke mit einem echten Schlagzeuger zu spielen. Ich möchte immer einen echten Schlagzeuger live haben.


3it: Du hast das Album deinem Vater gewidmet. Gibt es eine Geschichte dahinter, die wir hören dürfen?
Ali: Ach, das ist keine große Geschichte. Mein Vater starb, als ich noch klein war – ich war damals sieben – aber ich empfinde ihn immer noch als einen Einfluss. Er hat kleine, örtliche Orchester dirigiert und sang im Chor; in gewissem Sinne ist es also seine Schuld, dass da in meiner Jugend immer Musik war. Deshalb fand ich es angemessen, das Album ihm zu widmen.

it: Inzwischen bist du selbst Vater geworden. Ist es schwierig für dich, auf Tour und gleichzeitig Vater zu sein?
Ali: Das ist es. Ja, das ist sehr schwierig. Es gibt da eine feine Grenze, denn, wie gesagt, ist das alles, was ich jemals gemacht habe, der einzige Job, den ich je hatte. Aber es wäre schön, mehr Zeit zuhause zu verbringen.

it: Deine Familie mitzunehmen ist keine Möglichkeit?
Ali: Im Moment nicht. Die Transporter sind nicht groß genug. Sobald wir unseren Privatjet haben, können sie mitkommen.

it: Möchtest du auch Solokonzerte geben, wenn das Album erfolgreich ist?
Ali: Sicher, das wäre toll. Wenn es Leute gibt, die das hören wollen, würde ich es gerne tun. Darüber würde ich auf jeden Fall nachdenken; ein paar Konzerte daheim und ein paar hier, falls es jemanden interessiert.

it: Diese nächste Frage ist ein bisschen merkwürdig. Wenn du ein Duett aufnehmen müsstest und könntest dir drei Duettpartner wünschen, wen würdest du wählen?
Ali: Puh, das ist schwierig. Zum Singen oder Gitarrespielen? Zum Singen... [überlegt] Darf niemand zu Gutes sein, sonst sehe ich schlecht aus. Hmmm... Ich glaube, ich muss mal drüber nachdenken und komme später darauf zurück.

it: Hast du schonmal überlegt, aus Schottland wegzuziehen, wo du jetzt so viel in Polen und Deutschland tourst?
Ali: Ich habe darüber schon nachgedacht umzuziehen, aber nicht nach Polen oder Deutschland. Wir würden nach Schweden ziehen, weil meine Frau Schwedin ist und wir dort Familie haben. Die Antwort lautet ja, aber – ich mag Polen und ich mag Deutschland, aber dort hinzuziehen wäre unsinnig, weil wir beide von unseren Familien wegziehen würden.

it: Machst du auch in England Werbung für dein Album oder konzentrierst du dich auf das Umfeld von Ray Konzerten?
Ali: Ich versuche so viel Werbung wie möglich zu machen. Ich nutze Onlinemedien, Facebook und E-Mails. Von einer holländischen Progrock-Seite bin ich positiv besprochen worden, auch von einer dänischen. Es gibt also schon Leute, die das Album in verschiedenen Ländern gehört haben. Es scheinen bevorzugt Progrock-Webseiten zu sein, die das Album aufgreifen – natürlich wegen Rays Verbindungen und so.

it: Hast Du für Dich eine bestimmte Erwartungshaltung, zum Beispiel, wieviele Downloads du haben möchtest? Und dürfen wir wissen – ohne dass jetzt Zahlen genannt werden – ob die Akzeptanz diese Schwelle schon erreicht hat?
Ali: Ehrlich gesagt hatte ich gar keine Vorstellung, wer das kaufen wollen könnte oder wie viele Leute es kaufen würden. Es waren jetzt nicht Tausende und Abertausende, die sich das Album geholt haben, aber allein die Tatsache, dass es jemand gekauft hat, dass sich jemand dafür interessiert … Ich habe das gemacht, weil es mir gefällt. Darum geht’s. Und es freut mich, dass es anderen auch gefällt, wie sich herausstellt. Nein, ich hatte keine Erwartungshaltung und ganz sicher auch keinen Zielwert, den ich treffen wollte. Aber es ist schön, dass es sich ein paarmal verkauft hat und mir ermöglicht, von dem Album ein paar CDs zu pressen. Entwicklung – vielleicht ist das die Idee.

it: Mit Ray Wilson hast du Frequency für sein Album Propaganda Man geschrieben. Ist das eher zufällig passiert, oder hattet ihr beide diese Absicht?
Ali: Wir haben Grundgerüst dafür gelegt, als Ray noch in Edinburgh wohnte, in seinem Haus. Wir waren einige Sachen durchgegangen für das, was sich später als das Propaganda Man-Album entpuppte, und er fragte, ob ich noch etwas hätte. Ich hatte die erste Strophe und die Akkorde für den Refrain glaube ich, und er kam dann mit der Melodie für den Refrain an und daraus hat es sich dann eigentlich ergeben. Ich glaube, er hat die Teile mitgenommen, sich hingesetzt und ein paar Worte für die zweite Strophe geschrieben...


4it: Das war also kein fertiger Song, der vielleicht für The Windmills And The Stars vorgesehen war?
Ali: Nein. Zu dem Zeitpunkt – Ich habe die Angewohnheit zu schreiben, keine Lieder, nur kleine Stückchen einer Zeile hier und da, und nehme das dann mit meinem Telefon auf und den Refrain dann irgendwo anders. Ich muss mich dann hinsetzen und alles einzeln durchhören und denke mir dann „Ohja, daran erinnere ich mich.“ Auf meinem Telefon habe ich so um die 50 verschiedene Aufnahmen. Ich habe keine Ahnung, was das im Einzelnen ist, aber ich werde mich hinsetzen, alles anhören, aufheben, was gut ist und den Rest wegwerfen.

it: Wie ist es mit den Songtexten? Fallen sie dir leicht oder findest du es schwer, dir welche auszudenken?
Ali: Sie fallen mir nicht leicht, nein. Die Stücke auf The Windmills And The Stars sind ja nicht besonders wortgewaltig, sie enthalten ja nicht haufenweise Text. Ich neige dazu … Ray erzählte mir mal, er schriebe – er sprach über Phil Collins, dass er genauso mit Genesis geschrieben hätte. Zuerst wäre die Musik dagewesen, und die Melodie würde sich entwickeln und er würde einfach singen, irgendwelche Wörter vor sich hinmurmeln, die sich schließlich irgendwie zu Lyrics formen würden. Ich mache das auch ein bisschen. Coincidence Is No Accidence hat sich beispielsweise aus dieser Zeile ergeben. Ich hatte diese Wendung im Kopf und habe den Text davon ausgehend geschrieben. Aber jedes Stück ist anders. Ich würde jedenfalls nicht sagen, dass es leicht ist. Die Wörter entströmen mir jedenfalls nicht, ganz entschieden nicht.

it: Wie findest du Rays neues Album [Unfulfillment]? Wie stark warst du an den Aufnahmen beteiligt?
Ali: Rays neues Album... Ich finde, das hat er richtig gut gemacht. Beim Schreiben war ich diesmal nicht so sehr beteiligt. Viele von den härteren Sachen sind von Uwe, wie bei SHE, und von Peter Hoff. Er hatte schon einige Sachen geschrieben. Es war eher so, dass er die Stücke hatte oder die Musik, dass er die Texte und die Melodien dazu geschrieben hat. Und dann hat er mich dazu geholt, damit ich meine Sachen obendrauf spiele und Ideen für die Gitarre entwickele und Gitarrenpartien und kleine Tricks und Melodien. Das war ziemlich schön. Ich mag es, für sowas im Studio zu sein und mir spontan Dinge einfallen zu lassen. Das Problem ist nur, dass ich jede Menge Gitarrenstücke einspiele und mich dann nicht mehr erinnern kann, was ich gespielt habe. Ich muss dann den Schritt zurück machen und alles, was ich gespielt habe, neu lernen. Ich habe sie nur einmal gespielt. Ich spiele niemals dasselbe zweimal.

it: Wie bei Mike Rutherford. Der hat auch Daryl Stuermer, der ihm sagt, was er gespielt hat.
Ali: Genau! Man stellt einfach jemanden dafür ein, dass er einem sagt, was man spielt.

it: Hast Du noch andere Projekte im Rohr, oder vielleicht andere Bands, mit denen du spielen möchtest?
Ali: Nicht mehr so viele. Ich möchte mich jetzt ganz gerne auf meine eigenen Sachen konzentrieren. Das scheint mir das Richtige zu sein. Wenn ich wieder zurückgehen und neue Sachen aufnehmen kann, dann wäre ich schön blöd, wenn ich nicht aufbauen würde auf dem, was ich angefangen habe. Und ich werde auch mit Rays Projekten weitermachen. Ich habe mit einigen anderen Leuten daheim gespielt, aber nicht so regelmäßig – es kann ja auch nicht regelmäßig sein, wenn ich ständig mit Ray auf Tour bin. Nichts anderes. Ich habe noch ein paar gemeinsame Stücke unterwegs mit einem klassischen, naja, nicht wirklich klassischen – mit einem Klavierkomponisten in Schottland. Wir werden gemeinsam etwas im Bereich Ambient machen. Das sind wieder Sachen, die ich mag, aber von denen ich nicht weiß, ob andere sie auch mögen werden.

it: Wenn man sich dein Album anhört, merkt man ziemlich deutlich, wer deine Musik beeinflusst hat. Ich hatte dir ja meine Vermutungen im Vorfeld schon geschickt...
Ali: Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen, finde ich. [lacht]

it: … aber vielleicht möchtest Du selbst erzählken, wer deine Lieblingsbands und -musiker sind.
Ali: Naja, Pink Floyd ist ja offensichtlich. Ich war vermutlich ein seltsamer Jugendlicher. Ich bin mit der Musik aufgewachsen, die mein Bruder hörte. Pete Agnew war auch ein großer Einfluss. Da gab es auch immer noch The Band und Little Feat, Soul- und Rocknummern, die Allman Brothers, Lynyrd Skynyrd, solche Sachen. Mein Bruder mochte auch die Dire Straits und ähnliches. Und dann habe ich Hendrix entdeckt. Also, der war ein großer Einfluss. Stevie Vaughan – das war noch bevor ich Pink Floyd entdeckte, aber durch ihn bin ich auf Floyd gekommen. Und Peter Gabriel war ein großer Einfluss. Später kamen dann jüngere Bands dazu, Sigur Ros... Viele Ambient-Sachen habe ich erst im Nachhinein entdeckt, als ich sie viel später entdeckte. Brian Eno machte diese Musik ja schon seit Jahren, aber ich hatte sie als Teenager eben nie gehört. Dann bin ich eben darauf zurückgekommen und habe diese Ambience-Serie entdeckt. Daniel Lanois war ein großer Einfluss, der Produzent von Peter Gabriel und verschiedenen anderen Leuten. Und dann bin ich ein großer Fan von Joseph Arthur geworden, und dazu das Interesse an Drumloops – da gibt es einfach so viele Sachen.

it: Joseph Arthur ist ziemlich abgedreht. Er malt auch schonmal Bilder auf der Bühne...
Ali: Ja, total. Das mag ich. Merkwürdig. Aber es gefällt mir.

it: Und er veröffentlicht vier CDs in einem Jahr, wenn ihm danach ist.
Ali: Und dann keine einzige im Jahr darauf.

it: Ich glaube, damit sind wir ziemlich durch.
Ali: Ich denke, wir haben so ziemlich alles abgedeckt. - Ich bin dir aber die Antwort auf die Duettfrage schuldig geblieben.

it: Das ist schon in Ordnung, Ali. Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Christian Gerhardts.

Transkript und Übersetzung: Martin Klinkhardt







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